Der verführerische Fremde in dunklen Gassen: H.P. Lovecrafts „Er“

Bouquinist

Heute sehen wir uns die Story „ER“ etwas genauer an. Sie wurde im August 1925 geschrieben und im September 1926 im Weird Tales Magazine veröffentlicht.

Weiterlesen

Die Stadt der singenden Flamme

Bouquinist

Diese Geschichte, 1931 zum ersten Mal publiziert, drückt sich kunstvoll vor einer schlussendlichen Interpretation. Die möglichen Auslegungen erhöhen stattdessen das Fragenpotential gegenüber einer Natur, die von der menschlichen Fantasie herausgefordert wird. Die bedingungslose Ästhetik, psychologische und metaphysische Tiefen, die auf direktem Wege die Erfahrung stärkster Sehnsüchte zulässt, die hinter der Alltagsrealität liegt und die für gewöhnlich nur halb wahrgenommen werden können.

Dies nur mit dem Begriff einer transdimensionalen SF-Geschichte zu etikettieren würde Smiths besondere Sicht auf die Frage auslassen, die eine kreativ-nihilistischen Brücke schlägt zwischen verschiedenen Bereichen des geteilten Raums an einem gleichen Ort, getrennt nur durch unterschiedliche Quanten. Sphären also, die Raum miteinander teilen, sich gegenseitig aber nicht wahrnehmen. (Everetts Viele-Welten-Theorie kam erst in den 50er Jahren auf).

Das weltenverbindende Element ist in dieser Geschichte eine Flamme, die eine hochfrequente Musik aussendet. Diese Musik wahrzunehmen, bedeutet, die Fähigkeit einzubüßen, das Leben in der Art und Weise weiterzuführen wie vorher. Intelligente und neugierige Wesen aus einer Vielzahl von Parallelwelten suchen diese Flamme auf, um sich in sie zu stürzen.

Weiterlesen

Gotham – Die Comicverfilmung

Gotham läuft unter der Prämisse ‚Was wäre, wenn?‘ Also: was wäre, wenn Jim Gordon derjenige war, der als junger GCPD-Rookie die Morde an Thomas und Martha Wayne untersucht hat? Dabei versucht die Serie, einige Figuren neu zu beleuchten und Beziehungen unter ihnen mitsamt den bisherigen schwarzen Flecken im Batman-Universum aufzudecken.

Den Kern aber bildet der junge Kriegsveteran Jim Gordon, der in Gotham in den härtesten Bezirk versetzt werden will und Detective Harvey Bullock. Die beiden haben es mit dem Mord an einem reichen Ehepaar im Theaterviertel zu tun. Als Bullock erfährt, wie berühmt die Opfer waren, will er den Fall erst nicht, aber es ist bereits zu spät, und von diesem Punkt an finden sich die beiden verwickelt in der komplizierten Unterwelt der Stadt wieder.

Weiterlesen

Im Hause des (Beat 2)

… GEWASCHEN HATTE ER SICH IM TRUNKENEN BILDE DER NACHT EIN STÄNDCHEN DARZUBIETEN UNTER DEM RIESELNDEM FLIEDER DER SCHÖNEN BÄUERIN VERMACHTE DEN WEBERKNECHTEN IHRE ALTE PUPPENSTUBE FAND MAN JAHRHUNDERTE SPÄTER AUF DEM MOND GRÜNDETEN BIENENFRAUEN EINEN NEUEN STAAT AUF EINEM PAPIERFLIEGER ZU ERRICHTEN WÄRE DOCH KONSEQUENT INS FEUER ZU STARREN LIEBTE SIE MICH DOCH NUR SO WIE ICH SIE LIEBTE EINEN ANDEREN HANS DU HAST DIE GANS GESTOHLEN HATTE ER IHR NICHTS OBSCHON ER IHR PORTEMONNAIE IN DER HAND HIELT WÄHREND SIE NACKT AUF DEM BETT LAG UND SICH VERSUNKEN RÄKELTE SICH CATWOMAN IM TAUBENVERSCHLAG AUF DEM DACH DES HEXENBÜRGERMEISTERHAUSES SICH SATT DIE FEDERN AUS DEM MUND FISCHEND ERWACHTE LISBETH UND ERSCHRAK DOCH SEHR DARÜBER HÄTTE SIE NIE EIN WORT VERLOREN LAG DIE WELT VOR DEN TOREN DER HEITERKEIT WURDE EIN BLUTBAD VERANSTALTET ZU DEM GELADEN WORDEN WAR IN FESTLICHER GARDEROBE ZU ERSCHEINEN UM RECHT BALD DIE SITTE BEI TISCH ZU VERGESSEN DIE EINEN DOCH VERMEINTLICH VOM TIER UNTERSCHEIDEN SOLLTE ER SICH NICHT SONDERLICH HELL HIER IM SCHACHT DER PYRAMIDE DACHTE DER WELTENERKUNDER NOCH BEVOR ER EINSCHLIEF FIEL IHM DIE FRAU MIT DEM KOPF EINER ESELIN EIN DIE IHN AM FLUSS ZU SICH GEWUNKEN HATTE RUPERT DIE GEISTER DIE IHM HINTER IHM IM SPIEGEL ERSCHIENEN IHM ALLE GESICHTER GLEICH DEM SEINEN AUCH DAS SEINER FRAU DAS IHN AN EINEN VOGEL ERINNERTE DER LÄNGST AUSGESTORBEN WIRD MAN UNS AUSGESTOPFT IN EINEM TEMPEL AUF GLIESE 832c BETRACHTEN KÖNNEN WIR UNS EIN ANDERMAL GENAUER UM EIN ANDERES MAL ZU ENTDECKEN ZU VERSUCHEN DAS UNS VERRÄT WAS WIR SIND AUS DEM WASSER GEKROCHEN WIE SCHÖNE REPTILIEN UNS VOR AUGEN ZU HALTEN ES WÄRE ANDERS ENTSPRÄCHE VIELLEICHT NICHT GANZ DER WAHRHEIT KOMMT ES SO NAH WIE NIEMAND SONST MIT SEINEN ZÄHNEN IN DAS FLEISCH DER ZEIT ZU TAUCHEN WIR TIEFER WERDEN WIR UNS VERWANDELN DIE DINGE DIE WIR UNS ERFANDEN GÖTTER DIE WIR UNS ERFANDEN UNS ZU UNTERHALTEN DAMIT WIR FALLHÖHEN UND LEITERN ERFINDEN KONNTEN WIR WAS WIR DENKEN KONNTEN ALLES ANDERE BLIEB UNS UNSICHTBAR WIRD UNTER UNSEREN PRÄPERATEN AUF GLIESE 832c STEHEN ZWEI TÜRME NAH BEIEINANDER SIND SIE KAUM MEHR ZU UNTERSCHEIDEN VOM ANDEREN GESPIEGELT ZU WERDEN ÄNDERT DAS GESICHT KAM MIR BEKANNT VOR DEN ALTAR ZU TRETEN WÜRDE BEDEUTEN SICH WAS ANZIEHEN ZU MÜSSEN UND DEN REISIGBESEN ZU HAUSE ZU LASSEN WIR DOCH DIE SCHERZE …

Im Hause des (Beat 1)

NACHTTEUFEL FILMT TIER MIT ROTEN SCHUPPEN IM HAUS DES VERSTORBENEN SCHNEIDERLEINS ZOG DER HERR DIE GRETE AM HAAR SO SCHÖN BISS SIE IHM SEIN BLUT SAUGTE DAS STICKDECKCHEN AUF SEINEM RECHTEN STIEFEL HINTERLIESS EINE SCHNECKENFROUWE DIE SCHILLERNDSTEN FARBSPUREN DIE ICH JEMALS GESEHEN OHNE MEINE AUGEN ZU ÖFFNEN SAH ICH WIE DAS WEISSE FLAGGSCHIFF IM ROTWEIN DER WANNE VERSANK DAS BLUTJUNGE MÄDCHEN MIT EINEM CYBORG DER HIERONYMUS HIESS ZU LEBZEITEN EINER ANDERS ALS HANS CHRISTIAN HAT MAN IHM DAS SCHAFOTT MIT AIRBRUSH VERSCHÖNERT BEVOR MAN IHN WIEDER UNHELDENHAFT NACH HAUSE SCHICKTE SIE SICH NACHDEM SIE DEN TÜRSTEHER BEI DEN HÖRNERN PACKTE SIND VERABREDUNGEN EINZUHALTEN MIT DEM NACHTTEUFEL IM HAUS DES VERSTORBENEN HERRN FILMT EIN TIER MIT ROTEN SCHUPPEN DIE STIEFEL DES SCHNEIDERLEINS POLIERTE SIE NACKT DAS SILBER UND DECKTE DEN TISCH AUF IHRE WEISE SEHR FESTLICH FÜR DIE GELADENE GESELLSCHAFT DIE SIE AUF EINER FREMDEN HOCHZEIT KENNENGELERNT HATTE ER SIE AUF EINER BDSM MESSE SANG MAN DAS AVE MARIA FÜR DIE TAUBEN GURRTEN WAS VON DER LIEBE VERSTEHST DU MICH DENN NICHT ICH WEISS NICHT WIE MAN DIE LIEBE MACHT UNICA LIEBTE DEN HANS BELLMERS STUDY FOR GEORGES BATAILLES AUFNAHMEN DER TAUSEND SCHNITTE SAH ICH AN EINER FRAU DIE SICH AUSPEITSCHEN LIESS SIE SICH MAGNOLIEN AUF DIE HAUT MALEN KATHOLIKEN DEN EROTOMANEN ALS TEUFEL AN DIE WAND ZU STELLEN WÜRDE IHR GEFALLEN FINDEN AM BRUNNENPLÄTSCHERN IM ZENGARTEN DES HEXENBÜRGERMEISTERHAUSES STEHEN PRÄPARIERT ZWEI JAPANISCHE RIESENKRABBEN JEWEILS EIN MÄNNCHEN UND EIN WEIBCHEN VERSCHLINGEN IHRE SEXUALPARTNER DOCH NUR WENN ES DIE NATUR AUS GRÜNDEN DES ÜBERLEBENS VERLANGT HATTE ER VON IHR NACH SEINEM TAKT UND NUR NACH SEINEM TAKT NACKT ZU MASTURBIEREN WÄHREND ER ERHÖHT AUF EINEM STUHL SASS DER MANN MIT DEM ROTEN ZIEGENBART NIE WENN ER KLEIDER FÜR DIE PUPPE SCHNEIDERTE DIE ER ZÄRTLICH GRETCHEN NANNTE MIR DEN NAMEN EINES MANNES DEM ARIADNE DEN RICHTIGEN GRUNDRISS DES LABYRINTHS DES MINOTAURUS AUF DEN OBERKÖRPER TÄTOWIERT HABEN SOLL ER NUR WENN ER SEINE BLOSSEN FÜSSE IN EINE SCHALE VOLL WASSER EINTAUCHEN KONNTE IN DEM SIE SICH ZUVOR DIE HÄNDE GEWASCHEN HATTE …

Herd

Immer wenn ihre Silhouette in die Nacht hinaus schleicht, um das Zentrum der Dinge zu ernähren, verbleibe ich in der Höhle, reduziere das Feuer um das Nötigste, und bange, nichts Unbekanntes möge aus den Wänden brechen. Erst am Morgen werden wir sehen, ob Getier gerissen wurde.

Wir ersetzen es dann schnell, um die Energie der Herde wieder zu vervollständigen. Ihr Tanz wird dieses Wunder offenbaren. Ihre Rückkehr treibt die Dämonen aus. 

Chimäre Ich

Ich habe nur, was ich kann. Bringe mit, wie ich atme. Sonst nichts. Habe nicht einmal mich. Niemand hat irgendetwas. Ich bin absichtslos. Ich habe Bedürfnisse, Sehnsüchte, Ängste und Freuden. Ich habe ein Bild von mir. Das Bild bin nicht ich. Das ist jemand, den ich annehme für mich, und das tue ich nur, weil es jemand anderen gibt, der nicht ich ist, der mir Spiegel ist, dem ich Spiegel bin, der nicht nur sich mitbringt, sondern auch diesen Menschen, den er sieht, wenn er auf mich reagiert. So bin ich etwas, was ich nicht bin. Bin eine Chimäre. Für mich und den Anderen. Nichts sonst. Habe nur das. Weil ich sie sehe durch dich, siehst du deine durch mich. Doch ist eine Chimäre immer eine Chimäre. Der Wunsch eines Werdens, einer durch Austausch erzeugten Annahme von mir. Das ist es, was ich kann, und ich kann es auch nur durch dich, durch deine, die ich sehe, deiner nicht gleich. So habe ich nichts. Habe eine Annahme, habe ein Bild von mir. Meine Bedürfnisse, Sehnsüchte, Ängste und Freuden inkarnieren es.

Habe nichts. Nicht einmal mich. Nur das: Den Wunsch eines Werdens. Das könnte eine Absicht sein, die ich doch nicht haben kann, denn: Die Illusion ist, so sagte Aragon es schon, das Fleisch auf den Dingen. Und so werde ich niemals ganz werden, was ich für mich annehme, sein will. Ich würde zu einer Illusion, in der sich meine Seele löst, wieder einswird mit dem Universum, weil alle meine Bedürfnisse, Sehnsüchte, Ängste und Freuden dann nicht mehr sind. Ich wäre die Ausgeburt meiner Phantasie. Wäre eine Erdichtung. Wäre eins mit dem Universum, wäre Alles und wäre gleichzeitig nicht. Ich wäre wohl heil. 

Subsistenz ( I put a spell on you)

Ich zog meinen Mantel aus, steckte die Hörgeräte in eine der Taschen. Hatte den Tag, jedes Wort nun bewältigt, obwohl ich nichts bewältigen wollte. Nein, ich wollte nichts bewältigen. Auch gingen mich diese Worte nichts an. Ich versuchte wieder etwas fern der Regulierung wahrzunehmen. Meine Ohren haben solchen Dingen immer den Vorzug gegeben. Das Unhörbare wahrgenommen. Das Nichtgesagte. Die stumme Liebkosung, die sich manchmal durch ein labendes Flüstern verrät, zu dem sie wird und so doch zur Welt kommen will. Ich sehnte mich alltäglich nach dem großen Hörverlust, der mich endlich ausgliederte. Ich lief durch den Flur unserer Gespräche. Das dauerte. Dauerte, je mehr ich mich in ihnen verlor. Draußen wuchs Schnelleres. Hier drinnen wuchs ich. Der Teppich dämpfte meine Schritte. Die Muster durchwandelten sich gegenseitig, durchwandelten ihren roten Wirt, formierten sich jedoch gleich wieder, die Energien, die Wärmen, die meine Fußabdrücke hinterließen, zu nutzen, sie zu speichern. Sie wollten nicht den Körper, der in sie schritt. Er gehörte nicht zu ihnen. Hier, wo wir waren, waren wir. Hier wurde der Alltag nicht bewältigt, wurde nichts hart berührt. Wurde nichts unempfänglich gemacht. Hier streiften wir die Dinge mit unserer Anwesenheit. Ich kniete mich ins Rot hinein. Die Wärme gab die Haut wieder frei. Muster leckten sie wach.

Inhalte, Illustrationen, dargestellte Bilder & Fotos sind urheberrechtlich geschützte Werke ihrer jeweiligen Eigentümer*innen.

© 2026 DIE VERANDA | Alle Rechte vorbehalten.