Der Groll, den sie sich schenkten

 

In dem Nichts aller Zimmer, aller Räume, in denen weder alte Geschichten
mit ihren formalen Resten noch intakter Wandschmuck ihre Aufwartung machten,
zündeten sie Kerzen an und besahen sich schnüffelnd Mäusedreck und
zerschundene Türstöcke. Sie wieherten wie Tiere in einer brennenden Asinerie,
teilten sich auf und vermaßen halb erstickt vor Wut auf sich selbst
das großzügige Untergeschoss mit den nassen Wänden, die den Erdhang
nur scheinbar davon abhielten, eines Tages neugierig, dunkel und schwer
in ihr Leben einzugreifen;

vielleicht sehnte man sich bereits nach der gähnenden Schlucht. Niemand
sah sie, auch ich nicht, niemand sah sie je ganz, in ihrem Geschirr, in ihrem Stall, in
ihren Heuboxen, dem Groll, den sie sich schenkten und in dem die vielen
Ornamente der Düsternis flackernd zerfallen. Jeder stürzte
für sich den darmartigen Tunnel, dem kleinen Gescheide entlang, während
traubenartige Auswüchse auf sie zueilten. Das Ende des langen Flusses
vor ihrer gläsernen Haustür war in weite Ferne gerückt, der Boden schwankte
wie ein trunkenes Schiff.

Man stolperte nicht nur einmal, hielt sich an den rebenartigen Gewächsen fest,
die eine zähe Flüssigkeit absonderten, die keineswegs an Wein erinnerte,
Seidensekrete mochten eine ähnliche Wirkung erzielen, denn es wollte kaum gelingen,
seine Finger wieder von den Webstricken zu lösen. Dann aber sah man
das Leuchten der Kerzen näher rücken. Die Mädchen setzen sich
auf den zerfurchten Boden, ihre tiefen, verborgenen Seelchen sangen Lieder, die sie
den Grashalmen abgehört hatten. Wenn morgen die Möbel kommen,
wird es wieder so sein wie früher. Sie schliefen ein und träumten
von einer gigantischen Glocke, die in einem makellos blauen Himmel hing.

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