Ockermoos

Ich spaziere dahin und staune über die Gewalt; gleichzeitig aber bin ich ein Tier im Siechtum, am Ockermoos, im Fadenkreis, am Wiesengrund. Gleich wird es mir den Pelz ausziehen, gleich wird es mir die Eckzähne feilen, schreite durch die Räume aus Glas, meine erstarrten, skulpturiösen Gedanken, schwimmend in den Lavendelwassern, der Gebärbadewanne. Eine Zeitangabe, die nun in meinen Nüstern brennt, die Welt erzürnt das Glas ihrer Brille, dahinter stehen die erstarkten Tropfen.
Seriöses Gebaren beim Abspreizen eines anständigen Fingers.
In ihrer eigenen Dunkelheit kennt sie sich aus, eckt nirgends an; nur manchmal fühlt sie sich beklommen und bestraft sich für den Wunsch nach Licht, aber sie bestraft ebenfalls das Licht selbst, indem sie Steine nach der Quelle wirft; ein Wanderer begegnet im Wald dem Teufel, aber auch der Teufel begegnet dem Wanderer (der Wanderer denkt sich diese Geschichte aus, der Teufel nicht).
Ich war einmal ein Stein vor zweihunderttausend Leben, ein glücklicher Stein im Geröll, wasserdicht bis ins kleinste Mineral, unbedeutender war nie ein Stein. Doch fehlt er, bricht das Universum in sich zusammen und wird zu früh ein Schwarzes Loch.

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    Cucina Toscana
    Cucina Toscana, Hildegardsplatz, Kempten

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    Ich könnte singen von den unheilvollen und drohenden Dingen, den toten und vergessenen. Doch werde ich je wieder reisen durch den vom Wahnsinn gelb gefärbten Nebel des Vergessens, zu den Gestaden fremder Wirklichkeit? Fände ich überhaupt den Weg zurück, der mir damals so zufällig erschien wie einst Rip van Winkle sich über das Auftauchen einer flämischen Gesellschaft verwunderte? Mir selbst wurden keine Jahrzehnte durch einen sonderbaren Schnaps gestohlen, noch nicht einmal Jahre, aber von den merkwürdigen Festen wie in den Tiefen des verhängnisvollen Venusbergs könnte auch ich berichten. Doch wüsste ich nie zu sagen, was sich daran mit mit meinen halluzinatorischen Träumen mischte, denn eines ist mir klar geworden: Es gibt unterschiedliche Arten des nächtlichen Gespinstes und mindestens eines davon eröffnet uns das Jenseits mit seiner unendlichen Weite. Es ist für mich gar nicht ausgeschlossen, dass, sobald wir unserer so stabiles Sternensystem verlassen würden, wir auch außerhalb unserer fleißigen Schlaftätigkeiten dorthin gelangen könnten, allein deshalb, weil wir unsere Körper nicht behalten dürften und stürben; d.h., es stürbe das, was wir in unserer Welt so sehr benötigen, und wenn wir es verlieren, geistern wir umher, unfähig, weiter zu träumen, weil wir in einem derartigen Zustand schlicht all unsere Erinnerungen für einen Traum halten. So nötig haben wir den Schutzschild der Materie, dass wir um seinen Verlust so sehr bangen wie um nichts anderes. Es mag sein, dass wir die Geister deshalb fürchten. Sie zeigen uns, dass wir auch im Tode nicht entkommen können und endlos weiterspielen müssen. Sie zeigen uns durch ihre finsteren Auftritte, wie wichtig die Wiederholung ist und wie sich eben alles so lange wiederholt, bis das Wort Ewigkeit seine Berechtigung erlangt.

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