Interview mit Thomas Ligotti

Interview geführt von Matt Cardin, Juli 2006, Erschienen in The Teeming Brain und in The New York Review of Science Fiction, Issue 218, Vol. 19, No. 2 (October 2006). Gedruckt erschienen in Matt Cardin: Born to Fear (Interviews mit Thomas Ligotti)

Übersetzt von Michael Perkampus, mit freundlicher Genehmigung von Matt Cardin.

Anmerkung: Dieses Interview übersetzte ich im Dezember 2014, als ich begann, unter einer ähnlichen Problematik zu leiden wie Thomas Ligotti. Im Grunde war es für mich eine Art Trostpflaster. Daraus resultierte dann das Magazin PHANTASTIKON.

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Der neue Brieföffner

Lieber Herr Munkulus,
meine neueste Erfindung haben Sie sich noch gar nicht angesehen! Es handelt sich dabei um einen Brieföffner, der keine Briefe öffnet sondern sie erhört, der also deren Inhalt öffnet, mit dem, was da steht Vögel füttert, die dann den Wortlaut singen.
Anbei der Brieföffner, zwei Batterien und ein Vogel der Gattung Pflaumenkopfsittich, den sie bitte kurz unters kalte Wasser halten, um ihn zu aktivieren.

Tetra

Die Milchstraße im Tetra-Pack
Ist eine Neuerung mit Fortune.
So schlürfen wir uns selbst &
Wissen endlich, wo wir bald
Nicht mehr stehen.

Romantische Faszination

Die romantische Faszination für Somnambulismus, Hypnose, bzw, organischen Magnetismus beruht auf der Vorstellung, dass sich im Zustand des ausgeschalteten Bewusstseins das Geheimnis einer tieferen Verbindung des Individuums mit der Natur und dem kollektiven Unbewussten in einer immateriellen psychischen Dynamik enthüllen lassen.

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Messer Gabel Leffel

… werde etwas kochen (und sie nam einen teig und knettet und sods fur seinen augen und kocht im ein gemüse), ich weiß noch, wie am Besteck ich hing (Messer Gabel Leffel) das mir erst richtig Esslust machte, weil die visuelle Laune mit der olfaktorischen etwas durcheinander ging; es war (und wir stopften uns Knödel in den Muhund) ein regelrechtes Dampfen, Jackie & Goldie hießen die beiden Sittiche, aber sie sprachen nicht und wir begruben sie bei den jungen Kiefern. Vielleicht fehlt DAS & das waldgrüne Schneidbrett, in dieser Küche zu viern. ›Die Allegorie ist die Paraphrasierung eines bewußten Inhalts‹, steht auf den Schuppen eines Karpfens zu erkennen, mehr leuchtet nicht ein, mehr Flecke gibt es nicht, mehr Tisch mehr Bein. Im Sitzen wird der Magen schlapp, ich habe herausgeschmeckt was du kochen wolltest, habe den Geruch gespürt, der aus dem Wasser schwappte auf zarte Teller, angereicherte Biester, der Salat blüht in den Schalen, viel Nelke (in den Apfel gesteckt) / danach ging jeder seiner Wege / innen, außen. Poliertes Silber = Das Besteck mit den schwarzen Griffen
man nehme : und würfle alles in den Tiegel, laß es richtich schwappen & murren & brödeln / Lor Beere / Wach Holder / Cardamamsel zitzel litzel

Paterson

Ashbery sagt über William Carlos Williams, daß er in einer offenen Form und in Alltagssprache dichte. Was mir bleibt, ist die offene Form, fern jeder Schematik, die fehlende Geschraubtheit, ja, durchaus. Aber in seinen Prosagedichten rafft er Horizonte zusammen.
Seite 107, Paterson: Der letzte Wolf wurde im Jahr 1723 in der Nähe des Weisse Huis erlegt. Das ist fast wörtlich ein Satz, den ich in die Sandsteinburg schrieb, nämlich so (Seite 101):
Der letzte Wolf wurde am 21. Juli 1882 bei Mehlmeisel von Martin Wiesend, einem Gasthofbesitzer, im Laufe einer Jagd erschossen.
Ashbery, geschult an Elizabeth Bishop, Marianne Moore, W.H. Auden, und eben Williams, bedeutet mir sprachlich mehr, aber Paterson bleibt mir als Langgedicht ein unvergessliches Erlebnis