Livebook

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    Die Linse für den Apparat

    Ich habe noch eine Linse für den Apparat
    Ich drehe mich in dich
    Ich drehe mich in dich
    Der Tag war nicht zu erwarten gewesen, als du gestern –
    Als du ankamst, hattest du deine Schuhe in der Hand
    Und drehtest dich von der Sonne weg
    Die den Steg entflammte
    Er wurde für einen Augenblick zu einem anderen Augenblick

    Wenn uns der Tanz ausgeht
    Habe ich noch eine Linse für den Apparat
    Ich drehe mich in dich
    Ich drehe mich in dich
    Die Zimmertüre lässt kein Licht herein, deine Konturen –
    Deine Umrisse bleiben dein Eigentum solange du lebst
    Es könnte jederzeit anders sein
    Es bräuchte nur eine kleine Erschütterung
    Ich kann mir keine andere Dimension vorstellen

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    Minuswelten

    Die Turbulenzen nahmen zu, ohne Reue,
    uns über die Zeiten hinwegzufegen. Ich sah,
    wie alles erstarrte – ein handfest gewordener
    Untergang, ein Zerbröseln am Nullpunkt,
    der von einem Geschwader Minuswelten
    umschwärmt wurde, die dem Werden
    nicht entkommen können.

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    Nur eine schlanke Ermordung zu spät

    Schottische Bauern hypnotisieren Tannhäuser,
    in seiner Weste ein eingeschneites Sternenrätsel:
    Kurt Krisp feiert die junge Haut seit 29 Monaten.

    Die andere Möglichkeit:
    Ein Comeback der Unsterblichkeit,
    Hilfe für verbrauchte Männer!

    – Und Orwell kam gut!

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    Schweremut (zum LiveBook-Event „Endlich Schuld“)

    Die Hütte, in der man sie antraf, hieß SCHWEREMUT, und ihre Tage und Nächte verbrachten sie in ihrer abgewirkten Haut, die man ihnen hinterlassen hatte, als man sie floh. Töchter der Baba Yaga, der grausamen Frau mit ihren herabhängenden Brüsten und einem knochigen Bein. Kinder des gefallenen Gottes, in einer Knochenwiege ausgesetzt bei den ramponierten Grabsteinen verscharrter Mörder. Die Schwestern betteten sich in Moder und ihre Blutlust war noch ihre schönste Charaktereigenschaft.

    „Dreh diesen Körper zu mir, Santa – ich will die Beschaffenheit des Fleisches mit eigenen Augen sehen.“ Derbas Tunnelaugen wiesen die Nacht in ihre Schranken, als sie sich bereits selbst über die makabre Kulisse stülpen wollte.

    In den Hanfseilen unter dem Boden hangelten die Leichen, die ebenfalls umgedreht werden mussten. Clodette war die Todwünscherin der drei Schwestern, gram und grau, deren durchdringendes Gezeter bei Neumond, der rabenschwarzen Nacht, die Schauer von Tür zu Tür wanken lässt. Sie stehlen nicht die Kinder – sie stehlen ihre Gebeine, um sie in marschierende Puppen zu transformieren, mit Kleidern aus der Jahrmarktstonne, von Hüten aus dem Gulag.