Stille

A: Fangen Sie einfach an. 
D: Ich habe Angst.
A: Vor was?
D: Vor nichts.
A: Was ist nichts?
D: Die Ungebärde. Der musiklose Automat. Laute Frauen zerstückeln Orpheus.
A: Haben Sie das denn gesehen?
D: Ja! Sie nicht?
A: Wieso sind die laut?
D: Sie kennen die Stille nicht. Stille ist Empfang.
Ich empfange dich in meiner Stille. Ich zerstückele dich nicht.
Nicht in meinem Haus. In meinem Hauthaus hält die Sprache an.
Bewegen sich Zweige. Bewege ich mich.
Manchmal instabil. Weil Lärm droht.
A: Was für Lärm? Und wieso droht er Ihnen?
D: Applaus!
Weil die klatschen und applaudieren wollen.
Weil sie analysieren wollen, was von der Musik übrig geblieben ist.
Für ihr Gehör.
Deswegen sind die so laut, wenn sie ihn zerstückeln.
Sie hören die Musik der Stille nicht mehr.
Nicht den Wald. Nicht den Berg. Das Meer. Die Wüste.
Sie müssen selbst laut sein.
Sonst sind sie nirgends.

Ähnliche Beiträge

  • Nebelversailles

    Wenn man die Erzählungen nicht bricht, kommt immer das gleiche dabei heraus, ein Pfad, der sich nicht ändert, noch nicht einmal die Sohlen nutzen sich ab, keine Blume verwelkt und es wird auch keine neue geboren, die Ermüdung setzt ein und die Fähigkeit, das Wunder zu gestalten, verschwindet wie das Nachbild eines Blitzes, so schnell wie es gekommen ist, aber eigentlich zurückgelassen wurde, damit wir ihm folgen. Es gibt da die Sage vom Regenbogen, aber ist es denn wirklich ein Regenbogen?

    Verlier‘ nicht deinen Kopf, Marie, denn irgendwann da könntest du ihn brauchen.

    Es ist sehr schön, dass ihr mich besucht; seht, ich bin kaum vom Wetter gegerbt, wie lebt es sich in eurer einsamen Zeit?

    Einst besuchten mich zwei Engländerinnen im Garten, wie war noch ihr Name, ich beachtete sie kaum. Das Verschwinden einer Welt zugunsten einer anderen, wir schaffen Platz, um uns nicht an den Schultern zu berühren, während wir durch den traumhaften Nebel wandeln, die Spiele der Gewalten uns voraus.

    Die Zeit ist ein Feld, ein Acker mit Gebäuden, in den Gebäuden Parzellen und ein Keller und ein Boden; oben und unten sind identisch, aber unten und oben sind es nicht.

  • Generator

    Ist der Generator all dessen
    was wir gleich vorfinden
    noch nicht gestartet worden

    kein Wetter, kein Klingeln

    ohne ihn gibt es nur den
    unerforschten Schlaf
    aller Dinge
  • Tee anstatt Insektengift

    Seit die Erde rotiert und durch eine dunkle Kartonage schlingert, dreht sich alles um dieses Insektengift, das auf jedem Altweibertisch vor sich hin dampft, schwarz wie ein Sumpfloch, saubitter und mulchig wie ein Maul voller Blumenerde, kurz bevor der April die Rentner in den Garten lockt. Selbstverständlich kann man sich Kaffee auch auf die Haut schmieren, wenn die vor lauter Allergie aussieht wie eine billige Pizza, und muss nicht nur fette Schnecken von den noch fetteren Erdbeeren? abhalten. Man will, so dünkt es mir, gar nicht an die eigentliche schwarze Brühe ran, sondern an das, was drin ist, im Kaffee also das Koffein, bei dem die Basedowschen Kranken zwar mit Pulsbeschleunigung, Herzklopfen und folgender Gedankenflucht, Nervosität, und quälender Schlaflosigkeit reagieren, das gesellschaftliche Leben aber nahezu still stehend würde.

    Ja, ich schwadronierte einst über unsere steinbrüchig gewordene Kaffeekultur, und bin noch immer davon überzeugt, dass manche Mauken wieder nach frisch geschleuderter Butter duften, wenn man das, was vom Weiberkranz übrig geblieben ist, in ein Fußbecken quirlt.

    Als Höllenweib gesunder Praxis beobachte ich natürlich sehr genau, was sich im Land der Dichter, von denen ich bestochen werde, so tut – und, was soll ich sagen: da zeichnet sich eindeutig ein Trend nach englischem Vorbild ab. Theophyllin bringt, wie alle Welt bezeugen kann, ein langes Leben in jede echte Queen hinein. Und wer möchte nicht, gebückt und runzlig, gewandet in bunte Farben und steinalt, noch so eine rüstige Fotografie abgeben?

    Ob im Palast auch wirklich Twinings of London auf den schicken Tischen in den noch schickeren Kesseln zieht, vermag ich nicht zu sagen, obwohl ich gerade bemerke und mich frage, warum ich dort noch nie geladen war; gesagt aber werden kann, dass es hier in Dichters Grüften solch ein Getränk – von mir höchstselbst bereitet – zu jeder Tag und Nachtzeit gibt. God save Tee-in.

  • Wir bezahlen den Wein natürlich

    Der Empfang, dem man dem Triumphator bereitet, währt kurz, Io Triumphe, Thriambos, gesiegt hast du, Bacchus! Wolf zwitschert auf einem Grashalm ›Mull of Kintyre‹, die anderen sehen lieber zu, dass sie weg kommen: da brandet bereits der Ärger mit einer Schürze bekleidet heran, naht in Form einer Donnerwolke. Bloß zurück, zurück zu den Strohbundhäusern!

    Adam verteilt die Flaschen, der schwarze Asphalt gibt ihren derben Tritten Geschwindigkeit.

    »Wir bezahlen den Wein natürlich!«

    Mehr lesen „Wir bezahlen den Wein natürlich“