Man fand eigentlich zwei Köpfe
an diesem Unfallort. Einer
war eine Gratisbeigabe, weil
es schon wieder geschehen war.
Jahr: 2013
Telephon
still, weil kein Wind das Boot aus dem Klee hebt,
rostig schmatzend, Lavendelburschen hinter Ginster
hervor beobachten nicht eine Bewegung, ihre
Gestalten grünen durch das Licht, Speerspitzen
auf das bewegungslose Schiff gerichtet, damit es
sich auch fürderhin nicht bewege, in mir brennt
dieser Sud und stößt auf, alles läuft über,
köpft die Töpfe, schäumt die Deckel weg, ich werde
geboren, klebrig, an mir der Schleim aus
Kacke, Pisse, Muttersaft, die Schnur
ins Universum, die Leitung steht,
es klingelt, ich geh ran
Schaufenstergefrierungen
Fresko: Es gibt die vielen Ungereimtheiten beim Anblick einer Szene wie dieser. Ich meine das Steingesicht, das seine Schatten über die Narben wölbt.
Zugig plempert die Sonne durch den Tag, in Lichtspitzen gekleidet das gelbe helle Ding, verströmt ein Plemper-Leuchten in dieser saumseligen Jahreszeit, Kräuterasche trägt träge Windes Algebra vor. Verfrorene Hüte bedecken wärmend Köpfe, damit diese eben nicht auch angefasst von Kältefingern in den nächsten Hauseingang stolpern müssen, den Regenabprall vor Schaufenstergefrierungen jedoch können sie nicht halten; wie im Spiegel daheim winkt da einer hinter mir mit kunterbunten Wollhandschuhen, ein sportliches Grinsen im ganzen Gesicht, ein Ballon mit Haarverlust sein Kopf. Falten, tief eingeprägt wie die Exerguen auf den karthagischen Münzen. Ich schließe mich an, denn die Bäckerei ist berühmt dafür, nächtliche Stürme wieder in die Flasche locken zu können, aus der sie zwar jeden Abend wieder entkommen werden, aber für den Moment …
Sonnensoll und Sonnenzins (zwölf Uhr mittags auf der Nachtseite des Mondes) backt die Erde jetzt doch frisch auf. Semmelbrand breitet schwarze Schwingen über raubmordende Täler. Libellenwaben, windelblau und aufgefaltet, flippern mit den neuesten Bällchen, die jüngst in das Sortiment aufgenommen wurden. Lupinenhonig, spreizgeblümt, steht auf jedem Tisch. »Täterätää!« Die Zungen betreten den Saal durchs Aluminiumtürchen neben dem Toilettentrakt. Es wäre mir auch diesmal ernst gewesen, aber ich erwache jedes Mal und frage mich, wo diese Bäckerei wohl steht. Die Antwort ist immer dieselbe: in meinem Labyrinth, das aus Schenkeln besteht, nackte weiße Haut, Mandarinenduft.
In der Kacke Blumen pflanzen
In der Tat will ich herausbrechen aus dem Immergleichen. Dass Hölle ewige Wiederholung ist, kann sich mittlerweile als Tropus sehen lassen. Ich trinke nicht mehr, ich rauche nicht mehr und habe auch nichts mehr übrig für das Insektengift Kaffee, das ich jahrhundertelang in mich hineingegossen habe. Die einzige Erkenntnis daraus ist die, kein Insekt zu sein. Ich schreibe selbst seit Monaten nicht mehr mit der Schreibmaschine, die seit eben dieser Zeit zugedeckt wie ein Walross im Flur steht. Ich kann die absolute Technokratie, die uns umgibt, kaum mehr ertragen, allerdings räume ich ein, dass sie der einzige Weg ist, allen die Seele zu entziehen. Sollten wir wirklich in diesem Jahr noch umziehen, werden wir alles, was nach 1970 gebaut wurde, auf den Müll werfen. Ich hätte noch nicht einmal etwas gegen einen Heizkessel einzuwenden. Am schlimmsten sind mir jedoch diese Scheißhäuser aus Blech auf den Straßen. Gebannt hoffe ich dieser Tage auf Fahrverbote, auch wenn Kempten davon nicht betroffen ist, aber wann immer eine Entscheidung gegen diesen schlimmen Feind meiner inneren Ruhe getroffen wird, dann erleichtert mich das. Oh ja, ich bin ein gewaltiger Feind des heutigen Automobils. Das Geklacker von Pferden und ein verschissener Gehsteig wäre mir hingegen sehr angenehm. Ich würde in der Kacke Blumen pflanzen.
Urlust
Manchmal reicht der Tag für eine einzige Strophe, die man getrost auch Absatz nennen darf. Wie bei Schuhen. Urlust des Scheinens. Die Säfte wallen auf, jede Begegnung ist total, damit sie einen Abdruck hinterlässt. Sprachlosigkeit hingegen ist nicht der Tag, an dem man keine Worte mehr findet, sondern der Tag, an dem die Sprache nichts mehr nützt.
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