Eigentlich nach Norden

Um schließlich in den Bau zu gelangen, sollten noch einige Enten gescholten werden. Sie waren durch ein Gatter entkommen, das hinter alten Fassaden stand und dort auf uns wartete, kaum wahrnehmbar an einer Grenze zwischen Nebel und Dunkelheit.

Weil es Winter wurde, packten wir unsere Kaleidoskope aus, damit wir die Kälte aus einer anderen Perspektive wahrnehmen konnten, doch sie waren zu dieser Zeit nicht besonders zuverlässig, weshalb wir uns um Alternativen bemühten, die wir hinter Schornsteinen fanden. Mal waren sie da, mal waren sie absichtlich absent, indem sie sich versteckten, um uns zu zeigen, dass sie sich bereits nach Norden aufgemacht hatte.

Schneckstasy

Was verbirgt sich in den Schlamm-Meilen einer ordentlichen Küste? Es ist die Postschnecke, die einspringt, wenn kein Brief mehr will transportiert werden. Auch können sie Gläser erkunden, in denen es liliös zugeht (sie überleben’s mit einem Scherz auf den ploppenden Lippen).

Doch will man zusehen, ob auch andere Kreaturen dem Auge Freude bereiten, die in der Vergangenheit in Butter gewälzt auf dem schmackofanten Tisch landeten? Dazu muss man sich die Hosen in Geduld nach oben halten, mindestens bis das Moos dem erkalteten Lave eine Wurzel reicht.

T2: Nichts wird gut

Heute geht es um eines der besten Alben der Rockgeschichte. Man müsste jetzt hinzufügen: Von dem niemand weiß; was natürlich nicht stimmt, denn der Underground kennt seine Perlen. Die heute legendäre Hardrockband T2 wurde Ende 1969 von Schlagzeuger Peter Dunton gegründet, nachdem er bei The Gun gespielt hatte, die ihr sicherlich durch ihr legendäres „Race with the Devil kenn“, das ganz prominent unter anderem von Girlschool gecovert wurde. Zusammen mit Keith Cross (Gitarre und Keyboards) und Bernard Jinks (Bass) war die Band komplett und sie begann sofort damit, das Londoner Westend zu bespielen. Gleich ihr dritter Auftritt in einem der Clubs war ausverkauft und die Produzenten von vier großen Plattenfirmen und drei Fernseh- und Radioanstalten waren da, um sie zu sehen. Dies führte zu einem Plattenvertrag mit Decca Records, der Veröffentlichung von „It’ll All Work Out In Boomland“ und mehreren Fernseh- und Radioauftritten im Jahr 1970.

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Welpenbutter

Wir schmierten Welpenbutter auf ein schornsteindunkles Brot
Nichts kann uns die Nacht erklären, die im Eise schwelgt
Und sich im Fieder wiegt wie leise auch die Motten
Von Firsten bluten Hirschdämonen ihre Kabel-Adern leer
Walmblechuhren schnabeln turteltaub auf diesem Dach
An einem garngesprenkelt kühnen Silberknauf, das Tor, das Tor
Ahndungsgepeitscht, Du Miozän, goschen mundlos sich die Jäger wach
Tragen Aschefleisch durch Schimmelstein
Aus Pferdenüstern steingeworden Atem pumpt hinauf

Billige Plätze

1

 
Ich habe natürlich oft daran gedacht, mir die Sachen
vom Leib zu halten, die langsam begannen von der
Decke zu krümeln. Und ich dachte mir, dass ich jetzt
gleich erschlagen werde von was weiß ich was da oben
ist und was da gleich herunter kommt, ich weiß es,
aber es geschah nichts, am nächsten Tag lag vielleicht
eine Rechnung im Briefkasten oder sonst ein Brief,
den ich ungeöffnet in den Müll warf, der überhaupt
anschwoll, es ist ja alles nur noch Abfall. Okay,
manchmal hast du geläutet, und ich sah durch das
Fenster nach oben und du standst fast auf meinem
Gesicht, aber du trugst Hosen, also keine Gefahr,
dass ich etwa noch zögerte, dir zu öffnen.

2

Als ich einmal von dir verlangte, mir ein Märchen
vorzulesen, hast du mich seltsam angeschaut, so
seltsam war dir zu Mute, als hätte ich dich gebeten,
etwas zu tun, dass man nicht einmal in sein
Tagebuch schreiben möchte, aus Scham vor dem Buch.

3

Es gab meistens Nudeln.

4

Du riefst meistens an, bevor du kamst, ich will
damit sagen, du kamst nie einfach. Vielleicht bin
ich schuld daran, dass man mich anrufen will. Du
sagtest, ich komme jetzt, und du sagtest, bist du
zu Hause? Ich sagte nie nein.

5

Wer bist du?, fragte ich dich, und du sagtest: Was?

Kalibrierte Nettigkeiten

Nichts an uns war maßgeschneidert, die Lumpen besaßen ihr Eigenleben. So
kam es vor, dass sich die Nahten selbständig machten, wenn sie an Ort
und Stelle gebraucht wurden, um jene Teile zusammenzuhalten, die ebenfalls
entschlossen waren, eine ganz andere Party zu feiern. Niemand kümmerte
sich in jenen Tagen um die Reste der Nacht, die auf den Fensterbrettern lagen
und bereits damit begannen, sich in den Urmorast zu verwandeln. Es wäre ein
seltsamer Anblick gewesen, verkleinerte Darstellungen geschuppter Reptilien
über den Teppich laufen zu sehen, denn es spukte ohnehin in all den Köpfen.
Es wäre durchaus möglich gewesen, verschiedene Tassen umzudrehen, um Eindringlinge davon abzuhalten ihren Tee daraus zu trinken, aber wir fanden die Schlüssel nicht, die eine andere Welt aufsperrten, also beließen wir es bei der bloßen Hoffnung, es möge etwas geschehen, das mit uns rein gar nichts zu tun hatte.

Ortswechsel

Ich betrachtete gerade eine neue Situation, als wir auch schon fliehen mussten. So war es schon immer gewesen, die gemachten Betten zerwühlt von kreidebleichen Gesichtern, aber mit Gefühl in der schimmernden Brust. Man könnte leicht auf die Idee verfallen, es gäbe nur Mehlspeisen, die sich unter der besonderen Bläue des Tages zu einer neuen Form aufraffen. Die Steintreppen hinab gerann der Luftzug an den Wangen, einzelne Hinweise lagen verstreut an den Rändern der Gassen oder lehnten für einen kurzen Augenblick an den wankelmütigen Gebäuden. Es wäre uns recht gewesen, wenn zumindest irgendwo irgendjemand am Fenster gestanden hätte, aber die Uhrzeit war noch nicht reif.

Easy Dater

Ein Film der Angst lag auf meinem Körper. Wie ein X – ich war wie ein X an diesem gusseisernen Bett befestigt, mein Mund ohne Speichel. Ein bitterer Geschmack, dort, wo die Zunge beginnt. Die Schläfrigkeit dämpfte das Bedürfnis, aufzuschreien. Aus dem Nebenzimmer hörte ich Geräusche durch die angelehnte Tür, Stimmen, die darüber berieten, was mit mir zu tun sei. Ich durchlebte es bereits; die Scham, vor allem die Scham – die lag zuoberst. Ich war freiwillig hier, war mitgetrottet, ein braves Weibchen.

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