Spook Hill

Zwischen den sanften Kämmen der Catoctin Mountains, dort, wo die Wälder von Maryland in Nebel und Geschichte getränkt sind, liegt eine Straße, die uns das Denken verdirbt. Wer hier sein Auto anhält, den Motor schweigen lässt und den Gang herausnimmt, wird erleben, wie sich das Gefährt in Bewegung setzt – langsam erst, dann entschlossen, und scheinbar bergauf. Auch ein Ball, achtlos zu Boden geworfen, gehorcht demselben Gesetz: Er rollt, als zöge ihn eine unsichtbare Hand, nicht hinab, sondern hinauf.

Die Menschen nennen den Ort Spook Hill, und der Name ist nicht zufällig gewählt. Burkittsville, das stille Städtchen am Fuße eines Hügels, ist seit jeher ein Ort, an dem sich Geschichten sammeln lassen. Im September 1862 tobte hier die Schlacht von South Mountain, nur Tage vor dem Blutbad von Antietam. Hunderte fielen, und das Dorf wurde zum Lazarett: Kirchen verwandelten sich in Krankensäle, Scheunen in Behelfsquartiere für die Sterbenden. Man sagt, die Soldaten hätten keine Ruhe gefunden. Ihre Geister, noch immer auf der Suche nach Kameraden, legen Hand an jedes Fahrzeug, das anhält, und treiben es in Richtung der Häuser, so wie sie selbst einst in die Heimat zurückwollten.

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Die Rose ist ohne Warum

Als ich anfing, war es ein Köter. Aber Mary hatte einen Zahn. Die Wiese ging nur bis zum Baum und verschwand in dem einen oder anderen Garten, schließlich waren wir alle nicht besonders rücksichtsvoll und wollten gemeinsam die Alte Mutter ausgraben, die hier irgendwo liegen sollte. Ich grub zuerst (und es war – dann doch) ein Köter, den ich fand. Knochig und von Würmern und Dingen mit so seltsamen Namen wie Triosephosphatisomerase befreit.

Er kam mit mageren Lenden, mageren Beinen, ohne jeden Makel außer seinen zuckersaugenden Lippen (wenn er Zucker fand, dann in Würfelform). Die Rippen eher wie die Adern eines Blattes, die Spanten eines versunkenen Schiffes: So schritt er den Gurtbogen am Tonnengewölbe entlang, kratzte sich die Kehle und blies wie ein Bügelhorn: Jetzt bin ich so weit gekommen, und wenn ich mich umdrehe, erkenne ich meine Hand vor lauter Augen nicht mehr, so neblig scheint mir der Weg, gesponnen aus der Dunkelheit der Seele!

Deine Mühlen werden besser beschienen, Kischote, wenn du dich von Mittag her näherst. Dann werden die Lupinen von deinen Taten zeugen und die Brunnen werden Heimweh haben. Dann wird sich die Erde erheben und die Berge werden dem Gesang lauschen, der hinter einem einsamen Duschvorhang erklingt. Auf einem geschnitzten Abfallhaufen landet deine Lanze, Kischote, wenn du dich vom Abend her näherst, auf einem nur gemalten Gaul, die Rotoren, von Mückenflug und Atemfluch getrieben, zermalmen den Zehnten, den Müller gleich mit, und seine Schürze hängt noch da, wenn du dich vom Morgen her näherst, der Mühle den Hintern zu versohlen, mit Rost und Federhelm und reichlich Irrglauben. Du wirst mit deinen Mühlen besser beschienen, Kischote, wenn du dich von Mittag her näherst.

Wir haben nie etwas voneinander gewusst, sahen uns jeden Tag, verbrachten Jahre miteinander und lernten das Leben kennen, das man uns versprach. Das Wunder ist nicht auszuschließen, aber rechnen dürfen wir nicht mit ihm.

Heute sage ich: Wo warst du? Wir haben das Leben zusammen kennengelernt, wo sind die anderen?

Und du sagst: Ich war fort, ich weiß nicht, wo ich war. Ich habe nichts besser gemacht. Ich hätte jung bleiben wollen. Es gab keine Gelegenheit dazu.

Um schließlich in den Bau zu gelangen, sollten noch einige Enten gescholten werden. Sie waren durch ein Gatter entkommen, das hinter alten Fassaden stand und dort auf uns wartete, kaum wahrnehmbar an einer Grenze zwischen Nebel und Dunkelheit.

Weil es Winter wurde, packten wir unsere Kaleidoskope aus, damit wir die Kälte aus einer anderen Perspektive wahrnehmen konnten, doch sie waren zu dieser Zeit nicht besonders zuverlässig, weshalb wir uns um Alternativen bemühten, die wir hinter Schornsteinen fanden. Mal waren sie da, mal waren sie absichtlich absent, indem sie sich versteckten, um uns zu zeigen, dass sie sich bereits nach Norden aufgemacht hatte.

Kemptener Hintergestade (2)

Über die fürstliche Hofsäge habe ich keine Informationen gefunden.
Dafür ist die Runde durch die Feilbergstraße und ansässige Gebiete, eben der Gang durch die Kemptener Hintergestade, für den kleinen Blick voller frühsommerlicher Freuden.
Was klingt wie ein altes Weib, das durch fremde Gärten nuckelt, ist nichts anderes als ein Gegenkonstrukt zu Geschwindigkeit und Hetze.
Und auch wenn Kempten nicht gerade die Stadt für Graffity ist, so kann man sie in seiner reizlosesten Form dennoch finden.
Dieser Weg führt über das Cambomare zum Stadtweiher. Der nächste Hintergestade-Teil wird also hier ansetzen.
Eine Königskerze.

Freud als Krimiautor

Freuds Entdeckung der Psychoanalyse mag heute fast in Vergessenheit geraten sein oder nur noch selten praktiziert werden – zu zeitaufwendig, zu teuer, nicht ausreichend wissenschaftlich dokumentiert -, aber sein schriftstellerisches Können ist sicherlich immer noch da, um von uns nachgeahmt und genossen zu werden. Nicht umsonst hat er den Goethe-Preis erhalten. Besonders in seinen fünf berühmten Fallgeschichten, die sich wie Krimis lesen, können wir diese Kompetenz bewundern. Vielleicht ist die früheste seiner Fallgeschichten, die 1905 veröffentlicht wurde und als der Fall Dora bekannt ist, das beste Beispiel dafür. Dora, die in Wirklichkeit Ida Bauer hieß, entkam nach dreimonatiger Behandlung, was es Freud aufgrund der Kürze des Falles ermöglichte, ihn leichter aufzuschreiben. Dora, die die Behandlung verweigerte, gab ihm gewissermaßen das Geschenk der Fallgeschichte.

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Die Detektive des Paranormalen

Wir haben bereits in einem anderen Beitrag über die „okkulten Detektive“ gesprochen und streng genommen sind sie die Urväter all jener Ermittler, die sich in der modernen Urban Fantasy tummeln. Und vielleicht ist es diese moderne Umsetzung, die einen Trennstrich zieht, denn die okkulten Detektive hatten äußerst wenig mit dem zu tun, was moderne Detektive des Paranormalen leisten, obwohl auch ihre Fälle die Grenzen des Plausiblen überschreiten und sie sich ebenfalls in die gespenstischen Bereiche des Paranormalen vorwagen. Ihre Heldentaten beschränken sich nicht auf die Grenzen der physischen Welt, sondern überbrücken die Kluft zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten, dem Greifbaren und dem Ätherischen.

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