Tellermulden

So lieben wir: Wir kochen die magische Suppe ab, in der freilich auch ein Anteil der selten gefundenen Springwurzel schwimmen muss, und fischen nach den feisten Brocken, die nach oben querlen –

alsda können sein:

Knollensellerie, Porree, Pastinaken und Topinambur.

Es wäre nicht dasselbe, würden wir das Geschlampe nach Bauernsitte einfach über den Tisch in die vorgekerbten Tellermulden gießen,

denn dann läge nur alles hingeschüttet vor uns, ohne den Reim, den wir uns über das Essen machen könnten.

Das Vergnügen aber, in den warmnassen Schwaden des Kesseldampfs zu stehen und mit starren Augen in der Hitze herumzufummeln – hier eine Wange, dort sogar ein Lächeln in den Wogen des kochenden Wassers zu entdecken, das unser Gemüse bald an die Oberfläche wirbelt, gleich aber wieder nach unten zieht – bereitet uns die natürliche Freude des Schwerenöters, der nach den wirklichen Wölbungen in schummerigen Hirtenhäusern Ausschau hält, aber nichts sieht außer Kerzen und Lampen, und sich so das Seine selbst zusammenspinnt.

Ähnliche Beiträge

  • Orte

    Geschrieben von A. Anders

    Es gibt einen Zwischenraum, getragen von 8 Spinnenbeinen. Er bewegt sich hinter Zeitlupen. Zu langsam für ein menschliches Auge ihn zu erfassen. Zu schnell der Raum, in den es gewohnt ist zu blicken. Begehbar nur durch einen Steg, an dem er zu bestimmten Zeiten steht und ruht. Dann ist er sichtbar. Zwei nebeneinanderliegende Türen hat er, von gleicher Größe und Art. Beide sind sie weiß, mit einer blauen Raute in einer blauen Ellipse darauf. Sein Inneres ist rosig und warm. Kleine Spinnen sitzen auf den feuchten weiten Gewebswandungen, die, sich hinstreckend zu einer langen Passage, zeitüberwindend in die Welt zu allen Orten führen, die ich mir in Gedanken vorstelle. Städte, Wüsten, Berge, Seen, Wälder. Orte, die hinter immer neuen Spinnennetzen entstehen. Netze, die mich umschließen, sobald ich in sie gehe. Feiner als ein Taucheranzug, angereichert mit einem stundenausbreitenden Sauerstoff. Es ist ein Raum, verloren im Hier. Zeit, die ich ablege, wenn ich ihn, durch die rechte Tür tretend, verlasse. Weil ich muss. Um mich wieder schlafen zu legen. Nahe meines Netzes. Hinter dem sich im Wind die Welt abspult.

  • enzymenklirre

    makroskop. gefügeuntersuchung
    (640fache vergrößerung)
    ätzung schliffen korngrenzen für
    merkwürdige schleifvorgänge (metall-
    garne) die kenntnisse des apoll
    vom belvedere vorausgesetzt, ignudi
    ist die grenze zwischen malerei u. skulp
    tur, profeten sybillen, sündenfall
    vertreibung aus zwickeln u. lünetten
    (i für ich kompostiere in nur eine richtun
    g) sherlocks regen
    pulsar in klemmen (in der klemme=klamm)
    teedeckel fallen okay (old kinder hook) fallen sie halt
    der stärkere kakao steht rechts
    polterdipolter=leben

    onduliertes geschlechtshaar, ange
    gilbt dann rostrot, die 25 mätressen
    (aus mätressen=quark) in
    bocksboiteln schlürfen das rotwässrige
    aus dem hals, der einem zuber gleicht
    einem dünnschichtspeicher (aufge
    dampfter magnetschicht), binärwerte
    eins und null, schreibleitungen,
    singender lichtbogen, den rammfilter
    ins trockengestein schlagen
  • Die Geschwister Grimm in Kempten

    „Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott. DAS ist doch merkwürdig!“

    (Zitat von „Die-mit-dem-Dichter-spricht“)

    Das Allgäu ist übervoll mit Menschen, an denen der Nonsense der heutigen Zeit zwar nicht abprallt, aber hier und da dann doch für das genommen wird, was er ist: eine vorübergehende Erscheinung. Gerade in den Bergen und in den Randbezirken gibt es noch eine Menge Zauber.

    „Ich würde Sie niemals als Hexe bezeichnen!“
    „Ich mich aber schon“

    Naturheilkundige finden hier ihr Mekka. 1775 wurde die letzte Hexe in Kempten zum Tode verurteilt, aber nicht verbrannt. Sie starb eines natürlichen Todes. Vielleicht geht es Kempten deshalb so gut. Wer im schöpferischen Element tätig ist, der weiß, dass diese Kraft weiblich ist, auch wenn es Männer gibt, die das leugnen. Ich selbst wäre ohne die weibliche Urkraft seelisch wie körperlich bankrott. Deshalb die Große Mutter, deshalb Hexen. Aber mir geht es hier nicht um Elementarkräfte und deren Herkunft. Es ist ziemlich erstaunlich, dass sich Kräuterfrauen und solche, die sich selbst „Hexen“ nennen nicht nur in den Allgäuer Dörfern finden, sondern mitten in der Mall, die gesichtslosen Konsum über ihre Jünger schüttet, die jeden Tag erneut anbranden, um dem Abfall der Industrie anheischig zu werden.

    Mehr lesen „Die Geschwister Grimm in Kempten“
  • Das Scheitern eines Planeten

    Schwärzer als die
    Textur der Nacht schält sich ein
    Symbol aus der dunklen Leere.

    Was würdest Du tun, wenn die
    Skepsis uns fräße, wenn unsere
    eigene Natur eine Barriere bildete,
    die zu überwinden unmöglich ist?
    Das Paradoxon anerkennen, oder
    zurückkehren, in den Traum vergangener
    Ungewissheiten kriechen, die allesamt
    besser sind als die Tatsache
    einer Endgültigkeit?
    Das Scheitern eines Planeten ist nicht laut.
    Aber in diesem Orkan schreibe ich mich warm.

    Die Kerntransplantation der Sinne,
    eine Oktavenleiter hinauf oder
    hinab (so genau lässt sich das nicht
    feststellen), das löchrige Netz der
    Spinne, die ihren Preis durch ihr
    Verschwinden bezahlt. Dieser Ausgang
    als eine neue, elementare Währung,
    wahrhaftiger als die jeweilige
    Wahrheit. Kaum sind wir hier, sind
    wir auch schon wieder verschwunden,
    das Leben als webender Minotaurus,
    als Spinne, die zur Jagd
    nur Ruhe benötigt.

    Manche Gedanken sind donnernde
    Vasallen, aber: ein Maulbeerbaum
    erblüht und die Hufe sind geschwächt.

  • Der Weg nach Raha: 10 Die alte Bahnstation

    »Siehʼ an, ich hatte Sie bereits vermisst! Waren Sie nicht verschollen mitsamt ihrem Geiger?«

    Ich kletterte in den Bus hinein unter den Blicken wachsweicher Figuren, die unter der Hitze litten, eine Welt ohne Wetter ist schwül. Aus dem sich öffnenden Loch einer Bahnhofswand heraus war schließlich der Bus erschienen, von dem der letzte Zugpassagier gesprochen hatte. Am Steuer saß Madame Blandot.

    »Werden Sie mich zum Leuchtmoos bringen?«

    Mehr lesen „Der Weg nach Raha: 10 Die alte Bahnstation“
  • Ödium des Verrats

    An den Türen Kräuterwuchs, im Garten schwarzer Stein, ein Talisman des Untergangs. Die Haube des Frühlings verdorben, Gesichter in der Nacht in Rauten, befächert von schwelender Vergänglichkeit. Die Türme aus dem Lot, gefallen jeder zweite. Der Kranz der Hierophanten belebt Stufen und Brocken, das Beben an einer langen Tafel der Kadaver, das Ödium des Verrats. Das Röndelrad erklommen, Riß, der durch die Speisenden fährt, aufschreckendes Gemäuer entmörtelt sich schaudernd entlang des ganzen Saales Breite. Die vorhersagbare Furcht in schalem Wein erkannt.

    Mehr lesen „Ödium des Verrats“