Spuk in Bly Manor / Henry James

Bouquinist

Der etwas unglückliche Titel „Die Drehung der Schraube“ ist wahrscheinlich das umfassendste analysierte Stück Literatur aus den 1890ern. In der Übersetzung von Claudia Rapp wird daraus „Die Schlinge wird enger“ – hier wurde endlich einmal nachgedacht. So gehört sich der Titel übersetzt.

Die Handlung ist nicht etwa spektakulär und einzigartig, soweit es Geistergeschichten betrifft; und trotzdem ist das hier James’ meistgelesene Erzählung. Spuk in Bly Manor ist die genialste Konstruktion einer Geistergeschichte in englischer Sprache. Die große Kraft der Novelle speist sich aus der Untersuchung eines komplexen Netzes aus Zweifeln, die im Hintergrund des Denkens der Hauptcharaktere lauern, und die in vielerlei Hinsicht die Vorbehalte spiegeln, die im Kopf eines Lesers von Geistergeschichten auftreten.

Diese merkwürdige Umkehrung der Beziehung zwischen dem Leser und dem Autor bildet die Bühne für eine Geschichte, die wie eine Matroschka-Puppe funktioniert, die sich Schicht für Schicht auf wenigen hundert Seiten entblättert.

Weiterlesen

Robert Johnson – Pakt mit dem Teufel

Paranormal

Dies ist die Legende von Robert Johnson, einem armen Bluesgitarristen, der um Mitternacht an eine Kreuzung ging und einen Pakt mit dem Teufel schloss, um der beste Bluesmusiker aller Zeiten zu werden.

Tief im Mississippi-Delta, inmitten von Voodoo und okkulten Praktiken, auf einem einsamen Feldweg, fand Robert Johnson nach Einbruch der Dunkelheit zu seinem Talent und veränderte die Musikgeschichte für immer. Der Begriff Crossroads beschreibt wörtlich den Ort, an dem sich die Wege zweier verschiedener Straßen kreuzen. Kreuzungen wurden schon immer mit kulturellem Aberglauben und magischen Einflüssen in Verbindung gebracht. Feen, Hexen, Trolle, Geister und Dämonen sollen sich an weniger befahrenen Kreuzungen manifestieren, um dort ihren dunklen Geschäften nachzugehen. Geisterkreuzungen werden seit langem für das seltsame Verschwinden von Reisenden verantwortlich gemacht. Gespenstische Reiter, dunkle Gestalten und bedrohliche Wesen wurden an einsamen Kreuzungen kurz nach Sonnenuntergang gesehen.

Legenden aus dem tiefen Süden der USA besagen, dass Kreuzungen Orte sind, an denen Pakte mit dem Teufel geschlossen werden können oder an denen Wettkämpfe ausgetragen werden, um Pakte mit einer bestimmten Seele zu schließen. Eine alte Legende besagt, dass die verlorenen Seelen von Selbstmördern an einer Kreuzung gefangen bleiben. In der Nacht von Halloween am 31. Oktober erscheinen die Seelen der Toten und können an der Kreuzung beschworen werden. Die berühmteste Kreuzungslegende stammt aus der Delta-Stadt Greenwood in Mississippi. Jahrhunderts war die Sklaverei bereits seit Jahrzehnten abgeschafft. Doch das Leben im Delta war für die ehemaligen Sklaven und ihre Familien oft ebenso bedrückend wie das Sklavenleben zuvor.

Adam Smith, Photo Guide; Crossroads

Die ehemaligen Sklaven waren freie Männer und Frauen, aber die meisten von ihnen, die um die Jahrhundertwende noch nicht in den Norden gezogen waren, arbeiteten immer noch als Sharecroppers auf den Plantagen der Südstaaten. Sie arbeiteten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf den Baumwollfeldern und verrichteten in glühender Hitze Schwerstarbeit, für die sie fast kein Geld erhielten. In dieser Zeit suchten die hart arbeitenden Menschen nach Möglichkeiten, dem grausamen und quälenden Dasein im Delta zu entkommen. Kirchenlieder, Gedichte und Arbeitslieder wurden zum musikalischen Zeitvertreib. Damals ahnte noch niemand, dass im Mississippi-Delta ein Musikstil geboren wurde, der die Welt revolutionieren sollte. Rhythm and Blues. In den Vororten der Städte entstanden Bars, die Juke Joints. Juke Joins waren Orte, an denen die Feldarbeiter am Wochenende Whiskey tranken, Kontakte knüpften und Blues hörten.

Weiterlesen

Traum vom Gasthaus

5 Uhr 45, und einen Traum im Gepäck.

Ein abgelegenes Gasthaus sollte eröffnen, und als ich mich dort vorstellte, schien mein Charme über meine Kenntnisse gestellt zu werden. Von außen war das Gebäude leicht dem Brutalismus zuzuordnen. Beton und Glas, dabei flach. Im Innern war alles etwas altmodisch, aber es gab eine Musikanlage. Untypisch für ein Speiserestaurant. So weit ich weiß, sollten wir nur zu dritt in diesem riesigen Gebäude arbeiten. Interessant war wieder einmal das Urinal, das außerhalb des Gebäudes mit einem schönen Waldblick versehen war. Man konnte den Notdurft-Verrichtenden unbeschwert aus den großen Fenstern der Gaststube heraus beobachten. Tatsächlich lag das Urinal etwas höher und man pinkelte hinunter auf einen Steinquader. Interessanterweise gab es da auch ein Quadrat, in dem man lümmeln konnte und sich traf, so als wäre in der Nähe ein Schwimmbad. Die Wirtin, ein verlebtes, geschminktes Weib, verstand nicht viel von ihrem Job. Dann gab da diejenige, die sich aus dem Restaurant verzog und lieber in der Buchhaltung arbeitete, obwohl sie sich wahrscheinlich am besten ausgekannt hätte.

So weit, so gut. Interessant waren aber die berittenen Geister, die am nächsten Tag kommen sollten, um alles zu prüfen. Sie kamen durch den Wald geritten, stoisch und ruhig (und einzeln). Ihr Gesicht war wie ein Heckenschnitt anzusehen.

Magie

Literatur ist erst einmal gar nichts. Wir wissen ja, dass es alle Geschriebene umfasst. Literatur ist nicht mündlich, ist im Grunde keine Erzählung. (Wobei nicht alles Mündliche an Erzählungen geknüpft ist und die Erzählung nicht ans Mündliche). Interessant wird das alles erst, wenn wir die Effekte begreifen. Da stehen zunächst nur irgendwelche Krakel, aber dann entsteht Magie. Tatsächlich handelt es sich um nicht anderes als Magie. Literatur ist in jeglicher Erscheinung irrational, ein Konstrukt, dem wir Kategorien zuweisen, die nicht im Geringsten natürlich sind. Magie selbst aber ist natürlich. Des Wortes Träger jedoch ist nicht irgendein angenommener Intellekt, sondern Wasser. Wie gesagt: des Wortes Träger. Ein Wort macht noch keine Literatur; bei einem Satz kann die Sache schon völlig anders aussehen. Jetzt haben wir es nicht mehr nur mit einem Wort zu tun, sondern mit einer Bedeutung (ohne dass ich damit sagen will, ein Wort hätte an sich allein stehend keine Bedeutung, aber um ein Wort zu erklären, benötigen wir durchaus mindestens einen Satz, um den Satz zu erklären einen Absatz usw.).

Da spreche ich jetzt nicht von einem Gedicht, wie ich es schreibe. Ich kümmere ich nicht um eine Erklärung, sondern um die direkte Magie. Um das Wirken von Magie und nicht um den Prozess der Magie, den Worte grundsätzlich auslösen.


Ich bin heute mit halbsieben spät dran und auch nicht gleich zu einem Kaffee gekommen (überhaupt sitze ich erst einmal eine halbe Stunde vor mich hin, bevor ich mich Richtung Küche bewege).

The Mill

Inhalte, Illustrationen, dargestellte Bilder & Fotos sind urheberrechtlich geschützte Werke ihrer jeweiligen Eigentümer*innen.

© 2026 DIE VERANDA | Alle Rechte vorbehalten.