Possenspiele

Schlagwort: Kempten (Seite 1 von 5)

Leseversuch in der Cucina Toscana

Cucina Toscana
Cucina Toscana, Hildegardsplatz, Kempten

Kaffee ist ein Stück Lebenskraft. Auch wenn ich meinen Konsum in den letzten Jahren etwas eingeschränkt habe, die Atmosphäre, die sich im besten Fall um den Kaffee dreht, war nie ganz von der Hand zu weisen. Bücher und kulinarischer Esprit haben sich schon immer gut vertragen, und was den Kaffee betrifft: Es gäbe tausend Geschichten zu erzählen. Dafür bräuchte man fast einen eigenen Blog. Nun wohne ich mit Kempten zwar nicht in einer kulturellen oder literarischen Hochburg (das ist Bayern und insbesondere das Allgäu im Allgemeinen nicht), aber es ist ein ganz außergewöhnliches Städtchen, in dem man sich wohlfühlen kann. Also dachte ich mir, ich schaue mir die kleinen Oasen, die es dann doch gibt, etwas genauer an. Vielleicht mit einem Buch in der Hand (ich habe mir inzwischen wieder angewöhnt, überall Bücher mitzunehmen und zu lernen, überall und in jeder Situation zu lesen, ob im Gehen oder Stehen). Das bedeutet eine völlige Veränderung meiner Lesegewohnheiten, denn mein Ausgangspunkt ist, dass ich sogar mit Ohrstöpseln in meiner Wohnung sitze, weil ich nicht den geringsten Lärm ertrage. Aber was wäre das Leben ohne Abenteuer?

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Gen Haubenschloßpark

Man kommt nur dann außer Haus, wenn man außer sich gerät und weder plant den Ort noch den Weg. Dann gerät man außer Haus wie ein Abenteurer und seine Konkubine (oder wie eine Dame und ihr Kofferträger); wartet auf die Kutsch, die vielleicht nicht fährt und steigt dann in eine ein, die sich von Weitem schon als die gleiche wie immer erkennen lässt. Es gibt da dieses Mangrovengeflecht im Gehirn, das aussieht, als käme man nie hindurch. In Wahrheit sind es Treppensteine, die hinauf führen; dafür wurden sie gemacht, es ist ihr Begehr und Dasein.

Treppen

Was dachtet ihr Römer, als ihr euch eine Stadt vorstelltet, die es noch nicht gab, die hier noch nie gewesen ist und die ihr vielleicht nie kennen lernen werdet?

Kempten Anhoehe

Ein Stück New York in Kempten

New York
Aufbau der Kirmes

Ein Parkplatz wird gerade ausgerollt wie ein gilber Teppich, um für den Kathreinemarkt, der am 20. Oktober beginnt, darauf vorbereitet zu sein, Leute durch die Gegend schütteln zu müssen. Bei einigen setzt sich dann ihr Menü neu zusammen (und vielleicht setzt sich auch etwas Grobgemahlenes auf ihre Zunge). Ein Scooter freilich schüttelt nicht, sondern scootet und bumst wie einst im Jahre 1906 in Coney Island, wo Neville’s Automobile Railroad diesen erschütternden Spaß zum ersten Mal präsentierte. Nur war es damals ein viel größeres Wunder und eine Bewertung dieses kleinen Fleckens käme einem Zerpflücken flauschiger Zuckerwatte gleich. Man darf natürlich wissen, dass ich mit den fränkischen Wiesen- und Schützenfesten aufgewachsen bin, weshalb mir nur ein bedauerliches Lächeln bleibt. Aber immer wenn ich den Königsplatz (ein spannender Name für einen Parkplatz) durchschreite und der angedachten Buntheit gewahr werde, kann ich mich zumindest an Zeiten erinnern, als solcherart hingepflanzte Buden einen Zauber verströmten, der – wie alle Zauber – über die Jahrzehnte hinweg ausradiert wurde.

Ich kennte Gnade, gäbe es eine Geisterbahn.

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