Tausend Fiktionen

Schlagwort: Kriminalroman (Seite 3 von 9)

Die besten Kriminalgeschichten sind eine moralische Abrechnung des Helden mit seinem ganzen Leben oder bieten eine neue Perspektive auf das Spannungsverhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum. (Die Geschichte des Kriminalromans).

Die Gasse der dunklen Läden / Patrick Modiano

In Patrick Modianos Erzählungen dreht sich fast alles um die Erinnerung, dieser schwer fassbaren Eigenschaft.

“Ich bin nichts” lautet dann auch der erste Satz in “Die Gasse der dunklen Läden” von 1978. In Modianos Welt bestehen wir aus unseren Erinnerungen, unserer Geschichte, den Geschichten, die wir über unser Leben konstruieren. Wenn wir uns nicht daran erinnern, wer wir sind, sind wir dann überhaupt?

Der Protagonist Guy Rolland verlor vor 15 Jahren bei einem mysteriösen Unfall sein Gedächtnis, bis ihn der Privatdetektiv Hutte bei sich eine Anstellung verschaffte.

Als Hutte sich zur Ruhe setzt und nach Nizza zieht, übernimmt Guy die Aufgabe, herauszufinden, wer er wirklich ist, denn sein augenblicklicher Name ist nur eine künstliche Identität.

Weiterlesen

Der Thriller – Die reine Sensation

Das uns allen vertraute Genre des Thrillers zeichnet sich durch seine Ungewissheit und die ständige Erregung der Sinne aus, die zusammen ein gemischtes Gefühl von Beklemmung und Erstaunen, durchsetzt mit Furcht und sogar Angst, erzeugen. Diese Bandbreite an Gefühlen und Erlebnissen wird durch eine unvorhersehbare Handlung erreicht, die es dem Leser (oder Zuschauer) ermöglicht, die Folgen eines Ereignisses abzuschätzen. In der Regel steigt die Spannung in einem Thriller, wenn sich die Geschichte ihrem Höhepunkt nähert, gefolgt von einem unvergesslichen Ende.

Weiterlesen

Stadt der Mörder / Britta Habekost

Will man das Paris der 20er Jahre einfangen, steht man vor dem Problem, eines der schillerndsten Jahrzehnte der Geschichte vor sich zu haben. Der Geist der 20er war geprägt von einem allgemeinen Gefühl der Diskontinuität, das mit der Moderne und dem Bruch mit Traditionen einherging. Paris war das Zentrum der Moderne in Kunst und Literatur. Gertrude Stein drückte es einmal so aus: „Paris war der Ort, an dem sich das zwanzigste Jahrhundert aufhielt“.

Noch in meinen jungen Jahren war Paris ein nahezu mystischer Ort, den ich so oft besuchte, wie es mir möglich war. So ging es vielen Dichtern zu vielen Zeiten. Schuld war unter anderem der Surrealismus, und es gab eine Zeit, in der ich versucht war, jedes Buch über Paris zu erwerben, in dem der Surrealismus überhaupt nur erwähnt wurde. Britta Habekost hat nun mit „Stadt der Mörder“ einen Kriminalroman geschrieben, der nicht nur in Paris spielt, sondern auch die Gruppe der Surrealisten mit einbezieht. Zwar hat die Autorin unter anderem auch Heimatkrimis verfasst, aber das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass sie auch eine historische Ader hat. Als Britta Hasler hat sie bereits zwei Thriller im Wien der Jahrhundertwende angesiedelt, und das hat mich meine anfängliche Skepsis erst mal verlieren lassen.

Weiterlesen

Agatha Christie – Die Königin so mancher Verbrechen

Schon früh wurde mir klar, dass ich mich eines Tages dem Verbrechen zuwenden würde. Noch in der Schule scheute ich die vorgeschriebenen Bücher und verschlang stattdessen die Ellery Queen- und Alfred Hitchcock Mystery Magazines sowie die Romane von Agatha Christie.

Ich fühlte mich sofort mit dieser Autorin verbunden, und das nicht nur, weil wir am selben Tag geboren wurden (wenn auch, wie ich hinzufügen möchte, nicht im selben Jahr). Was ich an ihrem Ansatz des „Rätselschreibens“ am meisten schätzte, war ein ausgeprägter Sinn für Logik, kombiniert mit einer Verspieltheit, einer Verschlagenheit, einer verflixten Freude an der Täuschung, die man mit Genugtuung zur Kenntnis nahm, selbst wenn man zugeben musste, dass sie einem wieder einmal das Fell über die Ohren gezogen hatte. Man war zwar wütend auf sich selbst, weil man hereingelegt worden war, aber gleichzeitig konnte man nicht anders, als dem genialen Taschenspielertrick zu applaudieren. Aber beim nächsten Mal, beim nächsten Buch, das schwörst du dir, wird das alles anders werden.

Weiterlesen

Hercule Poirot (Die kleinen grauen Zellen)

Hercule Poirot gehört neben Sherlock Holmes zu den großen und wohl beliebtesten fiktiven Detektiven. Der zierliche und etwas pingelige belgische Detektiv wurde 1920 von Agatha Christie für den Roman „Das fehlende Glied in der Kette“ geschaffen und ist für seinen scharfen Verstand, seine komische Arroganz und seine Rolle in einigen der berühmtesten Krimis, die Christie je geschrieben hat, bekannt. Er hatte eine für fiktionale Verhältnisse lange Karriere und starb erst 1975 mit dem Roman Vorhang. Zwischen seinem ersten und seinem letzten Roman wirkte Poirot in mehr als 50 Kurzgeschichten und 30 Romanen mit.

Ähnlich wie Sir Arthur Conan Doyle seine Abneigung gegen Holmes zum Ausdruck brachte, begann Christie in den 1960er Jahren Poirot zu verachten und äußerte den Wunsch, ihn zu töten. Für die Leser ist es ein Glück, dass sie damit gewartet hat, denn Curtain gilt als einer von Christies besten Romanen, die sie gegen Ende ihrer Karriere schrieb. Interessant ist, dass die New York Times nach dem Tod der Figur sogar einen Nachruf auf ihn veröffentlichte. Es war das erste Mal, dass die Times eine fiktive Figur lobte.

Weiterlesen

Von Mausdetektiven und Menschen

Basil
©Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Bist du ein Mensch oder bist du ein Maus-Detektiv? In den Zeichentrickfilmen der Walt-Disney-Studios (in denen ein solcher „Maus-Detektiv“ vorkommt) kann man sich für Letzteres qualifizieren, indem man besonders loyal, freundlich oder unermüdlich ist. Aber vor allem muss man laut Disney besonders mutig sein, um ein Maus-Detektiv zu sein. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass Disney-Filme seit langem für die positivsten Darstellungen der Schädlingsgemeinschaft im 20. Jahrhundert verantwortlich sind, von den Maskottchen Micky und Minnie Maus über die winzigen Helfer in Cinderella bis hin zu den triumphierenden Helden in Die Retter in Down Under und dem sternäugigen Rattenchef in Ratatouille. Alle diese Figuren, so unterschiedlich sie auch sein mögen, eint der Gedanke, dass Mäusen das gelingt, was Menschen nicht können; was ihnen an Größe fehlt, machen sie durch ihr Herz wieder wett.

Weiterlesen

Die Mörder der Queen / David Morrell

Interessiert man sich für historische Kriminalromane, die das viktorianische London lebendig machen, sind David Morrells drei Romane um Thomas De Quincey ganz oben auf der Liste anzusiedeln. Morrell erreicht das hauptsächlich damit, dass er auch den Stil, in dem im 19ten Jahrhundert Romane geschrieben wurden, anwendet. Für heutige Autoren ist das gar nicht so leicht. Morrell hat sich viele Jahre lang in den Duktus der damaligen Zeit versetzt und darüber hinaus intensiv Recherche betrieben, um die viktorianische Zeit lebendig zu machen und die Fakten mit der Erzählung zu verschmelzen. Vielleicht ist der notwendige Aufwand auch der Grund, warum es so wenige erstklassige Romane in dieser Gattung gibt, denn man merkt als interessierter Leser sofort, wo die Fehlerquellen liegen.

Weiterlesen
« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2025 Die Veranda

Theme von Anders NorénHoch ↑

<p>Nope!</p>