Es beginnt immer gleich. Eine rauchige Stimme durchbricht die Stille. Sie ist ruhig, klar, beinahe beschwörend. Rod Serling tritt ins Bild – Anzug, Zigarette, ein Gesicht wie gemeißelt aus schierer Ernsthaftigkeit. Er spricht direkt zum Zuschauer, wie ein Gastgeber, der nicht ganz von dieser Welt ist, und lädt ein auf eine Reise in die fünfte Dimension. Eine Dimension, die nicht nur durch Raum und Zeit definiert wird, sondern durch das Staunen, den Schrecken und die große Frage: Was wäre, wenn?
Comic-Verfilmungen lassen sich in der Regel in zwei klar abgegrenzte Kategorien einteilen: erstens Werke, die die eigentliche Fangemeinde verärgern, und zweitens solche, bei denen das nicht der Fall ist.
Band 1 mit Jesse Custer
Es gibt sehr wenige Ausnahmen, denen es gelingt, erhebliche Änderungen gegenüber der Vorlage vorzunehmen und dennoch die Fans bei der Stange zu halten. Bei „The Walking Dead“ werden die großen Todesfälle aus den Comics stets anders inszeniert, womit die Fans im Großen und Ganzen zufrieden sind, da sie so im Ungewissen bleiben. „Gotham“ hat so gut wie jeden Aspekt von Batman fröhlich verändert, behält aber die Zuneigung der Fans, weil seine Pulp-Comic-Ästhetik die Heimatstadt des Dunklen Ritters so treffend einfängt wie keine Adaption zuvor (außer vielleicht „Batman: The Animated Series“).
Es gibt Serien, die spielen lieber im seichten und sicheren Element. Und dann gibt es Preacher. Als die Adaption der legendären Vertigo-Comics von Garth Ennis und Steve Dillon das Licht der Welt erblickte, war schnell klar: Das hier ist keineswegs das übliche dümmliche Fernsehen. Es ist eine gottlose, blutgetränkte Odyssee durch das amerikanische Hinterland, die alles zertrümmert, was man über Religion, Moral und Superhelden zu wissen glaubte.
Nachdem die phänomenale Serie LOST beendet war, irrten die Fans ziemlich frustriert durch den Seriendschungel, auf der Suche nach Nachschub. Doch den gab es nicht. Irgendwann verlief die Suche im Sand und die Fans akzeptierten, dass es nichts Vergleichbares gab. Sie gewöhnten sich auch bald daran, dass Serien ihren Höhepunkt langsam überschritten und sich dem Friedhof der Filmindustrie anschlossen, auf dem wir die Klassiker heute nur noch auf Grabsteinen identifizieren können.
Immer wieder wurde versucht, Film- und Fernsehproduktionen mit Bezug zu Gotham City ohne Batman zu gestalten – ob nun Pennyworth, Birds of Prey oder Joker. Nun gesellt sich mit The Penguin eine weitere Serie hinzu. Die achtteilige HBO-Produktion spielt etwa eine Woche nach den Ereignissen aus Matt Reeves‘ The Batman, in dem der Riddler kurz davorstand, eine Schreckensherrschaft zu errichten.
Die Serie konzentriert sich auf Oswald „Oz“ Cobblepot, gespielt von Colin Farrell, und zeigt seinen Aufstieg in der kriminellen Unterwelt von Gotham nach dem Tod von Carmine Falcone. Ohne die Präsenz von Batman bietet sie eine tiefgründige Charakterstudie sowie eine realistische Darstellung von Machtkämpfen und moralischer Ambiguität.
James Gunn beschreibt Peacemaker als „Superheld, Superschurke und größtes Arschloch der Welt“. Er ist die Hauptfigur der Peacemaker-Serie von HBO Max, einem Spin-off und einer Fortsetzung von Gunns DC-Superheldenfilm The Suicide Squad aus dem Jahr 2021. Die Serie folgt den Nachwirkungen des Films. Peacemaker (alias Christopher Smith) ist nicht mehr im Gefängnis, sondern Mitglied eines Teams, das ihn bei seinem Streben nach Frieden unterstützt („egal wie viele Männer, Frauen und Kinder“ dabei sterben müssen).
Der 2017 verstorbene Norman Colin Dexter formte einen der beliebtesten und berühmtesten Detektive sehr nach seinem eigenen Vorbild. Auch Dexter war ein Liebhaber englischer Kreuzworträtsel (nicht zu verwechseln mit den unsrigen) mit einem blitzschnellen Verstand, ein von Diabetes geplagter Biertrinker und ein Kenner klassischer Musik. Bis zum Schluss kannten die Leser weder den Vornamen des Autors noch den von Morse. Erst später stellte letzterer sich als Endeavour heraus.
Um sich eine Pause von seinen launischen Kindern zu gönnen, begann Dexter 1972, die ersten Absätze eines Kriminalromans zu notieren. Zunächst war es sein einziges Ziel, sich etwas Zerstreuung zu gönnen. Daraus wurden 13 Romane und die beliebteste britische Fernsehserie aller Zeiten mit John Thaw als Inspektor Morse, die bald ein Prequel und ein Sequel bekam. Der letzte Roman der Morse-Reihe wurde 1999 veröffentlicht und beschließt einen Zeitraum von 25 Jahren. Auf der Liste der besten Detektive aller Zeiten rangiert er auf Platz 7, hinter Sam Spade, aber vor Father Brown.
Als „Der Ruf des Kuckucks“ im April 2013 erschien, wurden nur 1500 Exemplare verkauft, was für einen völlig unbekannten Autor dennoch gar kein so schlechtes Ergebnis ist. Als die Sunday Times im Juli des Jahres jedoch verlauten ließ, dass es Hinweise darauf gebe, dass hinter dem neuen Namen Robert Galbraith J. K. Rowling ihr Krimidebüt gegeben hatte, geriet die Welt in einen Kaufrausch und das Buch kletterte ohne Umschweife auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste.
Natürlich werden da viele Leser, die mit Harry Potter aufgewachsen sind, allein schon aus einer Gewissen Hoffnung auf einen Nostalgie-Effekt zugegriffen haben, auch wenn sie – wie sie schnell bemerkt haben dürften – mit der Krimi-Rowling dann doch nicht besonders warm geworden sind. Das ist keine pure Behauptung; man lese sich nur zum Vergnügen gerne einige negativ bewertete Aussagen zum Buch durch. Da trifft man reihenweise auf enttäuschte Potterheads.
Gotham läuft unter der Prämisse ‚Was wäre, wenn?‘ Also: was wäre, wenn Jim Gordon derjenige war, der als junger GCPD-Rookie die Morde an Thomas und Martha Wayne untersucht hat? Dabei versucht die Serie, einige Figuren neu zu beleuchten und Beziehungen unter ihnen mitsamt den bisherigen schwarzen Flecken im Batman-Universum aufzudecken.
Den Kern aber bildet der junge Kriegsveteran Jim Gordon, der in Gotham in den härtesten Bezirk versetzt werden will und Detective Harvey Bullock. Die beiden haben es mit dem Mord an einem reichen Ehepaar im Theaterviertel zu tun. Als Bullock erfährt, wie berühmt die Opfer waren, will er den Fall erst nicht, aber es ist bereits zu spät, und von diesem Punkt an finden sich die beiden verwickelt in der komplizierten Unterwelt der Stadt wieder.