Wie ein überraschendes Paket hatte sie Platz auf einem Sofa genommen, das aus einer geknickten Matratze bestand, über die eine Wolldecke kaschiert für eine optische Täuschung sorgte, als du durch die Tür mit der profilierten Friese tratst.
Der Umbau von einem romantischen Loch zu einer Schüssel; gepriesen sei der Fortschritt vom Erdloch über die Kastenkloake zur gemauerten Grube.
(Wer Unrat vor seine Tür oder auf die Straße wirft oder schüttet, also nicht in den Bach trägt, gleichgültig, ob es bei Tag oder Nacht geschieht, der zahlt in jedem einzelnen Übertretungsfall dem Richter 24 Pfennig, der Stadt 1 Pfund und den Schergen 8 Pfennig.)
Man könnte ja weder klöppeln, kloppen, noch rasten, säße man nicht am Rande der Weltscheibe und ließe sich von dem zur Mitte fließenden Blut besingen. Daß es dort draußen noch etwas gäbe, singt der Song, etwas außerhalb der Blödmuckelei, terra incognita, so weit man überhaupt möchte, und wo ein Punkt gemacht werden soll, entspringt sogleich ein Gut, auf dem man seiner Ruhe beipflichtet und bleibt. Sollte alles nur rund sein, werden wir uns nicht entkommen und schließlich aufessen müssen.
Er hinterlässt Zeichen wo er geht und steht, glaubt, niemand folge ihm: das ist wirkliche Isolation, niemand ist ihm nachgegangen, alle Momente waren Momente seines Wollens, er führte sie herbei, begattete sie, erinnerte sich daran; als er eines Sommers den Zurückgekehrten spielte, Kerben in den Bäumen, den Bänken, vergrabene Zigarrenkisten, ähnlich den Spuren im Schnee, die nur noch in der Erinnerung existieren: ihre verrätselten Augen glimmerten, der Maibaum hing voller Monate.
Autor: M.E.P.
Montsegur
Vortex-Reise, hinaus aus schalen Wassern kriecht
Das bildhafte Reptil, das Lungen
Überall an seinem Körper verteilt, damit atmet,
Brennt, Kiemen wandelt. Auskeimend,
Bringend weiches Leder zu den Tälern ins Stroh,
Ins sonnenlose Gras,
Zahnrascheln, in den Nacken stürzen,
Tief ins Blut taucht ein Zahn,
Betrinkt sich, gerinnt Blut im Castrum Montsegur.
Serial-Kuchner 2: Sahnetorte in Silberbach/Selb

Konstrukt, Relation
Keiner kann seine eigene Entdeckung gegen eine andere ausspielen, nur der poetische Wert hat hier Gewicht, warum sollte es nicht möglich sein, ein Labyrinth zu formen, wer das Sprache-Sein entschlüsselt, hat den Menschen entschlüsselt, man kann den Zufall nicht darstellen, denn in dem man das anstrebt, hält man bereits willentlich die Nichtdurchführbarkeit des Experiments in der Hand, auch wenn man machen kann, was man will, hat das nicht etwas mit Chaos zu tun, in einem Chaos, in einem Zufall können wir uns gar nicht mehr artikulieren, sämtliche Widersprüche wären dann momentan und unvergänglich, schreibe ich
- Ich gehe und gehe gleichzeitig nicht
entsteht bereits die Poesie der Unauflösbarkeit
(oder in einem Oxymoron)
der Unendlichkeit, nur so gelingt es, dem Irrsinn Ausdruck zu verleihen, Konstrukt, Relation, daran werden wir kaputt gehen
(die Liebe ist ohne Wenn und Aber)
weder ist sie relativ noch statisch, sie ähnelt deshalb der Geisteskrankheit, etwas Unverbindliches will sich verbinden, und scheitert bis in alle Ewigkeit, nur so entsteht Poesie, wenn die Poesie nun das eigentlich Schöne ist
(und damit meine ich nicht ausschließlich die Literatur)
ist sie überall zu finden, und es kommt nicht darauf an, wie sie dargestellt wird
(im Moment stabil)
Süßes und Bitteres
Sie erhob sich von ihrem Stuhl, als sie mich aus dem Wandschrank kommen sah. Außer Königen, Dichtern und Druiden erhebt sich jeder, wenn er etwas für einen ehrlichen Gruß übrig hat. Es war nicht leicht zu erklären, wie ich dort hineingekommen war. Ihre starren Augen nahmen die Rundungen eines Opfers an, das sich nicht kampflos ergeben wollte.
»Wegen dir bin ich doch gekommen!«, sagte ich neben sie hin, weil sich dort noch ein Platz für Worte fand, blieb aber ganz der berechnende Geminus, ein kleiner Janus über den Türen. In ihr Ohr hinein sagte ich Dinge, die sie hören wollte, bis ihre feingeschwungene Muschel, viel zu zart für ihren großen Kopf, überlief.
In der geheimen Höhle des Herzens sitzen zwei an dem Brunnen des Lebens, das abgetrennte Ich trinkt Süßes und Bitteres, es mag das Süße und es mag nicht das Bittere. Währenddessen trinkt das höchste Selbst Süßes und Bitteres. Es mag noch mag nicht das eine oder andere, das Ich tappt im Dunklen herum, während das Selbst im Licht lebt.
In alten Sprachen sind Wind und Hauch Böen aus Splitter, fragile Kommunikation.
»Du?«
»Ja. Ich bin es wirklich.« Ich durfte sie Schranktüre schließen, ohne dass die Gefahr bestanden hätte, dass sie davonlief. Fraktale Welt, Frakturen des Erlebens; hingestreckt erwachen ihre Finger.
Siziliumhände, Schwefelhauch, Eisenknochen, Aluminiumhaar. Von Vogelbanden begleitet werde ich der Gottesanbeterin anheimfallen.
Vor dem geschlossenen Laden
Wenn ich das Kinsky-Palais in Prag betrachte, in dem sich unten rechts das Geschäft Herman Kafkas befand, gelingt es mir, das Wetter des Tages zu erfühlen, das an diesem Tage der Stadt einen gewissen lapidaren Gesprächsstoff liefern konnte und so dazu beitrug, daß vielleicht gerade inmitten von Kafkas Galanteriewarenladen darüber gesprochen wurde, denn über das Wetter redet man unverfänglich. Ich stehe vor den vergitterten Fenstern, bin zu früh dran, denn der Laden hat geschlossen.
Quadratwurzel -1
Wir schossen auf das, was sich in den Wänden bewegte, Tapeten verdeckten die Löcher, teures Papier; und dann wieder auf die Löcher, ob wir sie zweidreimal treffen könnten. Nichts ist vor der Inversion sicher, nicht die Mathematik, in der sich in Form der Quadratwurzel minus 1 das Imaginäre einschleicht. Während ich den Schlaf schon berühre, taucht die Zeit aus dem Fluß, von dem sie sich nun zu trennen weiß.
Haus der 1000 Köpfe
Überall ist Hubertustag
Kam noch nicht um die Ecke (ich) war noch nicht abgenabelt, aber man legte den Rechen nieder, die Spindel die Krüge das Jochbein: das Bein schwang sich (wer hatte) aus dem Sattel / um den Junker anzustarren / gute Kleider / die Mütze maltraitiert / jetzt kann ich’s sagen: überall ist Hubertustag.
Die nächste Minute, die nächste Atempause, der nächsten Nebel, der um eine Begegnung, Bewegung, tanzt, mäandert. Und der Nachhall im Ohr, der sich aufmacht, ein Wort zu werden, eine Sprache des Bewusstseins. Ein langer Tag tritt nackt aus der Umkleidekabine, verschließt seine tückischen Schlösser, die vorher gar nicht da waren, Schlösser ohne Schlüssel.
Lass mich ruhig raus, ich bin der Tag! Hinter dem Nebel ein Pfad; Pferde tragen die Wörter in den Gehörgang, Schall und Wahn, eine Rakete pro Silbe, eine vergnügliche Sperrstunde, ein wirkliches Verständnis, gerade noch geradegebogen, eine Kurve, dann geradeaus, immer geradeaus, bis man da ist, nächstes Ziel. Eine Fahrt, zurück aus dem Blau. Ich bin der Wandrer, du der Riemen, um den Stock gewunden, der mir die Hand fesselt; dem Stocke nach, folge mir! Wie durch ein Wunder kreuzen sich die Wege der Menschen. Es wird nicht gelingen, sich aus dem Wege zu gehen. Das versteht man hinterher immer besser, währenddessen ist es nur phantastisch. Tiefsitzenden Verwebnisse, die ziellos umherschnellen, blinde Schlangen, den Kopf gekappt, zuckende Schläuche, Purpurwasser entlassend, das Leben rinnt aus jedem Ding, das brackige Wasser seiner Leidenschaft, der tiefe und offene Moment seines Seins. Ein verwilderter Garten mit Früchten der Überreife. Früchte, die so süß schmecken, dass man die Fäulnis stets mit isst. Diese Tage gingen vorbei wie ein einziger. Wer bist du? Und er hatte die Wahrheit gesagt. Niemand.
Affentheuerlich & Naupengeheuerlich
Sie nahm den alten Rasierpinsel ihres verstorbenen Mannes aus der Schublade, tauchte ihn in das Blutgefäß (ein schönes und wertvolles Erbstück ihrer geisteskranken Mume) und pinselte sich den Teint – man mag es drehen und wenden – rot.
»Wo ist der Daimonenjunge mit dem Kopf?«
Es gab Essen in schaler Dunkelheit. Es gab Gebein unter dem Schreibtisch, abgeschabt, staubumfangen. Viele dieser Aufzeichnungen gingen im Feuer auf, die Buchstaben verendeten in der Luft, der Geschmack war der nach Zitroneneis. Aus dem Geist des Pedals erhoben sich unbekannte Formen, man kann nicht behaupten, dass es einen Anhaltspunkt dafür gab, ein Gerücht, vielleicht auch mehrere, gesät von einem zweifelnden Mund, dem bald die Lippen sprangen, die Fetzen Blüten ergaben.
Die verdrehten Schritte näherten sich kostenlos, das Gewölbe stank
(welch ein Wunder bei gutem Wurm, bei Regentropfen, die tiefer gingen)
fernes Lächeln
(die Edamer Katze)
meist achtet der Wind nicht darauf, wo er hintritt
(die verdrehten Schritte)
sein Spiel dem Zufall überlassen und nur durch das Medium großer Künstler lernen wir die Wirklichkeit kennen, angestachelt von den unterschiedlichen Luftschichten, aufzuklauben, was sich nicht an etwas anderes krallt. Es waren die Gewichte, die ihn herausforderten, der unheilvolle Geruch der Maronenbäume darf nicht durch das Fenster drängen, der erstickende Rauch der Kamine.
Du wirst Wasser sein, dann und wann Wasser sein.
Hier ist das Schnitterfest vorbei, die Äpfel liegen rund und schön, keine Schürze hängt an einem Haken, Jauche füttert die Bächlein, die durch die Wiese gehen, ein stummes Firmament trägt die Atlaskugel, nicht der Titan selbst
(Missy. She was rescued by an animal charity. We had her far over 16 years, before a stroke took her away.)
Exploitation der Produktion ist dann zu purer Schönheit erstarrt, wer nicht zaubern kann, billiger Stoff, verspätete Sätze im Mist
(auf den Balkonen drehten altehrwürdige Damen mit zitternden Händen an den Operngläsern, die ihnen die Fruchtkolben der Jugend heranholten)
die Schwester erstickt beinahe brav an einem Samenschuss, den sie dann aus ihrem falschen Hals mit Tränen schwemmt, die nie wieder so rein sein werden, so gemüsebrühig pikant, wie an diesem Tag der Asche, die aus dem schlottrigen blankbusigen Schlot pfeift, Fruchtfleisch des Lichtes also, Raumleib und Leib in Zeitgang
(affentheuerlich & naupengeheuerlich)
wir kommen in keinem Buch vor, in das wir uns nicht selbert hineinschreiben. Angeschissene Wände sieht der Wanderer auf sich zu –
Blutkloaken, abgerissene Euter von Mensch und Maschine, Sickergruben und Sand, Geklapper entzwei’ner Dachrinnen, Daimonenspocker und Ratten Ratten Ratten, mit den Schwänzen an Wäscheleinen geklammert (die verdrehten Schritte).
»Hallo!«
(Und ich auch: »Hallo!«)