siss kempten

Der Hexenschuss am Abend

Es ist die dritte Nacht, in der mich die Poltergeister drangsalieren. Heute war es die Hexe mit ihrem Hexenschuss (wahrscheinlich habe ich mir einen Nerv im Steiß eingeklemmt), so dass ich bei jeder Drehung aufwachte. Als ich schließlich den Abort aufsuchen musste – ein Drang, der weißgott nicht zu ignorieren ist, will man überhaupt noch ein Auge zutun – kam ich nicht in die Höhe. Nach einer Viertelstunde hatte ich mich zumindest an der Bettkante aufgesetzt. Es gelang mir, mich in die Küche zu schleppen, um etwas Voltaren aufzutragen und siehe da, es wurde zumindest in der Weise erträglich, dass ich mich Bewegen konnte.

Tagsüber war davon überhaupt nichts zu spüren, das Flanieren über den Flohmarkt an der Allgäuhalle war sogar wieder sehr ertragreich. Drei Plattenstände abgegrast und bei jedem fündig geworden. Selbst Raritäten wie Larry Coryells The Restful Mind waren zu finden. Eine wirklich erstaunliche Entwicklung für Kempten.

Selbst ein kleines Spitzweg-Gemälde fand seinen Umschlag. Der gute alte Biedermeier-Stil – hier der „ewige Hochzeiter“, was ja nun wirklich kein unbekanntes Gemälde ist. Interessant ist die Rahmung, die aus alten österreichischen und schweizer Abbruchhäusern aus dem 16ten bis 19ten Jahrhundert rührt und zusammengesetzt wurde. Leider ist das Gemälde nicht komplett gefasst, sondern nur die Blumengabe an der Treppe. Natürlich ist ein Begriff so gut wie der andere; wenn man bedenkt, dass der Biedermeier vor dem „Realismus“ angesetzt war – eine Epoche, die im Grunde zur Verlogensten überhaupt gehörte (was der Name „Realismus“ ja schon aussagt), ist es kein Wunder, dass in permanenter Unstetigkeit ein Elysium aus Behaglichkeit auch heute noch bei empfänglichen Menschen durchschlägt, vor allem deshalb, weil sich heute mehr das Irrationale und völlig Menschenverachtende des Realismus durchgesetzt hat.

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    Die Schupfentüren knarren auf und zu, die
    Bienen schlafen, die Gänse schlafen, die Häuser schlafen,
    nur ich schlafe nicht

    und so stampfe ich in die fette Dunkelheit des Kellers hinunter
    und bilde mir ein, hier sei die Nacktheit eine Präsenz, die nicht nur
    vom Lummerlicht der Glühlampen repräsentiert wird, vom kalten, grauen Betonboden,
    den Gattern der Parzellen. Sondern von der Vorstellung, dass jeder
    einen solchen Keller auch in sich trägt

    die Verwandtschaft des Körpers mit einem Haus ist nicht nur
    sprichwörtlich als solche zu nehmen. Es spielt keine Rolle, wie viel Uhr es ist,
    denn draußen prasseln die Jahreszeiten vorbei,
    alles ein dunkelgrüner Fleck, dann Lichtung, dann Rhode, dann Dorf und Feld.

    Als erster Mensch (oder letzter Überlebender) nehme ich mir ein Stück Seife
    auf die nächtliche Straße hinaus, um mich, im Regen stehend, abzureiben,
    während ich das schattige Schloss beobachte, ob es sich vielleicht bewegt. Natürlich
    hätte ich auch unten im Fluss baden können, dort aber stank es abscheulich

    Die schlafenden Vögel werden nass, aber ich sehe sie nicht, sie schlafen
    und machen sich nichts daraus. Feine Nadelstreifen in der Nacht. Im Haus
    ist es ruhig, und auch das Schloss bewegt sich nicht. Unvorstellbar ist mir der Gedanke,
    dass in seinen zahlreichen Räumen die Zeit gefangen ist, ohne sich auch nur
    ein einziges Mal bemerkbar zu machen, am Fenster zu winken, Luft durch den Schlot zu jagen, die Türen zu schlagen.
    Lavendelwasser rinnt an mir herunter und verschwindet nur schwach schäumend im Gemenge der flüssigen Massen.

    Ein Geistermädchen entschwindet in die Wälder,
    morgen werde ich ihr folgen, um ihr zu erzählen,
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    Er lehnte sich zurück und nahm die Brille ab, die sich in Zeiten periodischer Weltbrände dem Urozean anschloss.
    Er antwortete ihr in Druckschrift, dann entzündet er ein Räucherstäbchen, die Fresken auch. Durch die Bohlen der Kabine hörte er die Matrosen brüllen. Der Tag ging im nächsten Salon zu Ende, Spiegel an der Bar und Kronleuchter, schmiedeeiserne Türklopfer und Symphonien auf Notenpapier.
    Der Alte legte eine Leiter an die östliche Wand der Kammer, jeweils eine Handbreit mit hellem Sand gefüllt, flach auf den Bauch. Es gab allerdings noch eine andere Möglichkeit, die Zwischenzeit sinnvoll zu nutzen, doch das war alles Nebensache geworden.

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    Die richtige Stimmung wird der Schublade
    entnommen, die auch Streichhölzer enthält.
    Maßgeblich ist die richtige Dosierung an der
    Sache beteiligt, scheitert aber oft am Belieben
    der brunftigen Kundschaft, die sich auf Reisen
    in sicherer Umgebung weiß. Der Trotz einer
    Luftschlange, die man mit Besenstielen
    so lange jagt, bis sämtliche Hugenotten aus
    den besetzten Ställen vertrieben worden sind,
    oder bis der Teig eines zwielichtigen Kuchens
    aufgehört hat, die Heizrippen unsittlich zu berühren.

    Die Konnotation ist einfach zu formulieren, sie
    zappelt im Schrank mit heruntergelassenem Lebenslauf.
    Wehe dem, der seine Hand nicht von ihr lassen kann,
    der glaubt, die Finger seien die perfekte Maschinerie,
    um junge Füchse zu zeugen.

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    durchzubrennen. Ihm folgte der dreibeinige
    andalusische Hund, ein Champignon-Pflücker aus den
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    war wie Rasputin, als sein Gemächt
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