Monstra sunt

Was soll’s : ich hab’ Mönschen gesehn, die konnten fliegen; weil sie aber nicht wußten, wie sie’s gemacht, sind sie wie die Lemminge in Gruben gestürzt oder haben sich anderweitig den Schenkelhals ruiniert. Vielleicht waren sie ja innen hohl; der Wind findet seine Pforte auch in einem Schlüsselloch, warum denn also nicht in einem aufgesperrten Maul?

Die also habe ich gesehen : Heilige Säufer, Schlangenmenschen habe ich gesehen, aufgestandene Tote. Um die großen Meere herum ist Monsterland, die Meere selbst sind das ›monere‹, deshalb ja wohl die Stürme, von Riesenmaulhaien aufgetürmte Wellen, die nicht wollen, dass wir zu Wundervölkern und phantastischen Kreaturen durchdringen. Wir könnten sonst erkennen … warte, wo hab’ ich nur wieder schnell den Zettel … monstra sunt in genere humano!

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    ist die Alliteration geglückt, darf er sich im Bade mit ihr suhlen
    (schreibt nicht jeder für die Weps?)
    Kepse mio
    im Lande Ingwäoni: die Flattermannen, die Bernsteingefäße voller Rabenblut, ›dies martis‹ erzähle ich das Gerücht nun weiter, wir sind nicht an dem Städtebau interessiert, leben abseits lieber als in seiner Nähe, nicht wie ihr in Rom, die ihr gut und gerne aufeinander hockt, den Schweiß des anderen deutet
    (ein Moschusgeflecht auf Pergament)
    ihr habt sie lange nicht mehr gesehen: Druckgeister, Manwulfe, Alben und Wichte mit ihrem König Oberon, Alraunen, Feen und Wahl=Küren, eure Gespinster sind euer eigener Gestank
    schlanke Wirrnis Welt, stand auf dem Telegramm, ich hatte es mir selbst geschrieben, habe einen falschen Namen angegeben
    (Solipsismus und das Problem des Fremdseelischen)
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    (da wird doch wohl noch einer)
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  • Das Labyrinth

    Das Labyrinth ist ein Zeichen, das viele verschiedene Zeichen in sich birgt. In einer Fülle komplexer Darstellungen und Deutungsmöglichkeiten führt es hin und her, biegt immer wieder ab und führt schließlich zur Mitte.

    Eine der Bedeutungen des Labyrinths ist, dass alles, was existiert, sich niemals schlussendlich festlegen lässt. Das frühgeschichtliche Labyrinth, das man bei Ausgrabungen eines Palastes in Pylos in Griechenland fand, hat einen kreuzungsfreien und vorgegebenen Weg, der auf verschlungenen Pfaden sicher zum Ziel und wieder hinaus führt. Man kann durchaus davon ausgehen, dass das Labyrinth mit Initiationsriten, erotischen Hochzeitsspielen und Tod-Wiederkehr-Mysterien in engem Zusammenhang steht, denn die ältesten Zeichnungen sind nahe an Kultanlagen platziert.

    In der Ilias wird ein Pendeltanz im Zusammenhang mit einem Herbstritual beschrieben. Tanzvorstellungen sind auch auf alten Tonkrügen zu sehen, die hier Kranich- oder Jungferntanz bedeuten.

    Das Labyrinth (und das soll hier nicht verschwiegen werden) ist ein weibliches Symbol, es steht immer in Verbindung mit der Göttin oder der Erde. Erinnern wir uns:
    Ariadne hatte den Faden des Wissens in der Hand und gab ihn weiter.

    Ich habe das Labyrinth als Sinnbild meines Werkes gewählt. Ich bin weder der erste, noch werde ich, da bin ich mir sicher, der letzte sein. Der Unterschied aber zu allem, was man über das Labyrinth weiß, ist in der Literatur ein anderer gegenüber den historischen Tatsachen. Schlegel führte 1798 die Arabeske in die Literatur ein und verband damit die Vorstellung märchenhafter Phantastik, ironischer Leichtigkeit und überquellender Fülle, von Poe wissen wir, dass er in seinen Geschichten vom Arabesken den Akzent auf eine groteske Verzerrung der Welt hin zum Dämonischen legte. Besehen wir uns die Ornamentik einer arabesken Darstellung, fällt es uns sehr leicht, darin ein Labyrinth zu erkennen. Denken wir uns ebenfalls eine Wüste als Labyrinth und: eine Bibliothek.

    Ich kann mich täuschen, aber die besten Dichter waren labyrinthische Schreiber, die stets mehr wagten, als bornierte Beschreibungen in die Welt der Unterhaltung zu liefern. Ein Labyrinth unterhält nicht sondern bietet nicht weniger als den Zusammenhang des ganzen Universums.

    Und es wird erzählt von einem Weibe, das sich hat ihre Schamlippen ritzen lassen, so dass darauf, auf ihrer zarten Haut, ein Schmetterling zu sehen war, und dieses Weib wohnt im Hause der Labrys, das umgeben von schweren Steinpfeilern die Doppelaxt in ihren Händen hält. Das Haus ist in der ganzen Welt als Labrynthios bekannt.

  • Sieben Minuten

    Ich putze das Blut vom Boden auf, die Flecken und das Blut, schlage eine Seite eines Buches auf, streiche Sätze durch – das ist wie Geld verbrennen.

    Es wird immer dunkler, ich bin eigentlich schon müde, der letzte Bus ist seit einer halben Stunde durch.

    Ich sitze auf einem Plastikstuhl und warte, putze und streiche Sätze. Hinter der Theke hängt eine Bahnhofsuhr, die mir bedeutet : noch sieben Minuten.

    Zähle die Hühner, die sich um die eigene Achse drehen, drei Spieße um einen größeren Metallstab. Dieser Tod riecht angenehm, noch drei Minuten.

    Das Abendrot entreißt sich der Natur wie ein schwarzes Schaf der Familie trotzt, um schwarz zu bleiben.

    Die Unwissenheit; die Frage der Vergangenheit macht sie zu einem Rezept der Freude, sich selbst in jede Straße zu spülen.

  • enzymenklirre

    makroskop. gefügeuntersuchung
    (640fache vergrößerung)
    ätzung schliffen korngrenzen für
    merkwürdige schleifvorgänge (metall-
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    ist die grenze zwischen malerei u. skulp
    tur, profeten sybillen, sündenfall
    vertreibung aus zwickeln u. lünetten
    (i für ich kompostiere in nur eine richtun
    g) sherlocks regen
    pulsar in klemmen (in der klemme=klamm)
    teedeckel fallen okay (old kinder hook) fallen sie halt
    der stärkere kakao steht rechts
    polterdipolter=leben

    onduliertes geschlechtshaar, ange
    gilbt dann rostrot, die 25 mätressen
    (aus mätressen=quark) in
    bocksboiteln schlürfen das rotwässrige
    aus dem hals, der einem zuber gleicht
    einem dünnschichtspeicher (aufge
    dampfter magnetschicht), binärwerte
    eins und null, schreibleitungen,
    singender lichtbogen, den rammfilter
    ins trockengestein schlagen
  • Der Gehenkte

    (Am 25. Januar 1855 erhängte sich der heute weltberühmte Dichter Gérard de Nerval in Paris an einem Straßentor der Rue de la Vieille-Lanterne, einer Sackgasse, die es heute nicht mehr gibt. Bei sich trug er das Manuskript der Aurelia.)

    Die ausgelassene Stimmung verpuffte jäh mit dem ersten Glockenschlag. Nicht die Mitternachtsstunde, in der die Geister früherer Zeiten tobten, ist die ungemütlichste der ganzen Nacht, es ist die Spanne zwischen drei Uhr morgens und dem Sonnenaufgang, die für die meisten Todesfälle sorgt. Zu diesem Zeitpunkt steht die absolute Schwärze in ihrem Zenit und jeder positive Gedanke ist nur ein hilfloses Konstrukt innerhalb der unüberwindbaren kosmischen Kälte.

    Mehr lesen „Der Gehenkte“
  • Das Jenseits im Nebel

    Ich könnte singen von den unheilvollen und drohenden Dingen, den toten und vergessenen. Doch werde ich je wieder reisen durch den vom Wahnsinn gelb gefärbten Nebel des Vergessens, zu den Gestaden fremder Wirklichkeit? Fände ich überhaupt den Weg zurück, der mir damals so zufällig erschien wie einst Rip van Winkle sich über das Auftauchen einer flämischen Gesellschaft verwunderte? Mir selbst wurden keine Jahrzehnte durch einen sonderbaren Schnaps gestohlen, noch nicht einmal Jahre, aber von den merkwürdigen Festen wie in den Tiefen des verhängnisvollen Venusbergs könnte auch ich berichten. Doch wüsste ich nie zu sagen, was sich daran mit mit meinen halluzinatorischen Träumen mischte, denn eines ist mir klar geworden: Es gibt unterschiedliche Arten des nächtlichen Gespinstes und mindestens eines davon eröffnet uns das Jenseits mit seiner unendlichen Weite. Es ist für mich gar nicht ausgeschlossen, dass, sobald wir unserer so stabiles Sternensystem verlassen würden, wir auch außerhalb unserer fleißigen Schlaftätigkeiten dorthin gelangen könnten, allein deshalb, weil wir unsere Körper nicht behalten dürften und stürben; d.h., es stürbe das, was wir in unserer Welt so sehr benötigen, und wenn wir es verlieren, geistern wir umher, unfähig, weiter zu träumen, weil wir in einem derartigen Zustand schlicht all unsere Erinnerungen für einen Traum halten. So nötig haben wir den Schutzschild der Materie, dass wir um seinen Verlust so sehr bangen wie um nichts anderes. Es mag sein, dass wir die Geister deshalb fürchten. Sie zeigen uns, dass wir auch im Tode nicht entkommen können und endlos weiterspielen müssen. Sie zeigen uns durch ihre finsteren Auftritte, wie wichtig die Wiederholung ist und wie sich eben alles so lange wiederholt, bis das Wort Ewigkeit seine Berechtigung erlangt.