Wenn Edber Shakin eins konnte, dann war es warten. Bis die Straße leer ist und die Lichter anspringen. Bis die edlen Damen der Stadt schmuckbeladen im Handstreich von ihren Galanen durch die Tanzlokale gezerrt werden. Bis jemand wieder rauskommt. Oder nie mehr rauskommt, weshalb Shakin aber dann trotzdem weiter wartete, um zu sehen, wer den Rhabarbermops des Frühlings abholen kam. Der Name des Prinzen. Durchlaucht Rhabarbermops. Der erste, soweit ich weiß.
Überspringt man die ganzen lästigen Einzelheiten, dann lässt sich justamente in diesem Augenblick feststellen, dass Edber sich überhaupt noch nicht groß bewegt hatte. Offenbar nutze sein Gehirn auch die letzten Tropfen seiner Blase, um Wahrscheinlichkeiten zu berechnen. Er hätte garnichteinmal sagen können, wie lange er schon saß und auf den Eingang starrte.
Natürlich trug er einen Hut; das tun alle Detektive.
Aussterbende Detektive bedeuten immer auch den Untergang der Hutindustrie der jeweiligen Region.
Der Detektiv benötigt seinen Hut aus drei äußerst spezifischen Gründen:
- damit es ihm nicht ins Gesicht regnet
- Haarbüschelausfall tut sich schwer, ihn mit Argumenten zu verteidigen
- damit sich manchmal Vögel auf ihn setzen
Abgesehen davon macht ein Hut unsichtbar und im besten Fall – also, wenn es ein wirklich guter Hut ist – unverwundbar. (‚Unverwunderlich‘ wäre eigentlich das Wort gewesen, das er suchte: „Ich verwunder‘ mich, wie wunderlich!“ – das alles schnell gesprochen und so oft, bis es keinen Sinn mehr ergibt.
Der Rharbarbermops des Frühlings war tot, und natürlich versammelte sich der ganze Versailler Hof hier vor dieser Einfamilienhütte in der Schlitterschiergasse 63a (wobei die Sektoren b/c/d und e direkt angebaut waren). Nicht überall wurden schon genügend Breithäuser gebaut. Sie zu beobachten war schwer. Alles sah gleich aus, also sahen alle Bewohner ebenfalls gleich aus. Shakin fragte sich, ob er das früher schon einmal bemerkt haben könnte. Die Sonnenfinsternis für einen kleinen nichtssagenden Ort, in dem zufällig der Prinz ermordet wurde. Shakin hatte es gesehen, indem er es nicht gesehen hatte. Er war dabei, obwohl er eigentlich nur in der Nähe weilte, stoisch wie ein … Stoiker.
Shakin sah das prall angefüllte und in Seide gehüllte Pusteblumensofakissen auf des Prinzen Gesicht sich stürzen, und ganz ohne Zähne, Rachen, Schlund den Sack zumachen. Törichte Wolken schoben sich zwischen Edber Shakins Phantombilder und der schlichten Kammer, in der ein Prinz von einem Blumenkissen gemeuchelt verschied.
Das hatte er hervorragend zusammengepasst. Er hatte den Fall gelöst und würde niemandem etwas davon erzählen.