Zu folgen ist unmöglich

Ich schrieb – stets und immer -, bereits im Kessel der Imaginationen, bereits nach diesem Prinzip gestaltet, die Schattenspiele wahrzunehmen, die Unverständlichkeiten, die nie anders zu benennen sein werden als durch die Expansion der Muttersprache. Die Dichtung ist nur Wissenschaft, nicht etwa Literatur, die Verpflichtung, wahrzunehmen. Allein für etwas anderes, nicht für die Menschheit, die es nicht Wert ist, sie im Weltenall zu grüßen. Die fehlerhafte Welt, die unvollständige Natur, der dilettante Aufbau der Schöpfung. Auf der Suche nach Etwas, das diesen gewaltigen Error beseitigen könnte. Der Dichter kann, aber ihm zu folgen ist unmöglich.

Schlechtigkeit des Lebens

Es ist eine schöne Illusion sich in guter Gesellschaft zu wähnen sobald man ein Buch zu lieben lernt, einen Film, ein Musikstück, denn tatsächlich ist man selten der einzige, der sich einer bestimmten Sache annimmt. Jedoch führt das nicht automatisch zu einer wie auch immer gearteten Geselligkeit. Ich für meinen Teil bleibe isoliert, weil es die Welt, in der ich lebe, längst nicht mehr gibt, und so auch die Entitäten dieser Welt nicht mehr existieren, die Spielregeln nicht, die Spiele nicht. Am Horizont tauchen all die Türen auf, durch die ich jetzt gehen könnte, sie alle führen aus der substanziellen Schlechtigkeit des Lebens heraus.

Ins Nichts hinein

Ich dachte mir immer, dass es so sein könnte, dass ich meine Produktion ins Nichts hinaus stelle, möglicherweise ins Nichts hinein. Dass ich für das Universum schreibe, aus wie vielen Taschen es auch bestehen mag. Schriebe ich nicht, bliebe etwas ungeschrieben. Ein bedeutungsloser Teil, fürwahr, aber ein unentbehrlicher bei der Vollendung des Universums.

Ich bin von dieser Situation angezogen | etwas zu tun und etwas nicht zu tun; ein wurmstichiges Haus mag eine Leier ergeben und die Würmer den Chor einer Menge Leiber

am Ende sind wir Partisanen einer utopischen Welt

Rollender Kiesel

In Zeiten, in denen das Fleisch dem Willen folgt und sich auch ohne Substanz ernährt. Es sind Zeiten, in denen das Wilde in jedem Funken lauert, der manchmal auch ein Tropfen ist, ein Hauch, ein rollender Kiesel.

Sprühkörper

Unser Wechselritual wurde erfolgreich absolviert. Wir begannen bereits um 18 Uhr mit der Flut an Bildern PLUS musikalischer Untermalung, und es war einfach, sich gegen 2 Uhr in die Liegestatt zu begeben. Das Donnern der Kanonen und Sprühkörper war diesmal ein eher astrales Schauspiel und nicht plump derbe wie in den letzten Jahren. Kempten ist eine ruhige Stadt, und das ist vielleicht der Augenblick, von einer Perle zu sprechen, die sich wohl von den meisten deutschen Städten abhebt, ohne dass es jemand von außerhalb bemerkt. Dafür werde ich heute noch in den Haferschleim tauchen und (wie gestern) in den Kartoffelkanon. Selbstverständlich gibt es die neujährlichen Versuche, verschiedene Änderungen einzuleiten (das Datum verführt stets aufs Neue). Wie will sich etwas ändern, wenn mir noch der Schweiß tropft? Durch einen saugfähigen Pyjama zum Beispiel, durch Tee, der den Magen durchläuft und ausspült, was sich in den Darmschatten verstecken möchte.

Pendelnichts

Die Vergangenheit entgleitet mir mehr und mehr, und das ist gut für die Bewegung außerhalb des Zentrums, das nun überall sein kann, so wie wir es von Foucault her kennen. Nichts ist quasi das, was wir haben. Ich bin frei in meiner Auswahl der Stoffe, also schaue ich mir gerne das Verlixteste an, das ich kenne. Eine undenkbare Welt spiegelt sich im Innern, darin findet sich nur immer das Symbol eines weiteren Symbols; ich glaube, die wahre Befriedigung ist die Ohnmacht, eine Rückkehr zur vertrauten Nabelschnur. Das ist anscheinend mit Paradies gemeint, der Apfel ist demnach die Geburt. „Lass den Apfel hängen, wo er ist, Eva!“ Wie würden wir uns denn dann in unserer kleinen Kammer einrichten, mit einer Mutter, die wie ein Wal auf den sieben Meeren treibt?

Mich fasziniert die zunehmende Distanz zu einer Welt, die einst war. Sobald die Momente in die Vergangenheit gleiten, werden sie rein fiktional. Jede Erinnerung, jede Beschreibung… Dieser eine Punkt, den wir zu greifen suchen, ist wieder einmal nur nichts, ein Pendel mit einem Radius, dessen Aufhängung wir nicht begreifen.

Fragen an die Maus

Wie viele Bücher könnte man mit allen ersten Sätzen füllen, die je geschrieben wurden?
Schmeckte der Apfel im Paradies nach Oxford?
Wie kann ich an einem Kreuzweg wissen, in welche Richtung ich muss?

Wieviel Klopapier-Tissues kann ich essen, bis ich Verstopfung bekomme?

Wie groß war Karl der Große und wie lautet der Quotient gegenüber den Schlümpfen?

Säufer und Sonnenkönig

Die letzte Woche war eine der Dunkelheit, ein Herstellen von Gedankenweite. Die Karfunkel-Zeitungen wahrscheinlich ungeeignet, aber einen Säufer und den Sonnenkönig ausgerupft. Was gäbe es auch schöne Kommentare zur Syphilis, wenn sie nur in Bildern sprächen. Die Technik völlig aus den Augen zu verlieren könnte ein Trost sein.

Es ist erstaunlich, was Altpapier kostet, früher am Straßenrand keines Blickes gewürdigt, nicht ein Gedanke ging zum Kunstwerk, das im sumpfigen Papiermatsch auf seine Erweckung lauert. Wie alles Ästhetische ist kein Tiefenschauplatz je von heute. In seiner Zeitlosigkeit ist er allerdings auch nicht von gestern.

LiveBook/Lorebuch-Kooperation

Das LiveBook greift selbstverständlich auch aus den visuell gestalteten Seiten hinaus und manifestiert sich in weiteren Texten, die nicht unbedingt einen Weg ins fertige Werk finden müssen. So geschehen (unter der heutigen Arbeitsatmosphäre) beim Gespann ENDLICH SCHULD / SCHWEREMUT, wobei letzter Text in die Sammlung LOREBUCH aufgenommen werden wird.