Tontafelkalender 23 / Neblung / Sonnabend 19

Mit Elvia Wilk bespreche ich letzte Details zu meiner Übersetzung ihres Artikels “Tod durch Landschaft”. So wandern elektronische Briefe zwischen New York und Kempten, und wir kommen der Veröffentlichung Stück für Stück näher.

Darüber hinaus sind wir hier im K’ground mit Ars Acustica beschäftigt. Als ich mich – damals noch in der Schweiz – damit beschäftigte, waren die Klangskulpturen noch eng an meine Texte gehalten, aber Albera hat eine eigenwillige Erzählung im Sinn, die im ersten Take “Hexenwerch” nur Environment Ambience verwendet.

12.03

Avantgardismus ist ein Genre, keine Frage des Stils. Ist es ein Genre für schlechte Schriftsteller? Es ist natürlich leicht, ein mangelndes Talent hinter einem scheinbaren Experiment zu verbergen. Eine konventionelle Geschichte ist hingegen schnell identifiziert. Andererseits geht es bei experimenteller Literatur nie um den Leser, nicht einmal dann, wenn man metafiktional wird. Es geht rein und ausschließlich um den Text. Ich wäre ein lausiger konventioneller Schriftsteller, eben weil mir der Begriff des “Lesers” wie das Synonym für einen Idioten erscheint.

Lese ich in einer Besprechung: “Der Leser …”, denke ich: Aha, der Hundsfott. Tatsächlich war das nicht immer so. Als Leser vor 200 Jahren etwa war man anderen Geistes, heute müsste man von einem “guten Leser” sprechen. Aber die wenigsten wollen das Buch, das sie lesen, schreiben – und verstehen somit ihre Aufgabe nicht.

Floh=Schundbesuch am Sonnabend

Der Flohmarkt an der Kemptener Alllgäuhalle ist genau das, was man in einem Provinznest vorzufinden glaubt. Außen stehen billige Billighändler, die überhaupt nichts mit Floh-Waren zu tun haben und nur ihren Asiaten-Ramsch loswerden wollen, und innen – wo zwischen den Tagen Kühe aller Alters- und Gewichtsklassen verscherbelt werden – stolpert man über Geraffel, das wenig originell ist und besser zum Müllcontainer gebracht worden wäre. Ab und zu findet man dann aber doch eine Kleinigkeit, vor allem kann man Einzelstücke finden, die nur für unsereins interessant sind (da selbstredend nicht vollständig). Heute ging es um Porzellantassen. Albera hat schon recht, wenn sie gerade eben nur auf diese Einzelstücke aus ist, um viele unterschiedliche Stücke präsentieren zu können (die ich wiederum eines Tages gerne in einer Vitrine untergebracht hätte). Die eine Garnitur ist aus Weiden, die andere aus Tirschenreuth, nahe genug also an meinem Geburtsort, um diese irrlichternden Kleinode aufnehmen zu wollen.

Was aber noch viel interessanter ist: Das restaurierte Metropolis für 1 Europa=Mark. Die Kanne haben wir nur zum Spaß dazu=drapiert.

(c) Albera Anders