An manchen Tagen spielten Kinder im Staub und blickten den Fuhrwerken entgegen, die in das Dorf einrollten. Sie spielten, dass sie einen Schatz fänden, sie spielten aber auch, dass sie diese Straße bauten, dass man ihnen dafür dankte, weil die Händler so ihre Ware schneller liefern konnten. Wenn es regnete, führte die Straße, die nicht viel mehr als eine Piste war, direkt in das gesammelte Wasser hinein, so als läge auf dem Grund in diesem zeitweiligen See ein geheimnisvoller Ort, und die Straße wies den Weg. Die Kinder dachten sich dann Abenteuer aus, mit sonderbaren Geschöpfen, die dort hausten. Das taten sie während der Regen fiel und sie spielten. Die Kutschen lagerten an den Streckenposten und alle warteten. Die Kinder warteten nicht, sie träumten. Obwohl sie träumten, brach ein neuer Tag an, an dem ihre eigenen Kinder dort spielten, wo nun Teermaschinen und Walzen die Erde erstickten. Nachdem die Bauarbeiter ihre Maschinen ausgestellt hatten und nach Hause gegangen waren, spielten die Kinder, dass sie nun die Straße planierten und den kochenden Teer verteilten. Sie spielten, dass es gar keine Baumaschinen mehr wären, sondern Raumfahrzeuge. Wenn es regnete, dann roch es komisch. Es roch nach bitterer Hitze, ölige Tropfen rannen von den Dächern der Fahrzeuge. Die Arbeiter warteten in ihrer Halle, bis der Regen nachgelassen hatte. Die Kinder warteten nicht, sie träumten. Und während sie träumten, zog ein neuer Tag herauf, und ihre Kinder spielten am Straßenrand. Wenn ich da jetzt hinginge und nachsähe, könnte auch ich von dem träumen, was einst war. Ich stehe auf der Schulstraße und erblicke nichts als Regen. Es ist Nacht und niemand kommt mir aus dem Brodem entgegen. Das Geistermädchen ist schon längst in den Wäldern verschollen.
Lorebuch
Das Geistermädchen
Die Schupfentüren knarren auf und zu, die
Bienen schlafen, die Gänse schlafen, die Häuser schlafen,
nur ich schlafe nicht
und so stampfe ich in die fette Dunkelheit des Kellers hinunter
und bilde mir ein, hier sei die Nacktheit eine Präsenz, die nicht nur
vom Lummerlicht der Glühlampen repräsentiert wird, vom kalten, grauen Betonboden,
den Gattern der Parzellen. Sondern von der Vorstellung, dass jeder
einen solchen Keller auch in sich trägt
die Verwandtschaft des Körpers mit einem Haus ist nicht nur
sprichwörtlich als solche zu nehmen. Es spielt keine Rolle, wie viel Uhr es ist,
denn draußen prasseln die Jahreszeiten vorbei,
alles ein dunkelgrüner Fleck, dann Lichtung, dann Rhode, dann Dorf und Feld.
Als erster Mensch (oder letzter Überlebender) nehme ich mir ein Stück Seife
auf die nächtliche Straße hinaus, um mich, im Regen stehend, abzureiben,
während ich das schattige Schloss beobachte, ob es sich vielleicht bewegt. Natürlich
hätte ich auch unten im Fluss baden können, dort aber stank es abscheulich
Die schlafenden Vögel werden nass, aber ich sehe sie nicht, sie schlafen
und machen sich nichts daraus. Feine Nadelstreifen in der Nacht. Im Haus
ist es ruhig, und auch das Schloss bewegt sich nicht. Unvorstellbar ist mir der Gedanke,
dass in seinen zahlreichen Räumen die Zeit gefangen ist, ohne sich auch nur
ein einziges Mal bemerkbar zu machen, am Fenster zu winken, Luft durch den Schlot zu jagen, die Türen zu schlagen.
Lavendelwasser rinnt an mir herunter und verschwindet nur schwach schäumend im Gemenge der flüssigen Massen.
Ein Geistermädchen entschwindet in die Wälder,
morgen werde ich ihr folgen, um ihr zu erzählen,
dass eine Dusche unter freiem Himmel sie wieder lebendig machen kann.
Die Passage über die Art
Eine Recherche funktioniert auf die unterschiedlichste Art; und wenn ART wirklich eine Kunst ist, ist sie bereits eine Herausforderung. Man könnte doch weiterdrehen: Art – als Kunst gemeint –, stammt natürlich vom Lateinischen ars, und es verwundert nicht, dass die Brite schnell das s durch das t tauschten – es ziemt sich nicht für ein Empörium, den Allerwertesten mit dem angeblich Erhabenen zu kombinieren. Unsere Art und Weise hingegen stammt von der Erde ab, die im altenglischen noch eardian genannt wurde, zumindest, wenn man sie pflügte, Man braucht also durchaus eine Art, muss von einer bestimmten Erde sein, um das Leben auch in Art zu verschwenden, es artig zu vergeuden mit der nutzlosesten aller Fragen, was denn das Leben überhaupt sei.
Jeder, der sich als Eremit erkennt, weiß, dass er gemeint ist. Es ist ein Paradox, die Menschen tunlichst zu meiden, aber an ihren Abenteuern interessiert zu sein. Man will, dass das Ei zu Boden platscht, sobald man eintritt, aber man kann nicht ständig fallende Eier suchen, obwohl das Streben danach charakterlich sehr prägnant wirken würde.
Die Kunst, in diesem beklemmenden Gestade die Wirbel so zu koordinieren, dass ein Muttergesicht daraus wird, wo vorher nur helle und dunkle Schlieren saßen, hat zwar viel damit zu tun, den Traum von einer Wasserblase endgültig platzen zu lassen, aber die kurzen Stumpen, die aus einem herausragen, sind ganz nützlich, wenn es darum geht, den sommersüßen Saft gegen gefangene Haarbüschel zu tauschen, die auch noch Laute von sich geben.
Der Groll, den sie sich schenkten
In dem Nichts aller Zimmer, aller Räume, in denen weder alte Geschichten
mit ihren formalen Resten noch intakter Wandschmuck ihre Aufwartung machten,
zündeten sie Kerzen an und besahen sich schnüffelnd Mäusedreck und
zerschundene Türstöcke. Sie wieherten wie Tiere in einer brennenden Asinerie,
teilten sich auf und vermaßen halb erstickt vor Wut auf sich selbst
das großzügige Untergeschoss mit den nassen Wänden, die den Erdhang
nur scheinbar davon abhielten, eines Tages neugierig, dunkel und schwer
in ihr Leben einzugreifen;
vielleicht sehnte man sich bereits nach der gähnenden Schlucht. Niemand
sah sie, auch ich nicht, niemand sah sie je ganz, in ihrem Geschirr, in ihrem Stall, in
ihren Heuboxen, dem Groll, den sie sich schenkten und in dem die vielen
Ornamente der Düsternis flackernd zerfallen. Jeder stürzte
für sich den darmartigen Tunnel, dem kleinen Gescheide entlang, während
traubenartige Auswüchse auf sie zueilten. Das Ende des langen Flusses
vor ihrer gläsernen Haustür war in weite Ferne gerückt, der Boden schwankte
wie ein trunkenes Schiff.
Man stolperte nicht nur einmal, hielt sich an den rebenartigen Gewächsen fest,
die eine zähe Flüssigkeit absonderten, die keineswegs an Wein erinnerte,
Seidensekrete mochten eine ähnliche Wirkung erzielen, denn es wollte kaum gelingen,
seine Finger wieder von den Webstricken zu lösen. Dann aber sah man
das Leuchten der Kerzen näher rücken. Die Mädchen setzen sich
auf den zerfurchten Boden, ihre tiefen, verborgenen Seelchen sangen Lieder, die sie
den Grashalmen abgehört hatten. Wenn morgen die Möbel kommen,
wird es wieder so sein wie früher. Sie schliefen ein und träumten
von einer gigantischen Glocke, die in einem makellos blauen Himmel hing.
Spintisera
Zunächst war es nur seine rechte Hand, die in einem Buch verschwand, und er dachte sich nichts dabei, da er übermüdet und unkonzentriert las. Es musste ihm also nur so vorgekommen sein, als wäre die Hand beim Umblättern verschwunden. Im nächsten Augenblick war alles wieder wie gewohnt und er fühlte das raue Papier mit seinen Fingerkuppen. Doch blieb das eingenartige Gefühl zurück, für kurz eine Reise unternommen zu haben, und der Holzgeschmack auf seiner Zunge sprach ebenfalls dafür, dass etwas anders war als zuvor. Plötzlich glaubte er die Worte schmecken zu können, die er gerade gelesen hatte oder im Begriff war noch zu lesen, er wusste, wie vergänglich die Eindrücke von einer festen und gelehrigen Sprache waren, und wie es im Buch selbst aussehen musste, so beladen zu sein, übervoll an Bedeutung; und das alles nur wegen einer kaum zu bemessenden Zeitspanne, während der er sich eingebildet hatte, er griffe in den Kern der fremden Existenz, die er bisher nur als Fetisch oder Nutzobjekt verstand, als Medium, das den Geist in einer Trance badete, die selbstverständlich war und darüber hinaus voller merkfähiger Gedanken, aus der Gruft der Vergangenheit herangeweht, aus den Nischen der Körperlosigkeit und des bloßen Einfalls. Er versuchte es erneut, bei vollem Bewusstsein, aber das Buch, das wieder Gegenstand geworden war, wies seine erwartungsvoll tastende Hand zurück. Die Verhältnisse waren geklärt; und er konnte zwar tun, was immer mit einem Buch anzufangen ihm in den Sinn kam, das metaphysische Momentum jedoch schien verloren. Während er weiterlas,um zu erahnen, welche Zaubersprüche seine Hand durch Materie gezogen und seinen Geschmack entfacht hatte, bemerkte er, wie die Oberfläche des Blattes in eine Dreidimensionalität glitt und dahinter sich Buchstaben drehten und verrenkten wie im Veitstanz. Ein ganzes Alphabet an dicken Bäuchen und schlanken Hälsen räkelte sich auf einem gepflegten Rasen, zum Turnsport versammelt, bis er erkannte, dass es sich um Fracks und Ballkleider handelte, die um Leiber geschlungen waren, die geschnitzten Figurinen ähnelten. Ihre Bewegungen blieben abstrakt und im Grunde nicht nachvollziehbar. Außer diesem beweglichen Tableau sah er nichts, denn er wusste ja dass er las und sich die Zeichen in seinem Schädel eine merkwürdige Pläsanterie erlaubten. Auch schmeckte und roch er wieder Holz, zu dem sich Gallussäure und Speck gesellte, denn natürlich hatten seine unvorsichtig unsauberen Finger seit der letzten Mahlzeit kein Handwasser gesehen und etwas Fett auf die Kanten und den Umschlag übertragen. Doch das Atmen fiel ihm leichter in seiner ungelüfteten Stube, denn hier stand, dass jeder, der sich bewegte, auch etwas Luft zugefächelt bekam. Er sah, wie die Buchstaben atmeten, wie sie groß wurden und wieder in ihre ursprüngliche Form zurückfederten, wie sie Lerchenstimmen lauschten, um dann die Bedeutung für ihn zu turnen, weshalb er überhaupt wusste, dass es sich eben um diesen Vogel handelte.
Die Domäne der heißeren Zerstörung hatte das Land ergriffen, in das er jetzt hineintrat und ihm war es, als fiele er von einem heißen Sommermonat in ein kaltes Kneippbecken, um ihn vom Leben selbst zu kühlen, denn als er gerade noch das Grün einer wilden Botanik durchstreifte, war er von einer Sekunde zur nächsten der blühenden Pflanzengesellschaft verloren. Noch dachte er, dass sich das Land schnell verändert haben musste, während er in Gedanken war, denn der Keim aller Trostlosigkeit steckte in diesem abrupten Wechsel, und es wollte ihm gar nichts nützen, dass er zunächst instinktiv zurückschreckte und überrascht hinter sich blickte: der Eindruck blieb nämlich bestehen, so als habe er sich mit der Vorstellung des Üppigen selbst getäuscht. Er war wie so oft an eine Seifenblase gekettet, die von innen unzerstörbarer anmutete als das von außen der Fall war. Diese zerstobene Blase ließ ihn jetzt die Wahrheit erkennen und zum ersten Mal in seinem Leben fragte er sich, wo er war und wie er dort hin gekommen sein konnte. Seine Vergangenheit war ein plötzlicher Morast, bestehend aus Winkelzügen einer unzuverlässigen Erinnerung, die ihn bedrängte und zur Selbstbefragung nötigte, ob er sich nicht ebenfalls seine Wanderungen eingebildet haben könnte, ob er nicht wie im Traum nur durch Fassaden eines Gedankenpulvers gefallen war, dessen Millionen Körner ihm eine feste Welt vorgegaukelt hatte. Womöglich war er farbenblind geworden, oder war er es schon immer gewesen? War denn die Erinnerung überhaupt in einer Strecke zu fassen, im Vorbeigleiten der Geschehnisse, die wie Gebäude in Reih und Glied am Saum einer Straße aufgeknüpft standen, einer Trabantenstadt so ähnlich wie er selbst der fernen Beschreibung eines nur vage wahrgenommenen Tiers?
Nachgast-Omen (Strophe 11)
Das Firmament ist so nah und deutlich, dass man
sich eine Scheibe davon abschneiden könnte, mit einem
hohlen Messer mit viel Luft in der Mitte und einem
eigenständigen Glühen, das alles im Umkreis von kaum
zu berechnender Größe in ein Handtuch aus Licht beugt. Die
Schatten spenden Formen, wenn dieses Licht weicht, aber die
Dinge geben keinen Aufschluss darüber, wie sie wirklich beschaffen
sind, sie sind schwer zu tasten aber noch weniger zu sehen.
Mit verstopften Ohren hätten wir ein besseres Gefühl für ihr
Vorhaben. Wir könnten ihre Höhe berechnen und eine Parkbank
installieren, um immerfort daran zu erinnern.
Nachgast-Omen (Erweiterung)
Gesättigt sind die Trauben nur dann, wenn sie von
vielen Gläsern erzählen können. Eine Fertigkeit krönt
sich selbst, wenn sie funktioniert, durch vibrierende
Nerven Kontakt aufnehmen kann. Die Bravour des
Zerquetschens auf die richtige Weise. Der Geschmack liegt um
die Zuckermoleküle herum, aber der Kern wird dennoch
verfehlt, außer bei der passenden Musik. Sie darf von
Blaskolben stammen, aus Blech geformt wie ein Rohr
oder aus den Mineralien der Schlacht um Aufmerksamkeit.
Der kleine Nebel und ein Schloss – beides dürfte genug sein.
Ich hätte mir durchaus vorstellen können, die Kluft zu
überspringen, aber wer würde dann an meiner statt in
die Klamm fallen, wer würde zerschmettern an den Pilzen,
Dornen und Stacheln, an den Fieberabenden, den
lerchenfreien Tagen, nur um etwas Abstand zu gewinnen
vor der eigenen Unbekümmertheit, auf einer Gartenparty
eingeladen zu sein heißt nicht, sein Haus verlassen
zu müssen, man schickt einen Geist, der nie ermüdet,
aber zum Lohn verlangt, den Dachboden unter sich
aufteilen zu dürfen. Man müsste allein aus Vernunftgründen
fähig sein, ein fremdes Gewissen zu belasten,
während man selbst versucht, seine Lampe zu reparieren.
In alten Zeiten drehten sie Filme vor einem Scheunentor
und standen selbst nicht einmal hinter der Kamera, sondern verloren
sich an die blauen Wiesen rund um das Gehege perlmuttern
glänzender Faksimiles. Manches währt ewig, wenn man
nicht aufpasst. Am besten eignen sich Ersatzteile, die man
nicht füttern muss. Dabei kommt nichts anderes heraus als eine
mittelscharfe Praline, angefüllt mit all den wilden Worten,
die nie den Staub durchdrangen, die Farben sind schmutzig
und gerade deshalb schön, alles in einem gönnerhaften
Schwarz gelagert, bevor es sich im Schrank verliert.
Der Menschenfresser
Eine Insel wie Madagaskar, voller biologischer Wunder wie
der satanische Blattschwanzgecko, das nachtaktive Aye-Aye,
riesige Springratten und eigentümliche Blattkäfernymphen
nimmt sich den Platz, den es vorher nicht gab, um die zentrale
Bedeutung des Lebens zu feiern, als wäre das Universum
ein ausgedachtes Ressort, das uns immer wieder verspottet.
Fremd sind die Welten auch ohne den Klang des Nimmermüden,
die Ranken eines Gewächses, das sich um ein Opfer schlingt
und die Bewegung in den Rhythmus des kaum merklichen Windes
einstimmt.
Dünne, empfindliche Gaumen bebten einen Moment lang,
als würden sie von hungrigen Stricken umschlungen,
und legen sich dann, wie von einem Instinkt geleitet und
mit teuflischer Raffinesse, in plötzlichen Windungen
um ihren Hals und ihre Arme. Dann, während ihre
schrecklichen Schreie und ihr noch schrecklicheres Lachen
immer wilder wurden, um augenblicklich wieder
in einem gurgelnden Mittelmaß zu ersticken, erhoben sich die Ranken,
eine nach der anderen, wie große grüne Schlangen, mit brutaler Kraft
und höllischer Schnelligkeit, zogen sich zurück
und umklammerten sie immer fester, mit der grausamen Schnelligkeit
und wilden Hartnäckigkeit von Anakondas, die sich an ihre Beute sichern.
Nachgast-Omen
Mimi spielte den Ball, aber der Regen überfuhr ihn.
Es war nicht sonderlich hell, als es zu donnern begann,
danach aber klärten sich die alten Gespräche, die
sich in Baumkronen versteckten. Die Sicht war von
weißem Schmelz getrübt, aber es zählten ohnehin nur
die ersten Schritte. Später würde man darauf
zurückkommen, denn wir wussten von nichts. Die
mit den Sommersprossen hätte uns wohl am ehesten
an die hohen Ohren eines Esels verraten, aber bis
dieser ankam, waren die Steine bereits alle umgelegt.
Unterhalb der Erde konnte es kein Licht geben, ein
Grund mehr, genau da auf die Suche zu gehen.
Nichts ist fest, alles löst sich auf in zitternden Händen,
hingestellt wo die Wacht endet, wo sich die Kreuzung
nicht entscheidet oder wo der Horizont steil abfällt.
Die Wege waren Schorf an den Schuhen, der
schlanke Ton gebrochenen Eisens berührt die Wunde,
die im Schlaf gerissen wurde. Doch langsam kamen wir der
Sache näher. Ein unbewusster Tanz kann ein ganzes
Dorf zur Weißglut treiben. Es entsteht eine Geisterstadt.
Es ist Zauberwerk, dem du hier begegnest, alle
Schneisen führen in eine Art Rom, von Kloaken bekränzt,
mit ungeheurem Stuck aufwärts gefahren. Es ist nicht
zu viel Abstand zwischen den Gezeiten, ein Pantomime
zog langsam einen Kübel über den Trampelpfad, und
schon war der Moment vorbei. Einfache Laute wurden kristallin
und barsten hinter dem Kofferraum, der handgemachte
Pfirsiche aus Stoff enthielt. Was derzeit aus dem Wald
drang, war durchaus merkwürdig und würde wohl nie
wieder von Dannen ziehen, nicht in einer Regennacht,
geschweige denn mit diesem grobkörnigen Schutt beladen.
Alle schliefen im Ringelreihen, also stellten wir uns
dazu, die Arme ausgestreckt wie um Rinderhälften zu
empfangen. Jemand hatte in all dieser Aufregung seinen
Schlüssel unter denkbar ungünstigen Umständen verloren,
durch eine Art Auflösung, die dem Verschwinden zwar gleicht,
aber doch mehr und mehr zum Nachtvogel wird. Einiges
hatten wir mithilfe von Ketten auszuräumen, und wenn
es nicht zu spät wird, können wir den Tauziehenden endlich
erklären, woher wir wirklich kommen, bevor es ein anderer tut.
Alles besitzt ein rhetorisches Gewicht, außer der Bedeutung selbst.
So entflieht sie uns auf einem Pferderücken; und ob wir sie auch
reiten sehen – weder unser Auge, noch unser Huf
wird da sein, wenn sie anlangt. Noch
einmal ist’s mir als sähe ich die Kreuzung unter Flutlicht
und rings herum um alles läge Glas, zerschmettert von den
Händen, die Gedanken bilden können und daran scheitern,
ein kleines Gefäß sich selbst zu überlassen. Zur Vermählung
im Mai hat diese Tradition für immer ihre Bedeutung erworben, ob man
höre, staune oder nicht. Die Scheiben radieren die Mitte der Luft.
Zustandskolorierung
Ich komme aus einer dunklen Ecke, eigentlich aus dem Nichts,
mindestens aber von weit außerhalb einer brummenden Kirmes,
die mit Zuckervögeln lockt. Das ist kein Tier das auffällt,
aber als Süßigkeit allerliebst bunt und natürlich weniger wert
als eine Mehlspeise. Diese Ecke ist ein Kipppunkt, die alte
Brücke hätte sich ins Fäustchen gelacht, aber abgerissen bleibt
abgerissen, auch wenn ihr Geist noch über dem Bach
herumspuken soll. So wurde sie etwa gesehen, wie sie
andere Geister über das sprudelnde Nass gehen ließ, denn
wie sonst sollte ein Omen im Mond zu denken sein?
Ich fror, aber ich bekam davon nichts mit, versteckte
mich noch in den Zellen – eine Einheit mit der grundsoliden
Schwärze, die eigentlich keine Farbe repräsentiert, die man
sich denken kann. Eine Zustandskolorierung, die sich bei
Abwesenheit besonders hervortut. Aber als die Störche begannen,
die Schorne abzuklappern, waren die verkannten Kleinode von
oben zu betrachten. Der Zenit stand aus und auch die Mägen
rumorten in ihrem eigenen Saft. Ein wirklich großes Lächeln
erschien auf Stangen wie ein Rotstift im Zölibat.