Weihnachten: Seit Charles Dickens 1843 „Eine Weihnachtsgeschichte“ veröffentlicht hatte, ist der Name Scrooge zu einem Synonym für einen gemeinen, geizigen Menschen geworden. Ebenezer Scrooge ist Dickens‘ berühmteste Figur und eine der berühmtesten Charaktere der so reichen englischen Literatur. Bei der Erschaffung von Schurken hat sich Dickens von jeher mehr ins Zeug gelegt und mehr Energien auf sie verwendet als bei seinen gutherzigen Figuren. In unseren Breitengraden ist Scrooge zwar bekannt, nimmt aber keineswegs die Popularität ein wie in englischsprachigen Ländern. Selbst der bekannteste (und vielleicht beliebteste) Ableger in Form der Ente Scrooge McDuck heißt bei uns „nur“ Dagobert.
Laut imdb gibt es 124 Darstellungen sowohl im Film als auch im Fernsehen über den Misanthropen, der solange von Geistern gequält wird, bis er schließlich geläutert ist. Er mag zwar nicht erfolgreicher als der Weihnachtsmann selbst sein, ist aber aus den jährlichen Dezember-Events nirgendwo mehr wegzudenken.
Ich muß erneut eingeschlafen sein. So viele Schlafe, da mag ein Schlaf getrost kein Schlaf sein. Schlaff natürlich wird der Körper, daher kommt’s; aufstehen, erschlaffen und so fort. Ich stecke im Hotelzimmer meiner Chimären fest, das vorzeitige Erwachen betrifft nur meine doppelte Existenz. Jede der beiden will die Oberhand gewinnen. Das könnte sich als wichtig erweisen, wenn es einmal darum geht, wer ich bin, wer ich heute bin, wer ich gestern war. Der Ausschluß anderer Existenzen ist der konsequente Wegfall vieler alternativer Möglichkeiten, aber die Existenz selbst ist so schwammig, daß jedes Philosophieren darüber nur ein weiteres Spiel bleibt, ein Zeitvertreib; jeder Gedanke an ein anderes Leben ein Schatten, der nie wirklich da ist, aber auch niemals ganz verschwunden; mauvaise foi.
Unter verklebten Lidern befindet sich noch ein Rest der wirklichen Umgebung, eine dampfende Laterne, von Faltern umschwärmt. Da ist keine Erinnerung, nur eine trockene Kehle. Körperfunktionen halten inne, der Puls ist ein kleinwüchsiges Klopfen, die Säfte sind erstarrt, tief ins Gewebe zurückgezogen; die letzten Inseln lauernder Funktionslosigkeit. Bilder kehren mit dem Blut zurück zum Herzen, reisen mit Transferrin im Eisenbahnwaggon, Schubtore geschlossen, damit während der Langsamfahrt niemand aufspringen kann, Rucksack in die Ecke, Guitarre raus (ein Hobo!). Nichts gegen den King Of The Delta Blues Singers oder Steve Earle, wir aber reden hier von Gedanken, von Geschehnissen. Das ist kein Swamp-Soundtrack, das ist eine Geige, die sich Ritzen sucht. Da fällt durch, was sie ausscheidet, klagende, kratzende Diarrhoe.
Das Licht spielt, wie es von jeher mit der Welt spielte. Planetenstaub, angebumst von koronalen Massenauswürfen, Tiktaalik rosea, der dann Affe wurde. Bettzeug, das nach barocken Liebeslagern muffelt. Die Zunge der Zeit hat hier mit fetten Zotten den frischen Geschmack in den Rachen befördert. Der Eindruck ist nur noch ein finsteres, oxidierendes Relief. Wo bin ich? Ich will nur meine Stimme hören, die mir der Katzenjammer zugesteht. Es gibt Märchen, da antwortet der Teekessel überschwappend der magischen Brühe : »Rauss mitt diiir, bevor man die Prinsesssin skalpiert!«
Und ein Pferd tritt ein (Ah! es ist ein Friesenhengst, mit Hafer in den Ganaschen!), der junge Held von burlesker, ganymed’scher Schönheit tränkt seinen Körper im jetzt golden dahinfunkelnden Sonnenschein, der durch die Risse der garstigen Schwiegermutterscheiben taumelt. Dann ein recht merkwürdiger Name, sagen wir, Behroka, sagen wir, Behroka Espenlauba, die zitternd mit noch blonder Mähne im Turmzimmer zu Karstenfels ganz oben unterm Dach dem Einen harrt, der eine sehr, sehr durstige Kehle hat. Das Märchen beschreibt das runde, zugige, und von außen abgeriegelte Zimmer mit ein, zwei romantischen Paradesätzen, verschweigt die Bettpfanne, den stinkenden Essenstrog, erwähnt allerdings die Unmöglichkeit, das Gemäuer zu erklimmen. Viele haben’s schon versucht, hört man da, alle sind sie schauerlich deformiert und zerbreit an ihrem Leib ins Geisterreich gefahren.
Wo das Geäst über die blanken Balken der Schänke streicht und gemeinsam mit dem Wind die Zeit vom Gehäuse schabt, da standen die verlorenen Erinnerungen, die nicht mehr Geschehen waren, aber auch keinen Gedanken mehr infizierten, und sahen auf die Uhr, die jemand von einem Bahnsteig gepflückt und hierher umgepflanzt hatte. Ihre Zeit des Spukens würde kommen, wenn die Sonne ein anderes Land bereist und sich nicht für die Schattenspiele hinter ihrem Rücken interessiert. Doch bis dahin hieß es : verharren! Den Hüttengesang vernahm man schon von einer großen Entfernung aus, da waren weder ein Giebel, noch ein Strauch zu sehen. In einen Tonkrug gesungene Phrasen von Treue und Schicksal, von Torkeleien an den Häfen und dem Mahlstrom auf hoher See. Öffnet man die unbewegliche Tür, verstummt all das Raunen und alle Flecke werden wieder alt.
Der Mond sank nicht aus sich selbst heraus unter seine Achse Manche Bretter stapelten sich zuletzt und von oben hatte man Ein ganz anderes Gesicht. Nummernlose Wolken. Kein Halsband Kein großer Rummel. Überhaupt nichts das man Zur Kenntnis zu nehmen sich befleißigte um Nutzen zwischen Den Käferleichen auf dem Rücken wippend also doch Noch nicht ganz Leichen zu verstecken.
Die Vertrautheit verschwindet wie ein Naturgesetz und Mit einem Mal. Man sieht es nicht kommen weil es nicht kommt Schon immer dagewesen schleicht es um nichts anderes als Einen Knopf der an eine Hose gehört um die Abteilungen Geschlossen zu halten die sonst ja übervoll die Bäuche aus Ihren eigenen Fenstern hängen müssten. Das mit den Wegen Ist nur ein Gerücht. Dass sie sich beim Gehen formen.
Nur die Attraktion der anvisierten Punkte pfadet einen Weg und Treibt die inneren Gäue wie eine Urlandschaft vor sich her Die Milch gibt wenn man sie höflich danach fragt und nicht Einfach in ihrem Wasser rührt. Manche Baldowereien müssen Unbedingt vor dem Essen ausgeführt werden – niemand denkt Wenn der Bauch nicht denkt. Und niemand kniet wenn Das Knie nicht kniet.
Die Vergangenheit entgleitet mir mehr und mehr, und das ist gut für die Bewegung außerhalb des Zentrums, das nun überall sein kann, so wie wir es von Foucault her kennen. Nichts ist quasi das, was wir haben. Ich bin frei in meiner Auswahl der Stoffe, also schaue ich mir gerne das Verlixteste an, das ich kenne. Eine undenkbare Welt spiegelt sich im Innern, darin findet sich nur immer das Symbol eines weiteren Symbols; ich glaube, die wahre Befriedigung ist die Ohnmacht, eine Rückkehr zur vertrauten Nabelschnur. Das ist anscheinend mit Paradies gemeint, der Apfel ist demnach die Geburt. „Lass den Apfel hängen, wo er ist, Eva!“ Wie würden wir uns denn dann in unserer kleinen Kammer einrichten, mit einer Mutter, die wie ein Wal auf den sieben Meeren treibt?
Mich fasziniert die zunehmende Distanz zu einer Welt, die einst war. Sobald die Momente in die Vergangenheit gleiten, werden sie rein fiktional. Jede Erinnerung, jede Beschreibung… Dieser eine Punkt, den wir zu greifen suchen, ist wieder einmal nur nichts, ein Pendel mit einem Radius, dessen Aufhängung wir nicht begreifen.
Ich würde gerne hineingleiten in eine Spukhütte an unbenennbarer Stelle fern jeglicher Beschreibung nicht dem Wetter ausgesetzt nicht der Zeit ausgesetzt und dort die Gestalt der vergangenen Weihnacht am Kamin stehen sehen diese Hand wäre es mir wert geschüttelt zu werden
Pazuzu ist uns heute vor allem durch den Film „Der Exorzist“ bekannt, aber die weite Verbreitung seiner Ikonographie in der gesamten antiken Welt zeigt, dass er schon zu seiner Zeit ein bekannter und ziemlich beliebter Dämon war. Pazuzu ist auch der einzige prominente mesopotamische Dämon oder die einzige mesopotamische Gottheit, die ihren Weg in Hollywood-Filme gefunden hat – und dafür mag es mehrere Gründe geben.
Valdimar Jóhannssons Regiedebüt „Lamb“ ist ein atmosphärisches Kammerspiel, das sich – ganz im Stil des modernen Horrorkinos – den Konventionen des Genres entzieht und stattdessen eine beunruhigende Parabel über Verlust, Sehnsucht und die Grenzen menschlicher Kontrolle über die Natur erzählt. Der Film bewegt sich zwischen folkloristischem Horror und psychologischem Drama und schafft dabei eine einzigartige, verstörende Atmosphäre.
Das kinderlose Ehepaar María und Ingvar lebt auf einer abgeschiedenen Schafsfarm in den isländischen Hochlanden. Als eines ihrer Schafe ein außergewöhnliches Lamm zur Welt bringt – halb Mensch, halb Schaf – entscheiden sie sich, das Wesen als ihr eigenes Kind aufzuziehen und nennen es Ada. Während María und Ingvar in ihrer neuen Elternschaft aufblühen, deutet sich durch subtile Zeichen an, dass die Natur ihr Kind zurückfordern wird.
Der Film ist in Kapitel unterteilt und folgt einem langsamen, meditativen Rhythmus. Jóhannsson nimmt sich Zeit für seine Geschichte und setzt auf atmosphärische Dichte statt auf schnelle Wendungen. Die Struktur erinnert an ein Märchen mit düsterer Grundstimmung.
Die Bildsprache von „Lamb“ ist bemerkenswert zurückhaltend und bedrohlich zugleich. Kameramann Eli Arenson nutzt die karge, nebelverhangene isländische Landschaft als eigenständigen Charakter. Die weiten Einstellungen betonen die Isolation der Protagonisten, während die Natur omnipräsent und undurchdringlich erscheint.
Die Farbpalette bewegt sich in Grau-, Grün- und Brauntönen, die die emotionale Kälte und Trostlosigkeit unterstreichen. Das Licht ist meist diffus, was der gesamten Erzählung etwas Unwirkliches verleiht. Jóhannsson vermeidet grelle Schockmomente und setzt stattdessen auf eine schleichende, unbehagliche Spannung.
Zach Creggers Barbarian ist auf den ersten Blick ein effektiver Schockfilm mit plötzlichen Brüchen, grotesken Übertreibungen und einer monströsen Figur, die direkt aus den Kellerräumen des Genres stammt. Doch unter der Oberfläche des Exploitation-Horrors vollzieht sich eine bemerkenswert präzise Reflexion über Raum, Erinnerung und Gewalt – über das, was sich nicht zeigt, aber strukturell anwesend bleibt. Der Horror dieses Films ist architektonisch aufgebaut, historisch und psychologisch gleichermaßen. Das Haus, in dem fast der gesamte Film verortet ist, wird nicht bloß zum Schauplatz, sondern zur Metapher einer Kultur des Wegschiebens – und zu einer Wunde, die nicht heilen darf, weil man sich lieber einredet, sie existiere nicht.
(c) Boulder Light Pictures
Schon in der ersten Begegnung zwischen Tess und Keith inszeniert Cregger das Motiv der Ungewissheit als grundlegende Realitätserfahrung. Das doppelt vermietete Airbnb fungiert einerseits als triviale Ausgangskonstellation, aber wichtiger noch als Störung des Vertrauens in das, was als „geordnet“ gilt. Die Angst vor dem Fremden ist zunächst vollkommen rational: Tess begegnet einem Mann in einem leeren Viertel Detroits, im strömenden Regen, in einem Haus, das zu groß, zu dunkel, zu unübersichtlich ist. Der Film folgt zunächst den eingeübten Regeln des Thrillers: Ist Keith eine Gefahr? Ist er ein Trick? Ist er ein Spiel der Erwartung? Doch Cregger unterläuft diese Spannung radikal, indem er sie auflöst – und zerstört. Keith ist harmlos, freundlich, kultiviert. Die eigentliche Gewalt lauert nicht im Offensichtlichen, sondern im Fundament des Hauses selbst.
Damit verschiebt der Film sein Zentrum vom zwischenmenschlichen Misstrauen zur strukturellen Bedrohung. Der eigentliche Horror beginnt nicht mit dem Unbekannten, sondern mit dem Verdrängten. Der Kellerraum wirkt, als sei er aus einem anderen Film – trocken, sauber, ritualisiert, mit der Videokamera, dem Bett, dem Eimer. Hier offenbart Barbarian sein eigentliches Thema: Es geht nicht um das Monster, sondern um das System, das es hervorgebracht hat. Um den Raum, in dem Gewalt organisiert, archiviert und zur Gewohnheit gemacht wird. Die unterirdischen Gänge, die sich in absurdem Maße ausdehnen, sind nicht etwa Logikfehler der Dramaturgie, sondern ihr Schlüssel: Sie visualisieren das Ausmaß einer Vergangenheit, die man nicht sehen wollte. Detroit wird als Nekropole ausgestellt, als eine Stadt mit Gräbern, die niemand öffnet, obwohl man auf ihnen lebt.
Wie viele Bücher könnte man mit allen ersten Sätzen füllen, die je geschrieben wurden? Schmeckte der Apfel im Paradies nach Oxford? Wie kann ich an einem Kreuzweg wissen, in welche Richtung ich muss?
Wieviel Klopapier-Tissues kann ich essen, bis ich Verstopfung bekomme?
Wie groß war Karl der Große und wie lautet der Quotient gegenüber den Schlümpfen?
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