Larry Brent (Der erste Gruselkrimi)

issenschaftler standen Ende der 60er Jahre hoch im Kurs. Die Counter Culture, die aus Amerika herüberschwappte und ihre Spuren auch in Europa hinterließ, hatte außer Flower Power auch das Interesse am Okkulten mitgebracht. Die Manson-Family machte erste Schlagzeilen und bahnbrechende Horrorfilme wie „Rosemaries Baby“ und „Die Nacht der lebenden Toten“ eroberten die Kinos. Auch im Heftroman-Sektor war es Zeit für etwas Neues.

Silber-Krimi Nr. 747 vom 27.08.1968

Das Grauen schleicht durch Bonnards Haus erschien als Silber–Krimi Nr. 747 im damaligen Zauberkreis-Verlag, der 1985 an Pabel verkauft und 1987 seine Pforten für immer schloss, und war in erster Instanz atmosphärisch und lag näher an der Gothic Novel – also am Schauerroman – als am Horror. Jürgen Grasmück alias Dan Shocker hat dann auch einen Begriff geprägt, der den “Horror” im Heftroman genau definiert und den es in keiner anderen Sprache gibt: Grusels; eine genuin deutsche Sprachleistung wie etwa das Wort “unheimlich”, das mit dem englischen “uncanny” zwar eine Annäherung an die Bedeutung des Begriffs erfährt, sie aber nicht präzise abdeckt. Natürlich steckt in der Pluralisierung Grusel – Grusels ein Fehler, der sozusagen bewusst die englische Pluralendung an ein deutsches Wort anhängt (ähnlich wie man das umgangssprachlich etwa bei “Dingens” macht). Eine Mehrzahl von Grusel gibt es nicht, nur der Genitiv (des Grusels) käme also in seiner korrekten Form mit einem “s” daher, ist hier aber natürlich nicht gemeint. Vergessen wir aber nicht, dass bis weit in die 70er Jahre hinein bereits eine merkliche Amerikanisierung der deutschen Sprache stattfand. Ein Mädchen hieß plötzlich “Girl”, das Wohnzimmer wurde “Living Room” genannt, man „steppte“ zur Seite und sprang nicht mehr, und so fort.

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Der Werwolf

Unheimliche Wesen

Wenn der Vollmond aufgeht, weiß jeder, dass er in höchster Alarmbereitschaft sein muss. Der Vollmond ist seit langem für die seltsamen Veränderungen im menschlichen Verhalten verantwortlich, wird aber vielleicht am meisten mit der Verwandlung eines besonders furchterregenden Wesens in Verbindung gebracht – dem Werwolf.

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Unter Bäumen: Ein Blick auf die Wälder in der Mythologie

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Wälder waren schon immer Orte der Verzauberung, heimgesucht von Gesetzlosen, Göttern, zornigen Geistern und grausamen Monstern.

Der Wind singt durch die Blätter. Vögel zanken sich in ihren Nestern und große und kleine Tiere schleichen durch das Unterholz.

Bäume, die älter als Städte sind, schlummern friedlich auf verborgenen Lichtungen. Die Zeit bewegt sich an diesem Ort in unterschiedlichen Rhythmen, und wir müssen uns mit ihr bewegen oder wir werden von der Weite des Grüns verschluckt.

Die Zivilisation und die Regeln des Menschen haben hier keinen Einfluss. Es sind größere Mächte im Spiel. Diana, die jungfräuliche Jägerin und Mondgöttin, durchstreift die Wälder. Wehe dem sterblichen Mann, der über sie stolpert. Er wird mit Sicherheit sterben, so wie der junge Grieche Aktaion – in einen Hirsch verwandelt und von seinen eigenen Hunden zerrissen für das Verbrechen, die unbekleidete Göttin bestaunt zu haben. Herne der wilde Jäger mit dem Hirschgeweih betet den Mond an und fordert damit die Ur- und Raubtierinstinkte der Menschheit zurück. Er ruft uns auf, uns der Wilden Jagd anzuschließen oder vor ihr zu fliehen. Der Grüne Mann ist sein Schatten; ein Wesen aus Blättern und Reben, das – je nachdem – das Wohlwollen der Natur oder ihren Zorn symbolisieren kann.

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Der Werwolf von Bedburg

Paranormal
Der Werwolf oder der Kannibale, 1512 von Lucas Cranach

Im Deutschland des 16. Jahrhunderts hatte man es als Bauer nicht leicht. Noch schwieriger war es, wenn man beschuldigt wurde, ein Werwolf zu sein, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte.

In einer Zeit, in der es weder Schädlingsbekämpfung noch Dünger gab, war es schon schwer genug, etwas zum Wachsen zu bringen. Hinzu kam die ständige Bedrohung durch umherziehende Räuber, die nicht davor zurückschreckten, das Vieh zu stehlen oder die Ernte zu verbrennen. Für den Bauern Peter Stubbe war das Leben noch härter. Stubbe musste sich auch mit dem Vorwurf auseinandersetzen, ein Werwolf zu sein, der mit dem Teufel im Bunde stehe und Kinder und schwangere Frauen ermorde.

Stubbe (je nach Quelle auch Stuppe, Stumpp oder Stumpf genannt) war ein wohlhabender Bauer, der in der Nähe von Bedburg lebte, einer kleinen Stadt im deutschen Rheinland, das damals zum wankenden Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte. Es war eine Zeit des Umbruchs, in der Protestanten gegen Katholiken kämpften und es viele Machtkämpfe zwischen verschiedenen kleinen Fürsten und anderem königlichen Gesindel gab. Die Gegend, in der Stubbe lebte, wurde zuletzt durch den Kölner Krieg verwüstet, der auch als Kanalisationskrieg bekannt ist (der Name soll von einer Schlacht herrühren, in der katholische Truppen eine Burg durch ihr primitives Abwassersystem stürmten).

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Halloween – Ursprung und Überlieferung

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Hallowe’en, auch bekannt als All Hallows‘ Eve, ist ein Feiertag, der sich an jedem 31. Oktober fast vollständig in die amerikanische – und damit in die globale – Kultur eingegraben hat.

Das Halloween Amerikas

Während Halloween heute auf unterschiedliche Weise gefeiert wird, hat die Tradition, dass Kinder von Tür zu Tür gehen und ihre Nachbarn um Süßigkeiten bitten, ihren Ursprung im frühen 20. Jahrhundert. Und das alles ist einer Frau zu verdanken, die ihren Garten liebte.

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Das Ungeheuer von Loch Ness als paranormales Ereignis

Unheimliche Wesen

Schottlands Loch Ness ist annähernd 1000 Meter tief und 35 Kilometer lang. Von vielen wird der See als Heimat eines unbekannten Lebewesens angesehen, das man weltweit unter dem Namen „Nessie“ kennt. Die Öffentlichkeit wurde 1933 auf das Monster aufmerksam, seitdem ist das Phänomen zu einem regelmäßigen Medienereignis avanciert, zu einem regelrechten Wahrzeichen Schottlands geworden. Dutzende von Spielfilmen, Bücher, Zeitungsartikel und Dokumentationen haben Nessie zum Thema, so dass sich leicht behaupten lässt: sie ist die bekannteste kryptozoologische Kreatur der Welt.

Es gibt immer wieder Rückschläge auf der Suche nach Seeungeheuern ganz allgemein. Trotz vieler glaubwürdiger Augenzeugen, die die Monster gesehen haben wollen, wurden nach unzähligen Versuchen in den jeweiligen Seen noch keine lebenden Monster gefangen. Es wurden niemals irgendwo Kadaver gefunden, die etwas anderes als bereits bekannte Tiere sein könnten. Es ist eine Tatsache, dass gigantische Netze, U-Boote, Unterwasserkameras, Sonar- und Taucher es bislang versäumt haben, soliden Beweise dafür zu finden, dass es ein Monster von Loch Ness gibt.

© Hugh Gray

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Urban Fantasy – Teil 2: Geburt eines Genres

Im vorigen Beitrag sprachen wir über die Definition der urbanen Fantasy und ihren Ursprüngen. Nun wollen wir mal sehen, wie dieses Genre entstanden ist und warum es so populär wurde.

Charles de Lint, der Pionier der urbanen Fantasy

Das allererste Werk der Urban Fantasy war wahrscheinlich der 1984 erschienene Roman „Moonheart: A Romance“ von Charles de Lint. Den Begriff Urban Fantasy gab es damals allerdings noch nicht. Urban Fantasy wurde 1997 von John Clute und John Grant in ihrer Encyclopedia of Fantasy als Texte definiert,

„in denen die phantastische und die herkömmliche Welt interagieren, sich kreuzen und zu einer Geschichte verschränken, die sich signifikant um eine reale Stadt dreht.“

Ironischerweise war die Serie, die das Genre begründete, nicht in einer realen Stadt angesiedelt, sondern in einer imaginären. Newford, das von Charles de Lint erfunden wurde, stellt eine typisch amerikanische Stadt dar, mit seinen wohlhabenden Wohngebieten und Slums, seinen Stränden und Brachflächen und natürlich seinem ausgedehnten Netz von unterirdischen Tunneln. Die Newford-Serie begann mit der Kurzgeschichte „Uncle Dobbin’s Parrot Fair“, die 1987 zum ersten Mal in Isaac Asimovs Science Fiction Magazin erschien. 1993 wurden mehrere Kurzgeschichten von Charles de Lint, alle in Newford angesiedelt, von Terri Windling zusammengestellt und unter dem Titel „Dreams Underfoot“ veröffentlicht.

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Urban Fantasy – Teil 1: Die Quellen des Genres

Bouquinist

Was ist Urban Fantasy?

„Das Göttliche. Das Verrückte. Das Fantastische oder sogar das Spirituelle. Wie auch immer der Begriff lautet, die Menschen haben ein tiefes Bedürfnis, eine größere Realität jenseits unserer weltlichen Existenz zu erblicken.“

Diese Aussage von Damien Walter besagt, dass die urbane Fantasy das Fantastische ins Alltägliche überführt – das ist gleichzeitig auch die kürzeste Definition des Genres, die man sich denken kann. Mit anderen Worten: Die urbane Fantasy bringt Mythologie und Überlieferung in einem modernen Rahmen zur Geltung. Und es war Charles de Lint, der dieses Genre Anfang der 90er mit ins Leben rief.

Urban Fantasy ist ein junges, lebendiges Genre der spekulativen Literatur, das erst in den letzten Jahren zur Reife gelangt ist.

Besonders beliebt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, gibt es mittlerweile jedoch auch die sogenannte Adult Urban Fantasy. An sich ist es ein hybrides Subgenre an der Schnittstelle zwischen Fantasy, Horror, Science Fiction, Hardboiled-Krimis, Thriller und Romantik. Man könnte auch sagen, dass die urbane Fantasy ein Liminalgenre ist und dort zur Blüte gelangt, wo sie sich mit anderen Genres trifft, an der Grenze zwischen Alltäglichem und Phantastischem, Natürlichem und Übernatürlichem, zwischen Technik und Magie. Jede dieser Geschichten beinhaltet einige übernatürliche Wesen und / oder Menschen mit magischen Fähigkeiten, die ihre Wurzeln aber immer auch in der Realität haben.

Einige urbane Fantasy-Serien sind in naher Zukunft angesiedelt oder in einer alternativen Realität, in der übernatürliche Kreaturen der Welt ihre Existenz offenbaren. In True Blood, der TV-Serie, die von Charlaine Harris‘ Sooki-Stackhouse-Serie inspiriert wurde, erlaubte die Erfindung des synthetischen Blutes den Vampiren, friedlich mit den Menschen zusammenzuleben – zumindest theoretisch. In dieser Serie finden wir die üblichen übernatürlichen Kreaturen, die man in einer Fantasy-Geschichte erwarten kann: Feen, Vampire, Werwölfe, Gestaltwandler, Dämonen usw.. Andererseits scheut die Serie keine wirklichen sozialen Probleme: Drogenmissbrauch, Rassismus, religiöser Fanatismus und Intoleranz im Allgemeinen.

In einigen urbanen Fantasy-Serien existiert das Übernatürliche am Rande der menschlichen Gesellschaft, und paranormale Kreaturen koexistieren mit Menschen, ohne unsere Gesellschaft zu bedrohen. In anderen Serien jedoch bedroht das Übernatürliche das Überleben unserer Zivilisation. In der Serie Stadt der Finsternis von Ilona Andrews zum Beispiel zerreißt Magie das Gewebe unserer technologischen Gesellschaft und zwingt den Menschen zur Anpassung. In dieser nahen, postapokalyptischen Welt gehört das, was früher als übernatürlich galt, heute zum Alltag.

Elfen spielen Gitarre in Rockbands, Goblins durchstreifen die unterirdischen Tunnel unserer Städte, und die Toten steigen aus den Gräbern, um die Lebenden zu quälen oder zu verführen. Diejenigen, die auf dieses Genre herabsehen und es als bloßen Eskapismus abtun, wären überrascht, wenn sie etwas über seine Quellen erfahren würden. Ja, meine Damen und Herren, wie wir sehen werden, ist die urbane Fantasy von nobler Abstammung!

Der Unterschied zwischen Urban Fantasy und Paranormaler Romantik

Gibt es einen Unterschied zwischen urbaner Fantasy und paranormaler Romantik? Das ist eine strittige Frage. Theoretisch sind das verschiedene Genres, aber in Wirklichkeit ist es schwierig, sie zu trennen. Jim Butchers Serie Die dunklen Fälle des Harry Dresden ist zweifellos urbane Fantasy, während die Black Dagger-Serie von J. R. Ward gewöhnlich zu den paranormalen Romanzen gezählt wird. Aber was ist zum Beispiel mit der Mercy Thompson-Serie von Patricia Briggs? Viele Buchreihen, die zum Genre der urbanen Fantasy gehören, haben auch eine gehörige Portion Romantik unter ihren Hauptbestandteilen, aber das ist nicht immer der Fall.

Grundsätzlich ist urbane Fantasy für jeden, der eine gute, fantasievolle Geschichte zu genießen weiß, unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung oder ethnischer Zugehörigkeit. Das Genre ist so vielfältig, dass jeder in der Lage sein sollte, Urban Fantasy, die seinem Geschmack entspricht, zu finden.

Die Quellen der Urban Fantasy

Der Pionier der heutigen urbanen Fantasy war Charles de Lint, ein Schriftsteller, Poet, Folklorist, Künstler, Songwriter und Performer (laut seiner offiziellen Biographie). Sein erster Roman Moonheart: A Romance erschien 1984, so dass wir dieses Jahr als Ausgangspunkt unserer Zeitreise betrachten können.

Der unmittelbarste Vorläufer der urbanen Fantasy war die Horrorgeschichte, insbesondere der Vampirroman, wie ihn z.B. Anne Rices in ihren Vampire Chroniken (beginnend mit Interview mit einem Vampir, 1976) etabliert hat. Tatsächlich ist es schwierig zu sagen, wo das Vampir-Subgenre endet und die urbane Fantasy beginnt. Horrorliteratur bringt ebenfalls mythologische Kreaturen in einem modernen Setting unter. Der Hauptunterschied liegt in der Atmosphäre der Geschichten; während Horrorliteratur sich auf das Schreckliche und Makabre konzentriert, ist die urbane Fantasy in der Regel leichter im Ton und legt mehr Wert auf Weltenbau.

Die Entwicklung der traditionellen Fantasy in den 60er und 70er Jahren trug ebenfalls dazu bei, den Weg für die urbane Fantasy zu ebnen. Einige Autoren begannen, Science Fiction und Fantasy, Technologie und Magie zusammenzubringen. Bemerkenswert waren in dieser Hinsicht die Amber-Chroniken von Roger Zelazny (1970), die mit Corwin beginnen, der in einem Krankenhaus in New York aus dem Koma erwacht. Er hat Amnesie, findet aber bald heraus, dass er nicht von der Erde stammt. Er ist Mitglied einer übermenschlichen Königsfamilie, die über eine Welt namens Amber herrscht. Ebenfalls findet er heraus, dass unsere Realität nur ein „Schatten“ von Amber ist, und dass es unendliche Parallelwelten gibt, die „Schatten“ genannt werden, durch die die Fürsten von Amber zu reisen vermögen.

Dank Autorinnen wie Ursula Le Guin und Anne McCaffrey traten damals weibliche Protagonistinnen in Fantasy-Geschichten auf. Überhaupt begannen Frauen eine aktivere Rolle in der Fantasy zu spielen und waren nicht mehr nur Mädchen in Not, die darauf warteten, aus irgendeinem Kerker gerettet zu werden.

Die Romantische und Viktorianische Ära

Gehen wir nun noch etwas weiter zurück in die viktorianische Zeit. Dort finden wir viele Bücher mit magischen Objekten oder Kreaturen wie Geistern, Vampiren oder übernatürlichen Doppelgängern. Einige dieser Bücher wurden zu Klassikern, z. B. Sheridan Le Fanus In a Glass Darkly (1872), Robert Louis Stevensons Dr. Jekyll und Mr. Hyde (1886), Oscar Wildes Das Bildnis des Dorian Gray (1891), Arthur Machens Der große Gott Pan (1894), Bram Stokers Dracula (1897), und Henry James‘ Die Drehung der Schraube (1898).

Dieses Interesse am Übernatürlichen war nicht neu. Wenn wir weiter in der Zeit zurückgehen, stellen wir fest, dass sich auch romantische Autoren für das Phantastische interessierten. Das Chagrinleder (1831) von Honoré de Balzac ist ein gutes Beispiel dafür. Aber auch Theophile Gautiers Novelle Die tote Geliebte (1836). Hier wird die Geschichte einer wunderschönen Frau erzählt, die in Wirklichkeit ein Vampir ist und sich in einen Priester verliebt. Kann man ein besseres Beispiel paranormaler Romantik des 19. Jahrhunderts finden?

Jetzt erreichen wir das 18. Jahrhundert, stoppen unsere Zeitmaschine und sprechen über den Schauerroman. Diese Art von furchterregenden Geschichten gewannen in den 1780er Jahren an Popularität, erreichten im Jahr 1800 ihren Höhepunkt und fielen 1820 allmählich wieder in Ungnade. Der gotische Roman war mehr als der Vorläufer der Horrorliteratur – er legte den Grundstein für alle Genres, die wir gemeinsam als „spekulative Fiktion“ kennen, einschließlich der Fantasy. Der gotische Roman hat viele Ähnlichkeiten mit der urbanen Fantasy: das Eindringen des Übernatürlichen in den Alltag, die ständige Präsenz von Spannung und Angst, und – wichtig – weibliche Protagonisten. Der Hauptunterschied besteht darin, dass gotische Schauergeschichten meist im Mittelalter angesiedelt waren, während urbane Fantasy-Geschichten in der Gegenwart oder der nahen Zukunft spielen.

Jetzt sind wir in der Vergangenheit rund 250 Jahre gereist. Ist unsere Reise etwa vorbei? Nicht ganz! Ziehen wir noch einmal am Hebel und wagen uns noch ein Stück weiter. Das Rad der Zeit dreht sich und führt uns ins Mittelalter. Auch dort finden wir Werke, die der urbanen Fantasy ähneln.

Okay, nicht „urban“ im modernen Sinne. Dennoch finden wir Geschichten, Gedichte und Balladen, die uns von magischen Kreaturen oder Gegenständen erzählen, die den Alltag der Menschen durcheinanderbringen. Arthurianische Legenden sind das berühmteste Beispiel dafür. Wer ist schon davon überzeugt, dass Chrétien de Troyes wirklich an die Existenz von magischen Bechern glaubte, als er mit dem Parzival die Gralsgeschichte schrieb? Wahrscheinlich nicht mehr als Neil Gaiman an die Existenz eines unterirdischen London glaubt (oder glaubt er das vielleicht doch?) Für mittelalterliche Autoren war der Gral ein Symbol, eine Metapher, und ich sehe nicht, warum wir die Geschichten über Parzival nicht als eine mittelalterliche Form der Fantasy betrachten sollten.

Unsere Reise geht weiter. Wenn wir weiter in der Zeit zurückgehen, wird es immer schwieriger, Mythologie und Fantasy voneinander zu trennen. Die Römer zum Beispiel nahmen die Religion sehr ernst, da sie Teil ihres Alltagslebens war. Für die Griechen war Herkules keine fiktive, sondern eine historische Figur. Die Menschen glaubten wirklich an Sirenen, Geister und Feen. Hier finden wir die wahren Ursprünge der Fantasy, nämlich den Glauben, dass es neben der Welt, wie wir sie kennen, eine andere Realität gibt, ein magisches Reich, in dem alles möglich ist.

Zusammenfassung

Was haben wir von unserer Reise mitgebracht? Wir haben gelernt, dass die urbane Fantasy zwar ein junges Genre ist, ihre Wurzeln aber bis ins Mittelalter und in die Antike zurückreichen. Sie ließ sich von einigen der größten literarischen Werke der Geschichte inspirieren: dem Gilgamesch-Epos, den Metamorphosen des Ovid, dem Beowulf, dem Parzival von Chrétien de Troyes, Shakespears Sommernachtstraum, und anderen Klassikern.

Auf einer tieferen Ebene können wir sagen, dass die urbane Fantasy ein Genre ist, das uns mit unserer fernen Vergangenheit verbindet. Indem wir die Türen unserer Städte für das Magische und das Phantastische öffnen, hilft uns die urbane Fantasy, die Kulturen unserer Vorfahren zu entdecken, sie verständlicher und für moderne Leser attraktiv zu machen.

Im nächsten Beitrag werden wir über die Entstehung der urbanen Fantasy sprechen und sehen, wie es einer Handvoll Autoren gelungen ist, eines der populärsten Genres der Geschichte zu erschaffen.

Die Geschichte der Vampire

Unheimliche Wesen

Die Geschichte der Vampire ist umstritten. Manche behaupten, sie seien „so alt wie die Welt“. Neuere Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass unser Glaube an Vampire und Untote in 18. Jahrhundert entstand, als die ersten europäischen Berichte über dieses Phänomen erschienen.

Wir wissen, dass 1732 das Annus Mirabilis des Vampirs war. In diesem Jahr wurden 12 Bücher und 4 Dissertationen zu diesem Thema veröffentlicht. Laut dem Gothic-Experten Roger Luckhurst taucht der Begriff „Vampir“ in diesem Jahr zum ersten Mal auf. Archäologische Funde ungewöhnlicher Bestattungen in Europa in den letzten Jahren legen jedoch nahe, dass der Glaube an Vampirismus und Wiedergänger die Menschen schon vor 1500 beschäftigte.

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Jim Butcher: Kleine Gefallen (Die dunklen Fälle des Harry Dresden 10)

Bouquinist

Endlich kann Chicagos einziger offen praktizierender Berufszauberer, Harry Dresden, aufatmen, denn seit langem hat niemand mehr versucht, ihn zu töten. Doch Harrys Ruhe wird jäh unterbrochen, als die Königin vom Winterhof der Sidhe auftaucht, um einen Teil seiner Schulden einzufordern. Harry hatte gehofft, dass dieser Tag nie kommen würde, als er sie vor Jahren um einen Gefallen bat, doch nun schuldet er der stets gefährlichen Mab gleich zwei.

Dies ist das zehnte Buch der dunklen Fälle, und wenn man Butchers eigenen Plänen Glauben schenken darf, sind die Dresden-Files jetzt ungefähr bei der Hälfte der geplanten Serie angelangt. So weit gekommen zu sein, ist eine beachtliche Leistung, vor allem wenn man bedenkt, wie schwer es einigen von Butchers Kollegen fällt, nach ein paar Büchern überhaupt noch etwas zu Papier zu bringen.


Die Stadt der gefallenen Engel

In „Kleine Gefallen“ sieht sich Harry wie gewohnt von allen Seiten mit Tod und Gefahr konfrontiert. Mab, die Königin der Winter-Sidhe, will, dass Harry John Marcone, den Anführer der größten organisierten Verbrecherbande der Stadt, aus den Klauen der gefallenen Engel befreit, die über unermessliche Macht und jahrtausendealte Erfahrung verfügen. Was sie mit Marcone vorhaben, ist unklar, aber man kann sicher sein, dass das Ausmaß ihrer Pläne weit über eine einfache Entführung hinausgeht.

Die beiden Geißlein

In der Zwischenzeit wird Harry von den Vollstreckern der Sommer-Sidhe angegriffen, aus Gründen, die niemand wirklich versteht, am wenigsten Harry selbst. Seine Angreifer sind legendäre Bestien, die berühmten Geißlein, die die Gabe haben, Trolle zu vernichten. Sie sind Brüder, und wenn du es schaffst, einen von ihnen zu besiegen, kannst du sicher sein, dass sein großer Bruder bald auftauchen wird, um sich um dich zu kümmern. Und mit dem ältesten der Brüder, Brausewind, willst du dich nicht anlegen. Er ist nett, aber er macht dich fertig, egal wer du bist.

Nun, es sieht nicht gut aus für Harry Dresden. Aber wann tut es das schon? Dass er es mit Mächten zu tun bekommt, die ihm weit über den Kopf wachsen, ist von Anfang an ein Thema in Harrys Leben, und obwohl wir ziemlich sicher sein können, dass er sich durchsetzen wird, wissen wir nicht, wie viel Schaden er dabei nehmen wird. Aber wer „viel“ vermutet, liegt gar nicht so falsch.

Schnee als Motiv des Romans

Wenn Schuldig vielleicht die beste Atmosphäre hat, so nutzt „Kleine Gefallen“ seine Umgebung wie kein anderer Roman der Reihe. Die ständige Verwendung von Schnee, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne, ist ein sehr wichtiges Motiv im ganzen Roman. Einige Figuren sind im übertragenen Sinne unter Schnee begraben. Sie sind isoliert, kalt und weit von der Gesellschaft entfernt. Die Figur Ivy (Das Archiv) veranschaulicht dies perfekt. Sie ist ein Mädchen, das, ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen, ständig im System gefangen ist. Sie will natürlich ihre Kindheit leben, sie will ihre eigenen Entscheidungen treffen, es gibt eine Debatte über den freien Willen, darüber, ob es ethisch falsch ist, sie in Isolation zu halten, oder ob es dem Allgemeinwohl dient. In ihrem Fall hatte sie diese Wahl nicht und wurde gezwungen, das Archiv zu sein (keine Person, sondern eine mächtige Institution).

Das gilt für fast alle Bücher der Reihe. Harry ist ein Außenseiter, zumindest beginnt er als solcher. Auf seinem Weg hat er sich ein gewisses Maß an Autorität, Verantwortung, Respekt und Ansehen bei den Wesen dieser und anderer Welten erworben. Das macht es ihm etwas schwerer, ein Außenseiter zu sein. Statt einfacher Vampire, Werwölfe und gelegentlicher Geisterbeschwörer haben wir es nun mit den ganz Großen wie Mab, Titania und den gefallenen Engeln zu tun.

Das Archiv

Das Archiv wird ihrer Kindheit beraubt, weil sie so ist, wie sie ist, und das Fehlen von Führung (durch eine Familie) macht es noch tragischer. Im Fall von Ivy hat sie Menschen wie Dresden und Kincaid, die sie führen. Das letzte Kapitel mit ihr ist sehr emotional. Es sind auch die kleinen Momente, in denen Butcher brilliert. Das kann man manchmal leicht überlesen, weil Butcher nicht mit einem ausladenden, epischen Ton daherkommt, sondern immer Harry die Stimme überlässt.

Die Macht des Carpenter-Hauses

Um auf den Schnee zurückzukommen: Das sind natürlich nicht nur symbolische Hindernisse, mit denen Dresden konfrontiert wird, und Butcher schafft diese wunderbare Spannung zwischen Metaebene und realer Bedrohung. In diesem Zusammenhang müssen wir auch über das Carpenter-Haus sprechen. Dieser Ort ist so gemütlich, warm und unschuldig, als würde man mit einem Teddybären kuscheln. Im Gegensatz dazu wirkt der Roman durch und durch kalt und brutal. Das Haus der Carpenters wirkt wie ein sicherer Hafen für unsere Helden. Harry selbst hat kein solches Zuhause, sein Zuhause ist eher ein Arbeitsplatz, an dem er mit Bob übt. Wenn man an Dresden denkt, denkt man immer an Arbeit, und das hat etwas Kaltes. Es ist nicht einmal so, dass sich seine Wohnung nicht wie ein Zuhause anfühlt, sie vermittelt eher eine andere Art von Zuhause. Vielleicht liegt es daran, dass Dresden das Carpenter-Haus ganz anders interpretiert als sein eigenes Zuhause, was dieses Gefühl der Behaglichkeit erzeugt. Wenn man darüber nachdenkt, könnte es auch an gewissen religiösen Untertönen liegen. Es ist kein Geheimnis, dass die Carpenters Christen sind. Vielleicht ist es das Gefühl des Glaubens, das die Verbindung zu diesem Haus zum Klingen bringt. Jedes Mal, wenn Ritter Michael auftaucht, wird die Diskussion über das Wesen des Glaubens auf eine metaphysische Ebene gehoben.

Glaube als Thema

Der Glaube ist ein Thema, das in den bisherigen zehn Romanen immer wieder aufgegriffen wurde. Aber hier wird es so weit ausgelotet wie in keinem anderen Dresden-Roman bisher. Das macht die Gespräche mit Michael so interessant, weil es ein ständiges Hin und Her der Ideologien gibt. Es gibt natürlich auch andere Figuren, die sich diesem Konzept nicht entziehen können, vor allem Harry, der diesem System sehr skeptisch gegenübersteht, aber auch Murph, die kurz ein Engelsschwert in die Hand bekommt, und so weiter. Es gibt noch andere Szenen, aber diese sind die deutlichsten, wie der Glaube erforscht wird und wie die Umgebung genutzt wird, um diese wunderbaren Charaktere zu entwickeln.

Konzentration auf Thomas

Die größte Überraschung war die Konzentration auf Thomas in der ersten Hälfte. Denn obwohl Weiße Nächte technisch gesehen sein Roman ist, hatte ich trotzdem mehr Thomas erwartet. Das wird hier auch geliefert, das fängt schon bei den Gesprächen im Monstertruck an. Es ist immer das Thema der Versuchung, das diese Figur umgibt, und hier wird sie auf die Probe gestellt. Gerade nach „White Nights“ wissen wir, dass Justine sich relativ gut erholt hat, aber sie ist eine Doppelagentin geworden. Sie und Thomas lieben sich, können aber nicht zusammen sein, weil Liebe die Vampire des Weißen Hofes tötet.

Ihre Beziehung ist eher tragisch, was in der Geschichte durch den Schal veranschaulicht wird, den Justine trägt, um zu verhindern, dass Thomas ihre nackte Haut berührt. Dann kommt die Münze der gefallenen Engel ins Spiel. Wenn man sieht, wie Thomas die Münze betrachtet, weiß man, dass er einen großen inneren Kampf austrägt, der niemals enden wird. Die Münze ist die Versuchung, all seine Probleme zu lösen, und ironischerweise ist das Tragen von Handschuhen, um den Schal nicht mit der Haut berühren zu müssen, auch der Grund, warum er die Münze nicht in die Hand nimmt.

Harry Dresdens dunkle Fälle werden seit einigen Bänden immer erbarmungsloser, die Einschläge kommen immer näher, und was Butcher mit seinem leichtfüßigen, actiongeladenen Stil in die Gesamtgeschichte packt, ist wirklich beeindruckend.

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