Das Spukhaus: Dauerbrenner der Schauerliteratur

Paranormal

Seit der Antike bereichern Geisterhäuser unsere Phantasie: knarrende Treppen, zuschlagende Türen, flüsternde Stimmen, raschelnde Geräusche, zerbrechende Vasen, gurgelnde Pfeifen, an die Fenster schlagende Zweige, huschende schwarze Katzen, winselnde Hunde huschen schon lange durch die Flure unserer kollektiv erträumten Behausungen. In allen Kulturen erzählt man sich Geschichten darüber, denn selbst wenn wir uns zu Hause und sicher wähnen, ahnen wir tief in uns, dass es dort Dinge geben könnte, die nach uns greifen.

Spukhäuser sind ein faszinierender psychologischer Raum, der uns aus sehr ursprünglichen und tief verwurzelten Gründen Angst macht. Auf einer Ebene verkörpern sie Freuds Konzept des „Unheimlichen“, in dem ein solcher Raum „seinen Schrecken nicht aus etwas Fremdem oder Unbekanntem bezieht, sondern – im Gegenteil – aus etwas Fremdem, das unsere Bemühungen, uns von ihm zu trennen, vereitelt“.

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Das Moor in der Schauerliteratur

Bouquinist

Was genau ist ein Moor? Moorland ist ein Lebensraum, der durch niedrig wachsende Vegetation auf sauren Böden gekennzeichnet ist. Das Oxford English Dictionary definiert es auch als „unkultivierten Boden, der mit Heidekraut bedeckt ist; eine Heidelandschaft“. Diese Art von Ökosystem ist besonders auf den britischen Inseln verbreitet, von den schottischen Highlands bis Mittelwales, von Yorkshire bis Cornwall. Für viele britische Bürger war ein Spaziergang in den Mooren die erste Möglichkeit, der Hektik des Hauses oder der Stadt zu entfliehen und einfach in der Natur zu sein und nachzudenken.

Kein Wunder also, dass diese Landschaft im frühen neunzehnten Jahrhundert von Künstlern, Dichtern und Schriftstellern zunehmend romantisiert wurde. Aber die Moore haben auch ihre Schattenseiten. So heiter und schön sie auch sein mögen, ihre wilde und isolierte Natur macht sie auch gefährlich. In der unveränderlichen Landschaft der Moore kann man sich leicht verirren oder über unebenen Boden oder unerwartetes Sumpfland stolpern. Die Moore sind auch tief mit der britischen Folklore verwoben, da sie die Heimat von Feen sind, die sowohl hilfreich als auch bösartig sein können. In der Schauerliteratur werden die Moore oft als Zufluchtsort und zugleich als Bedrohung dargestellt.

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Sprühkörper

Unser Wechselritual wurde erfolgreich absolviert. Wir begannen bereits um 18 Uhr mit der Flut an Bildern PLUS musikalischer Untermalung, und es war einfach, sich gegen 2 Uhr in die Liegestatt zu begeben. Das Donnern der Kanonen und Sprühkörper war diesmal ein eher astrales Schauspiel und nicht plump derbe wie in den letzten Jahren. Kempten ist eine ruhige Stadt, und das ist vielleicht der Augenblick, von einer Perle zu sprechen, die sich wohl von den meisten deutschen Städten abhebt, ohne dass es jemand von außerhalb bemerkt. Dafür werde ich heute noch in den Haferschleim tauchen und (wie gestern) in den Kartoffelkanon. Selbstverständlich gibt es die neujährlichen Versuche, verschiedene Änderungen einzuleiten (das Datum verführt stets aufs Neue). Wie will sich etwas ändern, wenn mir noch der Schweiß tropft? Durch einen saugfähigen Pyjama zum Beispiel, durch Tee, der den Magen durchläuft und ausspült, was sich in den Darmschatten verstecken möchte.

Etwas schleicht in Schleifen

Es kann verbunden werden, das Geschehen nicht verkleistert, sondern
In einem Rutsch auf das Ziel zugesteuert, das mag im Dunkel liegen,
Mag sich sogar dem Einsatz entziehen, hat aber eine große Geltung
Wenn es darum geht, zu bleiben wie man ist. Die Bewegung treibt sich
Um das fokussierte Etwas herum, schleicht in Schleifen davon, kehrt
Bei mangelndem Licht zurück, um etwas Körperloses zu sagen.

Träume im Hexenhaus / H. P. Lovecraft

Bouquinist
Das Buch der Geister und Spukhäuser

Walter Gilman, Student der Mathematik und Volkskunde an der Miskatonic University, zieht in ein Dachzimmer des berüchtigten „Hexenhauses“ in Arkham, das als verflucht gilt. Die düstere Geschichte des Hauses wird schon bald offenbar: Es gehörte einst Keziah Mason, einer Hexe, die 1692 aus einem Gefängnis in Salem auf mysteriöse Weise verschwand. Gilman findet heraus, dass zahlreiche Bewohner des Hauses in den letzten zwei Jahrhunderten frühzeitig und unter bizarren Umständen gestorben sind. Besonders auffällig sind die ungewöhnlichen Dimensionen seines Zimmers, das einer unheimlichen, nicht-euklidischen Geometrie zu folgen scheint. Er entwickelt die Theorie, dass diese Struktur Reisen zwischen verschiedenen Dimensionen oder Ebenen des Universums ermöglicht.

Moderne wissenschaftliche Forschungen, insbesondere in den Bereichen Quantenmechanik und Topologie, zeigen erstaunliche Parallelen zu Gilmans Erkenntnissen. Arbeiten über Wurmlöcher, extradimensionale Räume und Multiversum-Theorien bestätigen die damalige fiktive Prämisse auf neue Weise.

Kurz nach seinem Einzug erlebt Gilman verstörende Träume. Er schwebt körperlos durch einen jenseitigen Raum voller unbeschreiblicher Farben, Klänge und fremdartiger Geometrien. In diesen Traumlandschaften begegnet er Wesen, die er instinktiv als intelligente Entitäten wahrnimmt. Dazu gehören schillernde, wuchernde, kugelförmige Blasen und eine sich ständig verändernde polyedrische Figur. Diese Erscheinungen agieren nicht nur eigenständig, sondern verfügen auch über ein verstörendes Bewusstsein.

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Der Schatz des Abtes Thomas / M. R. James

Bouquinist

In M. R. James‘ literarischem Universum ist Latein die Sprache der Gelehrten – wer etwas auf sich hält, beherrscht sie fließend. Dies gilt nicht nur für James, sondern erinnert auch an Umberto Eco. Folgerichtig beginnt die Erzählung Der Schatz des Abtes Thomas mit einer umfangreichen lateinischen Passage, die der Antiquar und Gutsherr Mr. Somerton umgehend zu entschlüsseln versucht. Was er dabei entdeckt, ist ihm zunächst nicht völlig klar, doch die Hinweise locken ihn auf die Spur eines verborgenen Schatzes. Diese Schatzsuche führt ihn schließlich in eine ihm fremde Gegend, die den Leser nach und nach enthüllt wird.

Mr. Somerton lebt auf dem europäischen Festland, in der Nähe von Koblenz, und gerät dort in eine bedrohliche Lage. Sein treuer Diener, unfähig, ihm selbst zu helfen, schreibt einen dringlichen Hilferuf an einen befreundeten Pfarrer in England. Dieser erkennt sofort die Dringlichkeit der Situation, nimmt das nächste Schiff und findet seinen antiquarischen Freund in einem entkräfteten, verängstigten Zustand vor. Somerton ist nicht in der Lage, über die Ereignisse zu sprechen, die ihn derart erschüttert haben. Bevor er seine Geschichte erzählt, bittet er den Pfarrer jedoch, eine Aufgabe zu erfüllen, deren Natur zunächst unklar bleibt. Erst nachdem diese vollbracht ist, offenbart er die düsteren Geschehnisse.

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Da ist jemand in der Küche / Nancy A. Collins

Bouquinist

Nancy A. Collins ist ein Schwergewicht der Urban Fantasy (aber auch in Weird Western hat sie sich versucht und für den Giganten Swamp Thing getextet). In Deutschland ist sie – oh Wunder – gar nicht so bekannt, wie sie es eigentlich sein müsste, auch wenn es hier in diesem Fall zumindest die Sonja-Blue-Übersetzungen gibt. Tatsächlich ist es ja so, dass man sich um Kurzgeschichten nur in den besten Kreisen reißt. Und zu diesen besten Kreisen gehören hierzulande nur die wenigsten. Also gibt es auch keine Sammlung von ihr. Aber im Buch der Geister & Spukhäuser haben wir von Frank Festa die Geschichte „Da ist jemand in der Küche“ aus den 90er Jahren bekommen. Man mag zwar ahnen, wo diese Erzählung hinläuft, aber dennoch handelt es sich um eine kleine fiese Perle in Sachen Spukhausgeschichte.

Die Geschichte handelt von George Pruitt, der sich ein Haus auf dem Land mietet, das im Stil der 50er Jahre eingerichtet ist. Er hat das Großstadtleben Manhattens, wo er arbeitet, satt und freut sich gerade an dieser Zeitreise, wenn er am Wochenende das Haus betritt. Allerdings ziehen dauernd wohlige Gerüche durch das Haus, die ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Zunächst denk er, es seien die Essensgerüche der Nachbarn, die er da riecht, aber die leben zu weit weg als dass sie es sein könnten. Irgendwann entdeckt er den Geist einer entstellten alten Dame, die in seiner Küche hantiert. Er kann sich den leckeren Speisen nicht entziehen, Geist hin oder her. Als er dann tatsächlich einem Nachbar bei der Gartenarbeit begegnet, erfährt er die tragische Geschichte, die sich im Haus abgespielt hat, die ihm auch den Beweis dafür liefert, dass es sich bei seiner Phantomköchin auch wirklich um einen Geist handelt. Zumindest speist er so gut wie noch nie in seinem Leben. das geht so weit, dass er selbst seinen Job in Manhattan aufgibt, weil er ja die nächste Speise verpassen könnte.

Wie gesagt ist es einfach, sich vorzustellen, wie das alles endet. Ich werde es hier dennoch nicht erläutern, denn eine Geistergeschichte funktioniert oft wie ein Witz, was den stilistischen Aufbau betrifft, und auch den muss man hören, bevor man ihn analysieren sollte. Das mache ich zwar nicht immer, aber hier ist es durchaus angebracht. Sobald man das (nicht besonders überraschende) Ende kennt, kann man sich gleich noch einmal an den Anfang begeben und die verschiedenen Schritte noch besser genießen.

Der Quinkunx / Walter de la Mare

Bouquinist

Walter de la Mares „Der Quinkunx“ ist eine Geistergeschichte, die erstmals im Dezember 1906 in Lady’s Realm veröffentlicht und später für die Sammlung A Beginning and Other Stories (1955) überarbeitet wurde. Die Erzählung folgt einem namenlosen Protagonisten, der von seinem Freund Walter in ein kürzlich geerbtes Haus eingeladen wird, um ihm bei einem Problem zu helfen.

Diese Erbschaft erfolgte nach dem Tod von Walters Tante, deren Präsenz im Haus auf gespenstische Weise spürbar bleibt. Besonders ihr Porträt verhält sich unheimlich: Es dreht sich nachts auf mysteriöse Weise wieder nach vorne, obwohl Walter es explizit umgedreht oder gar entfernt hatte. Diese verstörenden Vorkommnisse deuten auf einen übernatürlichen Versuch hin, die Entdeckung eines verborgenen Geheimnisses zu verhindern. Walter bittet nun den Erzähler, im Zimmer mit dem Bild Wache zu halten, um das Rätsel zu lösen.

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Charon, der Fährmann

Paranormal

Charon entsteigt dem Urchaos, das den Olympiern vorausging. Als Sohn von Erebus und Nyx, Gespenstern, die Dunkelheit und Nacht symbolisieren, verkörpert Charon eine Mischung aus Hingabe und Distanz. Er befördert die Seelen ohne Urteil oder Gnade über den Fluss des Todes und hält sich ausschließlich an die ewige Tradition, einen Obolus als Gegenleistung für die Überfahrt zu verlangen.

In den Geschichten, die im Laufe der Jahrhunderte auf den behelfsmäßigen Webstühlen der Dichter und Erzähler gesponnen wurden, schimmerte die Beschwörung des Charon nur dunkel in den Tiefen der Vermutungen und Epen. Erst in den Werken von Pindar und Euripides taucht er wieder auf und leitet die Diskussionen über Moral, Sterblichkeit und die Dunkelheit, die nach dem Tod im Reich der Lebenden herrscht. Sein allgemein anerkannter Beitrag zur Literatur ist ausdrücklich von visueller Strenge geprägt – ein abschreckender Wächter, der am Ufer des Styx steht. Im Zeitalter der sokratischen Dialoge und der platonischen Philosophien ist dieser gespenstische Bootsmann ganz in den intellektuellen Bereich gerudert und stark mit den Ritualen des Todes und des Abschieds verbunden.

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De Umbris Pactis

Langform

Ich saß von der windigen Dunkelheit eingehüllt auf der Brüstung des Rathauses und beobachtete die von hier aus einsehbare Fläche unter mir, denn wir alle waren abkommandiert, um die Schatten zu beobachten, die in unwahrscheinlichen Zahlen und Winkeln in die Stadt einfielen. Sie waren uns allzu ähnlich, und was wir zu berichten hatten, wurde mit großem Interesse verfolgt, wenn auch wir mit keinem unserer Auftraggeber sprachen, ein Beobachter ist nun einmal kein Sprecher.

Wir notierten alles in einer Sprache des Untergangs, denn das war es, was wir sahen. Bizarre Zwischentöne des Schreckens einiger Sekunden mussten wir zur Fiktion werden lassen, um ein Maß für das Unbegreifliche zu finden.

In Teseo Albinesis Aufzeichnungen aus dem Jahr 1539 wird beschrieben, wie der Okkultist Ludovico Spoletano den Satan beschwor, weil er – dem Doktor Faustus ähnlich – glaubte, alles bereits zu kennen, aber doch nichts zu wissen. Das dringliche Bedürfnis, zumindest ein Ding so zu Fassen, wie es beschaffen ist, treibt die Schwärme der Verzweiflung aus Staubwolken heraus und ermuntert jeden Schläfer, festzuhalten, was weniger noch als ein Quellstrom nicht zu greifen ist mit fünf oder zehn oder fünfzehn Fingern.

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