Vergangene Weihnacht

Ich würde gerne hineingleiten
in eine Spukhütte an unbenennbarer Stelle
fern jeglicher Beschreibung
nicht dem Wetter ausgesetzt
nicht der Zeit ausgesetzt
und dort die Gestalt der vergangenen Weihnacht
am Kamin stehen sehen
diese Hand wäre es mir wert
geschüttelt zu werden

Ähnliche Beiträge

  • Puder=Anschrot

    der Pfeifer an den Toren der Dämmerung. Dieses flatternde Gewebe geistreicher Skizzen, schaukelnder Träume, zufälliger, freier Katenation, da gabʼs die Türe wie eine Säge gezahnt. Fürchte in der blinden Mauer einen Blick, der nach dir späht, der Puder=Anschrot und Spielraum des Zopfes hinten auf dem Rock

  • Mistsudel

    Neben den Bachrunsen biegen sich bucklig die Zweige der Lärchen mit ihrem Säbelwuchs. Sie bedecken mit ihrer Dachung das Blattgefieder, vernähen anhand ihrer grünen Nadeln den blauen Himmel mit dem Ende ihres dreckigen Saums. Und der Ort erscheint mir wie mit Schritten abgemessen, zurückgelassen für ein anderes Ziel vor Ewigkeiten. Für das Ziel, zu bleiben. Endet der Horizont, weicht man aus in ein nächtliches Dasein, beendet den Mistsudel der Realität mit der einfachen Gabe, sich ausknipsen zu können.

  • Der heikle Ritter

    Der heikle Ritter hatte keine Gelegenheit, seine saubere Hand noch sauberer zu bekommen. Alle Wasser lagen hinter ihm und vor ihm nur der Suff bitterer Blätter, die seine Hand beschmutzten, bevor sie ihre Wirkung taten. Ein Kavalier ohne Rose, die er jemanden bringen könnte. Er nahm seinen Platz ein neben der Hecke, wo er nicht auffiel, weil sein Mantel die Luft imitierte. Niemand sah ihn da, niemand rempelte gegen seine Aura und schon gar nicht gegen seinen Schwertarm. Die kleinen schiefen Fenster behagten ihm nicht, denn ein gefasstes Glas gebietet Augen. Die Dunkelheit wollte nichts von ihm, aber wie viele unnütze Begegnungen sind erforderlich, um den Weg zu finden, der von allen Himmeln baumelt, aber nur einmal am Tag zur Ruhe kommt. Mann nannte ihn DIE SAUBERE HAND, weil er darauf achtete, nichts Irdenes zu berühren. Ein Ritter ohne Rose, die er jemanden hätte bringen können. Längst ist ein Hügel um ihn geworden, ein bitteres Kraut wächst an seinem Fuße. Es mag sich nicht um Rosen handeln, aber ein Singsang weht im Zwielicht davon, das nur von Glubschohren zu erkennen ist. Diese seltenen Rundungen großer Gehörgänge brechen das Licht auf eine Weise, die dem spreißeligen Holzrücken nahe steht. Der heikle Ritter verwehte, der heikle Ritter verklang. Ohne Rose, die er hätte jemanden bringen können, taugten ihm auch die Jahreszeiten nicht mehr und er verlor seine innere Spannung. In manchen Tälern nahmen sie seine Verwehungen gerne auf, doch längst nicht überall. Dort bewarfen sie seine schlanken Teile mit einem ordinären Dung, der noch nicht einmal gut brannte. Seine Rüstung hatte längst das Weite gesucht, strebte einen Platz in einer sicheren Kommode an, bewacht von Argusaugen, angebracht an der gegenüberliegenden Wand in den Mustern der Renaissance-Tapete. Kalte Augen. Wirklich, der Tapezierer fror. Keine kostbaren Fransen und Borten mehr. Die Rüstung steht gut hier. Und die Rose, die er jemanden bringen könnte. Er schwankte um das rundes Canapé herum und entriss all seine Kleidungsstücke der Garderobe, zumindest so viel, wie er für einen Besuch benötigte. Drunten stand die Eisenbahn, angeschirrt 1 Pferd. Es kam ein Gast und noch 1 Pferd und immer so weiter, bis alle Pferde alle Lücken ausfüllten und es weder Lücken noch lose Pferde gab. Nachts um drei wurde er endlich zum Ritter geschlagen, das Tapezierhandwerk ließ er vorsichtshalber aus seiner Etikette streichen.

  • Vom Erinnern (Inspiriert von: El lado oscuro del corazón. Von Eliseo Subiela.)

    K: Du bist die Frau, mit der Oliverio fliegen kann, stimmt’s? 

    F: Ja. Woher weißt du das? 

    K: Er hat vorhin gelächelt als er dich gesehen hat. Da war ich bei ihm. Hat mitten im Satz aufgehört zu sprechen. Und dann schaute er ganz traurig. Hat auch nicht wieder angefangen. Ist einfach weitergelaufen. 

    F: Und da kommst du zu mir? 

    K: Ja! Weil ich von dir wissen will, wieso er dort ist und du hier? Versteckt ihr euch voreinander?

    F: Nein, das tun wir nicht. Aber das ist auch nicht so einfach zu erklären. Oliverio und ich, wir beide brauchen Asyl, sind sehr schutzbedürftig, und auch nur, weil wir das bemerkt haben. 

    K: Versteckt ihr euch vor ihr, dem Tod? 

    F: Ja, das kann man wohl so sagen. Du musst wissen, wir haben beide vom langen Vergessen getrunken und uns erinnert. Zwei, das macht eine ganze Welt aus, weißt du. Auch du verstehst das einmal. Irgendwann. Ganz sicher. 

    K: Ich weiß, er hat gesagt, ihr müsst euch wie Hunde auf der Straße herumtreiben. Das ist traurig. Habt nichts als den Himmel über euch. Er sagt, das ist grauenhaft. Flucht auch sehr viel deswegen. Ich mag das nicht. Er erzählt auch immer irgendwas von einer Unverborgenheit. 

    F: Ja, das ist leider so! Wir sind unverborgen. Sind nicht geborgen. Immer dann, wenn wir zusammen sind. Alle sehen uns das an. Obwohl wir etwas sehen. A-létheia. Etwas, das den Spross will. Etwas, das die Blüten beleckt, ihre Farben, sie mit roten Fingerkuppen der Sonne öffnet. Es ist ein Blick. Einer, den man hat, wenn man im Herzen glücklich ist. 

    K: Deswegen schaut Oliverio immer so komisch! Das will er also sehen? 

    F: Das hat er längst. 

    K: Malst du mir meine Fingerkuppen rot? 

    F: Du willst wieder zu ihm, nicht wahr? 

    K: Ja! Ich will meine Hände wie ein Dach über ihn halten. 

    F: Ja dann …

    (K: Kind; F: Frau, mit der Oliverio fliegen kann)