Es beginnt immer gleich. Eine rauchige Stimme durchbricht die Stille. Sie ist ruhig, klar, beinahe beschwörend. Rod Serling tritt ins Bild – Anzug, Zigarette, ein Gesicht wie gemeißelt aus schierer Ernsthaftigkeit. Er spricht direkt zum Zuschauer, wie ein Gastgeber, der nicht ganz von dieser Welt ist, und lädt ein auf eine Reise in die fünfte Dimension. Eine Dimension, die nicht nur durch Raum und Zeit definiert wird, sondern durch das Staunen, den Schrecken und die große Frage: Was wäre, wenn?
Nachdem die phänomenale Serie LOST beendet war, irrten die Fans ziemlich frustriert durch den Seriendschungel, auf der Suche nach Nachschub. Doch den gab es nicht. Irgendwann verlief die Suche im Sand und die Fans akzeptierten, dass es nichts Vergleichbares gab. Sie gewöhnten sich auch bald daran, dass Serien ihren Höhepunkt langsam überschritten und sich dem Friedhof der Filmindustrie anschlossen, auf dem wir die Klassiker heute nur noch auf Grabsteinen identifizieren können.
Immer wieder wurde versucht, Film- und Fernsehproduktionen mit Bezug zu Gotham City ohne Batman zu gestalten – ob nun Pennyworth, Birds of Prey oder Joker. Nun gesellt sich mit The Penguin eine weitere Serie hinzu. Die achtteilige HBO-Produktion spielt etwa eine Woche nach den Ereignissen aus Matt Reeves‘ The Batman, in dem der Riddler kurz davorstand, eine Schreckensherrschaft zu errichten.
Die Serie konzentriert sich auf Oswald „Oz“ Cobblepot, gespielt von Colin Farrell, und zeigt seinen Aufstieg in der kriminellen Unterwelt von Gotham nach dem Tod von Carmine Falcone. Ohne die Präsenz von Batman bietet sie eine tiefgründige Charakterstudie sowie eine realistische Darstellung von Machtkämpfen und moralischer Ambiguität.
James Gunn beschreibt Peacemaker als „Superheld, Superschurke und größtes Arschloch der Welt“. Er ist die Hauptfigur der Peacemaker-Serie von HBO Max, einem Spin-off und einer Fortsetzung von Gunns DC-Superheldenfilm The Suicide Squad aus dem Jahr 2021. Die Serie folgt den Nachwirkungen des Films. Peacemaker (alias Christopher Smith) ist nicht mehr im Gefängnis, sondern Mitglied eines Teams, das ihn bei seinem Streben nach Frieden unterstützt („egal wie viele Männer, Frauen und Kinder“ dabei sterben müssen).
Peacemaker
Wie in The Suicide Squad beschrieben, besteht dieses Team aus zwei Untergebenen, die Amanda Waller (Viola Davis) als Strafe für ihre Widerspenstigkeit abgestellt hat: der nervöse Techniker John Economos (Steve Agee) und die überraschend taffe Emilia Harcourt (Jennifer Holland). Zu dieser bunt zusammengewürfelten Truppe von Außenseitern – manche würden sie als eine Art Selbstmordkommando bezeichnen – gehören die Neuankömmling Leota Adebayo (Danielle Brooks), Vigilante (Freddie Stroma), ein noch gewalttätigerer und gestörterer „Superheld“ als Peacemaker, und der Anführer Clemson Murn (Chukwudi Iwuji), der sich durch seine Black-Ops-Arbeit einen blutigen Ruf erworben hat. Auf ihrem Weg muss das Team zusammenarbeiten, um außerirdische Kreaturen zu besiegen, die als „Butterflies“ bekannt sind – und sich auch mit weißer Vorherrschaft und toxischer Männlichkeit auseinandersetzen.
In Anbetracht der Tatsache, dass The Suicide Squad als das Ergebnis des „wunderbar verdrehten Geistes“ von James Gunn angepriesen wird, ist es wichtig zu erwähnen, dass Peacemaker nicht nur ein Fernsehprojekt ist, bei dem Gunn als ausführender Produzent fungierte und das er dann verließ. Gunn schrieb alle acht Episoden dieser Serie und führte bei allen bis auf drei auch Regie. Peacemaker ist ganz und gar James Gunns Vision und in vielerlei Hinsicht ein Superheldenfilm wie Eastbound & Down. (Jody Hill, der Mitschöpfer dieser Serie, hat auch bei einer Episode von Peacemaker Regie geführt, was dem Ton und dem Humor der Serie entspricht).
Die Gewalttätigkeit der Suicide Squad setzt sich in der Serie fort, wobei sorgfältig auf praktische Effekte geachtet wurde, z. B. eine Leiche im Hintergrund, die weiterhin Blut spuckt. Die saloppe Sprache und die nötige weibliche Nacktheit tragen ebenfalls zum R-Rating bei. Angesichts dieses Stils stellt sich die Frage, ob sich die Serie über die Sensibilität von Teenagern lustig macht, wie die Albernheiten von Figuren wie Peacemaker und Vigilante vermuten lassen, oder ob sie sich direkt an sie anlehnt. Vieles deutet auf Ersteres hin, wenn man bedenkt, wie die Serie mit dem Entwicklungspotenzial von Peacemaker umgeht. Gunn scheint einen Kick daraus zu ziehen, sich über die Exzesse der Ausbeutung lustig zu machen und sie gleichzeitig voll auszuschöpfen. Diese Herangehensweise ermöglicht interessante Darbietungen des gesamten Casts, der die Balance zwischen schwerem Drama und derbem Teenie-Humor sehr gut hält.
Mehr noch als The Suicide Squad wirkt Peacemaker wie der Höhepunkt dessen, was Gunn mit dem Film „Super “ (2010) erreicht hat: Selbstjustizler, die (in ihrer Vorstellung) auf einer Mission sind, Frieden zu stiften und die Straßen zu säubern, werden nun mit einem größeren Budget und etablierten (wenn auch obskuren) Comicfiguren zum Leben erweckt. Gunn positioniert den Peacemaker und vor allem den Vigilante als weitaus effektivere Versionen von Rainn Wilsons The Crimson Bolt aus Super, auch wenn Gunn nun viel mehr daran interessiert ist, die moralische Ambiguität und den geistigen Freiraum seiner Antihelden zu thematisieren.
Dieser besondere Fokus auf Peacemakers Absichten macht ihn nach The Suicide Squad so faszinierend, da er sich nun mit vergangenen Taten auseinandersetzen muss, die die meisten Menschen als absolut bösartig ansehen würden. Er steht an einem Scheideweg in seinem Leben als selbsternannter Superheld. So charmant John Cena auch sein mag, die ursprüngliche Idee, dass Gunn mehr Zeit und Mühe darauf verwendet, sich auf einen „rechten Waschlappen und Massenmörder mit einem verzerrten Sinn für Frieden zu konzentrieren, schien zunächst kein lohnendes Ziel zu sein. Aber die Serie zeigt, dass Gunn daran interessiert ist, zu hinterfragen und zu untersuchen, wie Menschen extreme und schädliche Überzeugungen annehmen und wie sie sich ändern können, nicht nur allein, sondern auch mit der Hilfe anderer.
Die Serie spricht den Peacemaker jedoch nicht völlig von seinen früheren Taten frei, weder auf dem Bildschirm noch außerhalb. Er bleibt der schlecht informierte Trottel, der er seit seiner Einführung ist, auch wenn er versucht, sich zu bessern. Aber es werden absichtlich noch schlimmere Leute einbezogen, um ihn definitiv weniger schlimm aussehen zu lassen. Während Gunn Peacemaker anscheinend zutraut, sich zu entwickeln, gibt er ihm mit Auggie Smith (Robert Patrick), Peacemakers missbrauchendem, reuelosem, rassistischen Vater, einen Gegenpart. Gunn zeichnet ihn selbstbewusst als absolut unfähig, sich zu ändern, auch wenn sich sein Sohn offensichtlich danach sehnt. Und dann ist da noch der absolute Psychopath Vigilante, der wahllos Menschen wegen kleinster Vergehen tötet und keinerlei Selbstreflexion versteht oder nachvollziehen kann. (Vigilante vermeidet allerdings explizite weiße Dominanz, denn Auggie ist hier eindeutig der Schlimmste der Schlimmen).
Wie in fast allen Filmen und Serien der letzten Jahre geht es auch in Peacemaker letztlich um die Bewältigung eines Traumas – nicht nur um die Folgen von The Suicide Squad, sondern auch um das Trauma, von einem Mann wie Auggie aufgezogen worden zu sein und jemand zu sein, auf den ein böser Mann stolz sein kann.
Cena bekommt schweres, substanzielles Material, mit dem er arbeiten kann, während Gunn versucht, die Figur des Peacemakers und seine traurige Gemütslage zu entschlüsseln. Das gelingt ihm, wenn auch unterlegt mit kitschigem 80er-Jahre-Metal. („There’s no wrong time to rock“ ist ein wichtiger Teil des Ethos von Peacemaker, der zeigt, dass Gunn tatsächlich eine Fernsehserie und nicht nur einen achtstündigen Film drehen wollte). Er hat bereits bewiesen, dass er die Komik der Figur gut rüberbringen kann, und in der Serie wird deutlich, dass Cena besonders gut improvisieren kann. Aber der Schlüssel zu dieser Serie war immer seine Fähigkeit, die emotionale Schwere zu erreichen, die die Figur zu mehr als nur einem Witz macht.
Und das ist es, was Cena das Herz der Szenen finden lässt, in denen er traurig zu Hair Metal abrockt oder eine emotionale Verbindung mit einem CGI- Adler eingeht. (Eagly, wirklich ein Highlight der Serie.) Er ruft echte, herzliche Reaktionen hervor, und das nicht nur in Szenen, in denen er allein ist. (Seine ernsten Szenen mit Brooks und Holland lassen das Publikum sehnsüchtig darauf warten, dass er die Kurve kriegt, obwohl klar ist, wie viele Dinge ihm im Weg stehen. Je länger die Staffel dauert und je mehr Zeit das Peacemaker-Team mit ihm verbringt, desto klarer wird ihnen, wie schwer es ist, nicht mit ihm zu fühlen, egal wie sehr sie es versuchen. Und es ist wirklich schwer, nicht mit ihm und seinem Hausadler mitfiebern zu wollen.
Astrid Lindgren ist zweifellos eine der größten Kinderbuchautorinnen aller Zeiten und nach ihrem Tod Opfer einer neuen Sprachmoral geworden. Aber darum soll es heute nicht gehen.
Die TV-Adaption einer der erfolgreichsten Fantasybücher ist lange zu Ende. Die Romanserie “Das Lied von Eis und Feuer” von George R. R. Martin wird es vermutlich noch länger nicht sein (es gibt sogar berechtigte Vermutungen, dass Martin die Serie niemals fertigstellen wird). In den Büchern geht es hauptsächlich um die komplexen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den großen Häusern von Westeros und um den “Eisernen Thron” des Königreichs, vor dem Hintergrund einer schleichenden, aber zunehmenden Bedrohung durch die “Wildlinge” des Nordens.
Im Wesentlichen finden wir hier eine Welt, die der des mittelalterlichen Europas gleicht. Es gibt Ritter in Rüstungen und mit Schwertern, und hier und da ein bisschen Zauberei. Es gibt viel Gier, Doppelzüngigkeit und Sex. All das neigt dazu, das dünne Furnier der Ritterlichkeit, die in vielen Fantasywerken dominiert, zu überwältigen und zu überschatten. Die Geschichte ist in vielerlei Hinsicht “moderner” und “realistischer” als die meisten genretypischen Vertreter. Hier werden die edlen Elemente eher wie eine Illusion dargestellt, die dazu da ist, die dunklere Seite der menschlichen Natur zu verdecken.
Der 2017 verstorbene Norman Colin Dexter formte einen der beliebtesten und berühmtesten Detektive sehr nach seinem eigenen Vorbild. Auch Dexter war ein Liebhaber englischer Kreuzworträtsel (nicht zu verwechseln mit den unsrigen) mit einem blitzschnellen Verstand, ein von Diabetes geplagter Biertrinker und ein Kenner klassischer Musik. Bis zum Schluss kannten die Leser weder den Vornamen des Autors noch den von Morse. Erst später stellte letzterer sich als Endeavour heraus.
Um sich eine Pause von seinen launischen Kindern zu gönnen, begann Dexter 1972, die ersten Absätze eines Kriminalromans zu notieren. Zunächst war es sein einziges Ziel, sich etwas Zerstreuung zu gönnen. Daraus wurden 13 Romane und die beliebteste britische Fernsehserie aller Zeiten mit John Thaw als Inspektor Morse, die bald ein Prequel und ein Sequel bekam. Der letzte Roman der Morse-Reihe wurde 1999 veröffentlicht und beschließt einen Zeitraum von 25 Jahren. Auf der Liste der besten Detektive aller Zeiten rangiert er auf Platz 7, hinter Sam Spade, aber vor Father Brown.
Als „Der Ruf des Kuckucks“ im April 2013 erschien, wurden nur 1500 Exemplare verkauft, was für einen völlig unbekannten Autor dennoch gar kein so schlechtes Ergebnis ist. Als die Sunday Times im Juli des Jahres jedoch verlauten ließ, dass es Hinweise darauf gebe, dass hinter dem neuen Namen Robert Galbraith J. K. Rowling ihr Krimidebüt gegeben hatte, geriet die Welt in einen Kaufrausch und das Buch kletterte ohne Umschweife auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste.
Natürlich werden da viele Leser, die mit Harry Potter aufgewachsen sind, allein schon aus einer Gewissen Hoffnung auf einen Nostalgie-Effekt zugegriffen haben, auch wenn sie – wie sie schnell bemerkt haben dürften – mit der Krimi-Rowling dann doch nicht besonders warm geworden sind. Das ist keine pure Behauptung; man lese sich nur zum Vergnügen gerne einige negativ bewertete Aussagen zum Buch durch. Da trifft man reihenweise auf enttäuschte Potterheads.
Gotham läuft unter der Prämisse ‚Was wäre, wenn?‘ Also: was wäre, wenn Jim Gordon derjenige war, der als junger GCPD-Rookie die Morde an Thomas und Martha Wayne untersucht hat? Dabei versucht die Serie, einige Figuren neu zu beleuchten und Beziehungen unter ihnen mitsamt den bisherigen schwarzen Flecken im Batman-Universum aufzudecken.
Den Kern aber bildet der junge Kriegsveteran Jim Gordon, der in Gotham in den härtesten Bezirk versetzt werden will und Detective Harvey Bullock. Die beiden haben es mit dem Mord an einem reichen Ehepaar im Theaterviertel zu tun. Als Bullock erfährt, wie berühmt die Opfer waren, will er den Fall erst nicht, aber es ist bereits zu spät, und von diesem Punkt an finden sich die beiden verwickelt in der komplizierten Unterwelt der Stadt wieder.