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  • Rokokoernte

    Geschrieben von A. Anders

    Wie es in Frankreich Tradition ist, knüpfen sie hinten auf,
    um die grelle Glühbirne zu verstecken und das Licht zu erweichen.
    Besonders nützlich, wenn ihr Schatten über einem Bett oder Stuhl liegt.

    Sehr hübsch! So feminin!
    Diese weißen Netzhandschuhe
    fügen diese heidnische Anmut hinzu,
    wenn Sie den Kuchen schneiden.

    Ein echtes Gesprächsstück,
    das jedem Zuhause ein Kuriositätengeheimnis hinzufügt.
    Sie könnten aber auch auf einem Doppelbett mit den Rüschen arbeiten,
    die zur Seite des Bettes laufen.

    Es gibt einige Risse und Reparaturen.
    Es gibt auch etwas Schmutz.

    Eine blasse Schale Rosa
    kommt wie alle Zigeunerartikel
    in einer schönen handgefertigten Stofftasche.

  • Anna, die Fliegenpilzin, leibhaftig

    Die Stimme war hinter mir erklungen und löste die Erstarrung von meiner Haut. Ich drehte mich, gewohnt, den Stimmen zu begegnen, herum.

    »Ich bin Anna, die Fliegenpilzin, und Ihr seht aus, als wäret Ihr etwas aus der Fasson geraten.«

    Mit kindlicher Grazie machte Anna große runde Augen, es sollte Unschuld symbolisieren, doch dahinter lauerte eine nicht unbedeutende Gefahr, die mich körperlich anging. Gekleidet war sie wie ein Rotkäppchen, ihr Alter war überdies schwer zu schätzen. Ihr eigen schienen sämtliche Zeitalter zu sein. [Sandsteinburg-Story: Die Fliegenpilzin (Weg nach Raha)]

    Neu zum Bild: Hinter mir erklang eine Stimme, die durch ihre hauchzarte Schwingung dafür sorgte, dass sich mein Körper zu ihr ausrichtete und meine Erstarrung von mir abließ.

    „Ich bin Anna, die Fliegenpilzin, und du siehst aus, als wärest du reichlich irritiert.“

    Sie machte große Augen, wobei ihr die kindliche Grazie dabei half, Unschuld zu markieren. Doch hinter der Fassade lauerte eine nicht unbedeutende Gefahr, die mich bereits körperlich anging. Gekleidet war sie wie ein Rotkäppchen, und aus einem einfachen roten Rock stürmte der Stamm ihres Halses hinauf zu ihrem Gesicht, das von einem leuchtendroten Hut mit weißen Tupfen eingerahmt wurde.

  • Schnackelhupferiade

    Die andere Geschichte nannte sich die vom ›Schnackelhupfer‹, und die entstammte keiner archaischen Resteverwertung. Vielleicht war sie einst wesentlich harmloser als das Märchen vom Hägelmoo gewesen, zumindest aber war sie realer. Und sie spielte um den Badeweiher herum. Nackt, nur mit Gummistiefeln an den weißen dürren Beinen, hieß es, tanzte dort ein alter, ekelhafter Schmerbauch herum, sobald sich Kinder sehen ließen, knetete seinen riesengroßen Sack und schlenkerte sein Gemächt durch die Luft. Er meckerte wie ein Ziegenbock und roch wie verdorbene saure Sahne. Aber wirklich gesehen hatte ihn niemand.
  • Das Porzellanmädchen


    Da er kein Ziel hatte, wäre es auch nicht wirklich ein Umweg gewesen, aber die Figur winkte ihn zu sich heran. Von da, wo er stand, sah sie aus wie eine alte Gänsemagd, ein Sommerhütchen auf die orangeroten Locken mit einer roten Schleife gebunden; ein weißer Wickelrock – oder was immer das sein sollte – begann unterhalb eines ebenfalls roten Jäckchens, das über einer weißen Bluse geschlossen den Gesamteindruck der Halluzination verstärkte. Nicht wegen der Kleidung an sich – über Moden konnte er sich nicht viel Meinung machen –, sondern weil das Mädchen aussah, als wäre es aus Porzellan.