Der gezeichnete Träumer

Sternsplitternd zerbirst die Pforte
Rasend durch die endlose Nacht
Hervorgetummelt übertritt
Der Zorn der Zeit die Schwelle

(Die Gesichter erblinden)

-Ich sehe ihn nicht mehr.
-Ich sehe ihn nicht mehr.

Ich weiß nicht mehr in welcher Folge
Nun die Dinge vor sich gingen
Gab einen Sturm
Gab einen Winter
Mit Schnee die Blumen eingedeckt
Mit Eis die Luft durchwebt
Aus kalten Nüstern blies der Nebel
Den man gern - Vergessen – nennt

Sie jagten über Taumelburgen
Einzufangen den, der schon
In ihre Welt entglitten war
Im Holz, im edlen Wiesengrund
Zerbarst die Nacht aufs Neue

Den der sie sah
Den, der sie ganz erkannte
Den, der sie aus den Blumen rief

dem Herzen nicht entließ 

Durch reißende Spreißel 
Spreißelndes Reißen
Narben gewähren der Haut Fetzentage
Wenn Weltzerwürfnisse wedelnd wenden
Wurmsonden, Liebherzen und Traumkadaver

Die Gesichter befreien sich aus Magnesiumgefängnissen

-Wir, die beobachtenden Augen
Sind die Zeugen, nicht berichten
Wir und nicht handeln wir
Nicht drängen wir dem Ende zu.

-Nicht chronisieren wir ekstatisch
Tanzen nicht, wenden uns nicht
Ab der Szenerie in Mähren
Aufgeschrieben sind auch wir.

Die Gesichter, zwei Gesichter, Dual
Nicht wahr? -erweitern sich um den Geruch

-Orchidee, du Königin der Strunke
Duftest Schmerz hinaus
Und webst Herbarien herbei.

Das Schwert des Wortes richtet

Das Lied der Nachtigall

-Ein Vogel.
-Eine Nachtigall.

(verwandelt/ eine Perlmuttochter
sticht die heiße Luft entzwei
sie trägt ganz regenbogenfiedern
nicht das Zeichen ihrer Zunft)

Der Dichter sieht:

Schallen Klänge auf und nieder
Ringen sich im bodenlosen
Staub der Atmosphären bloßer 
Winde, die im Kessel raunen

Setzt sich dieser Ton hernieder
Findet ihn die Nachtigall
In einem Korn aus alten Mühlen
Die am Seelenwasser stehn

Schon webt sich in ihr bunt Gefieder
Geigenspiel und zarter Sang
Sie trillert hoch aus ihrem Schnabel
Den Necktar einer Melodie:

Sag kein Wort in diesem Augenblick
Die Nacht gehört uns und der Mond trägt dein Gesicht
Wenn alle Schatten brennend über Steppen rennen
Und mein Pulsschlag kann nur deinen Namen nennen

Dann erhebt sich lautlos ein Gespinst aus Wolken
Und der Regen sagt wohin wir fliehen sollten
Vor der Zeit, die keine Wunden wirklich heilt
Weil nicht die Ewigkeit in unserer Liebe weilt

-Sag, Vogel, hast du sie gesehn
Wie sie da lag im hellen Gras
Und wie sie ohne Atem schlief
Am Bach, aus dem du trinkst?

(Die Nachtigall verlässt ihr Kleid
der Träumer steckt es sich ins Haar)

-Was tut er?
-Er zeichnet sich.

Das Bankett

Timber spielt mit allen Blumen
Spielt Erkennen, Los und Tanz
Streichelt ihre zarten Lippen
An den Kelchen, glitzerbunt

-Und wo ist sie gewesen?
-Fern im Blütenholoskop.

Du, Timber, bist erträumt nur
Bist weniger als der Schatten Bewegung
Entspringst den feingesponnenen Sinnen
Eines Träumers, der dich sehnt

Wenn du fühlst, fühlt dich ein Traum
Wenn du sprichst, spricht Fantasie
Dein Erleben ist ein Bild
Niemand kennt es ganz genau

-Der Dichter spricht sie an.
-Sie hört ihn nicht, gehört ihm nicht.
-Ist Timber nicht sein Märchen?
-Ein Märchen lebt für sich allein.

Wer will, so spricht das Unterholz
Den Menschen noch mehr Träume senden?
Wer läd sie ein an diese Tische
Deren Speis es nirgend gibt?
Die Mädchen mögen auswärts schwärmen
Doch hüten sich vor Trieben derer
Die Besitz so gerne sehn
Der Traum ist jeder Fessel Frei
Er ringelt sich vor aller Augen
Und verpufft, wenn man ihn greift

(Da zogen aus, alle, aus und kehrten 
Mit Gästen aus dem Menschenland, wieder)
-Nur Timber blieb zurück.
-Sie kam aus ihrer Blume ganz.
-Gekrochen.
-Und starb.

Tot fand sich sie am Waldesrand
Ein Sommerspiel auf ihren Lippen
Sie wär die Liebste mir gewesen
Ein Elfenkind mit scheuem Blick

Die Pforte zu den Hintermännern

Perlmuttropfen starren ins Theater
Nattern nisteln symboledel
Schwänzeln um ein Tanzbein, luftig
Drachen tragen Trachten feingewoben
Spinnen riesig über Mauern
Ihren Flug

Unendlichkeit
Kann durchaus etwas heißen
Namen-arama, Pano-Kartei
Liebende sind stets verzeichnet
In Kladden größter Wonnen

(Die Perlmuttöchter verstecken ihr Tuch
Und zücken geschälte Herzen am Stil)

Schaut, Schwestern, jener Träumer will
Zur Pforte hin und auch hindurch
Als wäre unser Traum für ihn
Ein Nemeton ohne Verbot

Und sagt ihr mir, der Jüngling liebt
Antworte ich mit Schmunzellippen
Nie gedacht für Menschenbrust
War diese unverstandne Kraft
Die Pforte zu den Hintermännern
Halten wir so lang schon dicht
Als wie die Welt für uns besteht

Man kennt, daß man jetzt sprechen muß
Ein weises Wort in diese Stille
Dann öffnet sich von Zauberhand
Der Riegel der die Welten trennt

Doch diesmal führt die Antwort nicht
Den Schlüssel in der Hand

Die beobachtenden Gesichter:

-Sie lassen ihn dort nicht hinein.
-Und wir verfolgen weiter.

Die Blume spricht

Im Traum: Da fliegt er, Traumflügel flattern in 
Pneumatischer Melasse /in
Ektoplasma Psychotrop
Wurzelwege wettern knotig

Die Blume zwischen den Falten der Zeit
Öffnet ihre flackernd blühenden Lippen
Um Worte zu verduften

Der Träumer öffnet sie

Er schält sich aus dem Gas des Denkens
Und blickt in ihr Geflecht aus Zartheit

(Die Elfenwelt verkündet donnernd,
daß hier etwas geschehen ist,
das nie auch nur geahnt, gekannt)

Daraufhin beginnt es zu regnen
Marmeladetropfen beschmieren
Einen unruhigen Schlaf

Doch die Rede, die sie teilten,
bewortet sich in diesem Stück
Der Auszug kann nur wiedergeben
was der Dichter hat vernommen:

-Diese Blumen sind giftig
Weil sie schmecken wie der süße Tau
Bienenkelche, Honigwaben
Doch sie heilen auch die Sehnsucht
Wenn sie brennt und nicht vergeht
Der Preis jedoch: ein stilles Herz

Jetzt hast du mich gefragt, und:
Ja, ich habe mich verirrt
Durch diese Blume begegne ich dir
Du darfst sie nur nicht pflücken!

Bist du das Mädchen, das ich sah
als ich die Augen Ächtens schloss?
Bis du der helle Herzenstich
Der Mond auf üppig Flur?

Die Blume, die du mir geraten
Nicht zu knicken, werde ich
Mit Blicken meiner Sorge streifen
Und suchen will ich, wo du bist

-Das nicht! Du sollst mich niemals finden
denk dir: Die Welt ist unvereint
Ich mag wohl schwärmen wenn du Schläfst
Doch halten können wir uns nicht