Schlagwort: Fichtelgebirge
Das kosmische Konzept der Aufzeichnung
Nachts sind alle Grauen katz
Es waren in den letzten Tagen viele Vorbereitungen zu treffen für ein erstes Aufschlagen im Fichtelgebirge. Für mich ist es eine Rückkehr nach sage und schreibe 10 Jahren. Veränderungen liegen geradezu in der Luft und es wird ein rechter Quark werden, mit der unsäglichen deutschen Bahn ins Ziel zu treffen (aber was ist in diesem Land eigentlich nicht unsäglich?)
Gestern begaben sich Albera und ich nach sehr langer Zeit einmal wieder ins Hopfenland. Der Schuldige bin ich, denn nach einem ausgiebigen und stundenlangen Musik-Mahl wurde es mir durstig ums Herz, und so stiefelte ich kurz vor 10 Uhr noch zur Tankstelle, allein der alten Sitten wegen. Eine Tankstelle hat immer etwas von Absturz und Niedergang. Solange man sie nicht braucht, um etwa sonntags sein Konterbier zu ergattern oder wenigstens einen Marsriegel zwischen die Kiemen zu schieben, um den Magen zur Räson zu bringen, ist so eine Tankstelle nur ein stinkender Haufen Mist, wo man samt und sonders Idioten mit ihren fahrenden Ravioli-Dosen antrifft. Keine letzte Bastion der unterlegenen Schicht. Man kann also sein Geschäft erledigen und sich eine Flasche Bier besorgen, nur um mal zu sehen, wie das so war – und heute ist. Vielleicht war es von vorneherein keine gute Idee, zu einer der elendigsten Abwasser (neben Heineken) überhaupt zu greifen: Becks. Andererseits wäre so ein Allgäuer Bier mit seinem Geschmack nach Maschinenöl und der Umdrehungszahl eines Mähdreschers nach Jahren ein Garant für augenblickliche Bauchrevolution.
Alles in allem war diese Aktion nur eine Pfuiteufelei, die zu lassen ganz ziemlich ist. Jedes Kind zieht heutzutage drei kleine Becks durch seine Kehle ohne mit der Pimper zu fucken. Wir nicht. Szex Witchery!
Flamboyant: 7 Madeleine Ledoyen
Beinahe hätte er es Ella gestanden, ihr von der Blumentapete neben seinem Bett erzählt, die dafür verantwortlich war, dass er an allem zweifelte, was als gegeben hingenommen wurde. Er stellte sich vor, wie er sagte : »Die Muster verändern sich, die Tapete ist organisch. Ich weiß nicht, ob andere es können, aber ich kann durch sie hindurch gehen, ich schlüpfe einfach durch den Wirrwarr der Blumen. Manchmal bin ich gar nicht weit von der uns bekannten Welt entfernt, nur ein bisschen nebenan. Es hängt von der Musik ab, die ich höre, glaube ich. In der Ferne steht eine Stadt, das ist die einzige Konstante. Ich weiß, dass sie sehr weit entfernt ist, eigentlich unerreichbar. Aber die Luft ist so über alle Maßen klar, dass man ihre Mauern sehen kann.«
Flamboyant: 7 Madeleine Ledoyen weiterlesenFlamboyant: 2 Investigativer Journalismus
Die breite Fronttür sprang auf, Malte Buschbeck wehte herein, ein entwurzeltes Nachtschattengewächs, frappierende Ähnlichkeit mit einem Schaffner obendrein. Er orientierte sich kurz, durchschwamm den herabhängenden Chiffon mit dem Motiv ›Riesenblumen‹, der so etwas wie Grenzen symbolisieren sollte, und sein Gesicht nahm einen grimmig-erkennenden Ausdruck an. »So eine schöne Versammlung«, rief er durch den Raum. »Zeigt mir gleich mal den Brief, dass ich auch schnell wieder wegkomme! Ich habe eine Welt zu betreuen!«
Flamboyant: 2 Investigativer Journalismus weiterlesenFlamboyant: 1 Der Volontär
Im Januar dementierte der Bürgermeister Max Hager die Gerüchte, Wölfe könnten aus der Tschechoslowakei in das Fichtelgebirge gespült worden sein und Menschen angefallen haben. Das tat er schriftlich in schöner Sütterlinschrift, die in der Redaktion der Frankenpost erst einmal nicht entziffert werden konnte, bis man den verrenteten Chefredakteur Malte Buschbeck bat, seine Eisenbahn – den Waldsteinexpress en miniature – dem man in der Wirklichkeit gerade die Gleise unter dem Treibsatz fortgerissen hatte, kurz abzuschalten, und sich diesen Brief, am besten gleich, anzusehen. Malte wollte noch zwei, drei Bäume pichen, eine neue Naßdampf-D11 auspacken, und versprach, zu kommen, vorausgesetzt, es gäbe keine besonderen Vorkommnisse, die ihn daran hinderten. Manchmal nämlich legten die Kinder Pfennigstücke auf die Schienen, um den Zug entgleisen zu lassen, und das könne er nicht zulassen, da müsse er mit Enthusiasmus und …
Flamboyant: 1 Der Volontär weiterlesenIch bin die Nacht: 13 Die Nacht hat Tausend Augen
Thamyris, dem die Musen in einem Wettstreit, den er verlor, die Leier zerbrachen und das Augenlicht nahmen : das ist mehr als Influenca, weil man früher an den Einfluss der Sternkonstallation auf den Ausbruch der Epidemie glaubte, und jetzt ist die Katastrophe (unsere Welt) ein Ergebnis des Wissens, das expansiv ist, und nicht konservierend wie der Mythos.
Ich bin die Nacht: 13 Die Nacht hat Tausend Augen weiterlesenGateway To The Vichtel Waters

Hin und wieder zurück

Im Allgäu gewöhnt man sich im Laufe der Zeit an Pfeifen und Schnabel, das heißt, man gewöhnt sich an ein Leben, wie es die meisten führen wollen: goldene Wollmäuse brechen aus jeder Matratze, die Welt an sich ist ein ewig strömendes Fass. Ich selbst befinde mich seit 1994 in den unterschiedlichsten Gäuen und es ist mir zu einer zweiten Heimat geworden (was eine seltsame Aussage für jemanden ist, der sich selbst als heimatlos bezeichnet). Mein Werk allerdings ist ohne das Gebürg in mir nicht denkbar. Ich denke sogar, dass dies der eigentliche Schlüssel zum Verständnis vieler meiner Arbeiten ist. Sei es wie es seibl post… (auf deutsch: sei es, wie es ist), es kamen in meiner Vergangenheit immer wieder Versuche auf, mich zu transmutieren, mich ins Blätterwerk des Hufeisenlandes zu transportieren (auf dass es mir wohl ergehe und ich lange leb‘ auf Erden). Das Leben aber ist ein Widder (achtet auf den Widder!) und folgt anderen Spuren; das linke Horn weiß oft nicht, was das rechte Horn tut.

In den letzten Tagen ging es deshalb um ein Sondieren, denn es darf nicht verschwiegen werden, dass auch hier die Zeit in einer gewissen Weise vergeht, wenn auch völlig anders, als man das gemeinhin zu glauben hat. Die Destination Rehau liegt leicht oberhalb des Gebürgs, 12 km von Selb entfernt (man erreicht sie über den Tatterdemalion-Express, der die Achse Hof – Oberkotzau – Rehau – Selb abnudelt; das ist eine gute Achse – man kann sehr schnell in die umliegenden Dörfer rauschen, oder nach Böhmen gelangen, das sozusagen nur von einer künstlichen politischen Grenze durchstoßen wird, geographisch aber ebenfalls eine gute Portion Fichtelgebirge in sich vereint).

Es wäre schön gewesen, wenn wir nicht über München geprängelt worden wären, oder wenn wir nicht auf Hin- und Rückfahrt zwei Stunden dort auf einen Anschluss hätten warten müssen. Ja, ich habe dort studiert – und ja, ich war einst ein Verfechter der Schönheiten dieser Großstadt, aber das ist lange her. In der Zwischenzeit hat sich München in die Kloake eines riesigen dreckigen Arsches verwandelt (oder in das, was aus einem großen, dicken Arsch herauskommt, wenn der Darm murrt und der Betreiber des Darmes etwas Falsches gegessen hat). Ich könnte das jetzt zwar im Einzelnen ausführen, aber dann ginge es ja um München, und das tut es nicht. Doch Unbilden müssen erwähnt und kartographiert werden, damit in Zukunft ein anderer Weg hinauf und hinab gefunden wird (es böte sich die Achse Augsburg – Nürnberg – Bayreuth an, auch wenn man von Nürnberg in diesen Tagen ebenfalls nichts Gutes hört).
Es gibt unterschiedliche Wahrnehmungsmöglichkeiten der Stille. Da gibt es also die Abwesenheit von Lärm oder auch nur irgendeiner akustischen Regung, es gibt ein leichtes Wohltönen der Geräusche des Landes und es gibt ein generelles Fehlen von etwas, nachdem es jedoch war und also auch einer Notwendigkeit entspricht. In Rehau haben wir das zweite Beispiel vor uns. Die Stille hier ist natürlich dennoch ein Fehlen von etwas, hier nämlich einem unsinnigen Lärm, aber das eigentliche Prädikat ist das Wohltönen der Geräusche des Landes. Während ich in Kempten gerne jeden einzelnen Autofahrer aus seiner Raviolidose zerren würde, um ihm den Levitikus zu lesen, ist eine Fahrt mit dem Automobil hier dem Transport geschuldet und fällt in seiner Spärlichkeit nicht unangenehm ins Gewicht (ja, hier würde ich dem Fahrer sogar gerne einen Luftballon schenken).

Ich weiß, dass der Geist meines Großvaters für immer auf Wanderschaft ist. All die vorhandenen Wege; andere, über die Gras gewachsen ist. Nichts davon ist vergangen. Ich erbte sein Gesicht und seinen Wanderstab.
Pastoraler Hintergrund
Ich erarbeite mir gegenwärtig 1 Wortkunstwerk mit pastoralem Hintergrund, das also räumlich das Fichtelgebirge benennt, und zeitlich das ganze Wahrnehmungsspektrum, ausgehend von den 70er Jahren fächerförmig in den Geschichtsstrahl lenkt. Das bedeutet, dass einerseits die Jean Paul-sche Ästhetik der Abschweifung mit den modernen Techniken der (fälschlich) so bezeichneten experimentellen Schreibweise zusammenfällt, deren Ausführung mit den jeweils angestrebten Effekten der einzelnen Szenen changiert. Dabei ist es mein Anliegen, die ganze Bandbreite einer poetischen Sprache zu entsprechen.
Hardekopf – Ausgabe?
Das Drama eines Lebens
und wennd U da bist
ist Licht in Deinem Zimmer;
wennd U dabist
fickt ein Stein Dein
Glas caput draconis
Vorn. Überhöhtes Wurzelkrösen, abstolperndes Herbringen der Argu
menten=Kuh, die dann ja auf
mault mit Gesichtshafer, RülpsRöhre,
Schwarten=Nabe, die Tanja einen
fahren löst gen Traubenhausen. Ocker
fotzglatze Stirntuperecht. Einpfusch –
öh – 1 Spruch Feuer nähren