Die breite Fronttür sprang auf, Malte Buschbeck wehte herein, ein entwurzeltes Nachtschattengewächs, frappierende Ähnlichkeit mit einem Schaffner obendrein. Er orientierte sich kurz, durchschwamm den herabhängenden Chiffon mit dem Motiv ›Riesenblumen‹, der so etwas wie Grenzen symbolisieren sollte, und sein Gesicht nahm einen grimmig-erkennenden Ausdruck an. »So eine schöne Versammlung«, rief er durch den Raum. »Zeigt mir gleich mal den Brief, dass ich auch schnell wieder wegkomme! Ich habe eine Welt zu betreuen!«
WeiterlesenKategorie: Stories (Seite 20 von 43)
direkt aus dem lateinischen „storia“ übernehme ich diesen begriff, der mir immer schon eine andere konnotation ausdrücken zu schien als das vermaledeite „geschichten“.
Im Januar dementierte der Bürgermeister Max Hager die Gerüchte, Wölfe könnten aus der Tschechoslowakei in das Fichtelgebirge gespült worden sein und Menschen angefallen haben. Das tat er schriftlich in schöner Sütterlinschrift, die in der Redaktion der Frankenpost erst einmal nicht entziffert werden konnte, bis man den verrenteten Chefredakteur Malte Buschbeck bat, seine Eisenbahn – den Waldsteinexpress en miniature – dem man in der Wirklichkeit gerade die Gleise unter dem Treibsatz fortgerissen hatte, kurz abzuschalten, und sich diesen Brief, am besten gleich, anzusehen. Malte wollte noch zwei, drei Bäume pichen, eine neue Naßdampf-D11 auspacken, und versprach, zu kommen, vorausgesetzt, es gäbe keine besonderen Vorkommnisse, die ihn daran hinderten. Manchmal nämlich legten die Kinder Pfennigstücke auf die Schienen, um den Zug entgleisen zu lassen, und das könne er nicht zulassen, da müsse er mit Enthusiasmus und …
WeiterlesenAls sie zum ersten Mal beobachtete, wie sich ein Vogel in vollem Flug über dem Haus in ein Skelett verwandelte, nahm sie sich noch nicht vor, das Haus selbst einmal zu inspizieren. Das kam erst, als sich das Phänomen wiederholte und als es einem ganzen Schwarm passierte. Sie blieb stehen, starrte über die ausgefransten Bäume in den Himmel, hörte noch die munteren Töne über das Tal springen und dann nichts mehr. Die skelettierten Segler fielen senkrecht herunter, auf das Dach, vermutete sie, oder vor die Haustür. Sie stellte sich vor, wie die zarten Knochen durch den Kamin flitzten und in der alten Asche einen Haufen bildeten, wie sich der Staub in diesem leeren Raum verteilte, zu einem Gesicht wurde, das sich dort zwar immer aufhielt, aber nie zu sehen war, weil seine Substanz vor langer Zeit schon niemanden mehr hatte, der sich an sie erinnerte.
Weiterlesen
Sehr guter Zusatz. Bereichert das ganze enorm. Danke!