Mistsudel

Neben den Bachrunsen biegen sich bucklig die Zweige der Lärchen mit ihrem Säbelwuchs. Sie bedecken mit ihrer Dachung das Blattgefieder, vernähen anhand ihrer grünen Nadeln den blauen Himmel mit dem Ende ihres dreckigen Saums. Und der Ort erscheint mir wie mit Schritten abgemessen, zurückgelassen für ein anderes Ziel vor Ewigkeiten. Für das Ziel, zu bleiben. Endet der Horizont, weicht man aus in ein nächtliches Dasein, beendet den Mistsudel der Realität mit der einfachen Gabe, sich ausknipsen zu können.

Das unzerbrochene Kirschglas

…. rasch rasch: die Über=raschung; schneller schneller ge=schnellt; mach auf! was ist da drin? Spiel des Schicksals: rot (oder): rot (oder): die Kiste (es sind noch immer Kisten, Fässer !); knarr knarr geht auf, überhäuft der Augen reifen Schauder mit Kinkerlitz, der dicker mästet, als in der Kiste Innen=Raum Platz gewesen wäre. 1 Trost: wie tröstet man ? – die Wolken zaudern nieder, interrupt=pausierend, wenn dann: rasch rasch die Über=raschung. So geschah’s im Keller: ich stand bloß da, um die Kirschen zu stehlen, die Steine zu spucken, weil sie so menschensüß. Im Regal: was Du köpfst – und sey es noch so groß – verzehre ! – trinke aus dem Hals das sprudelnde Bächlein Naab, den eingemachten Saft …. rasch rasch : es rasch=schellen die Hände am Klavier : Ding=Dong ! – es läutet, wenn das Weck=Glas fällt, zerbricht; es weckt jetzt: die schon schlafen sind, die jetzt schon liegen, schlafen wollen (kommt auf die Uhrzeit an: ein jeder hat sie an der Hand, doch in der Hand sie niemand.). Der elende Fant steht schlemmend, hemmungslos vor: Truhe & Regal; er reckt sich nicht, Glas regt sich nicht – und alle schlafen weiter oder ein.

Die Geröllhalden von Herculaneum

Ich greife vor und sehe bereits die ganze Erzählmaschine anrumpeln und abraspeln, was dann in diesen ledernen Teig fällt. Ich sehe dich gehen, ich sehe dich gegangen, ich weiß nicht wann, noch weiß ich wo. So suche ich, ohne mich augenscheinlich zu bewegen, vor (der) mir, hinter mir – gilt nicht – ich komme! Die vertrunkene Löblichkeit des Scheiterns, fern von Sternen angereist, namenlos. Forscher Hemdentausch. Gartentanz Regenbalz. Kümmergrund im Regen, abfallwärts auf Stelzen gehen, Born-Ritter wachen nahe der geliebten Stadt, und brennende Vehikel rudern abwärts zu den Lagern. Die Geröllhalden von Herculaneum, Lava und Bimsstein in antiker Trockenheit, die Gefangenen erbauen hohe Gerüste mit ihrer Brust, ihren Schenkeln, den Armen. Mit den Fingern im Blut fremder Namen klingen die Jahrtausende an. Wer den Staub rieseln sieht, bekennt seine Torheit, spricht in Lumpen vor, erhofft das Getränk so weiter fremder Welten, die still im Nichts sich regen.

Wie ein unbewusster Nebel werde ich auftauchen, die Stimmen gleich hinter mir, nahe bei den Gestaden, die ich bewandle. Finde mich dort, Wanderer, auf der Suche nach den Stimmen, die dir sagen, was ich dir sage. Die Stimmen gleich hinter mir, von Eros und Thanatos, den Mysterien der Wirklichkeit. Der Nebel voller Licht, darin die Gewalt eines rein fließenden Chaos, Auftrieb, Abtrieb. Geschmeidiges Sein durchwebt die Stille. Ich sage : »Still jetzt!« Da du das Gespenst bist, das sich im Walde verirrt, da du der Bach bist, der neben mir geht. Ich fand die frisch erworbene Demut an meiner linken Seite herabtropfen, blutendes Weideland. Ich fand dich stehend; da du wie das Holz gekleidet warst, folgte ich dir. An den blitzenden Augen vorbei kam ich hinter dir her, verlor deinen Rücken. Auf den Fersen gehend sprengte Zeit aus dem weichen Boden, als wäre es noch dunkler geworden da im Nest. Das schwarze Licht verblasst zu hellem Grau, dunklem Weiß, vernebeltem Gelb, das aus der Erde sticht.

Pferdeköpfe aus Raha dachten Geister in die Wüste. Das Wallen der Mähne gestaltete sich ganz so, als könnte sie berührt werden. Freilauf der inneren Bilder. Im Schlaf erkannte er den Schatten der Besiegten, wie er um einen Kenotaphen hing, die Gebeine der Gefallenen ruhten nicht hier. Sie alle wurden dreimal beim Namen genannt und eingeladen, ihren Geist hier einziehen zu lassen. Er blickte auf den Sündenbock, der zugleich von diesem Heer der vielen Völker als Lichtgestalt gepriesen wurde, den Löwen der Völker, der jetzt verstummt. Er war das Krokodil in den Seen, hatte die Flüsse auf gepeitscht, das Wasser mit seinen Füßen verschmutzt, die Fluten aufgewühlt. Sein Fleisch wurde auf den Bergen ausgelegt und die Täler mit seinem Aas gefüllt, das Land ertrank unter der Flut seines Blutes und Finsternis legte sich darüber. Das Schwert von Babel war über den Fürsten von Rosch, Meschech und Tubal gekommen. Zyklopenhafte Wände und Mauerzüge im modellierenden Licht unsichtbarer Scheinwerfer überschwemmten das Bild der öden Wüste, deren Sand ockerfarben vom Blut in der plötzlichen Dunkelheit erkaltete. Eine seltsam bannende Kraft lag in diesen Mauerresten. Erdmasse aus Mergel. Treppenstufen ungeduldiger Habgier. Nymphen, Faune und Mänaden, ein Satyr auf einem Esel reitend, pralle Hüftstücke unbekleideter Damen in tolldreisten Spiegeln. Vollsaftige selige Ekstase folgte dem Tod, Perlhühner und Wägelchen mit Weintrauben gespannt. Enten, Pfaue, Feigenbäume. Säulen, Kapitelle, Gesimse, Grabdenkmäler, Reliefs und Skulpturen verschwimmen mit traumhaften Symbolen. Und immer wieder Pferdeköpfe, hetzend durch ein Nebelband, Schaum auf ihrem Geschirr, die Trense gespannt, die Augen konzentriert und starr. Diesmal änderte sich der Rhythmus ihrer Bewegung, die Pferde waren Isländer und ihre schnelle Gangart war der Tölt. Vor ihnen gab es nichts als eine große, gähnende Schlucht, Ginnungagap. Hier in dieser gewaltigen Leere, mitten zwischen Licht und Dunkel, sollte alles Leben seinen Anfang nehmen in der Begegnung zwischen Eis und Feuer. Langsam begann der Schnee zu schmelzen, geformt von der Kälte, aber von der Hitze zum Leben erweckt entstand ein seltsames Wesen, der Größte aller jemals existierenden Riesen mit dem Namen Ymir.

Dreh- und Engelpunkt

Das Bett ist der Ort, an dem man liebt und träumt, die wahre Werkstätte der Literatur, des Dichters eigentliche Heimat, oh Hesperos, Sohn der Eos, sanft und bescheiden und errötend wie ein junges Mädchen, dein Renaissance=Bett im wunderbaren Drang der Liebe, Trank der Liebe, graublaue Augen, oh Mensch, so graublaue Augen, ich kann doch kaum aus meinen Tagen heraus=sterben in die Nächte hinein, Wollust nämlich, Hort der Auflösung, ich kam nackt aus meiner Mutter und trat der Göttin vor den Schoß, steige herab in meine grünen Auen, direkt hinein in mein Gebett im Beet von Aprikosen und Nelken, der Erkenntnisquelle Tod und Thor Geburt und Thor, hold Kreuzungspunkt der Sinne. Sie hat immer da gestanden, am Brunnen. Sie hat dann immer gewunken, am Stall, ging wieder ins Haus und erschlug heimlich Fliegen. Die legte sie in Reih und Glied neben ihre Groschenromansammlung, gegenüber polterte die Tür in den Engeln (Dreh- und Engelpunkt).

Standort : Selb-Plößberg 1981, in einem fremden Garten traf ich Knabe eine junge Frau.

Der Zuchtstuten Zunder

Unser möbliertes Appartement. Zement und Plüsch, eine Achtzigerjahre-Höhle mit grellen Teppichen.

Nichts gehört uns hier, oder dir.
Nichts hört auf uns, oder dich.

Nichts hätte ich über dich, Lustloch, zu sagen, wenn nicht hier auf dem Abort das erste vieler saftiger Ereignisse geschehen wäre, meine Hand, potzblitz, konnte so viel des saftigen Lebens gar nicht halten, wie es sprang, über mich hinweg sprang, an den Kacheln klebte, rann rann, über die Finger rann, auf das Bodenplüsch regnete, das ich nach dem Baden zusammenknüllte wie nachts die Bettdecke, das Kopfkissen.
Die junge Frau, die mit Ludwig jeden Abend im Schlafraum verschwand : ich auf der Couch vernahm das Röhren der Hirsche, das Zwitschern der Vögel. Sie besaß schöne, schwarze Netzstrümpfe, die ich heimlich, heimelig in dir Lustloch trug, mein Arm die neue Belastung herrlich fand, und eines Tages (in der Nacht des Tages) schlug ich die Augen auf, die Blase drückte, ich blies, ich blies die Lichter an, zählte auf dem Boden Höcker um Höcker, zwischen denen ich wandelte in einem Fleischmeer, sog den Schweiß des femininen Stalls, der Zuchtstuten Zunder für immer in mein Gedächtnis.

Ein Eintopf voller Rätsel

Das ist alles, was wir spüren: diese Erde, dieses alte Fleisch, durch unsere Fußsohlen bis nach oben, wer weiß, wohin.

Die Schlangenenergie, die sich das Rückgrat hinaufschiebt, Hitze aufstaut, auch auf dem kühlen Boden, auch auf dem nassen Boden. Ihre Täler sind unsere Täler, wir füllen den Raum um ihr Humus-Rund herum mit aberwitzigen Geschichten, mit hohen Sprüngen und einer Menge gebrochener Knochen. Das einzige, das am Abend übrigbleibt, sind gewaschene Füße. Von den Spuren im Haus bleiben nur die Abdrücke vor der Tür, die sich bereits mit Wasser füllen, einen Trog formen, aus dem die wilden Hunde trinken, die man gerne irrtümlich im Abendnebel für Wölfe hält. ›Sauhundgrausen‹ ist das Wort für dieses Wetter, den ganzen Tag überschwänglich schön und am Abend so, als schütteten sämtliche Dämonen der Umgebung ihren Eintopf auf die Straße. Einen Eintopf voller Rätsel.

Der Himmel zieht sich zusammen, es brennt lichterloh in fetten Farben. Sebastiana ruft: »Adam!«

Es wird regnen, es wird donnern, es wird blitzen. Adam ist hinausgegangen, er ist unter den Himmel getreten. Das Gras im Saft, die Welt im Wachstum, die Wolken abgerissen, herausgeschleudert aus dem Teig, der in der Erdschüssel gärt. Die Erde eine Schüssel, kein Kreis, keine Kugel, kein Ei.

Man hört es schon. Ein mächtiger Gott trampelt die Stufen hinunter und schlägt die Türen zu, saugt seinen Blasebalg randvoll mit photosynthetischen Abfällen, atmet aus. Wind zieht auf, die Blätter twisten. Äste schlagen um sich, zürnen ihren Stämmen. Blumen verneigen sich, rot, gelb, blau. Adam hört : »Adam!« durch den Muttermund formuliert.

»Sieh doch, Mutter, ein Gesicht!«

Die Wolken malen, was sie wollen. Du wirst nass, die Wäsche wird nass.

»Komm rein und bring die Wäsche mit!«

Als ob ein Hammer auf die Bergkämme schlägt, ein Meister der Skulpturen. Wer hat dieses Bild in den Himmel gemalt, wer hat so ein Antlitz je mit eigenen Augen gesehen, vom Feuerrot umzingelt wie die wunderliche Walküre, die dem Einen harrt. Der Wind bläst die Laken vom Gestänge, pfeift polyphon auf allen Flöten des Pan das Lied einer Begegnung. Die Mädchen holen Wäsche ein und decken Töpfe zu. Die Gärten werden abgesperrt, die Läden schon geschlossen. Nur Adam kann sich nicht lösen und sieht zum Himmel auf, erblickt dort seine Vergangenheit. Er ahnt etwas für seine Zukunft. Das Gesicht hat Bestand, auch wenn alles andere flüchtet. Sebastiana bewegt stumm ihre Lippen, wie vor seiner Geburt, die Lippen: »Die Wäsche wird nass und du wirst nass!«

Am 25. Januar 1788 erhielt der Feldjäger Geyer den Auftrag, mitten im Winter bei tiefstem Schnee die Jagdtrophäen von Kaiserhammer über Bayreuth nach Triesdorf zu bringen. Auf mehreren Schlitten hatte er 77 Hirschgeweihe mit holzgeschnitzten Köpfen und silbernen gravierten Schildchen.

Adams Notizbuch:

Die Romantische Zeit: Ich möchte sie mir gerne vorstellen als den sensiblen Aufbruch des Geistes, der sich seiner Fesseln entledigt. Mir selbst ist das Licht der Gegenwart zu grell. Man geht bekleidet vor die Tür und kehrt völlig nackt zurück, weil die Umgebung mächtig gefräßig die Plünnen abreißt. Wenn man dann in ein Gemälde hineingehen könnte, Farb-Äste beiseite beugen (ein wenig ducken muss man sich schon, ein wenig in die Farbe tauchen). Rascheln alter Pinsel, die niemand mehr führt. Die Bewegung nur eine mathematische Gleichung. Ich bin eingeplant, ein X, eine Rune, Klamotten, die im Bild ich trage. Oder ich denke mir: Wenn ich so einen Garten hätte, in dem die Blumen zur Erdmitte hin wachsen, müsste ich niemanden absorbieren, um dieses Dorf zu konservieren.

Das Singen niederstürzenden Regens

Das Gelände zu betreten ist nicht das eigentliche Problem, die Stadt schläft und die Illusions-Programme laufen ohne Unterlass, schalten Träume hinzu, koordinieren die Nachtarbeit; auch ich selbst werde für gewöhnlich aus den Computern gespeist. Ein ganz hervorragendes Weltbild wird uns allen zuteil, es ist wandelbar, widersprüchlich und lernfähig, reagiert also auf unsere Vorstellung von der Welt mit präzisen und sofortigen Korrekturen. Ich bin an der Schönheit interessiert, nicht an der Harmonie, gespannt auf ein allgegenwärtiges Gestern, diesem ewigen Tag, wie ihn Mnemosyne überbringt. Ich begreife, wie wichtig die Zwiesprache der Vögel ist, die sich gegen den Bass des Donners abhebt, das Singen des niederstürzenden Regens. Da erkunden wir der Erde Klang. Auf den Feldern, die sich überschwemmen lassen, wo das Wasser männliche Attribute zeigt, überläuft, den Acker begießt, die Knollen des Goldregens, der Akelei, und jene rosa Wiesenblumen, die wir ›Zahnbürsten‹ nennen, tränkt. Die Schafe stehen in ihren Pullovern im Stall und warten in ihrer ausschließlichen Gegenwart auf das neue trockene Jetzt. Die Säfte beschleunigen sich in allen Rinnen, spülen die Staubjacken von den Steinen und Quadern, auch von mir, der ich mit einem Brocken Kernseife in der Hand unter dem Wassersturz ein kosmisches Bad zelebriere, während die tief hängenden Augen des Jagdschlosses auf mir ruhen, in der Ferne rauscht ein Schienenbus vorbei.

Sabotage

die Sabotage ich renne, jetzt schaue ich ihr in den unbehaarten Teig des Morgens Salz. Die Sabotage jetzt sitze ich an diesem kleinen Beistelltisch der nichts zu bedeuten hat & keine Funktion erfüllt an einer käsigen Wand in dieser Sterbefabrik Krankenhaus während sie stirbt & noch einmal aus dem Grabe winkt aber schon mit Moder & Morphium trunkenen Würmern, blutbesoffenen Bettwanzen
ich bin mit zwei Toten am Horizont zu sehen, Kalk ist im Glas Oh Henry Oh Henry & ich gezähmt durch 1 Beutel Süßen Speck & 1 Comic-Heft nahe an der Billigwand spüre ich doch das Zwischenreich laßt sie nicht mehr zu Hause verrecken.
Ich denke, daß dies das Verrecken ist & es es interessiert mich nicht in diesem bunten Blätterwald, daß unser Haar nur Täuschung ist & das Fleisch voller Gift & die Seife nur den Gestank unterbindet der wie ein Vorschlaghammer Amok läuft. Beide weinen nicht um sich, sie erflehen nichts von niemandem, das Zucken bei geschlossenem Vorhängen ist echt & 1 Nadel im Auge als wäre das Sehen bereits vorbei die letzte Halluzination : kein Licht nur Phosphor, kein Gesicht nur eine geschmolzene Sonne, die an der Wand entlang rinnt & Eiter für 1 Sekunde überragt. Das Eiter der Favorit die Sonne kläglich an diesem letzten Tag, das Heft wirbt am Ende für noch mehr Hefte.

Richtung Hütte der Baba Yaga

Inwanderers : Fels schwappt aus dem Auge; wer gräbt in einem Groß=Grab=Landstrich – dessenungeachtet – gräbt in dem, was blutgedüngt; die Anderen laufen nur umher; wer barfuß ginge, erhöhte sein unheilvolles Leben ! (zög’ es ein wie tiefgesessenen Nasendotter, von ganz unten; spricht Bände – heißt : viel; ein stilles Land, weil man sich selber hören kann.) Es fiepert gleich, ein eigenes Fieber (man hält’s noch für Erregung). Wanderer! – das hast du nicht gewußt (ich stelle mir wie folg=fogel=for : Ich wander’, komm’ angesimmert wabbelnder Luft, zermäure, stoße mich : „Gehst du da hin ?“ – „Ich gehe dahin!“)

Standort: 1997, Graupelheim, rechts an der Spähwand vorbei Richtung Hütte der Baba Yaga

Das Ringlein

Den Borgias war bekannt, dass ihr Christus ein Fresser und Weinsäufer war; reicher Gastgeber, der die Liebesgespielinnen ganz besonders achtete, denn sie hatten ja viel geliebt. Von Gott berührt wird der Mensch im Safte, das Glockengeläut der Eingeweide kennt keine Grenzen der Moral. Im Vieh ruht Gott, im Euterspritzen, in den Schlingen des Universums behält er sich vor, uns durch Lust zurück zur Quelle zu führen. Das Geheimnis der Beschneidung ist das Geheimnis des Eherings, der zelebrierten Hochzeit; der Jüngling Jesu gab seine Vorhaut seinen Bräuten, die das höchst kostbare Präputium, mit sardischem Stein gerötet, trugen, auf dem zu lesen stand : ›Wegen des vergossenen Blutes‹. Der Hersteller dieses Rings ist der Heilige Geist, seine Werkstätte Marias reinster Schoß. Zuletzt gesehen wurde das Ringlein zu Zeiten Katharinas von Siena, die sich kreischend auf dem Boden wälzte und um die Umarmung ihres süßen, geliebten Jünglings Jesu bettelte. Als verzückte Jungfrau trug sie seine Vorhaut am Finger, warf sich mit Schaum vor dem Mund herum, völlig der Hysterie ihrer Geilheit ergeben.