gothic / schauerliteratur

Diese Rubrik vereint die Analyse und Beschäftigung mit der unheimlichen Literatur als Ganzes. D.h., dass auch „strange story“, „weird fiction“, „pure horror“, „geistergeschichte“ und sogar manche Phasen der „crime fiction“ und der „gothic novel“ hier einfließen.

  • Das Phantom der Oper (Hörspiel)

    Phantom der Oper

    Seit 1986 immer wieder aufgeführt, fällt einem eher der Name Andrew Lloyd Webber ein, als jener des tatsächlichen Urhebers. Der da hieß: Gaston Louis Alfred Leroux. Der ein französischer Schriftsteller und Journalist war, der seinen Roman Le fantôme de l’opéra 1910 schrieb. Der große Durchbruch dieses Werkes ist jedoch nicht allein Webber zu verdanken, der es gemeinsam mit Richard Stilgoe im Her Majesty’s Theatre in London zum ersten Mal auf die Bühne brachte, sondern auch Rupert Julian, der es schon 1925 über die Leinwand laufen ließ. Weitere Verfilmungen folgten bis heute. Veröffentlicht wurde das Das Phantom der Oper zum ersten Mal in Fortsetzungen in der Zeitung Le Gaulois vom 23. September 1909 bis zum 8. Januar 1910. Zudem existieren 4 Bühnenfassungen des Stücks.

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  • Dennis Etchison: Blut und Küsse

    Dennis William Etchison gilt als einer der originellsten lebenden Horror-Autoren Amerikas, gewann dreimal den British Fantasy Award als Autor und einmal den World Fantasy Award als Herausgeber.

    The Blood Kiss (dt. Blut und Küsse) war Etchisons dritte Sammlung von Stories, die doch tatsächlich (und man wundert sich) von Bastei/Lübbe 1990 als bisher einzige Veröffentlichung des Meisters psychologischen Horrors auf deutsch erschien. Vermutlich ein Zufall, denn mit der Klasse, mit der Etchison aufwartet, lässt sich kein goldener Bart finanzieren. Das erklärt auch, warum er in Deutschland nahezu unbekannt ist und es kaum einer unserer Verlage angehen wird, diesen großartigen Autor für das hiesige Lesepublikum zu erschließen.
    Der Reiz von Etchisons Geschichten, die er selbst so beschreibt:

    „… ziemlich dunkel, bedrückend, fast pathologisch nach innen gerichtete Fiktionen über den Einzelnen und sein Bezug zur Welt,“

    wird von ihrer Skizzenhaftigkeit erzeugt. Geschehnisse werden anders beleuchtet als gemeinhin üblich. Hinter den Zeilen entsteht eine Menge dunkler Raum, der angereichert ist mit Unbenennbarkeiten. Er lädt ein, sich in ihm zu verlieren, es gibt keinen Weg zurück. In diese Texte dringt man ein oder man bleibt außerhalb stehen. Einen Mittelweg gibt es nicht. Die Sätze nehmen den Leser weder bei der Hand, noch lullen sie ihn ein. Am Ende bleibt das trockene Gefühl auf der Zunge, das Gefühl, etwas Verbotenes beobachtet zu haben, das man nicht ganz versteht, obwohl man es doch gesehen hat; wie ein Alptraum, an den man sich am Morgen nicht mehr erinnern kann. Roh liegen diese Texte vor uns, scheinen keinen Körper zu besitzen, keinerlei Oberfläche, bestechen durch ihre raffinierte Tiefe und einen einzigartigen Stil.

  • Der Historiker / Elizabeth Kostova

    Der in Schäßburg (wo man heute noch sein Geburtshaus besichtigen kann) geborene Vlad Tepes war bereits zu seinen Lebzeiten eine Legende. Über seine Grausamkeiten kursieren im Westen die unterschiedlichsten Geschichten (während im Osten ganz andere Variationen kursieren), und nicht zuletzt lieferte er einen Teil der Blaupause zu Bram Stokers “Dracula”. Aufzeichnungen vermuten sein erstes Grab in der Kirche des Klosters einer Insel im Snagov-See. Als man es öffnete, fand man es allerdings leer. Das passt als Grundlage für den Vampirmythos recht gut ins Bild, denn wenn er nicht in seinem Grab liegt, könnte das durchaus bedeuten, dass er noch lebt. In Elizabeth Kostovas vielgerühmten Roman tut er das tatsächlich.

    Wenn jemand in der heutigen Zeit zehn Jahre an einem Roman über Dracula schreibt, kann das nur bedeuten, dass sich da jemand in etwas verliert, dem man kaum mehr etwas Neues abgewinnen kann. Zumindest muss das von außen so aussehen. Wir reden hier nicht über einen fast schon alltäglich gewordenen Fantasy-Zyklus über Vampire, sondern über ein ambitioniertes Werk, das seinen Namen “Der Historiker” nicht umsonst trägt. Genau aus diesem Grund musste Kostova so lange recherchieren und schreiben. Das Ergebnis ist erstaunlich und weit entfernt von Teenager-Romanzen und bissigen Horror-Tropen. Wenn auf dem Umschlag zu lesen ist: Der Roman gibt einen vielschichtigen Einblick in 500 Jahre südosteuropäische Geschichte, dann ist das keineswegs gelogen. Kostova geht als Romanautorin exakt so vor, wie ein Historiker das tun würde. Natürlich schlüpft sie dabei in die Rolle ihrer 16-Jährigen Protagonistin, die namenlos bleibt (bis auf einen einzigen Hinweis, der leicht zu überlesen ist), und selbst Historikerin, aber auch Tochter eines Historikers und einer Anthropologin ist.

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  • Interview mit Thomas Ligotti

    Interview geführt von Matt Cardin, Juli 2006, Erschienen in The Teeming Brain und in The New York Review of Science Fiction, Issue 218, Vol. 19, No. 2 (October 2006). Gedruckt erschienen in Matt Cardin: Born to Fear (Interviews mit Thomas Ligotti)

    Übersetzt von Michael Perkampus, mit freundlicher Genehmigung von Matt Cardin.

    Anmerkung: Dieses Interview übersetzte ich im Dezember 2014, als ich begann, unter einer ähnlichen Problematik zu leiden wie Thomas Ligotti. Im Grunde war es für mich eine Art Trostpflaster. Daraus resultierte dann das Magazin PHANTASTIKON.

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