Heute also Tag des Venusbergs. Die Venus selbst ist kurz vor drei los, um schon mal Vorarbeiten zu leisten, heißt, sich beschlüsseln zu lassen. Die Hitze treibt mir indes schon wieder die Wut hoch, Hitze macht bekanntermaßen blöde. Aber es ist alles noch viel schlimmer, denn der Venus sprotzte das Küchenwasser fontäniert um die Ohren, justamente in dem Moment, wo ich in Keselground verzweifelt und erfolglos nach Illustrierten aus den 70er Jahren fahndete. Tittenmagazine gäbe es zu kaufen, nix aber darüber, was die Gesellschaft dazumal so getrieben hat. Das ist überhaupt das Manko der Geschichtsschreibung, dass sie nur verklausuliert nachzuschlagen ist. Was dagegen ist ein Zeugnis at this point wert? Ich lese da manchmal vom Leben im Mittelalter, fantasiereich und mit allen literarischen Wassern gewaschen, aber wie spielten sich die Szenen zu den Begebnissen ab? Genügen hierzu Wahrscheinlichkeiten? Nie!, man muss sich hinein=kontemplieren, in den Gockel, den Tschukel, den Äpfeldieb. Wie fühlt sich ein Mühlrad an, wenn man aufgekeltert wird? Man träume davon!
Schlagwort: Traum
Auf dem Nebelhorn
Heute Morgen aufgewacht und mich an eine kurze Alptraumsequenz erinnert. Ich träumte mich einer Situation beiwohnend, von der ich den Eindruck hatte, ich solle sie einfach nur sehen. Und was ich sah, war grauenhaft: Menschen vernähten ein Schwein in seiner eigenen Haut, die sie ihm von hinten her ab- und übers Gesicht zogen. Es erstickte in ihr.Um kurz vor Zehn dann mit J. nach Oberstdorf gefahren, um uns mit den Gondeln hinauf auf´s Nebelhorn bringen zu lassen. Schade, dass du nicht auch dabei sein konntest. Zumal ich zum ersten Mal in den Bergen war. Es war großartig. Weder beim Hinauf- noch Herunterfahren musste ich erstaunlicherweise einen Druckausgleich machen. Nachdem wir auf dem Gipfel gespeist hatten, haben wir uns talwärts jede Ebene im Einzelnen vorgenommen. Um dich dann kurz nach 17 Uhr aus dem Haus zu klingeln, um mit dir noch einen Abstecher in die Stadt zu machen. Das hat er sich nicht nehmen lassen. Neugierig war er. Und du warst es auch.






Nun bin ich bergmüde.
P.S. Verzeih mir, dass du den ganzen Tag die Wohnung nicht verlassen konntest und auf der Suche nach deinem Schlüssel warst. Er war in meiner Tasche.
Warum ich ein Phantast geworden
Vielleicht ist es das Dilemma der Geburt, das die Perspektive ein für alle Mal verändert, nachdem wir vorher nichts als Wärme kennengelernt haben, die sich um unseren Körper schmiegt, den wir noch gar nicht kennen und zu diesem Zeitpunkt auch nicht kennen wollen. Uns genügt das mütterliche Meer, in dem wir endlos träumen, bis eines Tages die Vertreibung eingeleitet wird. Das erklärt uns später die Sage von Eden, aber kein Apfel war daran schuld – Erkenntnis ist doch eher ein hartes Brot.
Warum ich ein Phantast geworden weiterlesenLeichtes Gefieder
Tag 1. Stille in den Gassen. Früh. Der Sonne Wicht fährt aufwärts. Blick zu den Gesimsen links und rechts aus alter Zeit. Kein Staub tönt die Sicht. Alles blaubehimmelt, als würde es zeitig ein schönes Jahr.
Im Märzen der Dichter die Blätter einspannt. Er setzt seine Feder durch Tinte in Stand.
Als Phantast zieht man sich Träume über, sie sehen gut aus unter dem Kragen. (Ich komme nicht problemlos in die Ärmel, mein linker Arm ist noch immer Schrott.). Station vinzenzmurr : alle lebendig. Nicht nur Überreste, sondern eine wirkliche Welt. Meine tiefe Trauer hält an und verwandelt sich in leichtes Gefieder.
Tag des Venusbergs
Heute also Tag des Venusbergs. Die Venus selbst ist kurz vor drei los, um schon mal Vorarbeiten zu leisten, heißt, sich beschlüsseln zu lassen. Die Hitze treibt mir indes schon wieder die Wut hoch, Hitze macht bekanntermaßen blöde. Aber es ist alles noch viel schlimmer, denn der Venus sprotzte das Küchenwasser fontäniert um die Ohren, justamente in dem Moment, wo ich in Keselground verzweifelt und erfolglos nach Illustrierten aus den 70er Jahren fahndete. Tittenmagazine gäbe es zu kaufen, nix aber darüber, was die Gesellschaft dazumal so getrieben hat. Das ist überhaupt das Manko der Geschichtsschreibung, dass sie nur verklausuliert nachzuschlagen ist. Was dagegen ist ein Zeugnis at this point wert? Ich lese da manchmal vom Leben im Mittelalter, fantasiereich und mit allen literarischen Wassern gewaschen, aber wie spielten sich die Szenen zu den Begebnissen ab? Genügen hierzu Wahrscheinlichkeiten? Nie!, man muss sich hinein=kontemplieren, in den Gockel, den Tschukel, den Äpfeldieb. Wie fühlt sich ein Mühlrad an, wenn man aufgekeltert wird? Man träume davon!
Der Fall Sissi
Der Traum vieler Mädchen, eine Prinzessin zu sein, lässt sich leicht mit der von Romy Schneider selbst gehassten Rolle der jungen Kaiserin, die sie im gleichnamigen Gummi-Film von 1956 spielte, in Verbindung bringen. Ein strammes Korsett hat die leibhaftige Kaiserin ja tatsächlich bis zu ihrer Ohnmacht hin geschnürt.
Ob Elisabeth hingegen etwas mit Magenta und rosarotem Plüsch anfangen konnte, bezweifle ich. Dazu war ihr Leben viel zu tragisch. Wie das aber bei Tortenbauern und Zuckerschmieden so ist, liebt man das glitzernde Süß über alle Verhältnisse hinweg, und wenn dann in der Familie die cinemascopische Legendenbildung mit den vielleicht persönlichen Vorlieben, Puppen an- und auszukleiden, eine genetische Tatsache darstellt, hat man den Salat, beziehungsweise das prunken=trunkene Gebäck.
Der Fall Sissi weiterlesenZu keiner Zeit
Zu keiner Zeit hat sich die schreibende Zunft und der allgemeine Glaube weniger an der wissenschaftlichen Erkenntnis orientiert, als das Heute der Fall ist. Man ist’s zufrieden damit, dass Newton und Einstein ihnen die Welt erklärt hat, und dass Freud ein wenig Licht ins Bettnässertum gebracht hat, ist wohl auch nicht schlecht. Die Welt indes ist eine andere.
8.15
Zweite Stromschlag=Einheit für die immer noch elaborierende linke Schulter nicht wahrgenommen.
Gestern noch…
Etwas Fremdartigeres wie Schumann habe ich nie vernommen, und das sogar noch für heutige Verhältnisse. Aber gleichzeitig scheint mir diese Fremdartigkeit durchaus vertraut. Es ist die Zerrissenheit, die ich verstehe, die harmonischen Kühnheiten, mit denen er alle Formgerüste sprengt. In Schumanns Klavierwerken fällt die Wirklichkeit auseinander, hier gibt es kein Gleichgewicht der Kräfte, hier wird das Komplexe des Traumhaften zum allesbeherrschenden Nachklang.
Ich glaube nicht an den Aberglauben
Ich glaube nicht an den Aberglauben, so also bin ich der Meinung, dass es ihn gar nicht gibt. Statt nämlich davon auszugehen, dass der A. wissenschaftlich unbegründet sei und nicht dem erreichten Kenntnisstand der Gesellschaft entspräche (was an und für sich stimmt, weil dieser „erreichte Kenntnisstand“ Wissen eliminiert, das nie wieder gewonnen werden kann), ist aus dem A. sehr gut eine Landkarte zu erstellen, die uns alles über die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt sagen kann.
Der gestrige Nachmittagsschlaf, den ich dazu nutzte, mit meinem Eldervater im Traum zu sprechen, brachte mir das Walditalien ein. Das dritte Kapitel ohnedies.
Das enthauptete Huhn
Es ist da, das absolute Wagnis, alle sich überschlagenden Ereignisse miteinander zu verweben. Zeitturbolenzen treten an verschiedenen Stellen des Lebens gehäuft auf.
Ich passiere Sandbänke, die wie Walrücken aus dem Ozean stechen, ruhigere Gewässer waren das, als ich noch mit mir selbst Karten spielte, das Würfelglas hob.
Jetzt schreckst du aus dem Schlaf. Dir gilt das Hochzeitslied, dir gilt der Ris, dir gilt das zertrümmerte Türchen, macht hoch das Tor, das Tor mach weit; struwwelpeterst im Bett, beginnst betäubt von Liebesträumen wie wild geworden zu schreien, gehst mühelos über das hohe c hinweg. Die menschliche Stimme, welch Zauber, der Einbruch in eine sichere Umgebung.
Ich ziehe es vor, eine Skulptur zu formen, nehme mich der Salzsäule an, Sodom und Gomorrha im Schlafzimmer. Wie klar ich sehe, als würde ich träumen. Das enthauptete Huhn flattert noch einmal auf und davon.
Hahn auf dem Mist
Zunächst drückte sie mir den nassen Spülschwamm ins Gesicht, den ich als gerechtfertigt betrachtete und nahm wie ein Mann. Ich hatte eine gewisse Art, die Dinge zu benennen, die man unmöglich durchgehen lassen konnte. Dann suchte sie der Reihe nach meine Sachen, die ich überall verstreut herumliegen hatte, machte die Wohnungstür auf und warf sie nacheinander die Treppe hinunter. Jedes mal musste sie das Licht im Treppenhaus neu starten. Statt dass ich sie daran hinderte, eilte ich meinen Habseligkeiten nach und riskierte damit, dass mir weitere Dinge nicht nur um die Ohren flogen, sondern mich sogar trafen. Sie zu hindern wäre einfacher gewesen, aber ich wollte sie den Rausch auskosten lassen, mich samt und sonders vor die Tür zu setzen, wo ich meiner eigenen Meinung nach auch hingehörte. Als sie nichts mehr fand, das sich mir entgegenwerfen ließ, fing sie an zu heulen und sagte, ich solle wieder nach oben kommen. Das ging natürlich nicht. Ich weiß, dass ihr Schriftsteller manchmal bescheuert seit, sagte sie, aber du bist ja noch keiner. Womit sie Recht hatte oder auch nicht, so genau ließ sich das nicht sagen. Dummerweise war ich auf dem Weg dorthin, ob ich wollte oder nicht. Dabei konnte ich noch nicht einmal richtig schreiben und versuchte mich in Gedichten, die sich entsetzlich reimten. Und ein Thema hatte ich ebenfalls nicht. Wäre H., den ich natürlich angerufen hatte, nicht gekommen, hätte ich wohl eine weitere Nacht in ihrem Bett und Opiumduft verbracht, aber H. kam und wir fuhren in seinem Ford Taunus in eine neue Überlegung hinein, die mein Leben so richtig in Schwung bringen sollte.
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