Das lebt! (LiveBook)

Es begab sich eine günstige Planetenkonstellation und Albera meißelt aus der Tundra bundesrepublikanischer Altertümer (godz, wie gerne würde ich Alterthümer schreiben).

Die Passage über die Art

Eine Recherche funktioniert auf die unterschiedlichste Art; und wenn ART wirklich eine Kunst ist, ist sie bereits eine Herausforderung. Man könnte doch weiterdrehen: Art – als Kunst gemeint –, stammt natürlich vom Lateinischen ars, und es verwundert nicht, dass die Brite schnell das s durch das t tauschten – es ziemt sich nicht für ein Empörium, den Allerwertesten mit dem angeblich Erhabenen zu kombinieren. Unsere Art und Weise hingegen stammt von der Erde ab, die im altenglischen noch eardian genannt wurde, zumindest, wenn man sie pflügte, Man braucht also durchaus eine Art, muss von einer bestimmten Erde sein, um das Leben auch in Art zu verschwenden, es artig zu vergeuden mit der nutzlosesten aller Fragen, was denn das Leben überhaupt sei.

Jeder, der sich als Eremit erkennt, weiß, dass er gemeint ist. Es ist ein Paradox, die Menschen tunlichst zu meiden, aber an ihren Abenteuern interessiert zu sein. Man will, dass das Ei zu Boden platscht, sobald man eintritt, aber man kann nicht ständig fallende Eier suchen, obwohl das Streben danach charakterlich sehr prägnant wirken würde.

Die Kunst, in diesem beklemmenden Gestade die Wirbel so zu koordinieren, dass ein Muttergesicht daraus wird, wo vorher nur helle und dunkle Schlieren saßen, hat zwar viel damit zu tun, den Traum von einer Wasserblase endgültig platzen zu lassen, aber die kurzen Stumpen, die aus einem herausragen, sind ganz nützlich, wenn es darum geht, den sommersüßen Saft gegen gefangene Haarbüschel zu tauschen, die auch noch Laute von sich geben.

Käsemilben

In all der Zeit hatte ich DIE VERANDA nicht so in Betrieb wie es in long terms sinnvoll gewesen wäre, um sich wie eine Käsemilbe durch Raum und Zeit zu drücken. Die Schwächen überwiegen, auch wenn man sich einbildet, nicht zu kriechen, sondern zu schreiten. Da wir eine verdammte Spezies sind, schreitet hier niemand mehr. Ich kann mich der Sache des Flusses nicht erwehren, der Belanglosigkeit menschlichen Daseins nicht entkommen, jetzt, wo wir keine Deutungshoheit über einen Wahrheitsgehalt mehr haben. Nun, er stand uns zu keiner Zeit zu. Das Spiel ist ein hochprozentiges, denn wir müssen uns diese Kavernen selbst schaffen, in denen wir blind wuseln und nach einem Lichtchen suchen, das nur durch unsere brennenden Gestalten installiert werden kann.

Nichtsdestotrotz ist die Beschäftigung mit Tälern und Bergen das vorherrschende Streben. Gruppen, die sich für Wölfe in ihrem Gebiet halten dürfen an sich bedauert werden, Kleinkinder im platschenden Wasser plantschen mit feuchten Ärmchen um ihr kleines Leben.

Im Hintergrund: Thelonious Monk. Underground.

13.31

In Form gebrachte Gedanken. Ich nutze ein weites Spektrum des Geheimnisvollen ganz im romantischen Stil. Aber eben in einer Welt, in der das neuerdings unbekannt ist, weil CERN ja erst vor ein paar glimmenden Jahren die Realität verändert haben soll.

Sterblichkeit ist keine Option im Hier und Jetzt der Jugendfrische, den schwarzen Krauser dick und locker gedreht. Die Geschehnisse des Lebens bekommen ihre Bedeutung posthum. Das Passende wird installiert – eine literarische Technik, die entweder nicht auf die Ereignisse referiert oder an seiner statt einen Bedeutungshof einberuft, der die ganze Erzählung zu einem Konzept werden lässt: das der verlorenen Freunde, das der eigensinnigen Wahrnehmung, d.h. unbenommen einer gemeinschaftlichen Schein-Wahrnehmung. Das Leben ist ein Mischereignis und besteht meist aus Luft. Rauch, Fetzen musikalischer Untermalung – oder zumindest sich kumulierender Geräusche. Ohne den, der erzählt, wird aus den kleinen Ereignissen nichts; natürlich gibt es die oft zitierte „Alltäglichkeit“ nicht, sie ist nur ein Maschinengeist. Manche Autoren wollen diskutieren, der Dichter aber will es nicht.

Frau Nochntee

mikrowillis

Die Geschichte der Broteforderin Nochntee, von ihr selbst erzählt: „Stampf!“ (Geräusch des rechten oder wahlweise linken Fußes beim Auftreffen auf einen – ebenfalls beliebigen – Untergrund.

Kesse Frage

mikrowillis

Wenn man sich aus dem Schädel eine Trinkschale macht, aus welchem Teilstück macht man sie dann?

Fleuchende Idioten

Jedes Buch verändert sich beim Lesen; liest man es erneut, steht etwas völlig anderes darin. Auch wenn man in erwartender Vorfreude denkt: Gleich kommt die Szene, in der…, selbst dann wird es nicht die gleiche Szene sein, sondern nur die Konzeption der Szene ist ein Wiedererkennen wert. Zumindest verhält es sich so bei guten Büchern (was keine Klasse beschreibt und akademisch gearteten Dreck garantiert nicht meint). Arno Schmidt klagte seiner Zeit bereits über künstlerischen Abfall; welche Worte müsste er heute finden, da die letzten klugen Menschen andere Welten durchstreifen. Der 2016 verstorbene Umberto Eco, dann der von John Ashbery 2017 und Friederike Mayröcker 2021 hat unserern Feuerball führungslos gemacht und tatsächlich liegt alles Wesentliche in Ruinen. Ist es nicht die fürchterlichste aller denkbaren Welten, in der ausschließlich Idioten fleuchen?

Castrum Montségur 1 (Die Ankunft des Heeres)

Langform

Vorläufiger Eingangstext; das ganze erste Kapitel der Erzählung in progress.

I. Die Ankunft des Heeres

In dieser Nacht würde das Leben sie verlassen. Es würde ihnen aus den Höhlen ihrer Brust gerissen werden, und ihre Gärten, die sie so liebevoll gepflegt hatten, würden zertrampelt und mit ihrem Blut getränkt die Ewigkeit hinter sich lassen müssen. Vor dem hoch aufragenden Kalkkegel stand das entschlossene Heer der Inquisitoren und brüllte Forderungen in die schwankende Luft, die den Montségur nicht erreichen konnten, gepaart mit Lügen, die aus ihren Mündern tropften und glühten wie das Feuer selbst, das sich auch in ihren Augen spiegelte und das sie ihre Fußtruppen bereits mit reichlich Holz vorbereiten ließen. Die Katharer sollten brennen! Ihre Häresie sollte ausgelöscht werden wie ein falsches Wort aus einem heiligen Manuskript.

Weiterlesen

Bedlam

Heute ist das Bethlem Royal Hospital in London eine moderne psychiatrische Klinik. Wer jedoch das Pech hatte, in früheren Zeiten dort eingeliefert zu werden, weiß, warum sein Name noch heute für Chaos und Wahnsinn steht. Das Bethlem Hospital (schon früh zu „Bedlam“ abgekürzt) war die erste Irrenanstalt Europas. Es wurde 1247 von der Kirche als Almosenhaus gegründet und war 1357 die erste Einrichtung, in der versucht wurde, psychisch Kranke zu behandeln. Der italienische Bischof Goffredo de Prefetti gründete die Einrichtung, um durch Almosen Geld für die Kreuzzüge zu sammeln.

Es ist unklar, wann sich der Schwerpunkt der Einrichtung ausschließlich auf die Behandlung von Geisteskranken verlagerte, aber um 1330 wurde sie als Hospital bezeichnet und um 1377 war sie hauptsächlich als Heim für Geisteskranke bekannt. Seit mehr als sechs Jahrhunderten werden in Bedlam Geisteskranke behandelt. Doch fast all diese Jahre lebten die Insassen unter fast unvorstellbaren Bedingungen des Grauens, des Schmutzes und des Missbrauchs.

Das alte Bethlem-Hospital um 1750

Einem Bericht aus dem 16. Jahrhundert zufolge war der Abwasserkanal unter dem Gebäude ständig verstopft, und an den Eingängen türmte sich der Schmutz. Damals gab es noch keinen Zusammenhang zwischen Gesundheit und Hygiene, und das Wasser musste mit der Hand geschöpft werden, so dass selbst normale Krankenhäuser schmutzig waren, und Bedlam war noch schlimmer. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erkannte man die dringende Notwendigkeit eines Umbaus – allerdings nicht, um die angebotenen Dienstleistungen zu verbessern. Stattdessen wurde das Hospital an einem Ort außerhalb der Stadt neu errichtet, wobei auch auf das äußere Erscheinungsbild beachtet wurde. Da keine öffentlichen Gelder zur Verfügung standen, musste sich das Hospital als Haus der Nächstenliebe und Hilfe präsentieren.

Der neue Entwurf für Bedlam stammte von Robert Hooke, einem städtischen Landvermesser, und sah korinthische Säulen und einen Turm mit Kuppel vor. Die Fassade war vom Tuilerien-Palast Ludwigs XIV. in Paris inspiriert. Sie gab den Blick auf formale Gärten mit baumgesäumten Promenaden frei. Das Innere des Krankenhauses zeigte sich jedoch als das, was es wirklich war: baufällig. Das schöne, verzierte Äußere war viel zu schwer, so dass die Rückseite des Gebäudes Risse aufwies. Jedes Mal, wenn es regnete, lief Wasser aus den Wänden. Da das Gebäude auf Trümmern errichtet worden war, begann auch das Fundament von Bedlam bald einzustürzen. Im 17. Jahrhundert inspirierte die berüchtigte Anstalt zahlreiche jakobinische Dramen und Balladen. Das Hospital diente dazu, die Bedeutung des Wahnsinns zu erforschen und die Frage zu klären, wer die Macht hatte zu entscheiden, wer überhaupt zurechnungsfähig war. In The Honest Whore, Part I wurde Bedlam zum ersten Mal als Bühnenbild verwendet. Als bekanntestes und größtes Irrenhaus wurde der Ruf von Bedlam als Hölle zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Je bekannter es wurde, desto schlimmer wurden die Zustände.

James Monro wurde 1728 zum Chefarzt von Bethlem ernannt; seine Familie sollte die Anstalt in den folgenden vier Generationen, insgesamt 125 Jahre lang, leiten. Unter der Schirmherrschaft der Familie verschlechterte sich die Behandlung drastisch, da sie ihre Methoden von den Ideen und Behandlungen der Apotheker auf die der Chirurgen umstellte. Viele Patienten wurden geschlagen, ausgehungert und in eiskalte Bäder getaucht. Die Ernährung der Patienten war unzureichend, viele verhungerten oder litten an Unterernährung. Die Leitung versäumte es, die Patienten mit nahrhaften Mahlzeiten zu versorgen, und verließen sich häufig auf Spenden von Grundnahrungsmitteln und die Mittel, die dem Verwalter für Einkäufe zur Verfügung standen. Die Patienten erhielten zweimal am Tag eine einfache und karge Kost, die der Humoral-Theorie entsprach, nach der eine rationierte Ernährung und der Verzicht auf üppige Speisen die Geisteskranken in die Lage versetzen sollte, ihren Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen und ihren Geist zu zähmen.

Ursprünglich öffnete die Einrichtung ihre Pforten für die Öffentlichkeit in der Hoffnung, Familienangehörige anzulocken, die ihre Verwandten besuchen wollten. Leider gelang das nicht … obwohl es sicherlich die Aufmerksamkeit der wohlhabenden Londoner erregte. Das Leid der Gefangenen wurde zur Unterhaltung für den Rest Londons. Obwohl dies nicht bestätigt werden kann, gibt es Spekulationen, dass die Entscheidung, das Krankenhaus für die Öffentlichkeit zu öffnen, durch die Notwendigkeit motiviert war, Geld zu beschaffen. Bei einem Eintrittspreis von 10 Schilling pro Person (natürlich eine empfohlene Spende) erwiesen sich die Führungen bald als lukrativ. Die Insassen wurden zur Schau gestellt, ihr bizarres Verhalten und ihre oft grausame „Behandlung“ als eine Art Theater betrachtet. Damen in feinen Kleidern und mit Taschentüchern vor der Nase führten durch die Säle wie durch ein Haus des Schreckens.

Als gefährlich eingestufte Gefangene wurden ständig angekettet. Andere durften frei herumlaufen. Handschellen, Einsperren in winzige Käfige, Untertauchen in eiskaltes Wasser – all das wurde als Heilmittel gegen Geisteskrankheiten erprobt. Ebenso Hunger, Aderlass, Schläge und Einzelhaft. Bei der „Rotationstherapie“ wurde ein Patient in einem von der Decke hängenden Stuhl so lange gedreht, bis er sich übergeben musste. Viele Patienten, die ihre Krankheit hätten überleben können, starben an den Folgen dieser Therapie. Patienten, die als zu schwach galten, um die Behandlung zu überleben, wurden sogar abgewiesen. Solange die Familie Munro über das Bedlam Hospital herrschte, gingen die Grausamkeiten weiter. Der letzte Superintendent der Munros war Thomas Munro. Er trat 1816 nach einem Skandal zurück, der darin gipfelte, dass ihm „mangelnde Menschlichkeit“ gegenüber den Patienten von Bedlam vorgeworfen wurde. Nach Munros Weggang wandte sich das Krankenhaus moderneren und weniger ausbeuterischen Methoden zur Behandlung von Geisteskrankheiten zu.

Natürlich umfasste unsere „moderne“ Behandlung psychischer Krankheiten bis in die 1960er Jahre Dinge, die wir heute als barbarisch empfinden, wie gepolsterte Zellen, Zwangsjacken und Lobotomien. Und auch eine moderne psychiatrische Klinik kann ein düsterer Ort sein. Aber das Elend und die Schande von Bedlam Hospital sind heute verschwunden, und nur das Wort erinnert uns daran, wie es wirklich war.

Licht

Sie drehte sich um und beobachtete, wie der Fremde an ihr vorbei ging,
fragte sich, was ihm zugestoßen sein mochte. Im anständigen Teil
der Stadt beteten sie die Wirklichkeit an. Es brannte nicht mehr, als er
einige Stunden später erwachte.

Wünschenswerte Apokalypse

Ich verhalte mich so, als gäbe es keine Menschen mehr – was von einer Tatsache nicht weit entfernt ist. Ich frage mich dann: würde ich schreiben und sprechen, wenn diese – für mich im Grunde wünschenswerte – Tatsache einmal eintreten sollte. und die Antwort ist: natürlich. Ja, das würde ich, denn ich tue es ja jetzt auch; und der Unterschied ist nur marginal.

Inhalte, Illustrationen, dargestellte Bilder & Fotos sind urheberrechtlich geschützte Werke ihrer jeweiligen Eigentümer*innen.

© 2026 DIE VERANDA | Alle Rechte vorbehalten.