Das nackte Haus in der Calle Desnuda

Der Kranich aus dem Sumpf über dem Schlot
des Hauses mit den Hüften pfeift den Türen nach,
den blinden Fenstern, nachtgeschlossen,
Röcke für die Blöße bläht der Wind und drunter
wird sichtbar das blankhautene Gebinde,
das geteilte Geschlecht im Keller der Kohlen,
der Hitze für einen Tag und eine Nacht.

Durch die Lippentür und über die Schwelle,
der Damm zieht, es ist Winter, der Kranich steigt
der Herde nach, entfellt sie alle um die Suppe,
die warm vom Magen her das Kleid für morgen schafft,
stehen, manche liegen schon im lichten Fön
der Lampen, von der Decke ächzt ein Lied, verteilt
gerecht die Noten, um sie am rechten Platz zu keuchen.

Fünfter Julmond Sechzehn

Der Winter ist ein Phantast; am Morgen wickelt er die Erde weiß ein, am fließenden Tag handelt er mit Sonnenfrüchten. Ich bin nicht erkoren, die Glocken zu vernehmen, die von meiner Unruhe künden. Ich bin ein mächtiges Labyrinth ohne Schonzeit. Im Nacken sitzt mir der Geist der Vergangenheit, ein Gefährt ohne Sitzfläche. Im Stehen besehe ich mir nichts als Nebel, der niemals lebendig war.

Achtundzwanzigster Neblung Sechzehn

Ich konnte zwar die anfänglichen zwei Gedichte nicht mehr auffinden, habe aber dennoch damit begonnen, die Suite jetzt niederzuschreiben. Keine große Sache eigentlich, bis auf daß sie anders klingt als es zu vermuten stand. Als pdf biete ich den ersten Teil an, weil ich hier Formatierungsprobleme habe. Wie viele Vierersätze ich für die Gespenstersuite schreibe, hängt wie immer von verschiedenen Faktoren ab. Sollte ich nicht gestört werden, können es – das ist eine vorsichtige Schätzung – fünf sein. Und damit wäre es nach GrammaTau und Gugus, die vor zwei Jahren entstanden, die erste neue zyklische Arbeit.

Siebenundzwanzigster Neblung Sechzehn

Zwei Gedichte, die für eine Suite gedacht waren, sind mir verloren gegangen, Kummer ist ein Genie. Ich beobachte durch Fensterscheiben, die alles dahinter leicht verzerren, weil sie durch meine Position ihren Grünanteil ins Spiel bringen, dicke Scheiben, man glaubt gar nicht, dass man überhaupt hindurchsehen kann. In der Bibliothek im ersten Stock schrieb ich vom Verschwinden und dass ein Verschwinden nur ein nicht sehen ist. Vor einem Abgrund stehe ich und mein zerrissenes Selbst. Selbst und Ich. Ich komme vielleicht nicht mehr aus mir heraus.

Einundzwanzigster Neblung Sechzehn

Lebens, 86 400 mal am Tag. Das Gehirn schaltet in zwei Teile, Funktion und Qual. Es ist mir völlig unmöglich, Entscheidungen zu treffen. Ich sieche vor mich hin, unterbrochen von cineastischen Einheiten. Selbst Rasieren ist mir ganz und gar unmöglich. Selbst mein infantiler Humor rettet mich nicht mehr.

Ich habe einen Ort entdeckt, an dem man mich nicht erreichen kann. Die Welt tobt bedrohlich, aber sie kommt mir nicht nahe Der einzige Kontakt nach draußen ist der Traum, also ein Film oder Literatur. Und auch da bricht die Welt nicht über die Verbindungskanäle herein.

Telling

„Just tell your story – your own story.”

Miles Davis (zwar über den Jazz, aber ich bin grundsätzlich der Meinung, dass der Jazz meine Auffassung von Literatur am besten spiegelt. Die Beat-Generation hat den Jazz verstanden, Fitzgerald eher nicht.)

Was, kann man fragen, ist der Sound in der Literatur. Der Sound ist der Stil. Wichtig scheint mir, das standardisierte Schönheitsideal durch radikalen Ausdruck zu übertönen. Es ist völlig wurscht, was man schreibt, es zählt nur, WIE man schreibt.