Die Linse für den Apparat

Ich habe noch eine Linse für den Apparat
Ich drehe mich in dich
Ich drehe mich in dich
Der Tag war nicht zu erwarten gewesen, als du gestern –
Als du ankamst, hattest du deine Schuhe in der Hand
Und drehtest dich von der Sonne weg
Die den Steg entflammte
Er wurde für einen Augenblick zu einem anderen Augenblick

Wenn uns der Tanz ausgeht
Habe ich noch eine Linse für den Apparat
Ich drehe mich in dich
Ich drehe mich in dich
Die Zimmertüre lässt kein Licht herein, deine Konturen –
Deine Umrisse bleiben dein Eigentum solange du lebst
Es könnte jederzeit anders sein
Es bräuchte nur eine kleine Erschütterung
Ich kann mir keine andere Dimension vorstellen

Minuswelten

Die Turbulenzen nahmen zu, ohne Reue,
uns über die Zeiten hinwegzufegen. Ich sah,
wie alles erstarrte – ein handfest gewordener
Untergang, ein Zerbröseln am Nullpunkt,
der von einem Geschwader Minuswelten
umschwärmt wurde, die dem Werden
nicht entkommen können.

Schweremut (zum LiveBook-Event „Endlich Schuld“)

Die Hütte, in der man sie antraf, hieß SCHWEREMUT, und ihre Tage und Nächte verbrachten sie in ihrer abgewirkten Haut, die man ihnen hinterlassen hatte, als man sie floh. Töchter der Baba Yaga, der grausamen Frau mit ihren herabhängenden Brüsten und einem knochigen Bein. Kinder des gefallenen Gottes, in einer Knochenwiege ausgesetzt bei den ramponierten Grabsteinen verscharrter Mörder. Die Schwestern betteten sich in Moder und ihre Blutlust war noch ihre schönste Charaktereigenschaft.

„Dreh diesen Körper zu mir, Santa – ich will die Beschaffenheit des Fleisches mit eigenen Augen sehen.“ Derbas Tunnelaugen wiesen die Nacht in ihre Schranken, als sie sich bereits selbst über die makabre Kulisse stülpen wollte.

In den Hanfseilen unter dem Boden hangelten die Leichen, die ebenfalls umgedreht werden mussten. Clodette war die Todwünscherin der drei Schwestern, gram und grau, deren durchdringendes Gezeter bei Neumond, der rabenschwarzen Nacht, die Schauer von Tür zu Tür wanken lässt. Sie stehlen nicht die Kinder – sie stehlen ihre Gebeine, um sie in marschierende Puppen zu transformieren, mit Kleidern aus der Jahrmarktstonne, von Hüten aus dem Gulag.