siss kempten

Straßenbau im Neunzehnten Jahrhundert

Haggenmüllerstraße
Haggenmüllerstraße, Kempen (Foto: A. Anders)

Die Bagger werden zwar nicht mehr mit Dampf betrieben, weil die Kessel, in denen er produziert werden kann, mittlerweile kaum noch auf einem Flohmarkt zu finden sind und die Beschaffungskosten astrale Höhen zeitigen, aber das trübt das Gesamtbild nur marginal. Die Zeitreisenden freut es sicherlich zu erfahren, dass Kempten in diesem Jahr damit begonnen hat, sämtliche Straßen und Bürgersteige abzureißen, damit die Bevölkerung sich wieder am Matsch und am naturbelassenen Schlagloch erfreuen kann. Kinder werden ihre Papierschiffe wieder mitten auf der Straße kentern lassen können und auch Pferdescheiße wird bald wieder die glückliche Luft um uns herum erfüllen. Gegenwärtig ist das Pilotprojekt in der Haggenmüllerstraße zu bewundern, und ich kenne niemanden, der nicht vor Aufregung zittert, weil es endlich wieder in ein Jahrhundert voller Sonnenschein und Muse geht. Brechen wir gemeinsam auf.

Ähnliche Beiträge

  • Vor der Erfindung der Pulvermaske

    Geschrieben von A. Anders Aufgrund des Durcheinanders und der Angst,dass die Zeit Haarpulver erzeugen könnte,befinden sich in den Ecken Medaillons und Tröster-Krawatten. Es ist absolut exquisit. In diesem romantischen Kit dreht sich alles darum,elegante Epochen der Vergangenheit zu romantisierenund mit Rosen zu vermischen. Es gehört zur Nostalgic Essence Collection. Sie sehen keine Fälschungen mit angeblicher…

  • Täusche das Auge

    Sagst du denn, ein jeder, der stirbt, der will es auch oder der soll oder der muß, was ist denn der Tod, gegen den wir kämpfen in Ermangelung des Herzens Schau, und ist denn der Tod das Ablegen des Körpers, plötzlich oder vorbereitet oder warum weinst du? oder wissen wir nicht, daß wir das Wasser…

  • Der Gänsehüter

    Der Umstand des Geheimnisvollen führte mich im Angesicht der verschwundenen Welt durch Orte, die diesen Namen kaum verdienten, von denen noch nie eine Menschenseele je gehört. Und sie hießen, hießen alle wie alles heißt. Alle strahlten sie unheimliche Fremdheit aus. Ich starrte hinaus, und ich saß am Bullauge, froh darüber, auf der anderen Seite zu…

  • Das verschleierte Bildnis zu Sais

    Der Krankenwagen trudelt ein und wendet ungestüm. Sein blaues Licht verscheucht die Schneeblindheit. Die weißbraune Grütze tropft aus den Radkästen. Beinahe gleichzeitig trifft ein neuer Funkspruch ein und plappert munter in Michels Volkswagen vor sich hin, der quer über der Straße steht. Die Beamten haben aufgehört, sich um die Bergung zu kümmern und diskutieren gebührlich,…

  • Flamboyant: 4 Maltes Eisenbahn

    Hier wurde bereits viel gesehen. Gespenster blicken aus allen Fenstern, in den Kaminen hängen die Laken der Steckengebliebenen, die Keller überlaufen von dunklen Obsessionen, die ihr Geheimnis ablegten in den Ecken, den Spalieren, unter den Dielen, in einer Truhe unterm Dachgebälk oder im Gedächtnis der Ortschaft. Viel gesehen, viel geschwiegen, vergraben – ausgemerzt. Keiner weiß…

  • Rondo

    Spielt mit den Lumpen derAusgezogenen, um dasFürchten zu lernen : sie, die Kleider pflückt in ihren Korb,darin sich Taubenfedern unterhalten,ein schönes Gespräch davontragen. Der Sackhüpfer kreuzt von links,leistet sich Vorschub, entwischt inden köchelnden Thermen, wieder aufersteht als Seifenblase eines Tagesim Mai, zerplatzt an den Fingernderer, die Kleider pflücken. In ihren Korb.