Hulk – Der Mann, der nicht wütend sein darf

Hulk #1, 1962, Marvel

Im Mai 1962 wurde die erste Ausgabe von The Incredible Hulk veröffentlicht. Bereits auf der zweiten Seite begegnet den Lesern Bruce Banner: schüchtern, blass, mit gebeugter Haltung und in einen weißen Laborkittel gehüllt, der ihn kleiner und verletzlicher erscheinen lässt, als er tatsächlich ist. Wenige Seiten später, nach der Explosion der Gammabombe, tritt das „Andere“ zum ersten Mal in Erscheinung: massig und grau (die grüne Hautfarbe kam erst ab der zweiten Ausgabe), mit winzigen Augen und einer ursprünglichen, ungebändigten Wut, die jeglicher Sprache entbehrt. Diese erste Verwandlung ist bereits eine Konfrontation. Von Beginn an geht es hier um die zentrale Frage: Was geschieht mit einem Menschen, dem beigebracht wurde, seine Gefühle zu unterdrücken?

Stan Lee berichtete später, dass zwei Schlüsselwerke seine Inspiration für den Hulk waren: Robert Louis Stevensons Jekyll und Hyde und Mary Shelleys Frankenstein. Soweit stimmt das durchaus. Aber diese Erklärung greift zu kurz. Der Hulk ist kein bloßes literarisches Mash-up; er markiert auch einen Wendepunkt in der Geschichte des Superhelden-Comics. Denn erstmals kommt die Bedrohung nicht von außen, sondern aus dem Inneren, und sie manifestiert sich nicht als moralischer Fehler oder eine bewusste Wahl des Bösen wie bei typischen Schurkenfiguren. Stattdessen basiert sie auf einer psychologischen Notwendigkeit. Banner verwandelt sich in den Hulk, weil er keine andere Wahl hat. Sein Körper setzt das frei, was sein Verstand krampfhaft zu unterdrücken versucht.

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Superman – Der Mann aus Stahl

Auf seiner Brust prangte ein rotes “S” auf gelbem Grund. Der Stil mag sich im Laufe der Jahrzehnte geändert haben, aber der Mann aus Stahl wurde immer in den gleichen Farben gezeigt: rot, gelb und blau.

Action Comics #1

In einer stillen Nacht im Jahr 1933, irgendwo in einem Vorort von Cleveland, saß ein 18-jähriger Junge namens Jerry Siegel schlaflos in seinem Zimmer. Draußen rauschte der Wind durch die Baumwipfel, und das Dröhnen der Großen Depression hing über der Stadt wie ein bleierner Nebel. Drinnen, bei schwachem Licht, tippte Jerry fieberhaft auf seiner Schreibmaschine. Es war keine gewöhnliche Geschichte, die er da schrieb. Es war die Geburt eines Traums – und der Anfang einer Legende.

Ein Mann, stärker als jede Maschine, schneller als jede Kugel. Ein Mann, der fliegen konnte. Der Kammern durchblickte, Berge versetzte und nie aufgab. Superman.

Doch er kam nicht allein zur Welt. Neben Jerry Siegel stand ein schüchterner junger Mann mit Brille, der schlecht sah und besser zeichnete als sprach: Joe Shuster. Gemeinsam formten sie das, was bald das Rückgrat einer ganzen Industrie sein sollte – das Urbild des modernen Superhelden.

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Watchmen

Dem Autor Alan Moore, dem „Zauberer” hinter „V wie Vendetta”, „Batman: The Killing Joke”, „From Hell” und vielen anderen Titeln, ist es gelungen, seine zeitgenössischen Ideen auf revolutionäre Weise durch das Medium Comic zu vermitteln. Indem er sich mit universellen Konzepten auseinandersetzte und sie durch Symbolismus und Satire aufschlüsselte, erregte er schnell die Aufmerksamkeit der Welt. Er wurde zu einem wichtigen Einfluss in der Populärkultur, denn sein Werk besitzt bis heute eine unvergleichliche Relevanz für die moderne Politik und Philosophie. Zu seinen bedeutendsten Comics gehört das mit dem Hugo Award ausgezeichnete Hauptwerk „Watchmen”, das mit seiner Erzählung, seinen Themen, seinen Figuren und seiner philosophischen Botschaft die Comic-Industrie schlagartig veränderte.

Die Geschichte von „Watchmen” ist in einer alternativen Realität angesiedelt, die sich am Zustand der Welt in den 1980er Jahren orientiert. Sie ist ein ausladender Kommentar zum Superheldenkonzept und seinen persönlichen sowie politischen Implikationen vor dem Hintergrund eines drohenden Atomkriegs. Zwar absolviert Richard Nixon hier mehrere Amtszeiten als Präsident der Vereinigten Staaten und die Vereinigten Staaten gewinnen den Vietnamkrieg, doch die zentrale Wendung dieser realistisch dargestellten Geschichte ist die Existenz von Superhelden und ihre Verantwortung für die Entwicklung der internationalen Beziehungen und die Verbrechensbekämpfung. Während die Spannung ins Unermessliche steigt, deutet der Mord an einem ehemaligen Helden auf ein größeres Komplott hin. Aufgrund des Keene-Gesetzes sind Vigilanten nun illegal und ihre Aktivitäten sind untersagt.

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