Die Femme Fatale – Hauptfigur des Noir

femme fatale 1

Nebel und Mondlicht, schattige Gassen und Silhouetten – die Welt des Noir ist eine Welt der Intrigen, Geheimnisse und der Spannung. Und die rätselhafte, oft missverstandene Figur der Femme fatale bahnt sich ihren Weg durch diese schattenhaften Geschichten. Diese in Sinnlichkeit und Geheimnis gehüllte Figur ist aus dem Noir-Genre ebenso wenig wegzudenken wie der abgebrühte Detektiv und die kriminellen Straßen der Stadt. Aber was genau ist eine Femme fatale, und warum bleibt ihre Anziehungskraft trotz des Wandels der Zeiten und des Geschmacks ungebrochen?

Weiterlesen

Laughing Jack

Langform

„Du hättest dir sicher was Besseres aussuchen können“, schnauzt sie. „Wie soll das die Leute hierher locken?“

„Jill, vertrau mir.“

Ich zwinkere ihr zu, während ich die letzten Styroporteile von der Figur wegblase. „Laughing Jack, wird sie schon zu uns reinlocken. Denk mal drüber nach. Das ist ein nettes nautisches Thema. Plastikkrabben und Hummer, Fischernetze an den Wänden. Aber was ist es wirklich, das diese Kneipe von den anderen unterscheidet?“ Ich grunze, während ich die Attrappe im Erkerfenster platziere.

„Nein, das Ding wird die Kunden verscheuchen! Das ist wie eine dieser alten Bauchrednerpuppen. Es ist so verdammt unheimlich. Mein Gott, Mark, was ist in dich gefahren?“

Ich zögere. Nichts hat mich beeinflusst, sage ich mir. Das Ding hat nicht nach mir gerufen. Ich habe es in einem Wohltätigkeitsladen gesehen. Für einen Spottpreis stand es da. Ich habe impulsiv gehandelt und es für weniger als hundert Scheine gekauft. Nein, es hatte nicht nach mir gerufen. Wie lächerlich wäre das denn?

Eine lebensgroße Schaufensterpuppe, ein unnatürlich rosa bemalter Wachskopf mit einem klappbaren Unterkiefer, der sich im Takt des aufgezeichneten Lachens hob und senkte. Eine Marineuniform aus dem 18. Jahrhundert, eine weiße Kapitänsmütze und eine dünne Seemannspfeife, die in das schwarze klaffende Maul gesteckt wurde, vervollständigten das Bild.

Ich trete zurück und betrachte das Spiegelbild von Laughing Jack im Erkerfenster des Pubs. Es ist zum Hafen hin ausgerichtet und die untergehende Sonne färbt das zurückweichende Meer in Zeiten seltsame Schattierungen von Schwarz, Karmesin und Gold. Die gemalten Augen von Jack starren mich durch das Glas hindurch an. Seltsam. Sie scheinen für einen Moment in ihren Höhlen zu rollen und meine Augen zu fixieren, meine Gedanken zu lesen. Ich schüttle den Kopf, greife nach unten und stecke das Kabel in die Steckdose.

„Mein Gott!“ Jill erschrickt über das Lachen, das im leeren Speisesaal ertönt. Selbst ich stolpere rückwärts, überrascht von der manischen Bewegung des Matrosen. Er strampelt wie ein Roboter, fuchtelt mit den Armen und lacht vom Band, was beunruhigend echt klingt. Kein Hintergrundrauschen, keine Verzerrung.

Ein älteres Ehepaar, das vorbeigeht, erstarrt beim Anblick der Schaufensterpuppe, die im Erkerfenster herumfuchtelt. Die Frau, die mindestens in den 80ern sein muss, hebt ihre Hand von ihrem Rollator und zeigt auf Laughing Jack.

„Sie lächelt“, sagt Jill, und ihre Worte sind wegen Jacks manischem Lachen kaum zu verstehen. Bilde ich mir das nur ein oder wird dieses verrückte Geräusch immer lauter?

„Mark, warum ist sie … Oh Gott, oh mein Gott!“

Der Mann der alten Frau lächelt nicht. Er ist nicht interessiert, versucht sie mit einer knochigen Hand, die sich an ihre Schulter klammert, vom Fenster wegzuziehen.

Das Fenster, das nun zerspringt, als sie seinen Kopf dagegen schlägt. Immer wieder mit beiden Händen, mit einer Kraft, die ihr Alter und ihre Zerbrechlichkeit verleugnet. Die ganze Zeit über lächelt sie Laughing Jack ekstatisch an. Wieder und wieder. Jeder Stoß des Kopfes ihres Mannes in das zerbrochene Glas und das knackende Holz wird von Jacks Lachen begleitet.

Ein Lachen, das sich nun mit dem der alten Frau in Ton, Tonhöhe und Lautstärke gleichkommt. Es ist das Lachen eines Mannes. Der kahle Kopf ihres Gatten ist zertrümmert.

Blutiger Haufen, der seltsame, nass klickende Geräusche von sich gibt, während er im unnatürlich starken Griff der Frau auf und ab wippt und sich auf dem Fensterbrett entleert.

Der Inhalt sammelt sich, er starrt auf dem Teppichboden und dann fließt er in Richtung Laughing Jack.

Jetzt weiß ich, warum er lacht.

Jetzt weiß ich, warum die Frau lacht und nicht aufhören wird zu lachen, bis sie stirbt.

Was genau wie bei Jill nicht lange dauern wird.

Denn auch ich fange an zu lachen.

Ich greife nach einer langen Glasscherbe, die ich aus dem Erkerfenster gelöst habe, und beginne mit meiner Arbeit.

Die echten Feen entführten Kinder und tranken menschliches Blut

Vergessen Sie Tinkerbell – die Feen der Folklore vergangener Jahrhunderte waren nicht mit denen in den heutigen Geschichten zu vergleichen.

Wenn die meisten Menschen an Feen denken, stellen sie sich vielleicht die glitzernde Tinkerbell aus Peter Pan oder die anderen herzerwärmenden und niedlichen Feen und Feengottmütter vor, die in vielen Disney-Filmen und Zeichentrickfilmen für Kinder vorkommen. Doch diese Kreaturen haben einen viel dunkleren Ursprung – und glichen früher eher untoten, blutsaugenden Vampiren.

In „The Secret Commonwealth of Elves, Fauns and Fairies“ (1682) vertrat der Volkskundler Robert Kirk die Ansicht, Feen seien „die Toten“ oder „eine Zwischennatur zwischen Mensch und Engel“. Diese Assoziation ist in keltischen Überlieferungen besonders ausgeprägt. Lady Jane Wilde verbreitete 1887 folgenden irischen Glauben:

„Feen sind die gefallenen Engel, die von Gott, dem Herrn, wegen ihres sündigen Stolzes aus dem Himmel geworfen wurden … und der Teufel gibt ihnen Wissen und Macht und schickt sie auf die Erde, wo sie viel Böses tun.“

Lady Jane Wilde

Weiterlesen

Halloween – Ursprung und Überlieferung

halloween thumb

Hallowe’en, auch bekannt als All Hallows‘ Eve, ist ein Feiertag, der sich an jedem 31. Oktober fast vollständig in die amerikanische – und damit in die globale – Kultur eingegraben hat.

Das Halloween Amerikas

Während Halloween heute auf unterschiedliche Weise gefeiert wird, hat die Tradition, dass Kinder von Tür zu Tür gehen und ihre Nachbarn um Süßigkeiten bitten, ihren Ursprung im frühen 20. Jahrhundert. Und das alles ist einer Frau zu verdanken, die ihren Garten liebte.

Weiterlesen

Das Unheimliche: Im Garten ist was faul

Gut zwanzig Minuten nach Beginn des Films Schloss des Schreckens, basierend auf Henry James‘ verstörender Geistergeschichte Das Durchdrehen der Schraube (auch „Die Drehung der Schraube“), steht die Gouvernante, die ihr Glück, in diesem großen Landhaus arbeiten zu dürfen, nicht fassen kann, im Garten, ganz in Weiß gekleidet, und schneidet weiße Rosen. Die Kamera ruht in der Nähe ihrer voluminösen Röcke, auf einer kleinen Gartenstatue, die sich in die Sträucher schmiegt. Es ist ein Cherub, aber er sieht irgendwie deformiert aus, und sein Lächeln hat etwas Schreckliches an sich. Das wird spätestens dadurch bestätigt, als ein praller schwarzer Käfer aus seinem Mund krabbelt. Der Käfer baumelt kurz an der Lippe des Cherub, vibriert mit seinen kleinen Beinchen und fällt aus dem Blickfeld.

Ein merkwürdiges, krankhaftes Gefühl schleicht sich in die Brust des unbedarften Zuschauers, sowohl schrecklich als auch aufregend. Es ist dieses Insekt, das aus einer scheinbar festen Gipsstatue herauskommt. Es gibt ein Wort dafür: unheimlich. Schlagen Sie es in einem Standardwörterbuch nach, und Sie erhalten eine kurze, wenig hilfreiche Definition:

Ein unbestimmtes Gefühl der Angst, das Grauens hervorruft.

Gelehrte haben das Wort bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgt, wo es sich aus dem „verdunkeln“ heraus entwickelte. Nicht etwa von „unheimisch“ und „ungeheim“ leitet es sich her, sondern von „ungetüm“, „ungeheuer“ – was heute dazu führt, dass es umgangssprachlich „Volumen“ („unheimlich“ groß, viel) meint. Im Grunde ist es ein Schattenwort, das nur darauf gewartet hat, aufzutauchen. Die Grimms führen in ihrem Wörterbuch die Synonyme: nicht vertraut, fremd, entfremdet, unfreundlich, ungnädig; feindlich, schädigend, beunruhigend, unzuträglich, unbequem; unfriedlich, bösartig, unerfreulich, gefährlich, bedenklich u.ä.

Weiterlesen

Ein Toast auf Edgar Allan Poe

Zu Jahresbeginn ist der Himmel in Baltimore stets bewölkt, es ist kalt, und Schnee perlt aus einem dunklen Himmel. Im Schrank hängt eine nicht zu verachtende Garderobe, aber das darf es heute nicht sein, heute hat der etwas abgetragene Mantel seine große Stunde. Auf dem Kaffeetisch liegt ein Band der von James Albert Harrison herausgegebenen siebzehn Bände umfassenden Reihe der Complete Works of Edgar Allan Poe von 1902.

Die Nacht senkt sich schnell, es ist die perfekte Bühne für einen namenlosen Mann, der sich wie jedes Jahr am 19. Januar in einer frostigen Nacht aufmacht, um auf dem alten Westminster-Friedhof drei Rosen und eine Flasche Cognac auf das Grab der berühmten Gedenkstätte zu legen. So geheimnisvoll wie der Unbekannte er gekommen ist, verschwindet er auch wieder. Vielleicht ist sein Kopf angefüllt mit Gedichten, die einen unglaublichen Klang besitzen, wenn man sie laut ausspricht. Wie Zaubersprüche, nur noch wirksamer.

Once upon a midnight dreary, while I pondered, weak and weary…
Mitternacht umgab mich schaurig, als ich einsam, trüb und traurig…

Die Identität des Mannes wurde nie enthüllt, obwohl das Grabmal schon seit mindestens sechzig Jahren besucht wird. Nie war das Gesicht des Fremden zu sehen, Geschickt hielt er es unter einem schwarzen Filzhut und einem Schal verborgen.

Weiterlesen

Die späte Mrs. Radcliffe

Um das spätere Leben von Mrs. Radcliffe ranken sich einige Phantasien. Während die Jahre schweigend vergingen, machten verschiedene Gerüchte die Runde. Es wurde behauptet, sie sei in Italien, um Material für eine neue Romanze zu sammeln. … Ein anderer hartnäckiger Bericht besagte, dass sie von ihren eigenen geisterhaften Schöpfungen in den Wahnsinn getrieben und in eine Anstalt eingewiesen worden sei. Ein unbedeutender Dichter jener Zeit brachte in aller Eile eine ‚Ode an Mrs. Radcliffe über ihren Wahnsinn‘ in Druck. Oft wurde öffentlich behauptet, sie sei tot, und in einigen Zeitungen erschienen Nachrufe auf sie. Das Lustige an der Sache ist, dass sie selbst sich nicht die Mühe machte, mehr als eine der irreführenden Meldungen zu widerlegen. In einer erstaunlichen Anekdote, die von Aline Grant, der Biografin von Mrs. Radcliffe, erzählt wird, wandte sich Robert Will, ein Schreiberling, nach einer Meldung über den Tod der Schriftstellerin an den Verleger Cadell und bot ihm eine Romanze – The Grave – unter dem Namen „The late Mrs. Radcliffe“ an. Daraufhin erschienen Anzeigen in den Zeitungen.

Amüsiert über diese lächerliche Nachricht kam Mrs. Radcliffe eines Abends am Soho Square an und stieg lautlos die steilen Stufen zum Dachboden von Robert Will hinauf. Sie öffnete geräuschlos die Tür und trat in eine kleine, schwarz verhangene Kammer, die mit Totenköpfen, Knochen und anderen Friedhofsutensilien geschmückt war. Eine Sanduhr stand auf einem Sarg, und ein Beistelltisch war mit gekreuzten Schwertern und einem Dolch geschmückt. Ein junger Mann in Mönchskutte arbeitete fieberhaft mit seinem Federkiel im Schein einer Kerze.

Mrs. Radcliffe setzte sich auf einen Stuhl ihm gegenüber und flüsterte: „Robert Will, was tust du hier?“

Dem jungen Mann standen vor Schreck die Haare zu Berge, als er die bleiche Erscheinung betrachtete, die im flackernden Licht grässlich wirkte. Ihre dünne, weiße Hand streckte sich langsam aus, ergriff das Manuskript und hielt es über die Kerzenflammen. Als es zu Asche zerfallen war, verließ die Besucherin den Raum so lautlos, wie sie ihn betreten hatte. Am nächsten Tag beeilte sich der verängstigte Robert Will, den Verleger zu informieren, dass der Geist von Mrs. Radcliffe das Manuskript verbrannt hatte.

Ein Fluch ohne Autor

In Teseo Albinesis Aufzeichnungen aus dem Jahr 1539 wird beschrieben, wie der Okkultist Ludovico Spoletano den Satan beschwor, weil er Fragen hatte, die ihm sonst niemand beantworten konnte. Ein Magier, der sehr von dem deutschen Gelehrten Johannes Trithemius beeinflusst zu sein schien, schrieb Werke wie das Steganographia, das alchemistische und magische Inhalte mit verschlüsselten Botschaften kombinierte, bis er an einen Punkt kam, wo er – ähnlich wie Doktor Faustus glaubte – alles bereits zu kennen, aber doch nichts zu wissen.

„Komm in meinen Körper, Majestät; ganz einfach, um den Stift in meiner Hand zu führen. Was sind diese verschollenen Wahrheiten, von denen ich vermute, dass es sie irgendwo geben muss? Was steht in den uralten Schriften, die ich nicht besitze?“

Weiterlesen

Daumesdick

Die Geschichte vom Däumling, von den Brüdern Grimm auch „Daumesdick“ oder „Daumling“ genannt, ist das älteste englische Märchen, das in gedruckter Form vorliegt. Sicherlich gibt es Märchen, die noch älter sind, das Motiv des Rumpelstilzchens zum Beispiel ist über 4000 Jahre alt, aber das älteste erhaltene gedruckte Märchen ist „The History of Tom Thumbe“ von Richard Johnson. Es wird vermutet, dass nur ein einziges Exemplar des Originaldrucks aus dem Jahr 1621 erhalten ist. Möglicherweise handelt es sich aber bereits um einen Nachdruck.

Und so alt die gedruckte Geschichte vom Däumling auch ist, die (mündliche) Legende von Tom Thumb ist noch älter, denn in Texten aus dem sechzehnten Jahrhundert finden sich zahlreiche Hinweise darauf.

Der Däumling von Johann Grot

Die Fußspuren des Teufels

Paranormal

In der Nacht des 8. Februar 1855 wurden die Landschaft und die kleinen Dörfer in Süd-Devon von heftigen Schneefällen heimgesucht. Man nimmt an, dass der letzte Schnee gegen Mitternacht gefallen ist. Zwischen diesem Zeitpunkt und etwa 6.00 Uhr am nächsten Morgen hinterließ etwas (oder mehrere) eine Vielzahl von Spuren im Schnee, die sich über hundert Meilen oder mehr vom Fluss Exe bis nach Totnes am Fluss Dart erstreckten.

Fußabdrücke Zeichnung
Zeichnung der Abdrücke

Weiterlesen

Inhalte, Illustrationen, dargestellte Bilder & Fotos sind urheberrechtlich geschützte Werke ihrer jeweiligen Eigentümer*innen.

© 2026 DIE VERANDA | Alle Rechte vorbehalten.