Das verlorene Land Lyonesse

Die britische und kornische Folklore wird nicht müde, eine Reihe geheimnisvoller Orte wie Camelot und Avalon in den Legenden um König Artus zu erwähnen. Daneben macht sich das verlorene Land Lyonesse eher klein und unscheinbar aus, spielt aber in vielen Artuslegenden eine wichtige Rolle.

Der Legende nach lag Lyonesse einst zwischen der Küste von Cornwall und den Scillies, die aus über 140 Inseln bestehen, von denen aber nur fünf bewohnt sind. Im 16. Jahrhundert befragte ein Antiquar namens William Camden viele Bewohner Cornwalls nach ihrem Volksglauben. Sie erwähnten oft die „Stadt der Löwen“ und erzählten, dass sie manchmal die „Geisterglocken“ läuten hörten. Nur ein Mann namens Trevelyan soll dem Untergang von Lyonesse auf einem Schimmel entkommen sein.

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Zerberus sucht sich das Weite

Alle Höllenhunde zu mir und um mich herum, der Fährmann schmilzt in seinem Kahn. Es sollte ein Brückenfest geben, die Flüsse der Unterwelt waren reich geschmückt und dann : eine Prozession kriecht bergan und schleudert Federn in die Luft, die sich binnen Sekunden in graue Geier verwandelten und davonstoben, um sich den fliegenden Würmern zu widmen, die in ihrem Bauch wimmerten und keuchten, so dass ein Lied von ungeahnter Traurigkeit entstand. Die Köpfe des Hundes waren Legion, nicht drei, wie man mir sagte. Die Kutte des Fährmannes brannte – es war ein gar heiterer Scherz, den Boten in einen Phönix zu verwandeln, der er freilich nicht war, weshalb er mit seiner ledrigen Hand – nicht knöchern, wie man mir sagte – in die schwarzen Wasser griff und sich sehr langsam beregnete. Nun hatte er Gäste in seinem Totholzkahn, die nicht zu spät ans andere Ufer gelangen wollten. Man hatte ihnen eine spektakuläre Überfahrt zwar versprochen, aber sie empfanden die feurigen Lichtkaskaden unpassend gegenüber ihrem Ableben. Sollte Dante recht behalten, würden sie das Gasthaus noch vor dem Hund erreichen, der sich nun bückte, um über seine vielen Köpfe zu springen, denn die Last war offenbar. Sie konnten schon den hell erleuchteten Eingang sehen, wo sich ein fetter Wirt gerade bückte, um ein oder zwei Augen aufzuheben, die aus der Tür gefallen waren. Nichts war mehr an seinem Ort, und wenn man etwas suchte, musste man vorher einen windigen Dämon beschwören, der gerne die Ohren als Bezahlung nahm. War Hören uninteressant geworden in den Ecken und Kanten und Fugen und Nuten? Nicht zur Gänze, doch die pochende Luft wurde jetzt durch eine größere Antenne in die richtige Abfolge transzendiert. Die Worte waren Bilder geworden, die sich auf allen glänzenden Dingen zeigten. Karl, der hier nun Charon genannt wurde, fischte aus seinem Kleiderschrank ein neues Kostüm; ein Boot mit vielen Wendungen. Die Gäste staunten ihn an, mussten sich aber selbst in die Ruder beugen, während der springende und sprungende Hund nur noch ein paar seiner sinnlosen Köpfe zu überspringen hatte. Wie aber wollte er sich ohne diese zum Mahle setzen, wie die Knochen in kleinste Brocken beißen, wie das sinistre Fleisch aus den Pfannen schlotzen? Und er nutzte seinen Schlund, nicht das Maul, wie man mir sagte, um zu schlingen und zu würgen, bis die Magensäure die Opfergabe ganz und gar in sich versenkte.

Können wir, verehrter Karl jetzt endlich zum Gasthaus gebracht werden, bevor die verdammte Töle uns den Appetit so ganz verdorben hat?

Das Fass lief dem Fährmann über und er beseitigte die Seelen mit einem Handstreich aus seinem Gefährt, die sogleich von den finsteren Wogen aufgeleckt wurden, denn unter ging man hier nicht, wie man mir sagte, man trieb wie ein Kork ganz obenauf, bis sich irgendwo eine Zunge fand, die das Gasthaus wie ein Traum erscheinen ließ.

Der heikle Ritter

Der heikle Ritter hatte keine Gelegenheit, seine saubere Hand noch sauberer zu bekommen. Alle Wasser lagen hinter ihm und vor ihm nur der Suff bitterer Blätter, die seine Hand beschmutzten, bevor sie ihre Wirkung taten. Ein Kavalier ohne Rose, die er jemanden bringen könnte. Er nahm seinen Platz ein neben der Hecke, wo er nicht auffiel, weil sein Mantel die Luft imitierte. Niemand sah ihn da, niemand rempelte gegen seine Aura und schon gar nicht gegen seinen Schwertarm. Die kleinen schiefen Fenster behagten ihm nicht, denn ein gefasstes Glas gebietet Augen. Die Dunkelheit wollte nichts von ihm, aber wie viele unnütze Begegnungen sind erforderlich, um den Weg zu finden, der von allen Himmeln baumelt, aber nur einmal am Tag zur Ruhe kommt. Mann nannte ihn DIE SAUBERE HAND, weil er darauf achtete, nichts Irdenes zu berühren. Ein Ritter ohne Rose, die er jemanden hätte bringen können. Längst ist ein Hügel um ihn geworden, ein bitteres Kraut wächst an seinem Fuße. Es mag sich nicht um Rosen handeln, aber ein Singsang weht im Zwielicht davon, das nur von Glubschohren zu erkennen ist. Diese seltenen Rundungen großer Gehörgänge brechen das Licht auf eine Weise, die dem spreißeligen Holzrücken nahe steht. Der heikle Ritter verwehte, der heikle Ritter verklang. Ohne Rose, die er hätte jemanden bringen können, taugten ihm auch die Jahreszeiten nicht mehr und er verlor seine innere Spannung. In manchen Tälern nahmen sie seine Verwehungen gerne auf, doch längst nicht überall. Dort bewarfen sie seine schlanken Teile mit einem ordinären Dung, der noch nicht einmal gut brannte. Seine Rüstung hatte längst das Weite gesucht, strebte einen Platz in einer sicheren Kommode an, bewacht von Argusaugen, angebracht an der gegenüberliegenden Wand in den Mustern der Renaissance-Tapete. Kalte Augen. Wirklich, der Tapezierer fror. Keine kostbaren Fransen und Borten mehr. Die Rüstung steht gut hier. Und die Rose, die er jemanden bringen könnte. Er schwankte um das rundes Canapé herum und entriss all seine Kleidungsstücke der Garderobe, zumindest so viel, wie er für einen Besuch benötigte. Drunten stand die Eisenbahn, angeschirrt 1 Pferd. Es kam ein Gast und noch 1 Pferd und immer so weiter, bis alle Pferde alle Lücken ausfüllten und es weder Lücken noch lose Pferde gab. Nachts um drei wurde er endlich zum Ritter geschlagen, das Tapezierhandwerk ließ er vorsichtshalber aus seiner Etikette streichen.

Tollhaus

almosengumpig hatte der italienische bischof Goffredo de Prefetti den plan, hinunterzusteigen ins Heilige Land, um dort die schwerter so singen zu lassen, dass ihre kehlen mit angedicktem blut geölt nie gekannte befriedung erfuhren und so tat er ein haus auf dort zu London und baute es über einer kloake, wo der strom der elenden hinterteile nie versiegte. Vorm wahnsinn fürchtet man sich noch am besten, die tänzer können nicht für ein verbrechen baumeln, die schwarzgalligen nicht für treulosigkeit verbrannt werden, dummes huhn, was krähst du in die ferne, schau putt putt da hast du tupp tupp

leider leider was schöner rauch das wäre neben den ungeliebten weibern, die milch bereits im euter quarken, brotleiber auf den hinterbacken kneten und den schlendrian im wald in ein loch purzeln lassen, dass er lande bei den elven

die finsterei wurde geflüstert, dämonisches ringen kuriert, schwefel- und zundermasken im feuer gesehen

wir sind der sache nicht gewachsen
wir wachsen nicht aus stahl heraus

Ich wusste nicht dem Hunger zu begegnen, also nahm ich mir einen Sessel, den ich aß. Sein Polster war mir rotes Trockenfleisch in einer dunklen Ecke voller Morasch. Dort spie auch ich danach, und spielte, „eine fliehende Ratte zu benetzen“, doch ich traf nur meinen Schuh. Das Holz war feiner Sensenstaub, von Wurmverwandschaften vorbereitet, ein Brot daraus zu backen schien mir fremd, zumal der nächste Ofen im Keller gerade Knochen verbrannte. Ich hatte keine Magie in meinen Adern, nur absonderliches Blut, abgestanden wie die Luft in den Gängen des alten Bedlam.

Ein Irrenhaus ist eine gute Wahl, wenn nicht irgendwo ein Krieg tobt, in dem man sich zermalmen lassen kann. Ich sehe sie noch vor mir, die duftenden Damen, die Besucher durch das Haus navigierten, damit sie nicht in ein Loch im maroden Boden fielen, sondern der peinlichen Therapie ihr vollgepumptes Gewissen übertragen können, ein Theater wie sonst nirgendwo zu sehen. Das bizarre Regelwerk der Spiele.

so viel war es nicht, das wir wussten
so viel war es nicht, das wir verloren

Wir setzten uns auf die ausgehärtete rostige Spucke und zählten die vergangenen Tage durch. Es waren immer gleich viele. aber ihre Zahnspangen hatten sich jedes Mal verändert. Die kühle Luft, früher undurchdringlich aufgrund abweisender Partikel, hatte sich in Gang gesetzt und schob uns die Karten für den Eintritt zu. Es war ein großes grabschen und nehmen, und am Ende folgten wir dem Parfüm in einen großen Blechraum, von dessen Decke ein Stuhl in der Mitte baumelte. Wer darauf festgebunden war konnte das nackte Auge nicht erkennen, so schnell wie er sich drehte, wie in einem Nebel verwischte die Gestalt und bald musste sie im Nichts verschwunden sein, in 43 Teile zerfallen und hinter ihr ein Schlosshof zu sehen sein. Wo war das noch? Ich kannte das Bild, merkte es mir jedoch nicht, weil sich die Wunde augenblicklich schloss und alles wieder Blech und Wahnsinn war.

Die Kammer und der Teekessel

Ich sehnte mich nach Ruhe, doch die Sterne
hielten mich wach. Ihr Licht galoppierte
an meinem Augenkranz entlang und verfing sich
dort in meiner Realität, die nicht selten zerbröselte
wie trockener Sandstein. Eine Burg, ja,
wenn man die Regeln der Zeit beachtet. Jedes Konstrukt
haucht sich selbst das Leben ein durch seine Form. Auch
wenn ich versucht war, dem ganzen zu entschwinden,
gehörte ich doch den gesetzlosen Schimären an, die nicht
wissen, was sie tun und deshalb das richtige tun. Ein Entzug
des Beinahen, ein Entzug vom Beinahen,
vom Nahenden, dem Nahenden also auszuweichen –
das alles tat ich, indem ich mich nach Ruhe sehnte.

Doch die Sterne hielten mich wach. Sie glitzerten
wie feuchte Augen, und einem solchen magischen Blick
konnte ich mich noch niemals entziehen.
Wer mag da draußen seine Runden drehen,
ungesehen in der Dunkelheit, der Tiefe von Kavernen?
Man sieht ihn nicht, sieht nicht, was sich unsichtbar
bewegt. Etwas bewegt sich unablässig um das Haus. Es
poltert nicht oder knurrt. Kein Gras knickt unter Hufe, kein
Atem bräst über fremde Lippen.
Nichts.

Ich erhob mich von der Chaiselongue und sah mich
in der Kammer um, in der alle Dinge tanzten. Sie
bewegten sich nicht, aber sie vibrierten, wie alle
Dinge, die eine Nachricht brachten. Auch sie
zog es zum Sternenlicht, von dem sie munter und
halbschattig begünstigt wurden. Nun war der Teekessel
auf meinem Stövchen das einzige Ding, mit dem ich
ein Gespräch beginnen konnte, vor allem
um diese Uhrzeit, wo mir doch alle anderen Utensilien
versuchten, einen Bären aufzubinden.

Du reflektierts den Schein, sagte ich. Wie
meine Augen auch. Glaubst du
denn nicht auch, das Licht sei gekommen,
um uns einen Weg zu bahnen in
unbekanntes Territorium?

Ich würde etwa fünf Minuten warten müssen,
bis sein Wasser kochte und er eine
pfeifende Antwort geben konnte. Derweil
zählte ich die Schnecken in meinem Gesicht, die dort
nach etwas suchten, das ich unter dem Teppich
versteckt hielt. Ich hielt es vor ihnen geheim,
denn falls sie auf die Idee kamen, unter den Teppich zu schlüpfen,
um danach zu suchen, bestünde die
Gefahr, dass ich sie zertrat.

Als das Pfeifen den Raum erfüllt und Dampf aufwallte,
stellte ich mein Gehör etwas nach rechts, fand
erst nicht die korrekte Frequenz, konnte dann
aber die Antwort meines Kessels klar und schwebend
in diesem kargen Zimmer vernehmen, indem ich nun
seit neun Jahren darauf wartete, dass
sich ein Weg zurück fand. Das Sternenlicht war
sicher ein neuer Hinweis, doch der Kessel spottete nur.

Ich koche und kühle ab. Was außen schimmert
erblickt in mir nur verkalkte Reste, so wie du. Ich
kann dir dienen, du mich wienern, du trinkst Tee und
ich pfeife dir die Bereitschaft einer Jahrhunderte alten Gabe.
Aber im ausgeschenkten Wasser
steckt immer auch ein Teil von mir selbst. Mit
Lichtern bin ich weniger vertraut.

Nun stolperte ich über die Heringe eines Zeltes,
das nie aufgebaut worden war. Ich ließ sie liegen,
damit ich mich daran erinnerte, dass es einst eine
Welt gab, die ein Draußen kannte. Schwimmende Räume
ohne Wasser sind instabile Gefährte, sie navigieren
auf unbekannten Bahnen. Der Tee
schmeckte wie Stroh, alt und trocken.

Wayward

Der Instinktlose blieb stehen in einem Feld aus Flecken.
Die räuberische Kraft war geboren. So barst eine große
Population aus den Maulwurfhügeln, in Eisen
geklemmt wie Ritter nicht. Wahrhaftig seemännisch,
wahrhaft sauertief. Ein Ringen begann.
Es glaubt kein Fiebertross an einen Eunuchen. Ich
befand mich außerhalb der Rufweite meiner
behelmten Launen. Wayward.

In einer Welt von außerordentlicher Länge
käme ein Zerfall ganz recht. Bündig wie Gartenblumen
schiene mir die Schneise geschlagen, um hinzugehen,
zu verweilen und darüber hinaus nichts zu tun.

Nebelversailles

Wenn man die Erzählungen nicht bricht, kommt immer das gleiche dabei heraus, ein Pfad, der sich nicht ändert, noch nicht einmal die Sohlen nutzen sich ab, keine Blume verwelkt und es wird auch keine neue geboren, die Ermüdung setzt ein und die Fähigkeit, das Wunder zu gestalten, verschwindet wie das Nachbild eines Blitzes, so schnell wie es gekommen ist, aber eigentlich zurückgelassen wurde, damit wir ihm folgen. Es gibt da die Sage vom Regenbogen, aber ist es denn wirklich ein Regenbogen?

Verlier‘ nicht deinen Kopf, Marie, denn irgendwann da könntest du ihn brauchen.

Es ist sehr schön, dass ihr mich besucht; seht, ich bin kaum vom Wetter gegerbt, wie lebt es sich in eurer einsamen Zeit?

Einst besuchten mich zwei Engländerinnen im Garten, wie war noch ihr Name, ich beachtete sie kaum. Das Verschwinden einer Welt zugunsten einer anderen, wir schaffen Platz, um uns nicht an den Schultern zu berühren, während wir durch den traumhaften Nebel wandeln, die Spiele der Gewalten uns voraus.

Die Zeit ist ein Feld, ein Acker mit Gebäuden, in den Gebäuden Parzellen und ein Keller und ein Boden; oben und unten sind identisch, aber unten und oben sind es nicht.

Der Rattenfänger (Retter & Rächer)

An einem Sommertag des Jahres 1284 ereignete sich in der kleinen norddeutschen Stadt Hameln ein mysteriöses Ereignis, das durch die Jahrhunderte nachhallen sollte. Der Legende nach wurden 130 Kinder von einer geheimnisvollen Gestalt, dem Rattenfänger, weggeführt. Mit seinem bezaubernden Flötenspiel lockte er sie in ein ungewisses Schicksal. Was wirklich mit diesen Kindern geschah, ist bis heute unbekannt. Die Geschichte entwickelte sich jedoch von einer tragischen historischen Notiz zu einer der berühmtesten Legenden aller Zeiten. Diese Geschichte, in der sich Geschichte und Volksüberlieferung vermischen, inspiriert Künstler seit Jahrhunderten und ist zu einem lebendigen Teil der visuellen, literarischen und darstellenden Kunst geworden.

Die Legende vom Rattenfänger ist einzigartig, da sie die Grenze zwischen aufgezeichneter Geschichte und Mythos überschreitet. Ausgangspunkt ist ein rätselhaftes Ereignis: das Verschwinden von 130 Kindern aus der Stadt Hameln. Im Gegensatz zu vielen anderen Volksmärchen, die nur auf mündlicher Überlieferung beruhen, hat diese Geschichte einen nachvollziehbaren historischen Anker. Die Hausinschrift am Rattenfängerhaus aus dem 17. Jahrhundert berichtet:

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Die Ducks nach Carl Barks: Von amerikanischen Erzählungen zum globalen Mythos

Die Ducks nach Carl Barks: Von amerikanischen Erzählungen zum globalen Mythos

(c) Carl Barks

Als Carl Barks in den 1940er-Jahren für den Disney-Konzern begann, Geschichten um Donald Duck und seine Verwandtschaft zu schreiben, ahnte niemand, dass hier einer der großen Mythen des 20. Jahrhunderts geschaffen wurde. Barks arbeitete anonym, ein „namenloser Handwerker“ der Comicindustrie. Und doch nannte ihn die Fankultur später ehrfurchtsvoll „The Good Duck Artist“. Denn er war derjenige, der Donald, Dagobert, Tick, Trick und Track, Daisy, Daniel Düsentrieb, Gundel Gaukeley und die Panzerknacker in eine Welt stellte, die weit über den Rahmen bloßer Kindergeschichten hinausging. Er baute Entenhausen – ein Hybrid aus amerikanischer Kleinstadt und globaler Abenteuerbühne.

Barks’ Geschichten wie Lost in the Andes (Im Land der viereckigen Eier) (1949), Back to the Klondike (Wiedersehen mit Klondike) (1953) oder Only a Poor Old Man (Die Mutprobe) (1952) demonstrieren, was sein Werk ausmacht: die Verschmelzung von komischer Alltagserfahrung und großer Weltgeschichte. In der Episode der „viereckigen Eier“ aus den Anden liegt eine feine Satire auf Kolonialismus und kulturelle Missverständnisse; im Klondike-Abenteuer blitzt Dagoberts Vergangenheit als romantischer Glückssucher auf, die ihn zu dem hartherzigen Kapitalisten machte, der er geworden ist; und in der Geschichte vom „armen alten Mann“ wird sein Reichtum zu einem melancholischen Symbol, das weniger Besitz als Erinnerung bedeutet. Schon hier offenbart sich, dass die Ducks keine eindimensionalen Karikaturen sind, sondern Figuren, in denen sich Menschheitsthemen bündeln: Arbeit und Scheitern, Gewinn und Verlust, Erinnerung und Sehnsucht.

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Die blutige Geschichte der Edinburgh Vaults

Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, an denen es so spukt wie in den schottischen Edinburgh Vaults. Die auch als South Bridge Vaults bekannten Gewölbe mit ihren neunzehn Kammern beherbergten die örtlichen Tavernen, Schuster und Geschäfte, hatten aber auch eine dunkle Seite. Die Gewölbe wurden ebenfalls als Versteck von Dieben, Mördern und anderen üblen Gestalten bekannt, was sie zu einem der gefährlichsten Orte der Stadt machte, und wenn man die erschreckenden Berichte bedenkt, die bis heute aus den Gewölben von Edinburgh kommen, sind die Geister der Verbrecher immer noch sehr präsent.

Die Bauarbeiten an den Gewölben waren 1788 offiziell abgeschlossen, und 30 Jahre lang wurde der Raum sowohl von den örtlichen Gewerbetreibenden als auch von der kriminellen Szene für ihre Geschäfte genutzt, und das Geschäft boomte. Auf der Straßenebene der Gewölbe von Edinburgh befanden sich die Ladenfronten, wo die Besucher auf den Märkten nach Waren stöbern und in den Tavernen einen Drink nehmen konnten. Eine Etage tiefer befanden sich die Werkstätten, und direkt darunter gab es eine Etage mit 120 Zimmern, die als Wohnräume genutzt wurden.

In den drei Jahrzehnten, in denen die Gewölbe in Edinburgh in Betrieb waren, lief alles über der Erde reibungslos, sogar für das kriminelle Element, aber dank der schlampigen Handwerkskunst der Erbauer der Gewölbe hatten die Gewölbe der Südbrücke einen großen Fehler, der verhinderte, dass die Tunnel ihr volles Potenzial ausschöpften. Riesige Risse, die sich über die gesamte Brücke erstreckten, ließen das gesamte Abwasser der Stadt in die unteren Ebenen des Gewölbes sickern und machten es nahezu unmöglich, sich längere Zeit in den Arbeits- und Wohnräumen aufzuhalten.

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