Im Traum sah Sebastian alle toten Menschen, aufgestapelt, über den Horizont der Erdscheibe schwappend wie ausgebeinte Rinderhälften in den abyssalen Rinnstein rutschen. Ihre Ausdünstungen verwesten die Luft, die sich in seine Lungen verirrte und seinen Körper lähmte. Sein Atem gerann und zerfiel in tausend Stücke, die sich von ihm fortbewegten. Die Bäume schwiegen. Er hörte keine Vögel und spürte keinen Wind. Dann aber betraten fünf Tänzer die Lichtung, auf der er stand, Engel in ihrer verkommenen Reinheit, die sich betrunken und wie von Sinnen bewegten. Ein schwarzgekleideter, dürrer Mann mit Borkengesicht näherte sich langsam von links. In seinen Augen waren ›Rote Kobolde‹ gefangen und taxierten die Umgebung. Er beugte sich nach vorne und spuckte aus, traf einen langgestreckten Käfer, der sich zum Trocknen auf den Rücken wälzte. Lange betrachtete Sebastian die ominösen Seraphim und dann die Gestalt, die ihren Zeigefinger in die Luft streckte. Sofort begann dieser, sich in einen Ast zu verwandeln, dessen knorriges Ende Zweige auffächern ließ, die sich mit einem nahegelegenen Baum verbanden.
Die Entase der Engel weiterlesenAutor: M.E.P.
Unter dem Gras (Die Gesänge der Vril)
Antwort des Baches
Wenn aber ich die Erde abwärts streife
der Kleider lose, nackt und bloß
mich lege in den Wiesengrund
da alles in sich Kosmos ist
erspähe ich ein Wunder
gebäre ich mich selbst
auf die Frage
Was ist zu tun, der Wurzel Tiefe zu begreifen
der Wurzel Festigkeit zu hören
der Wurzel Durst allzeit zu stillen
Ich trample auf den Nerven deiner Ahnen
Genien und etruskische Todesdämonen
Menschen tragen Flügel
dort die Welt weit ist
dort die Welt versteckt ist
Wenn etwas aus der Tiefe fragt:
Was ist das für ein Mund
der dort hinunterführt?
Antwortet etwas darüber:
Der Zivilisationengrund
ist Armengrab
Ein offener Mund
Der hält den Rachen auf
Der frißt sich durch den Bauch
Der Erdenkinder Untergang
Der Menschenfeind im Überschwang
Danieder speichelt er und frißt
Es ist der Mund, der niemals küßt
Aber höre auch dies:
(Es sind die Gesänge der Vril)
Siehst du dich in Farben voller Flieder (aus dem Meer der Blüten)
voller Duft von all den Blumen (die nicht immer Flieder sind)
die erhoben hoch (so hoch der Grenzen Unwahrscheinlichkeit)
dort enden wo du lebst? (Doch nur, falls du verstehst)
Heißt man dich willkommen (denn ein Gast bist du schon längst)
wo der Tod nur Wächter ist (und wo die Welt findet ihr Ende)
wenn du längst vergessen bist?
Es sind Sonnen die nie strahlen (die nie dort sind, wo du warst)
Hörst du diese Klänge (wie von Tausenden von Chören)
die dich rufen, dich begleiten (in der Welt, die fremd dir ist)
Fühlst du, wie der Wind
der dich berührt (der dich begleitet)
der dich zähmt (der dich umnachtet)
weise kreist, geheimnisvoll?
Jetzt mußt du dich niederlegen
erregter Mensch