Nature morte

Stuhlbeine
ein künstlicher Wald
auf dem Parkett
der Wunsch, besessen zu sein
oder nichts
mit Bequemlichkeit
zu tun zu haben

Willkürliche Anordnung
von Händen, die sich
Platz schaffen
von dort unten
schaut niemand
nach oben
darüber hinaus nicht.

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  • Die Geröllhalden von Herculaneum

    Ich greife vor und sehe bereits die ganze Erzählmaschine anrumpeln und abraspeln, was dann in diesen ledernen Teig fällt. Ich sehe dich gehen, ich sehe dich gegangen, ich weiß nicht wann, noch weiß ich wo. So suche ich, ohne mich augenscheinlich zu bewegen, vor (der) mir, hinter mir – gilt nicht – ich komme! Die vertrunkene Löblichkeit des Scheiterns, fern von Sternen angereist, namenlos. Forscher Hemdentausch. Gartentanz Regenbalz. Kümmergrund im Regen, abfallwärts auf Stelzen gehen, Born-Ritter wachen nahe der geliebten Stadt, und brennende Vehikel rudern abwärts zu den Lagern. Die Geröllhalden von Herculaneum, Lava und Bimsstein in antiker Trockenheit, die Gefangenen erbauen hohe Gerüste mit ihrer Brust, ihren Schenkeln, den Armen. Mit den Fingern im Blut fremder Namen klingen die Jahrtausende an. Wer den Staub rieseln sieht, bekennt seine Torheit, spricht in Lumpen vor, erhofft das Getränk so weiter fremder Welten, die still im Nichts sich regen.

    Wie ein unbewusster Nebel werde ich auftauchen, die Stimmen gleich hinter mir, nahe bei den Gestaden, die ich bewandle. Finde mich dort, Wanderer, auf der Suche nach den Stimmen, die dir sagen, was ich dir sage. Die Stimmen gleich hinter mir, von Eros und Thanatos, den Mysterien der Wirklichkeit. Der Nebel voller Licht, darin die Gewalt eines rein fließenden Chaos, Auftrieb, Abtrieb. Geschmeidiges Sein durchwebt die Stille. Ich sage : »Still jetzt!« Da du das Gespenst bist, das sich im Walde verirrt, da du der Bach bist, der neben mir geht. Ich fand die frisch erworbene Demut an meiner linken Seite herabtropfen, blutendes Weideland. Ich fand dich stehend; da du wie das Holz gekleidet warst, folgte ich dir. An den blitzenden Augen vorbei kam ich hinter dir her, verlor deinen Rücken. Auf den Fersen gehend sprengte Zeit aus dem weichen Boden, als wäre es noch dunkler geworden da im Nest. Das schwarze Licht verblasst zu hellem Grau, dunklem Weiß, vernebeltem Gelb, das aus der Erde sticht.

    Pferdeköpfe aus Raha dachten Geister in die Wüste. Das Wallen der Mähne gestaltete sich ganz so, als könnte sie berührt werden. Freilauf der inneren Bilder. Im Schlaf erkannte er den Schatten der Besiegten, wie er um einen Kenotaphen hing, die Gebeine der Gefallenen ruhten nicht hier. Sie alle wurden dreimal beim Namen genannt und eingeladen, ihren Geist hier einziehen zu lassen. Er blickte auf den Sündenbock, der zugleich von diesem Heer der vielen Völker als Lichtgestalt gepriesen wurde, den Löwen der Völker, der jetzt verstummt. Er war das Krokodil in den Seen, hatte die Flüsse auf gepeitscht, das Wasser mit seinen Füßen verschmutzt, die Fluten aufgewühlt. Sein Fleisch wurde auf den Bergen ausgelegt und die Täler mit seinem Aas gefüllt, das Land ertrank unter der Flut seines Blutes und Finsternis legte sich darüber. Das Schwert von Babel war über den Fürsten von Rosch, Meschech und Tubal gekommen. Zyklopenhafte Wände und Mauerzüge im modellierenden Licht unsichtbarer Scheinwerfer überschwemmten das Bild der öden Wüste, deren Sand ockerfarben vom Blut in der plötzlichen Dunkelheit erkaltete. Eine seltsam bannende Kraft lag in diesen Mauerresten. Erdmasse aus Mergel. Treppenstufen ungeduldiger Habgier. Nymphen, Faune und Mänaden, ein Satyr auf einem Esel reitend, pralle Hüftstücke unbekleideter Damen in tolldreisten Spiegeln. Vollsaftige selige Ekstase folgte dem Tod, Perlhühner und Wägelchen mit Weintrauben gespannt. Enten, Pfaue, Feigenbäume. Säulen, Kapitelle, Gesimse, Grabdenkmäler, Reliefs und Skulpturen verschwimmen mit traumhaften Symbolen. Und immer wieder Pferdeköpfe, hetzend durch ein Nebelband, Schaum auf ihrem Geschirr, die Trense gespannt, die Augen konzentriert und starr. Diesmal änderte sich der Rhythmus ihrer Bewegung, die Pferde waren Isländer und ihre schnelle Gangart war der Tölt. Vor ihnen gab es nichts als eine große, gähnende Schlucht, Ginnungagap. Hier in dieser gewaltigen Leere, mitten zwischen Licht und Dunkel, sollte alles Leben seinen Anfang nehmen in der Begegnung zwischen Eis und Feuer. Langsam begann der Schnee zu schmelzen, geformt von der Kälte, aber von der Hitze zum Leben erweckt entstand ein seltsames Wesen, der Größte aller jemals existierenden Riesen mit dem Namen Ymir.

  • wiesenwrack

    kann aber zugänge zum lumpen in dir
    mit wirklich hohen schuhen
    enthalten was stumm

    auf stelzen hoch und abwärts
    besieht man sich dann
    was nicht ein gran salz enthält

    wiesenwrack unter den matten &
    köttelvieh zieht suchend
    niemand will jetzt los

  • Du wirst wandelbar in meiner Haut

    Die Schilde wurden von starker Hand
    gehalten, Stühle auf dem Boden
    festgeschraubt. Auch hingen besagte Bilder
    bereits an den zu spät entdeckten
    Wänden, die aus diesem Grunde
    einen Schatten zogen.

    Jetzt entsteigt sie :
    sehen Sie sich ihr Profil an :
    ist das nicht die Kontur des Kontinents?
    Des Gesuchten? Hier, in diesen
    drei Wänden stolpert jede Gewissheit.

    Pulkende, Pullende, Pumpende
    Sommerstrahlung
    Dauernde, Lauernde, aufgestaute
    Verglasung
    Ohne Ornamentik, kahl, beinahe
    zu kahl. Das wird ein Spiel
    um den höchsten Grad der Verzückung,

    das wird ein sich aufbäumender Raum,
    der sich über die ohnehin vorhandenen
    Veränderungen stülpt. Die Negation
    kann die Form eines Fisches
    annehmen, außerhalb des Schwarmes,
    dem Zahn-Balken ausgeliefert, weil
    selbst nicht hungrig genug, einer
    Gefahr das Herz auszubeißen.

    Inmitten des Ozeans ist die
    Schwerelosigkeit ein drückendes
    Beispiel marodierender Existenz.

    Algen :
    Schergen des Gärprozesses, winselndes
    Gebräu des Urschlamms, Vollstrecker,
    Bruder Schlamm, Schwester Fäulnis.

    Du wirst wandelbar in meiner Haut,
    wie willst du mich umarmen?

  • Ninegal (Repositorium)

    [Eigentlich: Drunten im Hermelin war‘s. Wir kneipten fröhlich, naschten von den rossigen Lippen, tätschelten das feiste Arschfleisch, tranken immer noch was mehr. War‘s noch, daß die Mägdlein lachten und sich auf die Hose setzten für ein Weil der Energie. Da wollt‘ kein Licht Gesichter reißen aus den Schatten in der Luft, kerzenflammend teinted jedwed fremd Entzücken über=All, Musik schwoll aus dem Gläserrücken, Bierverschütten, Händekramen. Gesang marscht aus dem Zähneblecken, Augengecken: nassem Wort; auch ein Kuß auf nackten Arsch. Und später, wenn man’s treiben wollt‘, fiel man betrunken heimwärts.]

    [Dann: Da wollt‘ kein Licht Gesichter reißen aus den Schatten in der Luft, kerzenflammend teinted jedwed fremd Entzücken über=all, Musik schwoll aus dem Gläserrücken, Bier verschütten, Händekramen. Gesang marschiert aus Zähneblecken, Augengecken: nasses Wort; auch ein Kuß auf nackten Arsch. Und später, wenn man’s treiben will, fällt man betrunken heimwärts.]

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