Bratziges Silber

Seit geraumer Zeit bin ich aller Menschen befreit, ich treffe sie nur noch als Kulisse an, um der Stadt das Antlitz des Lebens zu verpassen. Ich erkenne starre Gesichter, wenn ich sie sehe. Allein seit die VERANDA existiert hat es sich die Welt nicht nehmen lassen, mehrmals ihr Gewand so zu verändern, dass nicht mal ihre Mutter sie widererkannt hätte. THE GERMAN ANGST IS IN YOUR FACE, graviert, nur der Henkel freigestellt. Ein bratziges Silber.

Nun denkt man, dass dies einst eine Seite der Muse, der Literatur war, Dinge, die man nicht einfach verhungern lässt, man quält sie. Man zieht die Substanz aus allem Gesagten durch Konterkorrektur. Man spricht in den leeren Raum (ich spreche gerade in den leeren Raum, der Schatten der Modulation kehrt an mein Ohr zurück), stellt die ein oder andere Frage an das Nichts. Wo sind alle?

Monochrom begründet

Was folgt, ist dann eine Rückschau, ohne aber zu verweilen. Man kann irgendwo hingelangen, wo es einen inneren Frieden gibt, so der Volksmund, der längst zahnlos in den wenigen Sträuchern hockt, die ihm von einem Finsterwald noch geblieben sind. Aber es sagte dieser Mund, dass man gar nicht so weit laufen muss, dass man möglicherweise sogar schon da ist, und falls nicht … hat das guten Grund auf gutem Grund (monochrom begründet).

Ich fleddere ja jetzt – oh weh – die Tiefenerinnerungen, die in Comics verankert sind. Es wäre eins, ein Medium nicht zu kennen, aber es ist ein anderes, ein Medium komplett zu ignorieren. Stellt sich die Frage: wie kann man sich vernünftig über eine bunte Abfolge an Bildern unterhalten, wo Mäuse und Enten ins Universum fliegen oder sogar einst Pharaonen waren?

Gar nicht. Das ist der völlig falsche Weg. Manchmal kann man durch einen Schuss zurückerinnert werden. Zum Beispiel, als es Familie tatsächlich gab. Es wuselten zumindest viele Leute herum.

Es gibt eine gewisse Einsamkeit, die man erst dann empfindet, wenn man in einen blauen Himmel schaut.

Das Datum dieser Uhrzeit ist Nimmermehr

Wohl sind die Dichter exzentrisch, wissen nicht mehr, wie Dichter zu sein sich ausmacht in einer Welt ganz ohne sie, ganz ohne die durchdringend rhythmische Schau, teils rebellisch, teils völlig in sich gekehrt, aber ohne auch nur die geringste Relevanz. Im Dichten lässt sich nicht mehr sein, ließ sich nie ohne Zweifel sein, ohne eine Ausstattung mentaler Reisebereitschaft und jenseitiger Abenteuerlust, das Sprudelfass im Herzen. Wenn sie nicht mehr sind, sind auch die entlegenen Beobachtungen obsolet, wie etwa, ein Mann stand unter einer Laterne, die ausging …

Ein Mann stand unter einer Laterne
die ausging, doch bevor sie ging
bestäubte sie ihn mit neuer Muse

Ich bleibe ungelesen, weil es unmöglich ist, mir zu folgen, und trotzdem binden meine Syntaxen einen Teil der Übelkeit, die wie ein Kater die Gedärme zerfetzt. Noch nie hatte ich aus einem Fenster geschaut, dessen Hintergrund so permanent verdreckt aufgrund der Patina der Schatten im Mauerwerk ruhte, also ob man auf ein abgelaufenes Werk starrt, das Datum dieser Uhrzeit ist Nimmermehr.

Nichtsuhr (Laterna magica)

Es schlug die Mitternachtsstunde, rief zum Geläut die dunkle Nacht. Einbalsamierte Sterne hinter Attrappenhimmeln, und ein Licht, als wäre es ausgefallen statt nicht vorhanden.

Ich wüsste nicht zu überzeugen mich von den Dingen und Dingen in den Dingen. Die Nacht hat schon manches Schöne gesagt und manches Sinistres. Sie erzählt offenkundig von der Blindheit, die das Licht verursacht. Die zwölf Schläge dienen der Natur, denn in Wirklichkeit ist es null Uhr. Kein Uhr. Nichtsuhr.

Eines ist den Tagen eingeschrieben, der Kuss von dir und das Lied einer Meise
am See am Fluss am Horizont die Linie heißer Schatten, fruchtig gelb und rot
Es kann der Wald nur der Seele Sprache verstehen, gebunden an ein Rätsel sind sie beide

Ich habe mir angewöhnt, in den leeren Raum hinein zu sprechen, einen Ereignishorizont zu ersprechen, ganz Magie die lummeligen Worte, die keinen Sinn, aber eine Melodie ergeben, die einen Sinn ergibt.

Ich habe eine spezielle Laterne
und sie ist magisch

Vielleicht ist meine Waschlappigkeit darauf zurückzuführen, dass ich zur Poesie neige, die muss ja nicht immer beholfen ausgedrückt werden. Sie kann mit der Faust in die Torte patschen, muss das in manchen Fällen sogar, weil die Torte sonst nicht wüsste, wo ihr Platz ist. Erhabenheit ist nur ein Gimmick. Ich habe es genutzt, um eine schöne Silhouette hinter dem Fenster abzugeben, wenn es draußen stürmt und ich lächelnd am kalten Glas den Atem verweigere.

Durch das Gezeter

Es entsteht ein neues Vakuum, wenn man ohnehin wie ein gehetzter Nachtvampir (ja, es gibt sie auch am Tage) abgeschirmt von jeglichem Menschengestank haust. Dieser ganze Oberflächenwahn, nicht die Erde, sondern die ganze Welt als Scheibe. Das Vakuum entsteht durch eine Neuausrichtung aller Wege und wo ihr nächster Knotenpunkt sei. Eine Wohnung schlürft Schatten oder bringt sie überhaupt erst hervor.

Ich wandere tatsächlich durch David Friedrichs Nebel und Reise an Virgils Hand durch das Gezeter.

Fluch des weißen Lichtes

es ist so ein Lautsein mit dem Wetter dieser Tage, ein sehr drohendes Gebäude
das mit seiner Magie Unwägbarkeiten manipuliert, dabei wurde das Gelb der Sonne
schon lange weggerissen, ein obszöner Glühstern ist übrig, ein Nackedei-popo-Chai
Fluch des weißen Lichtes

Clocmeoc und Fulimus

Eine Fiktion beginnt in einem einzelnen Moment. Der Namensgebung. Vorher mag die Beschreibung passend gewesen sein, das Ungefähre, die Idee von etwas, das noch ein wenig klump und ungar ist. Jetzt hat die Figur einen Namen. Der Einfluss startet jetzt. Die Maschinen schlottern, warten auf ihr Kommando. Und jetzt kommt das Kommando: Das Kommando lautet:

CLOCMEOC

FULIMUS, der Wassernarr, überstrahlte auf seiner Wiese alles, halb in einen geschwungenen Wassertank gekleidet, wirken die Hydranteaugen nicht nur hypnotisch, sie sind es auch (und durch Druck abnehmbar). Ohne die schöne Glasbläserei auf dem Scheitel sähen wir einen recht mageren, aber dennoch gigantisch gewachsenen Glatzkopf, der allerdings nur deshalb ein Glatzkopf ist, weil auf einer silbernen Metallschale nun einmal keine Haare wachsen wollen.

Die Legatoria Bieffe und das reine Reinschreiben

Ein ausgezeichnetes Heft ließ sich von Albera finden und zu mir bringen. Es ließ sich auch sogleich beschreiben mit gefüllter Federei und dem Lorebuch im Sinn. Ich zücke ein Zeigen etwas später.
Es braucht immer alles auch eine Widmung zu haben, und so entstülpte ich die erste Patrone und fuselte sie in den Kescher. Kurz mag ich’s sagen: gruonen ist die Saat des Grünens, growen kam beim angeln über mich, und der Tarnish will den Schatten meinen (es dreht am gleichen Rad wie growen).

Das Moleskine ist nicht mehr von Nöten, danke. Ich nehm‘ die Nebelkrähe, die sich – golden wie sie ist – auf Buchrücken niederlässt. Und die Seiten sind für einen Fountain Pen gemacht! dem Füllfederhalter! dem Springbrunnen-Stift!

Bittere Wolken

Keine Kleinigkeit, so eine durchwachte Nacht. Nicht mit einem Medikament versehen, nachdem ich zweimal bereits das Darideroxant ausprobiert hatte, was mich zumindest mit einem sehr klaren Traum belohnte. Es war wohl etwas zu arg, gleichzeitig auf das Ecitalopram zu verzichten und von Zopiclon auf Quviviq umzusteigen. Ich fühlte mich den ganzen Tag über wie in einem Grippe-Zeitalter, trotz Vollbad, trotz mehrfachem Napp (ohne Power), und – ach hier ist’s zu jammern schön – sind meine Bronchien etwas säuerlich. Den Pfefferminztee ließ ich aus Versehen eine halbe Stunde im Küchendunkel stehen, halb vergessen (eigentlich ganz), und musste die bittere Wolke nachher lutschen, zumindest gefühlt (ach was, geschmecket!). Ich trank – ganz meine Gewohnheit – nicht aus. Zu kühl der Rest schon, viel zu kühl für einen Tee mit diesem Bittergrad. Jetzt ist es darob schon fümmf geworden (diese kesse Nummer, was?), und ich versuche es noch einmal, mich nämlich mitsamt der BLAUBEERE niederzustrecken.

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