Die Ankunft des Genies

Wild kam der Mond um die Ecke gerudert, eine farbige Wolkenbank dazu nutzend, nicht in die schattigen Giebel der Häuser zu donnern. Er war eindeutig zu schnell, das Himmelzelt glatt um diese Zeit. Dann aber fing er sich, zunächst in den Ästen der alten Ulme, die, unsichtbar, weil unter der Erde, mit ihrem Wurzelwerk den Fluss vorwärts trieb, und trat dann, Halt gefunden habend, seinen abendlichen Dienst an. Der gute Nachtwächter, ein verlässlicher Kumpan der leeren Räume da oben, entdeckt so manch frivoles Geschehen, aber er schweigt als Lampe und als Geheimnisträger. Cornelius dient er als Grund dafür, wach zu liegen.

einst fror
ein Stein mit seiner Brut
und log
das Alter an, will mich
zur Feuerstelle quälen
ein Tropfen
Flammenhaar

»Wörpünnich?« Was; mein Maul wie zugenäht?! Wie Honig, der die Waben hält, das Kupferleuchten: Wachs-nichts-als-Wachs! Dann aber hülft ein kleiner Spotze=Strudel, schon gehtʼs besser: Wer also … »bin ich?«
Ich sehʼ doch, wie du da im Kessel rumwalkst; antworte mir!
Die Ankunft des Genies: 3 Tage focht man um das Kind, das ganz blau von Atemnot ins Jammertal des Lebens kroch – und wirklich kann man von kriechen sprechen – ›Ich hab ein Kind gekriecht‹ –, sozusagen; oder auch: ›Das Kind – ein Krieg!‹
Asphyxisches Wunder in der unhygienischen Wochenstube, in der die Schneeschlappen trocknend herumlagen, was bist du ein garschtʼges Leben! Willst neues Leben willkommieren und statt warmholder Paradiesik istʼs, als gebäre man im Scheißhaus des ganzen Universums. Aber: ein Genie! – man siehtʼs schon an den schwarzen Augen!
Die Physiognomie der Böhmen, die Gestalt großer, unbeirrbarer Bäume; ein Egerländer auf altfränkischm Bodn. Der Vater: Damenschneider der Franzosen, so dass der Bub das Dämelgen ›Grippe‹ (Gripine von Lyon) beinahe einmal nackert zu sehen bekam.
Das Verbotene hangt an uns wie eine ewige Versuchung. Und wenn wir uns gegen das Elysium nicht wehren, baden wir alsbald im Wein.
Wenn das Schöne die Verdammnis ist, dann bin ich gern der Heizer der Höllengestade! Mein Sinn geht nach Wärme und den schmackigen Schenkeln, aber freilich werd ich mein Zimmer in einem Herzen nehmen, verantwortlich sein für das rosane Blut in den Lippen der schwellenden Jungfrau, der ich beiwohne. Wann ich nur erst Alchymist geworden!

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  • Der Horcher

    Die neuen Tage beginnen nicht so wie die alten enden.
    Jemand hat das Interieur verändert, die Kabelage ist
    Durch fremde Mauern gezogen, die Venuslampe scheint.
    Über unzählige Stufen gepoltert trifft derjenige ein,
    Den sie den Horcher nennen. Er steigt aus der Fassade,
    Die ihn wie mit einem Fahrstuhl nach oben brachte.

    Geweihe zeigen nach Norden, was die natürliche Ansicht unterstreicht.
    Pläne werden aufmerksam studiert, kein Wort fällt
    Zu Boden, sondern in ein dafür installiertes Sicherungsgitter.
    Geflohen sind wir längst, nur scheint uns jetzt
    Zusätzlich die Sonne ins Gesicht, was die Arbeit sichtlich erschwert.

    Die Sätze sind abhängig von den großen Laternen, pausenlos
    Ausgespuckte Routine wäre ein Wort dafür, das der Horcher verwendet
    hätte.
    Ohne Gefühl der Zweckbindung an den Türen vorbeigehen,
    Die atmosphärischen Störungen von jenem Weizen zu trennen,
    Das nicht in ein Brot fährt, die zarten Verwehungen anzuerkennen,

    Ohne Gegenwehr, ohne einen Wimpernschlag in Anspruch zu nehmen.
    Selten haben wir unsere Tage wie vorgesehen verbracht,
    Ungesehen, Staubteufel auf einem Friedhof in der Nacht.