Das Singen niederstürzenden Regens

Das Gelände zu betreten ist nicht das eigentliche Problem, die Stadt schläft und die Illusions-Programme laufen ohne Unterlass, schalten Träume hinzu, koordinieren die Nachtarbeit; auch ich selbst werde für gewöhnlich aus den Computern gespeist. Ein ganz hervorragendes Weltbild wird uns allen zuteil, es ist wandelbar, widersprüchlich und lernfähig, reagiert also auf unsere Vorstellung von der Welt mit präzisen und sofortigen Korrekturen. Ich bin an der Schönheit interessiert, nicht an der Harmonie, gespannt auf ein allgegenwärtiges Gestern, diesem ewigen Tag, wie ihn Mnemosyne überbringt. Ich begreife, wie wichtig die Zwiesprache der Vögel ist, die sich gegen den Bass des Donners abhebt, das Singen des niederstürzenden Regens. Da erkunden wir der Erde Klang. Auf den Feldern, die sich überschwemmen lassen, wo das Wasser männliche Attribute zeigt, überläuft, den Acker begießt, die Knollen des Goldregens, der Akelei, und jene rosa Wiesenblumen, die wir ›Zahnbürsten‹ nennen, tränkt. Die Schafe stehen in ihren Pullovern im Stall und warten in ihrer ausschließlichen Gegenwart auf das neue trockene Jetzt. Die Säfte beschleunigen sich in allen Rinnen, spülen die Staubjacken von den Steinen und Quadern, auch von mir, der ich mit einem Brocken Kernseife in der Hand unter dem Wassersturz ein kosmisches Bad zelebriere, während die tief hängenden Augen des Jagdschlosses auf mir ruhen, in der Ferne rauscht ein Schienenbus vorbei.

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    Nichts gehört uns hier, oder dir.
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    Die junge Frau, die mit Ludwig jeden Abend im Schlafraum verschwand : ich auf der Couch vernahm das Röhren der Hirsche, das Zwitschern der Vögel. Sie besaß schöne, schwarze Netzstrümpfe, die ich heimlich, heimelig in dir Lustloch trug, mein Arm die neue Belastung herrlich fand, und eines Tages (in der Nacht des Tages) schlug ich die Augen auf, die Blase drückte, ich blies, ich blies die Lichter an, zählte auf dem Boden Höcker um Höcker, zwischen denen ich wandelte in einem Fleischmeer, sog den Schweiß des femininen Stalls, der Zuchtstuten Zunder für immer in mein Gedächtnis.

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    Das Wetter ist unentwegt schön, man glaubt gar nicht, dass irgendwelche Geister gerade heute ihre Geisterhunde spazieren führen wollten, sollte das walk-the-dog-Syndrom auch später noch gelten. Aber diese Schönheit des Tages, diese besondere Bläue des Himmels, lässt die dunklen Falten dennoch gewähren, wahrscheinlich mit einer Anwesenheitsliste, damit man die Schuldfrage schnell abhandeln konnte, wenn es denn erwünscht war und niemand das räuberische Haupt verantworten wollte.

    Es ist der Kommunikation so viel anheim gegeben, da reichen komplexe Sprachsysteme nicht aus, da müssen auch die Gesichtsmuskeln mitspielen, die Hände, die ganze Haltung – und dann merken sie, dass sie gar nicht sprechen, jauchzen und jodeln müssen, sondern sich auf Zehenspitzen drehen und hüpfen können – bis sie niemand mehr versteht, gerade so, als würden sie doch reden.

    Lass mich tanzen, ich will reden.
    Lass mich sitzen, ich will reden.
    Lass mich aufstehn, ich will reden.

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