Der Werwolf von Bedburg

Im Deutschland des 16. Jahrhunderts hatte man es als Bauer nicht leicht. Noch schwieriger war es, wenn man beschuldigt wurde, ein Werwolf zu sein, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte.
In einer Zeit, in der es weder Schädlingsbekämpfung noch Dünger gab, war es schon schwer genug, etwas zum Wachsen zu bringen. Hinzu kam die ständige Bedrohung durch umherziehende Räuber, die nicht davor zurückschreckten, das Vieh zu stehlen oder die Ernte zu verbrennen. Für den Bauern Peter Stubbe war das Leben noch härter. Stubbe musste sich auch mit dem Vorwurf auseinandersetzen, ein Werwolf zu sein, der mit dem Teufel im Bunde stehe und Kinder und schwangere Frauen ermorde.
Stubbe (je nach Quelle auch Stuppe, Stumpp oder Stumpf genannt) war ein wohlhabender Bauer, der in der Nähe von Bedburg lebte, einer kleinen Stadt im deutschen Rheinland, das damals zum wankenden Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte. Es war eine Zeit des Umbruchs, in der Protestanten gegen Katholiken kämpften und es viele Machtkämpfe zwischen verschiedenen kleinen Fürsten und anderem königlichen Gesindel gab. Die Gegend, in der Stubbe lebte, wurde zuletzt durch den Kölner Krieg verwüstet, der auch als Kanalisationskrieg bekannt ist (der Name soll von einer Schlacht herrühren, in der katholische Truppen eine Burg durch ihr primitives Abwassersystem stürmten).
Das Rätsel der Blechtrommel im Okkulten
Es gibt Bücher, die sich dem Leser öffnen wie eine klare Landschaft: man erkennt Flüsse, Wälder, Häuser, die Menschen sind vertraut, die Geschichten leicht nachzuvollziehen. Und es gibt Bücher, die sind wie ein Spiegelkabinett. Jeder Schritt hinein verzerrt die Perspektive, die Dinge scheinen gleichzeitig vertraut und fremd, und ehe man sich versieht, blickt man nicht mehr in die Welt, sondern in die Abgründe des eigenen Bewusstseins.
Eines dieser Bücher ist Günter Grass’ „Die Blechtrommel“, erschienen 1959, mitten in einer Epoche, in der Deutschland noch in den Scherben seiner Vergangenheit stand. Doch das Buch ist weit mehr als ein Nachkriegsroman. Es ist ein okkultes Rätsel, ein Text, der sich mit jeder Lektüre neu verwandelt und der uns auf eine Reise in das Reich des Geheimnisvollen führt.

Beginnen wir mit der Trommel selbst. Oskar Matzerath, das drei Jahre alte Kind, das beschließt, nicht mehr zu wachsen, erhält sie zur Geburt. Von diesem Augenblick an ist die Trommel sein Begleiter, sein Werkzeug, seine Waffe. Sie ist Spielzeug und Orakel zugleich.
Sind Märchen die ursprünglichen Horrorgeschichten?
Ich war nicht auf ein bestimmtes Genre fixiert, als ich mit dem Schreiben begann, aber auf seltsame Weise hatte mich mein fünfjähriges Ich in der Hand. Ich war ein verträumtes Kind, das gerne las und in seiner Fantasie seine eigenen Bücher erfand. Vor allem aber liebte ich Märchen. Es mag seltsam klingen, aber ich glaube, das ist der Grund, warum ich Horror schreibe. Es gibt viele Gründe, Märchen als die ersten Horrorgeschichten zu betrachten. Sie sind voller Schrecken wie der Tod eines Elternteils, bei lebendigem Leib gefressen zu werden oder verlassen zu werden.

Die gespenstische Geschichte der echten Burg Frankenstein
Vor zweihundert Jahren hatte eine Frau namens Mary Shelley auf einer Party in der Villa Diodati in der Nähe des Genfer Sees in der Schweiz einen „Wachtraum“, der zu einem der berühmtesten Horrorromane aller Zeiten werden sollte: Frankenstein.

Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass der Name „Frankenstein“ Shelleys Roman um Jahrhunderte vorausgeht. Auf einer Bergkuppe im Odenwald, mit Blick auf die deutsche Stadt Darmstadt, befinden sich die bröckelnden Überreste der echten Burg Frankenstein. Das steinerne Bauwerk steht seit Mitte des 13. Jahrhunderts auf der Bergkuppe. Einige sagen, dass die düstere Legende der Burg den Weg zu einer jungen Mary Shelley fand und sie zu ihrem großen Roman inspirierte.
Die Augen der Heather Grace
Wir sind nie in den Genuss der bemerkenswerten Krimis gekommen, die David Pirie anfangs der 2000 für die BBC produzierte. Die zweiteilige Geschichte „Murder Rooms: The Dark Beginnings of Sherlock Holmes“ wird auf der Insel zu den besten Präsentationen gezählt, die das Fernsehen auf diesem Sektor je geschaffen hat. Allerdings muss man dazusagen, dass es zu dieser Zeit die Sherlock-Serie noch nicht gab, die erst 2010 ausgestrahlt wurde.

Insgesamt sollte es die Serie, die an die frühen Hammer-Filme und den amerikanischen Film Noir der 1940er Jahre erinnert, auf sechs Filme bringen. Dass sie trotz des Erfolges eingestellt wurde, ist nach wie vor eines der großen Rätsel, hat aber wohl mit BBC-Interna zu tun. Sie kam viele Jahre zu früh und würde heute ganz anders behandelt werden.
Die Informationen, die Pirie für die Filme als auch für die Bücher verwendet hat, und die eine der Grundlagen für die Entwicklung der Figuren Holmes und Watson (hier Bell und Doyle) bilden, basieren zum Teil auf den Briefen und Schriften des Dr. Joseph Bell, der Doyles Lehrer und Mentor war, als der junge Autor als Medizinstudent an der Universität Edinburgh eingeschrieben war.
Dr. Joseph Bell wird die Geburtsstunde der forensischen Wissenschaft zugeschrieben, da er bei seiner Arbeit wissenschaftliche Beobachtungstechniken einsetzte und diesen Aspekt erstmals in die Verbrechensbekämpfung einbrachte.
Der Ursprung der Geister und berühmte Darstellungen in der Literatur
Seit der Mensch sich seiner selbst bewusst ist, scheint er sich auch der Geister bewusst zu sein. Die Vorstellung von Geistern, aber auch von Geistergeschichten, findet sich bereits in den Anfängen der Menschheitsgeschichte und fasziniert uns seit Generationen. Ein Rascheln im Gebüsch, ein knarrendes Geräusch und die mit unserem Überlebensinstinkt verbundene Angst lassen uns Dinge sehen oder spüren, die vielleicht gar nicht da sind.
Der Scherenschnitt als Okkupator
Das Haus stand vermutlich deshalb leer, weil keine Straße hinführte. Es
gab einen Trampelpfad, von Felberich überwuchert, aber mehr Annehmlichkeiten
hatte es nie gegeben, auch wenn die asphaltierte Straße, die in Schlangenrhythmen
durch das langgestreckte Dorf führte, nicht weit entfernt lag. Das Haus hatte
keine Interessenten, weil es niemand zu Gesicht bekam
so verborgen zwischen Gestrüpp und komplizenhaften Bäumen. Auch schien es
niemandem zu gehören und wirklich keiner wusste zu sagen, wer zuletzt darin
gelebt hatte. Man erinnerte sich an ein, zwei vage Bewegungen,
die man einst sah, vergaß aber schnell, was man eigentlich sagen wollte.
Das Haus sah nicht etwa unheimlich aus, eher traurig,
wie alle schon seit langem leerstehenden Häuser. Wenn es Nacht wurde,
wurde es auch im Haus Nacht, und wenn es Tag wurde, wurde es auch im Haus Tag.
Um die leicht offenstehende Haustüre, ganz aus durchweichtem Holz,
huschten Distelsträucher, die aus dem Innern zu strömen schienen. Nicht alle
Doppelglasfenster waren eingeschlagen. Tatsächlich glaubte ich ohnehin
nicht daran, dass jemand hier vorbeigekommen wäre, um auch nur einen Stein
gegen das Haus zu erheben. Die Scheiben waren von unbekannten Kräften
eingedrückt worden, das Alleinsein der verlassenen Räume wird auf diese Weise bestraft.
Damit hätte der Wüterich Anteil am Verfall des kleinen Häuschens in der Mühlgasse.
Alles befand sich an seinem Platz in der Natur, als ich den Schwarzen Mann sah,
wie er dem Haus erst zu nahe kam und dann, die Disteln zerstampfend,
hinter der Tür verschwand, ohne sie ganz zu öffnen. Er hatte nicht
das geringste Licht abbekommen, blieb auf diese Weise zweidimensional
wie ein Scherenschnitt, nur an den Rändern die Konturen gefräst, den
Hut an der Stirn fetstgetackert und schwarz übermalt, damit auch hier
keine Reflexion zu erwarten war. Als ich mich bückte, um die Disteln zu untersuchen,
stellte ich fest, dass sie eben nicht zertrampelt waren. Die geheimnisvolle Erscheinung
war demnach wirklich ein Scherenschnitt, also folgte ich ihm.
Die Tür wollte ich nicht anfassen,
deshalb zwängte auch ich mich durch den offenen Spalt in die
dunkle Kühle eines gemörtelten Flurs hinein. In den einzelnen Zimmern
gab es nichts außer einer vergangenen Möglichkeit. Die Wände wollten sprechen,
aber sie fanden ihre Worte nicht; das verschweißte Atmen ihres Halses
sagte mir, es ist Zeit zu gehen. Ich vermutete, dass sich
der Scherenschnitt in einer der Schubladen versteckt hielt, die noch
zu einem Schrank gehörten. Auch wenn ich blieb, war das Haus allein;
wenn ich aber ging, blieb nur der Schwarze Mann,




