Die Veranda: 10 Die Begegnung mit dem Gevatter

Jeder intelligente Mensch raucht, also raucht auch Brunswik. Chesterfield, wie Ricky damals, sieht sich um, folgt mit den Augenmuskeln dem Duktus der Skizze, die sich vor ihm ausbreitet. Wie aber kommt er dazu, sich diesen monumentalen Epen zu verschreiben? Gab es da nicht einen Traum, ein wenig hölzerne Romantik? Caspar David Friedrich aus dem Reagens, eine eigene Seelenqual? Verloren … und Verlust, das Tier ist schon tot, man muss es nicht noch durch kochen umbringen. In der Tat, es gibt diese verblassende Liebe, diesen hohlen Schmerz, den man sich ebenso einbildet wie das Begehren (am Ende begehrt man sich doch immer selbst, schaut sich im Spiegel dabei zu, wie man fickt, und wenn beide jetzt auf dieselbe Idee kommen, sieht man im Spiegel zwei glotzende nackte Kreaturen, man stellt die Uhr auf 25 Minuten, das entspricht etwa 5000 Metern), eine Trotzreaktion, Leib und Seele zu gefährden, in das dunkle Gemach der finsteren Zusammenhänge zu treten. Dort sitzt der Gevatter bereits Pfeife rauchend hinter seinem Knochentisch, im Bruyèrekopf nicht etwa ein abwegiges Kraut, nein, unser Lieblingsreiter raucht Asche, die dadurch zwar nicht, wie angenommen, zurück in einen Fleischklumpen revoziert wird, aber nichts desto trotz sein letztes uns bekanntes Leben ausgeschmaucht bekommt.

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Der Pfeifer an den Toren

Gleich pfeift er die Winde los, das hat er versprochen. Vorher will er jedoch den Kompost nach draußen bringen. Die Hitze hier am Ende der Welt macht aus einem beim Essen übriggebliebenen Blumenkohl einen entsetzlich stinkenden Nachtisch, um den die Fliegen kreisen, in dem sie auch geboren werden. Schlecht ist es um mich bestellt, sagt sich Rupert, schnappt das schlanke Körbchen mit dem organischen Zerfall und verläßt für einen der wenigen Momente die Höhle der Guanchen. Das ist auch schon genug der Flucherei : »Schlimm ist es um mich bestellt!« – nachdem ihm Graf von Spiegelberg im Traum erschienen ist. Da lag er wie angewurzelt in seinem Bett, die Augen – das wettet er heute noch – aufgerissen wie unter dem Einfluß von Atropin – um ihm zu sagen, daß er selbst zwar 1557 in der Schlacht bei Saint-Quentin gefallen sei, aber das mitnichten bedeute, daß damit derer von Spiegelberg der Erdscheibe abhold geworden seien. »Eingemündet sind wir in derer von der Lippe, die unser Hab und Gut und die Stühle und das Silber und das alles wiederum nach derer von Nassau verschacherten. Oder was glaubst du, warum unser Hirsch in deren Wappen gepfercht ist, häh?«

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