Gefahr in der Nachbarschaft

Der Mensch, der da in unserer Nachbarschaft haust, fiel mir zuerst auf, weil er das Fernsehprogramm nachsprach. Ich kam gerade heim, vollbepackt mit Tüten, weil ich mein Roll-Dingens vergessen hatte, und lief unter seinem Fenster vorbei, wo er, gekleidet wie eine Schaufensterpuppe, der man die Klamotten falsch rum angezogen hatte, vor seinem Apparat hampelte und versuchte, die jeweiligen Stimmlagen zu treffen. Sie werden verstehen, dass sich sofort die Kundalini-Schlange der Angst meinen Buckel hinauf schob. Man hört ja oft, dass das bereits die Vorstufe zum Massaker sein könnte. Jetzt ist der, hab ich erfahren, ein Buchhalter.

Das beruhigt mich schon allein deshalb nicht, weil es irgendwie immer die Buchhalter sind, die Züge entgleisen lassen, Katzen in Buttermilch einweichen oder in Frauenkleidern rumlaufen. Ich finde es gut, dass eine bekannte Fotoreporterin jetzt ein paar Bilder von seiner nahezu dämonischen Ausstrahlung eingefangen hat und die hier veröffentlichen konnte. Wie soll ich mich denn noch konzentrieren können, wenn ich leibhaftig erleben muss, wie BABYLON fällt? Ein erwachsener Mann, der mit einem Gummiball durch die Straßen wandert, ist eine höchst merkwürdige Erscheinung. Aber deshalb schreibe ich das hier nicht. Schau ich doch vorhin (die Forellen sind schon ausgenommen und werden gerade unter dem Solarium goldbraun gemacht, bevor ich ihnen in der Pfanne den Rest verpasse), aus dem Fenster und seh‘ meine – sprichwörtlich schlechtere Hälfte – mit dem Herrn Buchhalter im Garten murmeln spielen! Natürlich war ich gleich druckvoll wie ein Teekessel unterwegs, um den beiden das Gekröse von den Fischen vor den Latz zu knallen. Kurtchen schläft ab heute drüben und jetzt hocken sie vermutlich vor einem Film und sprechen ihre Rollen im Duett. Ich muss noch überlegen, ob ich mich auf meine alten Tage noch mal umorientieren soll. Modern bin ich ja schon, irgendwie.

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    Der Mond leuchtet den Wichteln, Trollen, Barstukken, leuchtet je­ nen, die selbst nicht glühen und in ihrer hölzernen Hand keine La­ terne mitspazieren lassen. Stock und Stein, Wurzeln, Farne: leuch­ tet der Prozession hinunter ins Dorf! Wölfe küssen feucht.

    »Was ist mit den Räubern?« Sie lercht, lächelt nicht in ihren Gum­ mistiefeln, die ihr bis knapp unter die Knie reichen; sie bie­ gen sich noch kaum, starren um ihr schmales Gesöck herum, stempeln die halbtrockene (halbnasse) Erde, ritzen Dagewesenes hinein.

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