»Ein großer Mann, der leider keine Ratte war – also nicht so richtig«, fuhr Fridolin fort, »kam der Sache schon ziemlich nahe. Das ist lange her. Obwohl der Mann Grieche war, hieß er so wie das spanische Wort für Teller. Er hieß also Plato, und er sagte, dass hinter allem eine Idee stecken muss. Nimm mich! Ich bin eine Ratte – gut, okay, ich bin eine Albinoratte, gehöre aber zu den Wanderratten, bin also eine mus norvegicus. Bevor es irgendeine Ratte gab, war da die Idee der Ratte in der Natur, sozusagen die Kuchenbackform. So eine Kuchenbackform gibt es von allem, von jeder Pflanze und jedem Tier.«
Brunswick ist in den dunklen Gefilden der Leidenschaft zu Hause. Es sei möglich, im Blut zu lesen, behauptet er, hat sein Kunststudium abgebrochen, um sich den Tableaus hinterlassener Installationen zu widmen, die, wenn man den Standpunkt teilt, abscheuliche Verbrechen darstellen, aber wie alles, was der Mensch in Angriff nimmt, künstlich erscheinen, es sei denn, es handelt sich um Vatermord, aus dem in Darwins Urhordentheorie die Zivilisation erwuchs, die sich wiederum zu diesen beeindruckenden Gebilden befähigt zeigt. Stets tauscht Brunswick das Wort Mörder gegen Künstler, spricht von Arrangements und nicht vom Tatort – und wird deshalb von seinen Kollegen gemieden, gerät nicht selten selbst in den Verdacht, sich der Kriminalistik nur deshalb genähert zu haben, um jene Bluthochzeiten (wie er manche Tableaus zu nennen pflegt) nicht selbst ausrichten zu müssen, um aber nahe dran zu sein, sozusagen in der Tat zu stehen, geschweige denn vom Blutgeruch betört über einer Interpretation zu schweben, die ihn oft auf unerklärliche Weise den Künstler spüren und aufspüren lässt.