Was ist aus euch geworden, außer Traumleichen, die mich heimsuchen, wenn die Stille durch das Licht bricht und mich noch an der Flanke erwischt? Die kurze Energie diente den Raum zu erwärmen, der ganz flüssig sich in die unendlichen Ecken verdrückt, nicht zählbar verschwindet jede Spiegelung mit dem Wasser im Abort. Die Stufen hätten wir mit Stöcken verteidigen sollen, keine Wanze auf der Mauer auf der Lauer, kein Speck in Mäusewelten, kein Hirschgeweih an der Wand, und Eier nur als Gemälde in einem Weidekorb. Die grünliche Sonne weidet sich an ihrem Gift, aber sie beschenkt die ihren mit Tüten voller Wunder.
Oevre
weder kann ich dem begriff „gedicht“, noch der „lyrik“ etwas abgewinnen. das „poem“ ist internationaler ausgerichtet und definitiver, außerdem ist es ein fundamentaler begriff.
Verschütt in schwarzen Wäldern
Ich hatte damals nur die Müdigkeit,
keine andere Substanz. Und die Musik.
Kein anderes Geräusch. Und ein Brot aus fernen Tagen,
die Jacke meiner Großmama
über der Lehne nah am Fleischbrett
und die Anrichte voller Pulver und Vitamine,
eine Schaukel am Baum vor dem Fenster,
ein Bad mit altem Schaum, ein Rasierwägelchen.
Also begann ich, auf Papier zu schreiben,
als handle das Leben von Liedern,
die man nur beim Tanze hört.
Ich arbeite im dunklen Milieu der Vampire, deren
abgepacktes Blutpulver und Hexenkosmetik zu stapeln und
in Bücher einzutragen war.
Die Illusion ging definitiv von diesen großen weißen Säcken aus.
Ein Wohlgeruch entfernte sich ungesehen, wurde
dann mit einer Peitschenlegende zusammengetan und
die Ruhe war wieder mein.
Ich erzürnte den Hort mit dem Diebstahl eines Herzens.
Der Ausklang der Nacht erfüllte sich durch das Erlöschen
der Kerzen. Drei Türme stachen in die höchsten Punkte
hinein, angetrieben vom Getöse zähnefletschender Motoren,
ein Knebel links, ein Knebel rechts. Schleifen bildeten sich
an den Fensterscheiben, die mit Kalk verunstaltet
anderweltliche Blumen nachformten.
In wenigen Jahren werden wir vergangen sein,
ich arbeite dann nicht mehr im dunklen Milieu der
Vampire, weil ihre schwarzen Wälder verschütt
gegangen sein werden. Die Ewigkeit hat vorgesorgt; sie
will kein blasses Antlitz in die Nacht entschwinden sehen.
Anfänge
Es kommt ein Spuk im Leben eines jeden
Ich bin nicht außer mir in der Fremde, die
Konstanz nicht umbirgt. Bin in diesen
Anfängen der Erste, der sich neu in
Die Spelunke des Daseins einfügt und
Hierarchien nur noch vom Mond aus zu sehen sind.
Kleewald Robinson: Handsome Farmer Toast
Das STRANDSACK hatte über der Tür und an den Fenstern einiges an Leuchtreklame hängen, aber eingeschaltet war keine davon. Diese Bar am Rande der Stadt wollte die Antithese zu jeglichem Licht darstellen, auch wenn im Innern zahlreiche Funzeln dafür sorgten, dass man nicht an das Trinkglas des Nachbar rempelte oder über seine eigenen Füße fiel, wenn man sich dann doch einmal bewegen wollte. Vicky Morra hatte die Idee des Strandsacks angeblich aus Italien mitgebracht; ihre zwielichtigen Dienstleistungen waren ihr tägliches Brot, aber gesehen hatte sie noch niemand. Und ihre Angestellten schürten das Mysterium noch, in dem jeder, der für Vicky arbeitete, damit beauftragt war, eine andere Beschreibung von ihr zum Besten zu geben. Im Verbund mit einigen schauerlichen Geschichten konnte dem schlechten Ruf der Bar niemand mehr das Wasser reichen, auch nicht Die Gilde der pechschwarzen Liebe, die auf nächtlichen Friedhöfen einige unappetitliche Dinge taten, aber eigentlich eine Theatergruppe waren, die sich Drogen und Visionen hingaben, um eines Tages den perfekten Macbeth zu geben, dieses herrlich verfluchte Stück.
Die Idee des Geschmacks
Nachts um drei sind alle Katzen grau, aber auch alle Grauen sind grau und man selbst. Es ist die Phase des Grauens im allerwörtlichsten Sinn. Die vibrierende Haut ist dann ganz dünn, Erlebnis des Überlebens, wenn dir gesagt werden muss, aus welcher Quelle sich dein Wasser speist. Drüben der Geschmack, hier die Idee des Geschmacks.
Die Welt des Domino
Ich spreche lieber von Meilen als von Kilometern, weil Entfernung nun einmal kein Rechteck ist, aber eine Gerade. Das ist natürlich die sinnloseste Erklärung, die je ein Mensch von sich gegeben hat. Bleiben wir dabei, gehen wir weiter: Die lässlichste Geschwindigkeit beträgt das Doppelte dessen, was am schnellsten Menschen im Sprint gemessen wurde, also 32,9 km/h. Was dabei herauskommt sind sagenhafte 65,8 km/h. Geht man darüber, löst sich etwas auf, das keine Reise wieder gutmachen kann.
Phantasma
Um drei Uhr bricht die Hölle los, aber sie ist, anders als das Klischee geht, leise. Ich erwache eine Minute später, aber ich bemerke binnen Sekunden eine Kälte, die sich nicht mit der Haut aufhält. Besteigt man um diese Stunde eine Kutsche, wird sich die bekannte Zeit im Kreise drehen, auch wenn man sein Ziel sicher erreicht. Man könnte früher angelangen, als man losgefahren war. Oder man kam Tage, Wochen oder sogar Jahre zu spät zu einer Verabredung, die ebenfalls nur in der Erinnerung existiert. An was erinnere ich mich, wenn ich so salopp fragen darf? Einen Traum? Eine Einbildung? Oh – das letzte Wort verlangt Abhandlungen, Tumulte, Apologien und derlei mehr Fachbegriffe. Aber nicht so plump wie es da steht.
Ich zum Beispiel phantasmiere. Ich bilde mir nichts ein. Lacan spricht von einer Abwehr, die dem Phantasma zugrunde liegt. Geister und Gespenster, die Schrullen der Nacht als Konsequenz einer Bedrängnis durch das Leben selbst.
Stell dir vor, der Postbote will etwas von dir. Er will dir einen Brief aushändigen, aber deine Hand geht nicht zum Brief, während die des Boten bereit ist, das Papier in der ausgestreckten Hand sofort fallen zu lassen, aber er will die Erde nicht beschmutzen, und keine Hand ist da. Wahrscheinlich wird er etwas sagen wie „Nun nehmen Sie schon, es ist Ihre Post!“ Und du denkst dir, dass du ja gar keine Post hast, dass dir ein Zettel, an dich gerichtet, nicht als Besitz angedichtet werden kann. IHRE POST. Ach leck mich doch am Arsch, was soll das heißen?
aussortierte blitze
komm einmal zähne brechen knochen doch genauso
im korb aus licht zermürbt die welt aus hitze alles kleine
die saat geht auf im bunker wo die sterne toben
frieden zu haben im raubzug der elemente
wo es dem körper an allem mangelt
hergestellt wird beute mit genauso bunten lichtern
angekettetes plus kommt mit plüsch und einer caprisonne
mirakulös ist alles vor ort, alles da, war nie weg
aber eben auch nicht „richtig“ da, niemandes schatten
niemandes gebein im lager der aussortierten blitze
Weder gestern noch heute
Die schattigen Sparten zermörserten das Licht,
es gab keine Einkehr mit hellen Vehikeln und einem Umtrunk
an beleuchteter Bowle. Gesichter verloren ihre wertvollen Schalen
und zeigten ihre knöchernen Gebäude voller Höhlen und Nebennarben,
beigebracht auf einer Suche, die den Gestirnen folgt. Die
ältesten Lagerfeuer zwischen Tag und Nacht,
ein zarter Tanz, der stets an dieser Grenzstatt sein Auskommen findet,
flüchtig und unauffindbar in Gestalt, Mächtig
in der Erinnerung eines schlanken Morgens, einer nachgebenden Nacht. Die
Kohle glüht, der Erzähler sitzt, weil er sonst doch zu sehr schwanken würde.
Um Punkt Mitternacht schlägt die Uhr zwölf,
dann ist es weder gestern noch heute.
Trenndocht
Wie wichtig es ist, sich im Detail zu verlieren
Wir waren zündhaften Vulkanen versprochen.
Nur eine feine Staubkarambolage trennt
den Hokuspokus von der hohen Form.
Man tat gut daran sich das Fleisch zu verdienen.
Du lügst eine neue Platte auf. Die Form wandert schnell.