Der Brunnen der Yoni

Denkst du noch daran, wie du deine Kleider ablegtest, danach dein Höschen wieder anzogst, einen Ohrring herausnahmst? Du zerrißt das Höschen, bis du nur noch den Hosenbund trugst, von dem eine Triangel hing. Du sahst, wie etwas aus dem Meer gekrochen kam und dich musterte, was dir nicht unangenehm war. Du wolltest einen Brunnen graben und brauchtest jemanden, der dir dabei behilflich war.

»Kennst du dich damit aus?«

»Natürlich kenne ich mich damit aus, du hast doch gesehen, woher ich gekommen bin!«

»Das ist nicht dasselbe! Das Meer, das wurde nicht gemacht, das hat niemand geplant.«

Der große Frosch war anderer Meinung und teilte es dir mit, würgte eine Fliege hervor, würgte noch eine Fliege hervor. »Hier«, seine Zunge deutete auf die schwarzen Punkte im Sand, »hier ist die Mitte des Brunnens.«

»Ich sehe sie«, sagtest du. Ihr begannt gemeinsam zu graben, es veränderte sich nur das Wetter. I went down to the crossroads, try to flag a ride. 

Du lernst kennen und du vermisst; die eigentliche Art bleibt dir fremd. Du kommst gut nach Hause und schlecht aus dem Haus, ein Luftspuk, wo immer du bist. So zittern die Stunden, die Jahre vorbei, ein Traum ist so gut wie der nächste, die rührende Nähe der Wünsche vertreibt die Scheu, sich allein im Spiegel zu betrachten. Du gingst (später) in die Stadt der Schenkel, kamst über Haut gepilgert, die wie Sand ihre Formen verändert, gingst zum Brunnen der Yoni und wusstest nicht mehr, was du vorher wusstest. 

Ähnliche Beiträge

  • Tag des Venusbergs

    Heute also Tag des Venusbergs. Die Venus selbst ist kurz vor drei los, um schon mal Vorarbeiten zu leisten, heißt, sich beschlüsseln zu lassen. Die Hitze treibt mir indes schon wieder die Wut hoch, Hitze macht bekanntermaßen blöde. Aber es ist alles noch viel schlimmer, denn der Venus sprotzte das Küchenwasser fontäniert um die Ohren, justamente in dem Moment, wo ich in Keselground verzweifelt und erfolglos nach Illustrierten aus den 70er Jahren fahndete. Tittenmagazine gäbe es zu kaufen, nix aber darüber, was die Gesellschaft dazumal so getrieben hat. Das ist überhaupt das Manko der Geschichtsschreibung, dass sie nur verklausuliert nachzuschlagen ist. Was dagegen ist ein Zeugnis at this point wert? Ich lese da manchmal vom Leben im Mittelalter, fantasiereich und mit allen literarischen Wassern gewaschen, aber wie spielten sich die Szenen zu den Begebnissen ab? Genügen hierzu Wahrscheinlichkeiten? Nie!, man muss sich hinein=kontemplieren, in den Gockel, den Tschukel, den Äpfeldieb. Wie fühlt sich ein Mühlrad an, wenn man aufgekeltert wird? Man träume davon!

  • |

    Die Tigerin von Schächtitz

    Im Abendlicht bog sich das nur schemenhaft zu erkennende Gebäude in die Länge. Das im Nebel liegende Anwesen selbst verlor sich im Nichts der Karpaten. Der Horizont wurde beherrscht von einer drohenden, schwerfälligen Masse unbestimmter Formen, die kaum mehr von einer vergeblichen Sonne durchdrungen werden konnte. Jahrmillionen alte Berge bissen in das weiche, fahle Himmelsfleisch und bildeten einen Klumpen konzentrierter Bösartigkeit.

    Durch das darunter liegende Schloss zog die Karawane der Träume, angeführt von allerlei absonderlichen Gestalten, Gauklern und Scharlatanen in dunklen Kleidern.

    Mehr lesen „Die Tigerin von Schächtitz“
  • Der Gehenkte

    (Am 25. Januar 1855 erhängte sich der heute weltberühmte Dichter Gérard de Nerval in Paris an einem Straßentor der Rue de la Vieille-Lanterne, einer Sackgasse, die es heute nicht mehr gibt. Bei sich trug er das Manuskript der Aurelia.)

    Die ausgelassene Stimmung verpuffte jäh mit dem ersten Glockenschlag. Nicht die Mitternachtsstunde, in der die Geister früherer Zeiten tobten, ist die ungemütlichste der ganzen Nacht, es ist die Spanne zwischen drei Uhr morgens und dem Sonnenaufgang, die für die meisten Todesfälle sorgt. Zu diesem Zeitpunkt steht die absolute Schwärze in ihrem Zenit und jeder positive Gedanke ist nur ein hilfloses Konstrukt innerhalb der unüberwindbaren kosmischen Kälte.

    Mehr lesen „Der Gehenkte“
  • Der Komische

    Ein Duft wie in der Dallmayr-Stube der Therese Randlkofer :
    Kaffa in Äthiopien (der blaue Elefant hält inne), psychotrope Wirkstätte : Geküchel. Ich ahme mich nach im Schnee, durch den ich Quarkkuchen balanciere / ein haariges Mittel erwartet mich
    (ich hätte ja nachwievor gerne eine Wasserwelle,
    die so beschissen an mir klaftert, dass ich mich verstecken müßte).
    Ziemlich nachtaktiv & ich muss mich wieder in den Morgen schrauben –
    aber so ein Bett ist einfach zu… und das zu jeder Zeit (überhaupt : Zeit !)

    Schreibmaschine, Bett, Bibliothek (und natürlich Vinyl!) / Hausanzug:
    meine Morgenmäntel abgetragen, ich bekomme nahezu jeden Tag Buchlieferungen; man schämt sich ja so halbnackt die Tür aufzumachen
    (bin ja keine nacktberechtigte 20 mehr (ja, und 30 natürlich auch nicht). Man sollte gar nicht so schockiert sein : »Der ›Komische‹? Wohnt da oben, das Paket könnense aber auch mir geben!«
    Lange dauern Worte, wie lange können sie bleiben?
    Haben sie Malsachen dabei? Einen Schlafanzug?